Alkopops in Pulverform

Sie steht unter strenger Beobachtung von Verbraucherschützern und Gesundheitsexperten, ist ein Nischenprodukt und eine Reaktion auf die Sondersteuer vom August 2004: die neue Alkopop-Brause. Im vergangenen Herbst geisterte sie erstmals durch die Medien – lange bevor es das Pülverchen zu Kaufen gab. Die Produzenten hatten ihre Öffentlichkeitsarbeit mit einigem Übereifer betrieben.
Inzwischen kann ein Karton mit 15 Beuteln zum Preis von 29,85 Euro im Internet bestellt werden. Zur Auswahl stehen die Varianten Tropical White Rum, Limette White Rum, Blackberry Wodka und Blutorange Wodka. „Je nach Geschmack in 0,25 – 0,275 Liter eiskaltes Wasser geben, kräftig umrühren und… natürlich trinken!“ So die Empfehlung auf der pechschwarzen Verpackung. Die Mischung ergibt einen Drink mit etwa 4,8 Promille Alkohol.

Bislang scheint sich das Pulver in Szenekreisen nicht durchgesetzt zu haben. „Man spürt die Wirkung des Alkohols gar nicht“, urteilt David (21) aus München abschätzend. Gerade das aber finden Experten alarmierend. Was, wenn Kinder zur vermeintlich harmlosen Alko-Brause greifen? „Schon zwei Tütchen können ein Kind von knapp 30 Kilogramm Körpergewicht in komatöse Zustände fallen lassen“, warnt Dr. Claudia Bauer-Christoph vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Ich gehe jede Wette ein, dass Schüler auch mehrere Portionen Pulver gleichzeitig in ein Glas Wasser rühren würden. Der Alkoholgehalt kann dann ganz schnell auf über 20 Prozent steigen“, so die Prognose des Gesundheitswissenschaftlers Professor Dr. Klaus Hurrelmann aus Bielefeld.

„Weil die neue Sondersteuer nur für Getränke gilt, betrifft sie das Pulver nicht. Auch nicht, wenn es ein alkoholisches Getränkepulver ist“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Christofer Eggers von der Kanzlei Mayer, Brown, Rowe & Maw. Ein Sprecher des Verbraucherministeriums stellt aber in Aussicht, dass solche Gesetzeslücken gestopft werden, falls sich Produkte wie das Alko-Pulver tatsächlich einen Markt verschaffen: „Wir behalten das im Auge. Sollte sich ein Ausweichtrend zu diesem Pulver ergeben, werden wir über weitere Schritte nachdenken.“ Johanna Tüntsch, aid

Mehr Informationen: www.was-wir-essen.de/verbraucher/5285.cfm

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