Billigflieger-Hype lässt deutlich nach

Schober Lifestyle Report: Lockangebote steigern Skepsis der Konsumenten

Der Anteil der Kunden, die mit einem
Billigflieger verreisen wollten, ist nach Angaben des
Marktforschungsunternehmens Schober Information Group
www.schober.de im Vergleich 2004 zu 2005 deutlich gesunken.
„Die
Menschen haben offensichtlich ihre Erfahrungen mit den Billiganbietern
gemacht“, resümiert Marcus Mende, Leiter der Abteilung New Business
Development bei Schober, im Gourmet Report Interview.
Grundlage der
Ergebnisse des Schober Lifestyle Reports ist eine Befragung von 198.000
Menschen, die zum persönlichen Reiseverhalten interviewt worden sind.

Unter Singles und Top-Verdienern findet sich der größte Anteil
derjenigen, die ganz bestimmt bei einer Billig-Airline buchen werden. Im
Vergleich zu Herbst 2004 hat der Billigflieger-Hype aber auch bei diesen
Zielgruppen deutlich abgenommen. „Ziemlich deutlich fällt auch die Zahl
jener aus, die sicher nicht bei einer Billig-Airline buchen werden. Seit
Ende der 90-er Jahre haben sich die Low-Cost-Carriers fix am deutschen
Markt etabliert“, so Mende. Nicht zuletzt aufgrund der beeindruckenden
Zuwachsraten im Passagieraufkommen lehrten die Billigflieger die
etablierten Gesellschaften das Fürchten. „Vor dem Hintergrund der hier
aufgezeigten Entwicklung scheint es fraglich zu sein, ob die bisherigen
Wachstumsraten noch weiter realisiert werden können“, zitiert Mende das
Ergebnis der Untersuchung.

Gerade die Trendsetter, Singles und Top-Verdiener waren es, die den
Billig-Airlines die großen Zuwachsraten gebracht haben. Was nun
passiert, ist wohl auf eine gewisse Ernüchterung zurückzuführen. „Wer
auf die 19 und 29 Euro-Lockangebote aufgesprungen ist und wiederholt
feststellen musste, dass die Endpreise weit davon entfernt liegen,
entwickelt schnell eine gewisse Skepsis gegenüber den
Lowcost-Anbietern“, erklärt Mende. Interesse an den Lowcost-Airlines
konnte Schober nur bei jenen finden, die Nahe an den Flughäfen wohnten.
Als Stand-alone-Angebot erscheinen Billigflüge gegenwärtig deutlich an
Attraktivität verloren zu haben. „Die etablierten Airlines haben nämlich
auf die Billigflieger mit Sonderangeboten ihrerseits reagiert“, erklärt
Mende.

Auch der große Online-Buchungs-Hype scheint bei näherer Betrachtung
etwas anders auszusehen, als oftmals angenommen:
„Grundsätzlich spielt
das Internet bei der Planung und Realisation von Reisen eine immer
wichtigere Rolle. Das geht deutlich zu Lasten der Reisebüros“, so Mende.
Auch wenn die direkte Buchung von Pauschal-Angeboten noch immer über das
Reisebüro läuft, wird vorher im Internet geprüft und untersucht.
„Deutlich wird aber auch, dass die Mehrzahl der Kunden – nämlich
Familien und Senioren – immer noch im klassischen Reisebüro bucht“. Das
Internet spiele dann eine Rolle, wenn Bausteine und individuelle
Packages zusammengestellt werden. „Hier sind es vor allem
Trendsetter-Kunden, wie Top-Verdiener und Singles“, meint Mende. Die
Beratungskompetenz des Internet stelle allerdings die Beratungskompetenz
der Reisebüros in Frage. „Die Alternativen liegen auf der Hand: Das eine
wäre eine Spezialisierung auf bestimmte Zielgebiete und Urlaubsformen,
das andere auf der Erweiterung der Serviceleistungen bzw. die
Konzentration auf spezifische Kundengruppen.“

Dass zwischen dem Plan eine Reise machen zu wollen und der tatsächlich
angetretenen Reise der Weg offensichtlich doch weit ist, hat die
Schober-Marktanalyse auch deutlich gezeigt: So hatten beispielsweise nur
rund zehn Prozent der Familien, die für 2004 eine Kreuzfahrt geplant
hatten, diese auch tatsächlich umgesetzt. „Statistische Irrtümer sind
dabei ausgeschlossen, denn genau jene Personen, die zu ihren
Reiseabsichten 2003 befragt wurden, wurden ein Jahr später zu
tatsächlich durchgeführten Reisen befragt.“ Die Ergebnisse stimmten
lediglich bei Strand- und Badeurlauben sowie den Winterurlauben
einigermaßen mit den Absichten überein. Wolfgang Weitlaner

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