Restaurant Kritik „Le Faubourg“ im Hotel „Concorde“, Berlin

Von Nikolas Rechenberg

Hotelrestaurants haben es in der Regel schwer. Die Berliner lieben sie nicht. Da ist einmal die Angst vor der Hotelschwelle, die Steifheit des Personals – und zu teuer sind die meisten auch noch. Nur wenige Restaurants in Hotels haben die Herzen der Berliner erobert. Da ist das „Hugos“ („Interconti“), die „Quadriga“ („Brandenburger Hof“), das „Lorenz Adlon“, das „First Floor“ („Palace“), das „Desbrosses“ (der beste Sonntagsbrunch im „Ritz Carlton“) oder das „Vox“ („Grand Hyatt“) und das „44“ („Swissotel“), die ersten vier mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Was sie für Gourmets interessant macht.

Zu den zahllosen ungeliebten gehört jetzt auch das „Le Faubourg“ im Hotel „Concorde“. Der imposante Bau von Jan Kleihues schmiegt sich der zentralen Lage am Kurfürstendamm an. Nur das Restaurant im Erdgeschoß mit dem hochtrabenden Namen hat den Charme einer Kantine, Blick auf Tiefgarage inklusive. Kantinenstühle und eine Lampendecke, die in ihrer Häßlichkeit zu Tränen rührt. Da rettet das französische Chanson-Gedudel nichts mehr.

Das solide Essen versucht die Klassiker einer Brasserie mit modernen Feinschmeckeransprüchen zusammenzuführen. Der Salade Niçoise (11 Euro) kam in seine Einzelteile zerlegt, ein Dutzend grüne Bohnen, darauf drei Scheiben Kartoffeln, drei Zwiebelringe, eine Sardelle, der gegrillte Thunfisch (zuviel Meersalz) und ein Wachtelei, alles separat nebeneinander liegend – keine Satire, sondern begeisternde Optik und stimmig obendrein. Weniger inspiriert das Mille-feuilles von Gambas mit Curry parfümiert (18 Euro), die pürierten Gambas verschwanden in dicker Crème fraîche, der Gast ist pappsatt.


Das Rinderfilet (26 Euro) war ausgezeichnet, die Frites daneben hatten nicht die Klasse von Mac Cain. Dabei sollte das Gericht die Stärke einer jeden Brasserie sein. Der Lammsattel gefüllt mit Champignons und Bohnenragout (23 Euro) war passabel. Insgesamt sind die Speisen sehr teuer.

Das Personal schlägt sich tapfer, die Weinkarte ist gepflegt, das war es auch schon. Zu wenig, um Lorbeeren zu holen. Schade, daß sich die gute „Concorde“-Crew nichts Besseres hat einfallen lassen. Aber demnächst eröffnet ja das zweistöckige „Vapiano“ an der Frontseite des Hotels, der Pasta-Kultladen wird den richtigen Schwung bringen. Und wer Gourmetküche sucht, findet sie gleich über die Straße im „Restaurant 44“.

Le Faubourg im Hotel Concorde, Augsburger Straße 41, Berlin, Tel: 030 – 800 999 7700

Fazit: Steriles Hotelrestaurant ohne Seele, von denen es zu viele gibt in der Stadt. An der Stelle hätte ein Café eine Chance.

Lesenswert: Der Wein Blog vom Autor Nikolas Rechenberg.
www.wams.de/z/plog/blog.php/nikos_weinwelten

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