Das Auge isst mit

Bilder von Nahrungsmitteln als Forschungsgegenstand

Ein Forscherteam um Kathrin Ohla vom Deutschen
Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und Jens Blechert von der
Universität Salzburg hat eine Fotodatenbank für Ernährungsstudien
zusammengestellt. Sie soll künftig psychologische Studien erleichtern
und vergleichbarer machen, die das Ernährungsverhalten oder damit
verbundene kognitive Prozesse untersuchen. Die Datenbank ist für
Wissenschaftler frei verfügbar und umfasst Fotos von 568 verschiedenen
Speisen und Getränken sowie von 315 Alltagsobjekten, welche die Forscher
von 1.988 Personen hinsichtlich ihrer Wirkung beurteilen ließen. „Unsere
Datenbank ist hinsichtlich ihrer Größe und der von uns erhobenen
Metadaten einzigartig“, sagt Ohla.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Daten nun in der
Fachzeitschrift Frontiers in Psychology (DOI: 10.3389/fpsyg.2014.00617).
Die Datenbank „food-pics“ ist für nicht-kommerzielle wissenschaftliche
Arbeiten frei verfügbar unter: www.food-pics.eal.ac.at .

Neben Kathrin Ohla und Jens Blechert waren auch Adrian Meule von der
Universität Würzburg sowie Niko A. Busch von der
Charité–Universitätsmedizin in Berlin an der Studie
beteiligt.

Viele Wissenschaftler führen die steigende Zahl übergewichtiger
Menschen und Probleme im Ernährungsverhalten unter anderem darauf
zurück, dass wir in unserer Gesellschaft permanent mit Nahrungsreizen
konfrontiert werden. Essen ist heute nicht nur sehr leicht und jederzeit
verfügbar, sondern wird zudem überall mit appetitanregenden Bildern
beworben. Ähnlich wie der Geruch von Lebensmitteln stellt ihr Anblick
einen ersten Sinnesreiz dar, nach dem wir entscheiden, ob die
dargestellte Nahrung essbar und schmackhaft ist oder nicht. Visuelle
Reize können somit die Lust am Essen sowie selbstregulierende Effekte
während der Nahrungsaufnahme beeinflussen und gegebenenfalls dazu
verführen, mehr zu essen als notwendig wäre. Wie bedeutsam diese Effekte
für unser Ernährungsverhalten sind, ist aber bislang noch nicht
ausreichend geklärt, denn auch unser Bewusstsein kontrolliert unser
Essverhalten. Für Wissenschaftler ist es daher nicht immer leicht zu
erkennen, wie stark Studienteilnehmer auf unterschwellige
appetitanregende oder regulatorische Reize reagieren oder wie stark
diese Faktoren das an den Tag gelegte Ernährungsverhalten bestimmen.

„Eine umfassende Bilddatenbank inklusive der zugehörigen Metadaten
könnte psychologische Ernährungsstudien optimieren, die unser
Essverhalten analysieren, da wir so unter anderem besser untersuchen
können, wie wir auf subtile visuelle Nahrungsreize reagieren“, erklärt
Kathrin Ohla, die am DIfE die Nachwuchsgruppe Psychophysiologie der
Nahrungswahrnehmung leitet. Die Verwendung von Datenbanken wie
„food-pics“ könne zudem Studienergebnisse vergleichbarer machen und
damit den wissenschaftlichen Austausch erleichtern. Dies sei bereits für
Studien gezeigt worden, die sich mit dem Thema Objekt- und
Gesichtserkennung beschäftigen oder untersuchen, welche Emotionen das
Betrachten von Bildern bei Studienteilnehmern auslöst.

Literatur: Blechert J, Meule A, Busch NA and Ohla K (2014) Food-pics:
an image database for experimental research on eating and appetite.
Front. Psychol. 5:617 ;
(http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fpsyg.2014.00617)

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