Biomarker Fetuin-A

Biomarker Fetuin-A

Genetische Daten sprechen dafür: Der neue Biomarker Fetuin-A
beeinflusst direkt das Infarktrisiko

Wissenschaftler des Deutschen Instituts für
Ernährungsforschung (DIfE) haben kürzlich zusammen mit Ärzten der
Universität Tübingen einen neuen Biomarker identifiziert, mit dem sich
das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhersagen lässt. Bei dem
Biomarker handelt es sich um Fetuin-A, ein ins Blut abgegebenes
Leberprotein. Eine Auswertung genetischer Daten von 2.520 Erwachsenen
spricht nun dafür, dass der Fetuin-A-Spiegel im Blut das
Herzinfarktrisiko direkt beeinflusst. Er erlaubt somit nicht nur
Vorhersagen, sondern könnte sogar einen neuen Ansatzpunkt für Therapien
darstellen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam um Cornelia Weikert
vom DIfE.

Die Studie, zu der Eva Fisher vom DIfE und Norbert Stefan vom
Universitätsklinikum Tübingen* maßgeblich beigetragen haben, wurde
online in Circulation Cardiovascular Genetics publiziert, einer
Fachzeitschrift der American Heart Association (Eva Fisher and Norbert
Stefan et al. 2009, DOI: 10.1161/CIRCGENETICS.109.870410).

Bereits vor kurzem hatten die Forscher aus Potsdam-Rehbrücke und
Tübingen gezeigt, dass sich anhand des Fetuin-A-Spiegels das
Herzinfarktrisiko vorhersagen lässt. Nun wollte die Gruppe um Cornelia
Weikert klären, ob Fetuin-A „lediglich“ als ein Marker für den
Herzinfarkt zu verstehen ist oder das Risiko sogar ursächlich mit
beeinflusst.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, führten die Wissenschaftler
genetische Untersuchungen durch. Grundlage für diese Analysen bildeten
die Daten der Potsdamer European Prospective Investigation into Cancer
and Nutrition (EPIC) – Studie. Diese ist eine große Bevölkerungsstudie,
welche die Zusammenhänge zwischen Ernährung und dem Auftreten von
Erkrankungen untersucht. Die Forscher werteten die Daten von insgesamt
2.520 Studienteilnehmern aus. Während der Beobachtungszeit von
durchschnittlich acht Jahren trat bei 214 der Teilnehmer erstmals ein
Herzinfarkt auf.

Die Wissenschaftler untersuchten fünf natürliche Varianten** des
Fetuin-A-Gens hinsichtlich ihrer Effekte auf die Fetuin-A-Konzentration
im Blut und auf das Infarktrisiko. In der Tat konnten die Forscher
zeigen, dass diese Varianten die Höhe des Fetuin-A-Spiegels
beeinflussen, wobei die C-Variante-rs4917 den stärksten Effekt aufwies.
Je nachdem, ob ein Studienteilnehmer nur eine oder zwei Kopien dieser
Genvariante von seinen Eltern geerbt hatte, erhöhte sich allein
hierdurch sein Fetuin-A-Wert um zusätzliche 35,5 beziehungsweise 71
Mikrogramm pro Milliliter. Ebenso wirkte sich diese Variante direkt auf
das Herzinfarktrisiko aus. Statistisch betrachtet, stieg mit jeder Kopie
dieser Variante das Risiko um 34 Prozent an.

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein kausaler Zusammenhang
zwischen dem Fetuin-A-Gen, der Fetuin-A-Menge im Blut und dem Risiko für
einen Herzinfarkt besteht. Ein erhöhter Fetuin-A-Spiegel könnte daher
ähnlich wie ein zu hoher Cholesterinspiegel das Herzinfarktrisiko direkt
steigern. Damit wäre es auch denkbar, das Herzinfarktrisiko zu senken,
indem man die Fetuin-A-Werte im Blut vermindert“, erklärt Cornelia
Weikert. „Wie dies erreicht werden kann und ob eine solche Maßnahme
therapeutisch sinnvoll sein wird, wissen wir nicht. Angesichts der
großen Zahl von Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, erscheint
es aber wichtig, die Forschung in diese Richtung zu verstärken“.

*Medizinische Klinik IV, Abteilungen Endokrinologie, Diabetologie,
Angiologie, Nephrologie und Klinische Chemie des Universitätsklinikums
Tübingen

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