Die Zukunft des Kochens?

Supercomputer „Watson“ füttert Range Cooker von Miele mit Rezepten
IBMs lernender Supercomputer Watson hat einen neuen Job: Er entwickelt Rezepte und gibt dem Miele-Range Cooker HR 1956 – einem Herd im XXL- Format – gleich das passende Automatikprogramm für die Zubereitung mit auf den Weg. Zu sehen ist diese Innovation auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, die am 6. Januar begonnen hat.

Die Präsentation auf dem IBM Messestand in Las Vegas ist noch eine Studie. Für viele Experten sieht so allerdings die Zukunft des Kochens aus. Und die ist einfacher als gedacht: Per Smartphone nimmt der Anwender Kontakt mit dem Supercomputer auf, der längst nicht mehr physisch an einen Standort gebunden ist, sondern in der Cloud, also über ein Rechnernetzwerk, operiert. Der Nutzer teilt mit, auf was er heute Appetit hat oder liefert einfach eine Liste mit den verfügbaren Lebensmitteln. Watson schlägt daraufhin bis zu 100 Rezepte vor. Diese sind einfach einzugrenzen – etwa mit Blick auf gute Bewertungen anderer Nutzer („classic“) bis hin zu Zusammenstellungen mit Überraschungspotenzial („surprise me“). Berücksichtigt werden beispielsweise auch Einschränkungen wie „glutenfrei“. Die ausgewählte Rezeptur und die Zubereitungsschritte übermittelt Watson an Smartphone oder Tablet des Nutzers – inklusive des Hinweises, dieses Gericht doch bitte im Miele- Backofen zuzubereiten. Abhängig von den Lebensmitteln und den im Haushalt vorhandenen Geräten kann die Empfehlung auch „Zubereitung im Dampfgarer“ lauten. Der Rest ist beinahe Formsache: Zum Rezept sendet der Computer gleich das passende Automatikprogramm an den Backofen.

„In letzter Konsequenz ist das ein Paradigmenwechsel in der Kochkultur“, erklärt Andreas Enslin, Leiter des Miele DesignCenters und Initiator der Studie mit IBM. „Ich bin überzeugt, dass solche Assistenzsysteme, wie sie Watson ermöglicht, das Kochen kreativer, komfortabler – und mit Blick auf die Ergebnisse – auch zuverlässiger machen“, so Enslin. Watsons Wissen basiert zum einen auf über 9.000 Rezepten der Cuisine- und Cateringfirma „Bon Appetit“, mit denen Watson gefüttert wurde. Food-Experten des New York Institute of Culinary Education haben zudem tausende Zutaten nach Aromen und Beschaffenheit bewertet und diese als Daten beigesteuert. Mit Hilfe von Tastings, bei denen Verbraucher die entwickelten Rezepte bewerten, hat der Supercomputer gelernt, was geschmacklich zusammen passt – so wird Watson mit jedem einzelnen Kontakt zu einem immer besseren Koch.

Die IBM-Experten sprechen – angelehnt an „cognitive computing“ – von „cognitive cooking“: Wissen und Erfahrungen des Menschen werden mit der Rechenleistung eines Computers kombiniert. Damit dies dann auch im Zusammenspiel mit dem Range Cooker HR 1956 funktioniert, hat Miele im Vorfeld die Betriebsarten, Zeiten und Temperaturen einiger hundert Automatikprogramme für den IBM-Computer zur Verfügung gestellt.

Zur CES in Las Vegas stellt Miele den Range Cooker HR 1956, der Bestandteil einer komplett neu entwickelten Range-Baureihe ist, erstmals einem größerem Publikum vor. Der HR 1956 ist ein 48-Zoll Herd mit für diese Produktkategorie einzigartigen Ausstattungsmerkmalen. Dazu gehören zwei Garräume, einer davon auch als Mikrowelle nutzbar, sechs Gasbrenner, ein Griddle sowie eine Wärmeschublade. Eine weitere Besonderheit ist die Funktionsart Klimagaren (bessere Brat- und Backergebnisse durch Feuchtigkeitsunterstützung). Wichtigste Voraussetzungen für das Projekt mit IBM sind jedoch die Vernetzungsfähigkeit des Gerätes sowie die hochwertige elektronische Gerätesteuerung. Diese bieten die Grundlagen für die Übermittlung von Rezepten und Automatikprogrammen via Internet.

Watson gehört zu einer neuen Art von Computersystemen, die in der Lage sind, selbstständig Informationen aus Daten zu gewinnen und Schlüsse zu ziehen. Damit nähert sich dieses Computersystem den kognitiven Fähigkeiten des Menschen und birgt enormes Potenzial für zukünftige Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Datenmenge wächst extrem schnell und wird in den kommenden fünf Jahren um 800 Prozent zunehmen. Bekannt geworden ist Watson in den USA, als er in der beliebten Quizsendung „Jeopardy“ die zwei besten Kandidaten eines Jahres deutlich besiegt hat. Aktuell wird Watson bei der Behandlung von Krebspatienten eingesetzt. Hierfür kann er auf riesige Datenmengen unter anderem aus Untersuchungen, Forschungsergebnissen und Fachliteratur zugreifen, diese analysieren, Hypothesen formulieren und Behandlungsvorschläge machen.

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