Eckart Witzigmann

Eckart Witzigmann über Kochshows im TV: „Mit der Arbeit am Herd wird niemand reich“

Die Klasse von Köchen wird heute an der Zahl der TV-Auftritte gemessen

Ohne die Prominenz und Merchandising-Erlöse aus den TV-Auftritten würden viele Köche wirtschaftlich kaum über die Runden kommen. Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin ‚impulse‘ (Ausgabe 11/2009, EVT 29. Oktober) sagte der Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann, „mit der Arbeit am Herd wird niemand reich – der Spruch ‚viel Arbeit und wenig Brot‘ könnte für unsere Zunft erfunden worden sein“. Vernünftiges Geld, so Witzigmann, verdiene man letzten Endes nur durch Werbung und Lizenzprodukte. „Dafür muss man aber einen gewissen Status erreicht haben und sehr präsent sein.“ Die Masse an Köchen, die sich jeden Abend am eigenen Herd die Seele aus dem Leib kocht, würde von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.

Witzigmann verglich das Geschäft der Köche laut ‚impulse‘ mit dem der Kabarettisten. Erst wenn sie sich über TV-Auftritte mediale Präsenz verschaffen, strömen die Massen und lassen den Wohlstand ausbrechen. Heutzutage werde die Klasse eines Kochs in einer anderen Währung gemessen: an Fernsehauftritten, Event-Shows und Partnerschaften mit Nahrungsmittel- und Küchengeräteherstellern. „Jeder, der es schafft, heiß und kalt zu unterscheiden, gilt sofort als Star“, so Witzigmann.

Der ganze Hype um die Koch-Shows habe aber „einen entscheidenden Pferdefuß“, erklärte Witzigmann. „Noch nie wurde in den Medien so viel über Ernährung, Kochen und frische Produkte schwadroniert, und noch nie wurden so viel Tiefkühlkost und Fertigprodukte gekauft“, klagte der im November vor 30 Jahren als erster vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnete deutschsprachige Koch und fügte hinzu: „Kochen verkommt zu einer Durchgangsmode ohne jede Nachhaltigkeit.“

Derzeit befinden sich Professor Witzigmann und Ralf Bos auf Äthiopien Tour, um dort die von den meist ganz normalen Köchen eingesammelten Spenden richtig einzusetzen. Mehr Infos unter www.skfa2009.de

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