Erste Öko-Region der Welt soll in Libyen entstehen

Die erste Ökoregion der Welt
soll auf einer Fläche von 550.000 Hektar im nordafrikanischen Libyen
entstehen. Die Region Green Mountains umfasst neben der Mittelmeer-Küste
auch noch Wälder, die sich landeinwärts erstrecken. Für das Vorhaben
zeichnet das renommierte Architekturbüro von Norman Foster
verantwortlich, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in
seiner Online-Ausgabe.

Wirtschaftlich arm, aber kulturell reich – mit diesen Worten wird Jabal
al Akhdar, das antike griechische Handelszentrum, beschrieben. Heute
herrschen in der Region bittere Armut, Arbeitslosigkeit um 30 Prozent
und extreme Trockenheit. Der Grundwasserspiegel ist hier in den
vergangenen 15 Jahren um 200 bis 600 Meter gesunken. Zu schaffen macht
der Region auch der Verlust der Vegetation: 500.000 Hektar Wald gab es
hier einst, 20 Jahre später waren es nur noch 180.000 Hektar. Die
antiken Ruinen der einstigen Wirtschaftsmetropole, die zum
UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurden, sind nicht bewacht und dadurch
häufig Opfer von Dieben. Geht es nach den Plänen von Saif al-Islam
Gadaffi, dem Sohn des Revolutionsführers, soll das schon bald der
Vergangenheit angehören.

Anfang der Woche wurden die Pläne der Green Mountain Conservation and
Development Authority, die Schirmherr über das Projekt ist, in der
antiken Stadt Cyrene im Herzen der Green Mountains vorgestellt. Foster
and Partners http://www.fosterandpartners.com , die schon Meilensteine
wie etwa das „Gherkin“-Gebäude in London oder den Berliner Reichstag
gestaltet haben, sind beauftragt worden hier tätig zu werden. In den
kommenden Jahren soll ein Nationalpark, ein Ökokraftwerk basierend auf
erneuerbare Energien, eine nachhaltige Landwirtschaft auf Basis einer
Meerwasserentsalzungsanlage sowie ein nachhaltiges öffentliches
Verkehrskonzept entstehen. Zudem setzt Libyen zunehmend auf
Fremdenverkehr, daher gehört in dieses Konzept auch eine ökologische
Hotelanlage, die zum Teil sogar in den Berg gebaut wird, um die
Landschaft zu erhalten und energetisch günstiger zu sein.

„Bis die regionalen Pläne von Fosters nicht fertig gestellt sind, können
wir gar nichts sagen“, meint Anthony Kleanthous, Sprecher des Green
Mountain Projekts. Anhand des Konzepts von Fosters soll deutlich gezeigt
werden, dass ein solches nachhaltiges Projekt in jedem afrikanischen
Land errichtet werden kann. Experten wie etwa Gordon McGranahan vom
International Institute for Environment and Development
http://www.iied.org in London ist nicht dieser Meinung. „Ein Projekt
dieser Größe kann kein Modell für andere afrikanische Länder sein, denn
es macht riesige Investitionen erforderlich und arme Länder können sich
das nicht leisten.“

Das gesamte Green Mountain Projekt wird von der libyschen Regierung
unterstützt. Laut New Scientist könnte das Projekt mehrere Milliarden
Dollar kosten. Partner werden aber auch die UNESCO sowie das
UNO-Umweltprogramm UNEP sowie private Unternehmen, die aufgerufen
werden, sich daran zu beteiligen. McGrahanan meint, dass trotz der
immensen Kosten ein solches Umweltprojekt nicht als unwürdig abzutun
sei. „Daraus kann man sowohl hinsichtlich der Technologien als auch der
Anwendungen für andere Projekte lernen“, stimmt Kleanthous zu. Dazu
gehöre etwa auch die Errichtung eines nachhaltigen öffentlichen
Transportsystems und die optimale Anwendung erneuerbarer Technologien
wie die Wahl der richtigen Biotreibstoffe. Nach Berichten in der
deutschen Zeitung „Die Zeit“ plant Libyen in den kommenden Jahren 26
Mrd. Euro in die Entwicklung des Tourismus zu investieren. (Wolfgang Weitlaner)

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