Micha Schäfer, Billy Wagner und Vincenzo Abbruzzese

von Bernhard Steinmann

Natürlich besucht man ein Sternerestaurant der Speisen wegen. Oder besucht man ein Sternerestaurant der Getränke wegen?
Nein, Essen. Es geht immer um Essen. Die Ausnahme der Regel bildet unser erneuter Besuch im Berliner Restaurant Nobelhart&Schmutzig.

Anlass für unseren Besuch ist eine gemeinsame Veranstaltung des Restaurants mit der Bacchus-Vinothek – Weinhandlung Grimm – in Rottweil.
Dipl. Oenologe Michael Grimm hat Vincenzo Abbruzzese mitgebracht, dessen große Brunelli wir heute genießen,
und in angeregten Gesprächen einer kritischen Betrachtung unterziehen wollen.
Die Weinproduktion des Hauses Abbruzzese geht bis ins Jahr 1953 zurück, als Bramante Abbruzzese damit begann,
seine Vision von Sangiovese zu verwirklichen. 1987 übernahm Vincenzo Abbruzzese Anbau und Produktion.

Die Weine:
2013 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
1991 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
2004 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
2006 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
2007 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
2009 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana
2010 Rosso di Montalcino, Valdicava, Toskana

2009 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
Schon die Farbe gefällt mir ausgezeichnet. Kräftiges Rubin. Die Fruchtnoten schienen mir weniger deutlich schmeckbar, etwas Kirsche, wuchtige Lakritze und satte Gerbstoffe.

2007 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
Das charakteristische Rubinrot ist auch hier deutlich zu erkennen. Zur Frucht kommen Zimtnoten und das gewohnte Tannin.

2004 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
2003 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana

2001 Brunello di Montalcino Riserva Madonna del Piano, Valdicava, Toskana
Ein vielschichtiger Tropfen, der letztlich die ihm zustehende Würdigung nicht mehr erfährt, da die zuvor verkosteten 11 Weine zu einem Gewöhnungseffekt geführt haben. Diese Aussage gilt für mich und ist keinesfalls allgemeinverbindlich.
Der Wine Spectatur hat hierfür 100 Punkte vergeben.

Das Menü:
Aal (Müritz Fischer)
Sellerie (Olaf Schnelle)
Alfredo Sironi Dinkel-Sauerteigbrot und Rohmilchbutter (Erdhof Seewalde)
Ike Jime Saibling, Dillblüten (Müritz Fischer)
Junges Gemüse, Quark (nach Michel Bras, Laguiole)
Erbsen, Minze, Pfifferlinge (Domäne Dahlem)
Lamm, Bärlauch (Müritzhof)
Kartoffel, Blutwurst (Senf)
Kirschen, Hefe, Wacholder (Roberto Vena)
Ei, Malz, Himbeerbrand (Frau Schlegel)
Nussgebäck mit Berberitzen (Potsdam)

Bei diesem Bericht habe ich bewusst das Menü von der Weinbegleitung, wenn wir dies so nennen möchten, getrennt. Die großartigen Weine aus dem Mutterland der Rebsorte Sangiovese hatten schnell die Hauptrollen besetzt. Dies war auch so zu erwarten. Eine Aussage über die Qualität des Menüs darf aus dieser Bemerkung jedoch nicht herausgelesen werden. Die stringente Ausrichtung der Küche auf Regionalität verringert selbstverständlich das Spektrum der Möglichkeiten. Aus dem Missverhältnis lässt sich jedoch kein Missverständnis konstruieren. Im Gegenteil. Es gehört viel Mut dazu, die „brutal lokale“ Küche Schäfers mit den großen Brunelli Abbruzzeses zu vereinen.
Es war ein wunderbarer Abend, zu dem auch die angeregten Gespräche mit den Tischnachbarn beigetragen haben.
Weitere Details und Fotos gibt es wie immer auf www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

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