Gastro-Tour

Natürlich kann man vieles zur Tour sagen und sicherlich liegen einige der Gründe, weshalb man jährlich negative Schlagzeilen über dieses größte Freiluftsportereignis liest darin begründet, dass man nicht genau weiß, was die Fahrer alles zu sich nehmen. Asta la Vista, Baby! Sind es jetzt sechs- oder achttausend Kalorien? Isst ein Radfahrer auch heutzutage noch große Schüsseln voller Nudeln, oder doch eher Reis? Wird ein Profi nachts noch geweckt, um weiter zu essen? Kann man sein riesiges Frühstücksfiletsteak bis zum Start verdauen? Müssen Radfahrer Vegetarier sein?

Die Geschichte der Tour ist eine Geschichte der Nahrung.

1903, als die Tour zum ersten Mal durchgeführt wurde, war dies schon Kuriosum genug aber ab dem Jahr 1904 verzeichnet die Gastrohistoire stets Bemerkenswertes. Henri Cornet wurde mit damals gerade zwanzig Jahren zum bisher jüngsten Toursieger. Er war ob seines Könnens bei den anderen Fahrern derart unbeliebt, dass er durch eine präparierte Hähnchenkeule während der Fahrt in tiefen Schlaf verfiel, in einen Graben stürzte und später zum Sieger erklärt wurde.

Henry Pépin Goutand, ein französischer Adliger beschloss 1907 an der Tour teilzunehmen und engagierte sich hierzu extra drei Fahrer, die ihm bei den Berganstiegen behilflich und für ihn die Getränke tragen sollten. Seit dieser Begebenheit wurde nicht nur das System kopiert und verfeinert, auch der radsportspezifische Begriff des Wasserträgers findet hier seinen Ursprung. Ottavio Bottecchia konnte in zwei Jahren hintereinander die Tour gewinnen, eher er 1927 tot in einem Graben gefunden wurde. Jahrzehnte später stellte sich durch die Beichte eines Bauern auf dem Totenbette heraus, dass dieser ihn während der Tour am Wegesrand erschlagen hatte. Bottecchias Vergehen: er hatte einige Trauben vom Feld des Bauern gegessen.

Selbstredend wurde früher auch Wein während der Tour getrunken. Gerade bei der ersten Bezwingung des Tourmallet – dieses mythischen Berges in den Pyrenäen – schworen einige Fahrer auf die wärmende Kraft des Rotweins in dieser von Menschen verlassenen Gegend. Im Unterschied zu französischen oder italienischen Fahrern schrieb Abdelkader Zaaf jedoch Tourgeschichte. In der Gluthitze des Sommers 1950 erbat er von einigen Zuschauern etwas zu Trinken. Da er keinen Wein kannte, labte er sich an dem erfrischenden Getränk und brach kurz darauf volltrunken zusammen. Nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, erschrak er, schwang sich auf sein Rad um zunächst in die Richtung zu entschwinden, aus der er gekommen war. An diesem Tag wurde er Letzter. Mit Wein kann man auf der Tour zu einer Berühmtheit werden.

Santé! (mer / Gastrosophie)

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