„Ovest“ im Westen Berlins

Restaurant- Tip

Der schwarzglänzende Hummer steht direkt vor dem Restaurant. Von 100 Fahrzeugen in der Umgebung sind ein Drittel schwere Geländewagen, ab VW Touareg und BMW aufwärts. Und natürlich ein paar nostalgische Käfer-Cabrios.

Insider wissen längst, wo wir uns befinden. In der Schlüterstraße, der derzeit angesagten Gourmetmeile der Stadt. Oder sollten wir sie lieber „Chi-Chi-Meile“ nennen?

Man muß sie schon mögen, diese spezielle Charlottenburger Mischung aus Kiezoriginalen, kleinen Sternchen, reichen Russen, alle untereinander in lauter Unterhaltung verbunden, in der jeder den anderen übertrumpfen möchte.

Wir sitzen im „Ovest“ auf der Terrasse, wo sonst? Rolf Eden geht lächelnd vorbei, David Goldberg sitzt ganz vorn an der Straße, Friseur Shan Rahimkhan unterhält sich an der Bar und Alessandro Mannozzi aus dem „Bocca di Bacco“ – das liegt an der Friedrichstraße, ist aber hier so was von weit weg! – fährt mit dem Fahrrad vor.

Das „Ovest“ ist die Sammelstelle des alten Berliner Westens. Was Wunder, der Restaurantname, aus dem Italienischen übersetzt, heißt nichts anderes als „Westen“.

Maurizio und Papa Fedele führen das Restaurant. Sein „Reste Fidèle“ war in den 90er Jahren einer der populärsten Plätze der Stadt, immer voll und eine sichere Anlaufstelle zum Spaßhaben, Wohlfühlen und Gut-Essen.

So ist es heute im „Ovest“. Die große Terrasse ist dicht an dicht besetzt, wie bei allen Restaurants der Straße, wie im „Adnan“, „Mondo Pazzo“, „Schlüter 52“, wie im „Pascarella“. Im „Ovest“ war bereits Francesco Fendi, der Sproß des legendären Mailänder Luxus-Konzerns, zu Gast, Michael Ballack und Christoph Metzelder speisten hier zur Fußballweltmeisterschaft.

Braucht es da überhaupt noch etwas zu Essen? Aber sicher, und das „Ovest“ bietet feinste italienische Küche, Lob und Komplimente hören wir von allen Tischen.

Das Carpaccio vom Oktopus (12,50 Euro) ist herrlich frisch, die hauchdünnen, lila-pinkfarbenen Scheiben des Carpaccio machen Lust auf mehr Vergnügen, die Portion sieht riesig aus, darunter ist allerdings raffiniert Rucola verborgen. Was für ein schöner Einstieg in den lauen Abend. Die fritierten Calamaretti mit Aioli (18,50 Euro) reichen locker für zwei als Vorspeise, sie sind so herzhaft, daß wir gar nicht aufhören können, sie zu vernaschen. Eine Gabelschlacht um die letzten Stücke entbrennt.

Das „Ovest“ bietet große Portionen. Die Pfanne mit den Calamaretti mit Kapern und schwarzen Oliven in pikanter Tomatensauce (18,50 Euro) sind rustikal-schwere Kost, aber wunderbar. Das Zanderfilet mit Parmesan und geschäumter Butter (15,50 Euro) wird provokativ in der Karte mit der Frage angeboten: „Fisch und Käse geht nicht?“ Natürlich geht es! Die Kombination hat fast Gourmet-Niveau, die feinen Parmesan-, Butter- und Zanderaromen vermengen sich wie die Erzählstränge eines langen Märchens aus dem Mittelmeer.

– Ovest
Schlüterstraße 47, Tel: (030) 881 14 79
Offen: 12-24 Uhr, So ab 18 Uhr
Karten: alle Plätze: 100
Fazit: Der Westen lebt. Die „Baristorante“ ist wie eine Muppet-Show aus dem alten Charlottenburg.

Autor Nikolas Rechenberg betreibt auch den Weinblogg in der WAMS:
www.wams.de/z/plog/blog.php/nikos_weinwelten

Print Friendly, PDF & Email
Sending
User Review
5 (1 vote)

2 Antworten auf „„Ovest“ im Westen Berlins“

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.