„WeinArchitektur. Vom Keller zum Kult“

Höplers Weinräume als Teil der Ausstellung und des Buches
Ausstellungsdauer: 22.09.2005 – 06.02.2006
offizielle Eröffnung: Mittwoch 21.09.2005, 19 Uhr.

Höplers Weinräume in Winden.

Der Weg des jungen Christof Höpler, auf architektonische Details zu achten und das Thema Wein durch Rauminstallationen und interaktive Erfahrungsmöglichkeiten zu bereichern, schlägt sich nicht nur im Interesse der Besucher nieder. Die Kuratoren der Ausstellung „WeinArchitektur. Vom Keller zum Kult“ sind bereits in der Anfangsphase des Projektes an das Weingut Höpler herangetreten, um den österreichischen Teil der Ausstellung und des Buches mit einer innovativen Idee mehr zu erweitern. Und alle waren begeistert!

Um die Welt seiner Weine erlebbar zu machen, hat Christof Höpler Mitte Mai 2004 in Winden am See seine „Weinräume“ eröffnet. Im Gutshof des Weingutes Höpler wurde eine Weinerlebniswelt eingerichtet, in der, so Höpler, „die Welt des Weines mit allen Sinnen“ erfasst werden kann. Erlebt werden Farbe und Geruch, Töne und Geschmack, das Tasten und die überraschend unbekannte eigene Vorstellungswelt. Jeder Sinn wird angeregt, mit dem Thema Wein erfüllt, in dessen Welt entführt: durch Rauminstallationen und interaktive Erfahrungsmöglichkeiten und manch anderes mehr. Fotos finden Sie unter www.pov.at

Das Projekt.
Internationale Stararchitekten entwerfen und bauen heute weltweit spektakuläre neue Weingüter. Im Gegenzug dazu hat sich im Osten und Südosten Österreichs eine international einzigartige neue Szene der Symbiose von zeitgenössischer Architektur mit Weinbau konsequent bemerkbar gemacht. Die Ausstellung “WeinArchitektur. Vom Keller zum Kult” präsentiert erstmals eine fundierte österreichische Bestandsaufnahme, erweitert und kontextualisiert durch internationale Beispiele.

WeinArchitektur – Die Genese
Seit mehreren Jahren beobachtet das Architekturzentrum Wien die spannende Entwicklung des Verhältnisses von Wein und Architektur. Frankreich und das kalifornische Napa Valley läuteten in den 80er Jahren den Aufbruch in ein neues Zeitalter der WeinArchitektur ein: In einer Ausstellung im Centre Pompidou in Paris unter dem Titel “Chateau Bordeaux”(1988) wurde erstmals thematisiert, dass die kulturelle Vermittlung des Weines maßgeblich auch über Architektur erfolgt. In Kalifornien wurde gleichzeitig mit offensivem und publikumswirksamem Marketing nach neuen Konzepten gesucht und die Vermarktung mit Hilfe von Architektur gestartet. Die zentrale Botschaft lautete: Wein ist nicht Alkohol, Wein ist Kultur. Zeitgleich machte Österreich 1985 mit dem Weinskandal international Schlagzeilen. Die Folge war, dass jene Winzer, die auf Qualität setzten, sich verstärkt international positionierten, um das Renomée des österreichischen Weines zu heben. Zusätzlich haben der Generationswechsel in vielen Weinbaubetrieben, eine Orientierung an international gültigen Produktions- und Qualitätsstandards, eine Umstrukturierung der Betriebe (vom Teilerwerb zum Vollerwerb), sowie regionale oder EU-Förderungen als zusätzlicher Stimulus zur Entscheidung vieler Winzer geführt, ihren Betrieb baulich zu vergrößern oder zu verändern. Marketing-Aspekte und architektonische Corporate Identity spielten dabei keine bedeutende Rolle, vielmehr ging es darum, ein architektonisches und funktionales Pendant entsprechend der Qualitätsweinerzeugung zu finden.

