Dosensuppe mit Zusatzstoffen

Von Witzigmann empfohlene Dosensuppe jetzt beim Discounter – mit jeder Menge Zusatzstoffe

Naht jetzt die Apokalypse der Kulinarik? Beim Discounter netto gab’s jedenfalls heute Barteroder Hirschrahmsuppe zum Aktionspreis von 2,69 Euro, empfohlen von Eckart Witzigmann, Koch des Jahrhunderts wie auf dem Etikett zu lesen ist. Die Durchsicht der Zutatenliste dürfte jeden kompromisslosen Traditionalisten das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Nun bin ich kein kompromissloser Traditionalist. Und es schreckt mich nicht, dass einige Texturgeber in der Suppe sind. Pektin zum Beispiel. Und Maltodextrin. Und Dextrose. Und modifizierte Wachsmaisstärke. Wenn das alles wäre, würde ich sagen: Alles gar kein Problem. Was den Avantgardeköchen der molekular inspirierten Küche im Einzelfall Recht ist, darf Eckart Witzigmann nur billig sein. Mal abgesehen davon, dass die Avantgarde höchstwahrscheinlich nicht alle diese Texturgeber zusammen verarbeiten würden, wie in diesem Fall. Egal, ich habe daran jedenfalls nicht prinzipiell etwas auszusetzen, weil Texturgeber Genussqualität steigern können. Aber das ist eben nicht alles. Die Liste der Zutaten zur Suppe ist viel länger, darunter: Speisewürze mit Soja, Weizenmehl, Citronensäure, Essigsäure, Hefeextrakt, Malzessig, Aroma und Ammonsulfit-Zuckercouleur (E 150d) als Farbstoff. Das würde man weder bei Ferran Adrià, noch bei Heston Blumenthal oder den Roca-Brüdern finden, behaupte ich mal so.

Bei E 150d muss ich schon zucken. Der Zusatzstoff soll in Tierversuchen vereinzelt Krämpfe sowie Senkungen der Leukozytenzahl verursacht haben. Nicht näher definiertes Aroma finde ich auch nicht mehr so prickelnd. Aber es ist halt Dosensuppe. Da erwarte ich nichts anderes. Wirklich verblüffend finde ich nur, dass Witzigmann als Präsident der Akademie für Kulinaristik einer Einrichtung vorsteht, von denen einige führende Mitglieder (z.B. Ulrich Grimm, Die Suppe lügt – Droemer Knaur) kaum eine Gelegenheit auslassen, gegen molekular inspirierte Küche zu Felde zu ziehen, obwohl Kollegen aus dem eigenen Haus ganz andere Sachen durchwinken. Siehe Hirschrahmsuppe.

Als ich 1992 das letzte Mal bei Eckart Witzigmann essen war, gab’s übrigens keine Suppe im Menü. Aber definitiv das eindrucksvollste Gericht, das ich jemals gegessen habe: Gratin von Taschenkrebsen mit Seezungenfilet auf Lauch.

Ich bin kein Prophet des kulinarischen Weltuntergangs. Und deshalb werde ich morgen mal diese Hirschrahmsuppe probieren.
via http://blog.rewirpower.de/

Auch Alfons Schuhbeck wirbt für eine zweifelhafte Dosensuppe: www.gourmet-report.de/artikel/29264/Schuhbeck-macht-Werbung-fuer-Glutamat-Suppe/

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