Pura Vida in Costa Rica

Wenn am 9. Juni die Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen wird, dann steht im Eröffnungsspiel Gastgeber Deutschland ein exotisches, kleines Land gegenüber, das in den vergangenen Jahren zum Geheimtipp urlaubshungriger Abenteurer und Naturliebhaber avancierte: Costa Rica.

Allabendlich versammeln sich hunderte Schaulustige am Fuße des Vulkans Arenal, um ein seltenes Naturschauspiel zu bewundern. Aufgrund der Äquatornähe verabschieden sich hier die Tage in wenigen Minuten, die Dämmerung bricht fast schlagartig ein und erst die Dunkelheit bietet die Bühne für das gleichermaßen natürliche wie atemberaubende Feuerwerk.

Im Minutentakt schleudert der Vulkan Lava in die Luft, die über den Westhang glühend heiß hinab fließt. Es ist still geworden rund um den aktiven Berg, der am 29. Juli 1968 explodierte, weite Landstriche verwüstete und seither nie wieder zur Ruhe kam. Nur vereinzelt hören wir staunendes Gemurmel in einem Sprachenwirrwarr, der auf die Internationalität der Touristen schließen lässt.

Bereits vor Stunden haben wir uns mit unserem Costa Ricanischen Führer auf den Weg durch den Regenwald zu einem der besten Aussichtpunkte begeben. Im Schutz der Nacht wirken die bunten Bilder des Nachmittags nach. Exotische Vögel, Pflanzen und Brüllaffen säumten die steile Schotterstrasse, die wir trotz vieler Schlaglöcher im Allrad-Jeep komfortabel abfederten. So begeisternd die Traumfabrik Hollywood einst die Abenteuer des Indiana Jones inszenierte, die Realität ist besser. Costa Rica vermittelt ein Freiheitsgefühl und offenbart sich als Sehnsuchtsland für Urlauber, die das ganz Besondere suchen.

Rund 1,5 Mio. Touristen strömen alljährlich in das kleine mittelamerikanische Land, das nicht viel größer als das deutsche Bundesland Niedersachsen ist. 70% der Reisenden kommen aus den USA, 30% sind Europäer – die Tendenz ist stark steigend.

Costa Rica, einst eine spanische Kolonie, bedeckt nur rund 0,01 Prozent der festen Erdoberfläche, beheimatet aber fünf Prozent aller Tier- und Pflanzenarten weltweit. Naturliebhabern offenbart sich nicht nur in den zahlreichen Nationalparks eine schier atemberaubende Vielfalt: 1000 Orchideen und 850 Vogelarten gilt es zu entdecken.

„Ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz“, erklärt Costa Rica-Experte Rainer Stoll, der sich mit seinem Freiburger Unternehmen „travel-to-nature“ und seinem Partner mapache-Tours als Spezialist für individuelle Reiseplanungen bereits vor Jahren hier etablierte.

„Costa Rica liegt seit Jahren im Trend und die unkomplizierte und vor allem sichere Art wie man das gesamte Land bereisen kann, stärkt den aktuellen Boom. Abwechslungsreich ist der Aufenthalt in jedem Fall: Aktive Vulkane, zwei Küsten, Pazifik und Karibik, atemberaubende Wälder, brodelnde Wasserfälle und die faszinierende Flora und Fauna locken insbesondere auch mehr und mehr Europäer.“

Eilig sollte man es in Costa Rica nicht haben. Auf unserer Reise quer durch das Land sorgen die schlechten Strassen und kaum vorhandene Wegweiser für genügend Zeit, um die Einzigartigkeit Costa Ricas zu inhalieren. Immer und immer wieder müssen wir uns nach unserer Route erkundigen und werden dabei förmlich angesteckt vom „Pura Vida“ – von der Freundlichkeit und Lebensfreude der „Ticos“, wie sich die Einwohner Costa Ricas selbst nennen.

Zu Recht gilt Costa Rica heute als „die Schweiz Mittelamerikas“, als sicheres Reiseland, das sich in seiner politisch-historischen Entwicklung immer sehr von den umliegenden, von Militärdiktaturen geprägten, Staaten unterschied. Bereits Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde das Militär abgeschafft, in den 1960ern und 1970ern entwickelte sich Costa Rica zu einem Wohlfahrtsstaat.

Heute werden rund 10% des Bruttosozialproduktes in das Gesundheitswesen investiert. Und auch der Bereich Bildung und Erziehung wurde stets gefördert: Bereits 1896 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt, die Analphabetenrate liegt bei nur 5%.

Deutlich höher liegt mit Sicherheit die Fußballbegeisterung der Costa Ricaner. In jedem Winkel des Landes scheint es neben der Schule auch einen Fußballplatz zu geben und pünktlich um die Mittagszeit wechseln insbesondere die Buben ihre blau-weiße Schuluniform mit dem Trikot der Lieblingsmannschaft.

„Wenn im WM-Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica antritt, dann wird das gesamte Land euphorisch feiern. Ich hoffe auf einen diplomatischen Ausgang, sonst müssen wir unsere Wahlheimat wohl verlassen“, schmunzelt Guido.

Der ehemalige deutsche Berufspilot hat sich auf der pazifischen Küste in der Nähe von Samara niedergelassen und zusammen mit seiner Familie mit der „Flying Crocodile Lodge“ ein Kleinod für wahre Genießer geschaffen. Zum Abschluss unserer Reise wohnen wir in farbenfrohen, kleinen Bungalows, deren Architektur an die Kunst Antonio Gaudis erinnert.

„Hier in Costa Rica haben wir uns einen Traum erfüllt. Und meinen Traum vom Fliegen kann ich nun an unsere Gäste weitergeben“, freut sich Guido. Die Flughäfen der Welt hat er gegen seine ganz private Start- und Landebahn für seine Ultra-Light-Fluggeräte eingetauscht. Im Sonnenuntergang heben wir ab, schweben über den unberührten Badestrand Playa Buena Vista, rasen nur wenige Meter über der Meeresoberfläche dahin, steigen wieder auf und folgen einem Flusslauf, entdecken Alligatoren. Am Horizont verschmilzt der Dschungel mit dem grün-blau-schillernden Pazifik – in Costa Rica muss Indiana Jones das Fliegen gelernt haben.

Weiterführende Informationen über Costa Rica unter
www.costa-rica.com

Ein paar Dinge, die man über Costa Rica wissen sollte:
Alphabetisierungsrate: 96 %
Berühmtester Fußballklub: CD Saprissa
Einwohnerzahl: 4.016.000
Größe: 51.100 km²
Hauptstadt: San José
Internetkürzel: .cr
Klima: Tropisch bis subtropisch, im Hochland kühl
Spitzname des Fußballnationalteams: Los Ticos

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