Das österreichische Weinwunder
Mit der Ausstellung “WeinArchitektur. Vom Keller zum Kult” proklamiert das Architekturzentrum Wien ein neues “Silikon Valley des Weins” in Österreich. Nicht länger die Garage dient der Kreation und dem Ausbau edler Tropfen von Gols bis Gamlitz, vielmehr bieten elegante Sichtbetonhallen und wohlgestaltete Holzboxen den Rahmen zum optimierten Produzieren, stilvollen Degustieren und angeregten Diskutieren. Das Kennzeichnende und Erstaunliche für die österreichische Situation ist die Vielzahl an in den letzten 20 Jahren entstandenen hochwertigen Projekten: Keine andere Branche ist in einer derart herausragenden Dichte die erfolgreiche Allianz mit zeitgenössischer Architektur eingegangen wie die der österreichischen Weinbauern. So wie im 19. Jahrhundert die Industrialisierung mit ihren Fabriken ganze Landstriche durch ihre Bautypologien neu definierte, hat heute die österreichische Weinwirtschaft eine regionale baukulturelle Identität geschaffen. Die Zusammenarbeit von Winzern mit Architekten begründet sich zum einen auf der Tatsache, dass veränderte technische Standards neue Räume mit einer hohen logistischen und technischen Komplexität erforderten, und für diese vielschichtige Aufgabe professionelle Partner gefunden wurden. Zum anderen haben sich junge ArchitektInnen nach ihrem Studium in Wien oder Graz auf ihre regionalen Wurzeln rückbesonnen und zeitgenössische Architektur in die Regionen getragen. In einigen Fällen kamen Architekten als Kunden und Weinbauern über Weingenuss und Profession ins Gespräch. Drei österreichische Architekten (Hempel + Fonatti, Anton Mayerhofer und Werner Schüttmayr) waren maßgeblich daran beteiligt, die neue Bautypologie zu formulieren und eine Zusammenarbeit mit Winzern beispielhaft zu etablieren. Die Projekte haben sich von den Funktionsbauten der frühen 90er Jahre, die den von den Winzern präzise formulierten Produktionsorganigrammen folgten, hin zu immer innovativeren und experimentellen Bauten entwickelt. Die breite Basis in der von Winzern beauftragten Architektur hat die heutigen Spitzenleistungen erst ermöglicht. Rund 60 bislang realisierte Projekte engagierter Architektur im Burgenland, in Wien, Niederösterreich und der Steiermark übersetzen die neue, selbstbewusste Kultur des Weines räumlich. WeinArchitektur ist heute ein Abbild der jungen und zeitgenössischen, regionalen Architekturproduktion im Osten Österreichs.

Die Ausstellung
Bereits das Leitmotiv der Ausstellung thematisiert den wahren Hauptakteur, der Wein und Architektur zu einer Einheit fügt: die Landschaft. Ihre topographischen Gegebenheiten und regionalen Unterschiede zeichnen sowohl für die Vielfalt an differenzierten Nuancen des österreichischen Weines als auch für ein breites Spektrum ortsspezifischer und individueller architektonischer Konzepte verantwortlich. Eine inszenierte Landschaft aus Vitrinen, die den linearen Aufbau eines Weingartens nachempfindet, dient als Display in der Ausstellung im Az W. Großformatige Spiegelwände an den Stirnseiten des Raumes führen diese abstrakte und erleuchtete Landschaft optisch ins Unendliche. In regionalen bzw. thematischen Schwerpunkten werden die einzelnen Bauten und architektonischen Interventionen vorgestellt, wobei die Präsentation der Projekte durch vielfältige Materialien wie Pläne, Fotos, Modelle und Skizzen, aber auch Weinflaschen, Etikettenserien oder die graphische Selbstdarstellung des jeweiligen Weinguts ergänzt und erweitert werden. Neben einer differenzierten Bestandsaufnahme der kulturellen Situation und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich seit den 80er Jahren gibt ein Überblick von rund 20 internationalen Bauten für den Wein Auskunft über die Entwicklung vom Schlossweingut zur High-Tech-Factory.

Das Buch.
Im Rahmen der Ausstellung wird erstmalig ein umfassender Überblick über das breite Spektrum innovativer und qualitätvoller Bauten für den Wein gegeben, die in den letzten 20 Jahren in Österreich und darüber hinaus entstanden sind. Die Publikation « WeinArchitektur. Vom Keller zum Kult » stellt die herausragenden architektonischen Beispiele anschaulich vor und zeichnet ein differenziertes Bild der kulturellen Rahmenbedingungen, die im letzten Jahrzehnt zu einem wahren Bauboom in Österreich geführt haben. « WeinArchitektur » – ein Standardwerk für jeden Weinliebhaber und Architekturinteressierten.
Mit einem Vorwort von Dietmar Steiner, Textbeiträgen von Christian Seiler, Ralph Eue, Kerstin Gust, Martina Grabensteiner und Marion Kuzmany; Graphische Gestaltung: Susanne Klocker, LIGA; 242 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, deutsch/englische Ausgabe, Format: 20,5 x 26,5 cm, Hardcover; Herausgeber: Architekturzentrum Wien; Verlag: Hatje Cantz, Ostfildern, 2005 / ISBN 3-7757-1687-4, Preis Euro 32,-

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