Berufstätige essen unregelmäßig und ungesund

Berufstätige essen unregelmäßig und ungesund

Studie zum Essverhalten am Arbeitsplatz liefert alarmierende Ergebnisse – Gourmet-Werkstatt informiert anlässlich des 12. Tages der gesunden Ernährung über ausgewogenes und gesundes Essen im Berufsalltag

Bereits zum 12. Mal veranstaltet der Verband für Ernährung und Diätetik e. V. (VFED) am Samstag, den 7. März 2009 den „Tag der gesunden Ernährung“. Unter dem Motto „So einfach geht’s: Gesund, lecker und fix zubereitet“ beteiligen sich laut Verband bundesweit rund 1500 Diätassistenten, Diplom Oecotrophologen und Ernährungsberater am Aktionstag, der sich in diesem Jahr insbesondere der gesunden Ernährung von Berufstätigen widmet. Auch Silke Hecht, Diätküchenleiterin der Gourmet-Werkstatt Rhein-Main-Wetterau GmbH, informiert anlässlich des Tages der gesunden Ernährung über richtiges Essverhalten am Arbeitsplatz.

Wie schwierig es für die meisten Berufstätigen ist, sich ausgewogen und gesund zu ernähren, zeigt eine aktuelle Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Nestlé-Konzerns durchgeführt hat. Insgesamt 4000 Bundesbürger wurden im Rahmen der Studie nach ihren Trink- und Essgewohnheiten befragt. Die Ergebnisse sind erschreckend: Jeder dritte berufstätige Deutsche isst unregelmäßig und ungesund. Eine einseitige Ernährung, zu viel und unkontrolliertes Essen sowie Heißhungerattacken und Frustessen sind die Hauptprobleme.
Dabei ist das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung durchaus vorhanden. 85 Prozent der Befragten gaben an, sich anders zu ernähren als sie es für richtig halten. Laut Experten erklärt vor allem Zeitknappheit die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. „Durch die Entstrukturierung des Alltags, flexiblere Arbeitszeiten und verlängerte Laden-Öffnungszeiten sind die Tagesabläufe zunehmend weniger festgelegt“, so Dr. Antonella Mei-Pochtler, Senior Partnerin der Boston Consulting Group, die das umfassende Datenmaterial der Umfrage analysierte.
Für Silke Hecht ist Zeitknappheit jedoch kein Grund, die Ernährung zu vernachlässigen. Sie hat für Berufstätige einige Tipps, wie sie sich auch ohne großen Zeitaufwand gesund und ausgewogen ernähren können – sowohl im Büro als auch auf der Baustelle.
„Der beste Start in den Tag ist grundsätzlich ein ordentliches Frühstück“, so Hecht. Es sei wichtig für den Stoffwechsel und die Gehirnleistung und bringe den Kreislauf in Schwung. Geeignet sei beispielsweise ein Vollkornbrot, dünn mit Margarine oder Butter bestrichen und mit magerem Käse, Schinken oder Wurst belegt.
Abwechslung auf den Frühstückstisch bringe frisches Gemüse, mit dessen Hilfe sich Brote aufpeppen ließen. Wer ein süßes Frühstück bevorzuge, könne auch zu Marmelade oder Honig greifen oder das Frühstück mit Obst oder Kompott ergänzen. Dazu empfiehlt die Diätassistentin Kräuter- und Früchtetee in unbegrenzter Menge. Wer am liebsten schwarzen Tee oder Kaffee trinke, solle sich jedoch auf maximal 2 Tassen beschränken. Diejenigen, die tatsächlich am Morgen nichts essen wollen, sollten zumindest ein Glas Saft oder ein Glas Milch trinken, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Auf der Arbeit selbst ist es laut Hecht wichtig, sich ausreichend Zeit fürs Essen zu nehmen. „Wer nebenbei am Telefon oder vor dem Computer isst, isst schnell zu viel oder kaut nicht richtig. Der alte Spruch ‚Gut gekaut, ist halb verdaut‘ ist jedoch noch immer wahr“, so die staatlich geprüfte Diätassistentin. Sie empfiehlt kleine Snacks zwischendurch, damit die Leistung nicht abfällt. Geeignet seien frisches Obst, Joghurt, Gemüsesticks oder auch mal ein Müsliriegel. Ausreden lässt die Diätassistentin auch hier nicht gelten: Wer morgens keine Zeit habe, beispielsweise Karotten zu schälen, könne dies schon am Abend vorher tun. Gemüsesticks ließen sich gut verpackt in Frischhaltedosen oder –folie im Gemüsefach des Kühlschranks problemlos aufbewahren.
Über den Tag verteilt sollten Berufstätige zudem viel trinken, am besten Mineralwasser oder auch Tee und Saftschorlen aus einem Drittel Saft und zwei Dritteln Wasser. Laut Faustregel benötigen Menschen täglich 35 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht, im Durchschnitt also zwei bis drei Liter. Zu viel trinken kann ein gesunder Mensch laut der Diätassistentin nicht – nur wer unter einer eingeschränkten Nieren- oder Herzfunktion leide, müsse vorsichtig sein. „Hilfreich ist es, immer ein eingeschenktes Glas Mineralwasser in Sichtweise zu haben, damit man das Trinken nicht vergisst“.
Für die Mittagspause empfiehlt Hecht je nach Vorliebe eine Mahlzeit in der Kantine oder aber von zuhause mitgebrachte belegte Brote.


