Zigaretten mit Pathogenen kontaminiert

Bakterien und gefährliche Mikroben belasten Zigaretten – Einige der gefundenen Bakterien, die auch im Boden vorkommen, können zu schweren Erkrankungen führen – Keine Jin Ling Schmuggelzigaretten, sondern teure Markenware

Ein
französisch-US-amerikanisches Forscherteam hat festgestellt, dass
Zigaretten mit einer Reihe von Bakterien und anderen Mikroben belastet
sind. Einige der gefundenen Bakterien, die auch im Boden vorkommen,
können zu schweren Erkrankungen führen. Die untersuchten Zigaretten
waren Markenprodukte, berichten die Forscher im Fachmagazin
Environmental Health Perspectives www.ehponline.org

„Wir waren ziemlich überrascht davon, wie viele verschiedene bakterielle
Pathogene in den Zigaretten enthalten waren“, so Studienleitautorin Amy
Sapkota, Professorin an der University of Maryland School of Public
Health www.sph.umd.edu . „Die Zigaretten, die wir untersucht
haben, gibt es in jedem Tabakladen zu kaufen und sie enthielten jede
Menge Bakterien, die für den Menschen sehr gefährlich werden können.“
Ein solches Pathogen war etwa Pseudomonas aeruginosa – der bedeutendste
„Krankenhauskeim“ mit Mehrfachresistenzen gegen Antibiotika.

Hunderte verschiedene Bakterien gefunden

Bakterien, die für Milzbrand, Lebensmittelvergiftungen und
Lungeninfektionen verantwortlich waren – etwa Clostridium, Klebsiella
und Acinetobacter waren in den Zigaretten ebenfalls in großen Mengen
nachweisbar. Die Forscher sprechen von hunderten verschiedenen
Bakterien, die sie mit Hilfe der DNA-Microassay-Methode nachweisen
konnten.

Die Forscherin geht davon aus, dass Bakterien den Verbrennungsvorgang
überleben können. „Wenn das so sein sollte, heizen Zigaretten
Infektionen, aber auch chronische Erkrankungen sowohl bei Rauchern als
auch bei Nichtrauchern in der Umgebung an“, so die Forscherin.

Weiterforschung dringend notwendig

Den ersten Befund findet der Ordinarius für Umwelthygiene an der
Medizinischen Universität Wien www.meduniwien.ac.at , Manfred
Neuberger, als interessant. Er traue sich allerdings nicht, ein weiter
reichendes Bild zu zeichnen, denn dazu müsste man mehrere Untersuchungen
durchführen, erklärt der Experte. „Die wesentliche
Frage ist, wie viele pathogene Keime in die Lunge transportiert werden
und ob sie dort auch in ausreichender Menge vorhanden sind, um
tatsächlich Erkrankungen zu verursachen.“

„Es ist auch nicht geklärt, ob im Rauch tatsächlich noch lebensfähige
Keime vorhanden sind“, erklärt der Experte. Diese Fragen könne letztlich
allerdings nur in Raucheruntersuchungen geklärt werden. Erschwerend
hinzu komme sicherlich, dass der Rauch das Flimmerhärchen lähmt und
dadurch die Selbstreinigung herabgesetzt wird. „Weiterführende
Untersuchungen wären jedenfalls sehr wünschenswert“, so der Forscher.
Wolfgang Weitlaner

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