„University of Fish“: Das Dorschwunder

War es ein Wunder oder doch eher eine Verkettung glücklicher Umstände, dass sich der Dorschbestand in der östlichen Ostsee entgegen landläufiger Befürchtungen erholte? Dieser Frage widmete sich am Montagabend Dr. Christopher Zimmermann im Rahmen der „University of Fish“, der Vorlesungsreihe rund um Fisch und Meeresfrüchte von „Deutsche See“. Der Fischereibiologe und stellvertretende Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei hielt seinen Vortrag vor der interessierten Öffentlichkeit in Hamburg.

Noch vor wenigen Jahren führte der dramatische Rückgang des Dorschbestandes in der östlichen Ostsee zur Besorgnis unter Wissenschaftlern, Politikern, in der Industrie und bei Umweltverbänden. Laut Dr. Christopher Zimmermann war es Anfang der 1990er Jahre zu einer ökologischen Verschiebung des Gleichgewichts gekommen. Als Ursache für die Reduzierung des Bestandes nennt der Fischereibiologe klimatische Veränderungen, einen damit einhergehenden Rückgang der Nachwuchsproduktion der Dorsche sowie eine nicht an diese Situation angepasste Fischerei. Bei den Experten führte diese Entwicklung zu Meinungsverschiedenheiten, ob und wie der Bestand zu retten sei. Und dann erholte sich der Dorsch wie durch ein Wunder. Wie es dazu kam, erläuterte Zimmermann in seinem Vortrag.

Zunächst waren die Umweltbedingungen im Jahr 2007 etwas vorteilhafter für die Nachwuchsproduktion der Dorsche. Starkwinde zur richtigen Zeit sorgten für einen stärkeren Salzwassereinstrom aus der Nordsee in die Ostsee. Der Salzwassergehalt spielt eine wichtige Rolle bei der Nachwuchsproduktion vieler Fische in diesem Meer. Ist er zu gering, können sich beispielsweise Dorsche nicht mehr vermehren. Selbst ein vergleichsweise schwacher Salzwassereinstrom wie im Jahr 2007 führt jedoch unmittelbar zu stärkeren Nachwuchsjahrgängen.
Neben diesen ökologischen Faktoren trugen auch politische Veränderungen zur Erholung des Dorsches bei. So kam es in Polen, ebenfalls im Jahr 2007, zum Wechsel der politischen Führung. Die neue Regierung legte ein besonderes Augenmerk auf die Bekämpfung der illegalen Fischerei, die großen Schaden bei den Beständen anrichtet. In der Folge reduzierten sich die polnischen Fänge im Jahr 2008 um 50 Prozent. Zur gleichen Zeit wurde der EU-Fischereimanagementplan implementiert, der die Fangquoten stabilisiert. Sie dürfen ab diesem Zeitpunkt nur noch um 15 Prozent vom Vorjahr abweichen. Somit blieb dem etwas zahlreicheren Nachwuchs aus dem Jahr 2007 genügend Zeit, in Ruhe heranzuwachsen, ohne einem zu hohen Fischereidruck ausgesetzt zu sein. Die Entwicklung von Fischbeständen ist, das machte Zimmermann deutlich, ausgesprochen dynamisch. Die Anzahl der Tiere innerhalb eines Bestandes variiert, beeinflusst durch natürliche Faktoren und den Eingriff des Menschen.

Dank der stabilen Quotenregelung stehen dem östlichen Dorschbestand auch weiterhin, so Zimmermann, „goldene Zeiten“ bevor. Den Zuhörern der „University of Fish“ riet er deshalb, guten Gewissens wieder Dorsch aus der Ostsee zu genießen.


Bereits zum fünften Mal veranstaltet „Deutsche See“ Fischmanufaktur die beliebte Vorlesungsreihe „University of Fish“ rund um Fisch und Meeresfrüchte. Von November 2010 bis März 2011 erwarten die interessierten Zuhörer spannende und abwechslungsreiche Vorlesungen. Ob zum Thema Aquakulturen, Nachhaltigkeit, Food Blogs oder Kochen mit Fisch – an vier Terminen wird an der Universität Hamburg nicht nur referiert, sondern auch diskutiert.

„Deutsche See“ mit Hauptsitz in Bremerhaven ist in Deutschland die Nummer Eins bei der Vermarktung von Fisch und Meeresfrüchten. In bundesweit mehr als 20 Niederlassungen beschäftigt das Unternehmen rund 1.700 Mitarbeiter und beliefert mehr als 35.000 Kunden vom Lebensmitteleinzelhandel, der Gastronomie und Top-Gastronomie über Caterer bis hin zur Betriebs- und Sozialgastronomie. Der weltweite Einkauf hochwertiger Rohwaren, die sorgfältige und kundenindividuelle Produktion und Veredelung in der Bremerhavener Manufaktur, das überdurchschnittliche Qualitätsmanagement und die im Markt einzigartige Logistik zeichnen das Unternehmen aus. Seit November 2003 gehört die Feinkostmarke BEECK zu „Deutsche See“. Als Marktführer ist sich das Unternehmen der ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung zum nachhaltigen Schutz der natürlichen Ressourcen bewusst. „Deutsche See“ engagiert sich schon lange aktiv für den Erhalt der Fischbestände und den Umweltschutz und wurde dafür im November 2010 als „Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

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