Gesundes aus der Kantine

Die Gourmet-Werkstatt Rhein-Main-Wetterau, deren Diätküche Hecht leitet, beliefert aktuell neben Krankenhäusern, Schulen, Senioreneinrichtungen und Kindertagesstätten auch acht Betriebskantinen in der Wetterau und in Offenbach. Das Cook & Chill-Verfahren, das dort angewandt wird, garantiert eine nährstoff- und vitaminschonende Zubereitung der Speisen. Zudem achten Hecht und ihre Kollegen darauf, dass die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) in der Großküche berücksichtigt werden. Diese empfiehlt eine bis zwei Portionen Seefisch in der Woche sowie zwei bis dreimal Fleisch. Hauptbestandteil jeder warmen Mahlzeit sollten Kartoffeln, Nudeln, Reis sowie Gemüse und Salat sein. Auf der Speisekarte der Gourmet-Werkstatt stehen jeden Tag drei Gerichte, eines davon ist immer vegetarisch. Es gibt ein bis zwei Mal pro Woche Fisch und jeden Tag Gemüse und Salate. Jede Mahlzeit wird fettarm zubereitet, die Köche verwenden ausschließlich hochwertige Öle, bevorzugt Oliven- und Rapsöl, und gehen bewusst mit Salz um. Denn zu viel Salz bindet Wasser im Körper und kann den Blutdruck erhöhen.
Menschen, die schwer körperlich arbeiten, haben grundsätzlich einen höheren Energiebedarf als Menschen mit vorwiegend sitzender Tätigkeit. Dennoch sollten sie laut Hecht nicht häufiger Fisch oder Fleisch essen. Lediglich die Portionen dürften bei ihnen etwas größer sein als bei Menschen mit niedrigerem Energiebedarf.
Diejenigen, die im Schichtdienst arbeiten, sollten ihre Ernährung an den natürlichen Rhythmus des Körpers anpassen. „Körper und Verdauung sind nachts auf Schlafen eingestellt. Auch bei Menschen, die regelmäßig Nachtschicht haben, ändert sich daran nichts“, erklärt Hecht. Da der Verdauungstrakt nachts langsamer arbeite, sei vor allem für sie eine leichte Kost wichtig. „Empfehlenswert ist ein leichtes Abendessen schon vor Beginn der Nachtschicht. Währenddessen sollte man mehrere Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen“, so Hecht weiter.
Grundsätzlich empfiehlt sich auch während der Nachtschicht eine warme Mahlzeit, da sie belebt, das Wohlbefinden steigert und Ermüdungserscheinungen mindert. Wer zusammen mit den Kollegen Pause macht und mit ihnen zusammen isst, kann den Effekt noch verstärken. „Und wer vor dem Schlafengehen noch Hunger hat, sollte zu einem kleinen Frühstück greifen – jedoch ohne üppig belegte Brote.“

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