Diabetes-Risiko-Tests im Vergleich

Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) haben erstmals alle bislang publizierten Diabetes-Risiko-Tests systematisch erfasst und miteinander verglichen.
Während einige Tests nur Angaben zum Alter, zu Körpermaßen und zum
Lebensstil abfragen, basieren andere Tests (zusätzlich) auf der Abfrage
klinisch-biochemischer Daten. Nach den Resultaten der neuen Studie
bestimmen trotz der methodischen Unterschiede eine Reihe von Tests das
Diabetes-Risiko einer Person recht genau. Oft verlieren sie aber an
Genauigkeit, wenn sie in Bevölkerungsgruppen angewendet werden, in denen
sie nicht entwickelt wurden. Angaben zu genetischen Daten verbesserten
die Risikovorhersagen nur unwesentlich.

Das Wissenschaftlerteam um die beiden Epidemiologen Matthias Schulze
und Brian Buijsse vom DIfE publizierte die Studie nun in der
Fachzeitschrift Epidemiologic Reviews (Buijsse et al., 2011;
doi:10.1093/epirev/mxq019).

Typ-2-Diabetes (Alterszucker) erhöht das Risiko für Herzinfarkt,
Schlaganfall und einen frühzeitigen Tod und ist einer der Hauptursachen
für Nierenversagen, Erblindungen und Amputationen. Verschiedene Studien
belegen, dass sich ein Ausbrechen der Erkrankung durch einen gesunden
Lebensstil oder durch geeignete Medikamententherapien vermeiden oder
zumindest verzögern lässt. Daher haben bereits mehrere Staaten
Diabetes-Präventionsprogramme gestartet, wobei individuelle
Interventionsmaßnahmen hauptsächlich auf Hochrisiko-Personen
ausgerichtet sind. Diese werden derzeit meist mithilfe eines oralen
Zuckerbelastungstests identifiziert. Reihenuntersuchungen solcher Art
sind jedoch wenig praktikabel und sehr teuer. Daher haben
Wissenschaftler in verschiedenen Ländern Risiko-Tests entwickelt, die es
erlauben sollen, das Diabetes-Risiko von noch nicht erkrankten Personen
kostengünstig, aber dennoch sehr genau und flächendeckend zu bestimmen.

Ziel der vorliegenden Studie war es, alle wissenschaftlichen Daten zu
den bis dato veröffentlichten Risiko-Tests zu sammeln und miteinander zu
vergleichen. Zudem sollte die Studie darlegen, wie gut einzelne
Risiko-Tests auch in anderen, ethnisch unterschiedlichen
Bevölkerungsgruppen funktionieren. Die Wissenschaftler verglichen
Diabetes-Risiko-Tests aus den USA, Mexiko, Australien, Indien, Taiwan,
China und verschiedenen europäischen Ländern, u. a. auch Deutschland.


„Nach unseren Ergebnissen war die Leistungsfähigkeit der Tests oft
eingeschränkt, wenn sie in Bevölkerungsgruppen überprüft wurden, in
denen sie nicht entwickelt worden waren. Für Präventionsprogramme ist es
deshalb sinnvoll, Risiko-Tests zu nutzen, welche die ethnischen
Besonderheiten der zu untersuchenden Bevölkerungsgruppe berücksichtigen
und entsprechend validiert wurden“, sagt Matthias Schulze, der die
Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE leitet.

Wie die Studie auch zeigt, beruhen die meisten Risiko-Tests auf
Informationen zu nicht-veränderbaren Risikofaktoren. Zu diesen zählen
das Alter, das Geschlecht oder eine familiäre Vorbelastung mit Diabetes.
Tests, welche eine Reihe veränderbarer Lebensstilfaktoren
berücksichtigen, waren eher selten. „Solche Tests eignen sich jedoch
besser, um Personen dazu zu motivieren, ihren Lebensstil zu verändern,
denn sie zeigen, was man tun kann, um sein Risiko zu vermindern“,
erklärt Brian Buijsse, Erstautor der Studie. Ebenso belegt die
Untersuchung, dass Tests, die ohne eine Abfrage klinischer Daten
auskommen, in ihrer Vorhersagekraft verbessert werden können, wenn sie
zusätzlich einfache, routinemäßig erfasste klinische Messwerte wie den
Blutzuckerwert berücksichtigen.

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