Hummer besser im Spätsommer oder Herbst essen

Mit den Festtagen kommt auch die Hummersaison – und damit das Resultat langen Leidens auf den Tisch. Denn Fangsaison auf Hummer ist nicht im Winter. Hummer werden an den Küsten des Nordatlantiks Amerikas und Europas im Spätsommer und Herbst gefangen. Um die Hummer den Gourmets „frisch“ aufzutischen, werden die lebenden Tiere wochen- bis monatelang gelagert. Dabei werden die in der Natur als Einzelgänger lebenden Hummer mit zusammengebundenen Scheren dicht an dicht gepackt. So werden sie gekühlt gehalten, bis sie endlich krepieren dürfen, meist in siedendem Wasser. Der Verein fair-fish rät, auf Hummer und andere Krebse zu verzichten. Solange nicht schonender mit diesen Tieren umgegangen werde, sei es weder ethisch noch qualitativ vertretbar, sie zu essen.

Bei kühlen Lagertemperaturen litten die Tiere weniger, wird gern behauptet. Ebenso beliebt ist die Behauptung, Hummer und andere Krebse seien sofort tot, wenn sie schliesslich in siedendes Wasser gegeben werden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen aber: Hummer, Langusten und andere Zehnfusskrebse empfinden Schmerz, und zwar auch in kühler Umgebung. Die lange und enge Gefangenschaft bedeutet für sie Dauerstress und Qualen. In siedendem Wasser ist ein Hummer je nach Grösse erst nach 15 Sekunden bis 7 Minuten tot. Kalt aufsetzen und dann zum Sieden bringen macht die Qualen nicht geringer. Das Tiefgefrieren von Hummer vor dem Kochen ist ebenfalls keine schmerzlose Methode; die Betäubung tritt nur langsam ein. Selbst das Zerschneiden der Nervenzentren wird von Wissenschaftern als untaugliche Methode beurteilt: Sie verlangt viel Wissen und Können, und in der Praxis dauert es zu lange, bis der Krebs unter Schmerzen endlich bewusstlos ist.

Alternative wäre marktreif


Die einzig vernünftige Alternative heisst: Hummer und andere Krebse gleich nach dem Fang töten. Eine hierfür in England entwickelte Anlage betäubt und tötet die Tiere mit Strom, anschliessend werden sie gekocht und tiefgefroren. Das Fleisch dieser Tiere zeichnet sich durch besseren Geschmack und festere Textur aus. Zudem sind durch den Strom auch die Bakterien abgeötet, welche bei lebend gelagerten Krebsen nachträglich mit Chemie oder Bestrahlung bekämpft werden müssen. Uebrigens: Schön rot werden beim Kochen auch sofort getötete Hummer.

Die in England entwickelte Anlage ist bislang in drei Fischfabriken in Betrieb, welche den britischen Markt beliefern. Auf dem europäischen Festland sind Hummer aus solch schonender Produktion leider noch nicht erhältlich. Der Verein fair-fish, der sich für nachhaltige Fischerei und rücksichtsvollen Umgang mit den gefangenen Tieren einsetzt, rät daher zum Verzicht auf Hummer und andere Krebse. Fleisch gequälter Tiere sei ein fragwürdiger „Genuss“, meint fair-fish. www.fair-fish.ch

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