RFID-Chips auf dem Vormarsch

„RFID“ ist eine vergleichsweise neue Technologie, die unter diesem Begriff noch unbekannt ist. Dabei sind Chips zur Radiofrequenz-Identifikation (RFID) vielfach schon Bestandteil unseres täglichen Lebens. In Autoschlüsseln deaktivieren sie auf Knopfdruck die Wegfahrsperre. Als Lauf-Chips ermöglichen sie die Zeiterfassung von Läufern, auch wenn diese im Pulk über die Ziellinie kommen. Einige Skipässe, Nahverkehrsfahrkarten oder die Eintrittskarten zur Fußball-WM enthalten bzw. enthielten ebenfalls RFID-Chips.

Der „Gesprächskreis Verbraucherpolitik“ der Friedrich-Ebert-Stiftung befasste sich Anfang Dezember mit den Vor- und Nachteilen der RFID-Technologie für die Verbraucher. Über Funkerkennung werden Objekte automatisch und eindeutig identifiziert und lokalisiert. Die RFID-Datenträger enthalten dazu eine auslesbare Information. Drahtlos und unsichtbar kann diese aktiv oder passiv mittels eines Lesegerätes abgerufen werden.

Verbraucherschützer warnen daher vor einem möglichen unkontrollierten Gebrauch privater Daten. Dr. Christian Thorun vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin wies auf der Veranstaltung darauf hin, dass ohne das Wissen der Verbraucher Fahrgastströme ermittelt oder ihr Kaufverhalten erhoben und Kundenprofile erstellt werden könnten.
Er forderte, dass Waren, die mit RFID-Chips ausgestattet seien, an der Kasse standardmäßig deaktiviert werden müssten.

Doch vielleicht birgt die Technik auch Zusatznutzen für Konsumenten. Lebensmittel könnten zukünftig anstatt mit Strichcodes mit RFID-Chips ausgestattet werden, um Rückverfolgbarkeit und Qualität zu sichern. Die Metro-Gruppe hat bereits einen so genannten „future store“ als Pilotprojekt gestartet. So sollen „Perspektiven für den Handel von morgen“ eröffnet werden. „Die Technologie hat den Verbraucher noch nicht direkt im Supermarkt erreicht“, meinte Thorun, „in den Lagern und bei der Logistik laufen aber bereits erste Projekte“.


Auch in Spanien hat ein Milch- und Teigwarenhersteller bereits die Transportcontainer von Eierlieferungen mit der neuen Technologie ausgestattet, um relevante Daten für Produktion und Bestand in Echtzeit zu erhalten.
In Dänemark setzt man auf RFID, um höhere Preise für den nachweislich besonders frischen Fisch verlangen zu können. Eine einheitliche Mehrweg-Transportverpackung mit integriertem Chip verfolgt den Fisch vom Kutter bis zum Supermarkt.

Wie RFID datenschutz- und bürgerverträglich Einzug in die deutsche Lebensmittelkette halten kann, wird künftig Aufgabe von Politik und Verbraucherschutz sein.
(aid, Britta Klein und Christine Bruns)

Weitere Informationen unter www.vzbv.de

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