Obst und Gemüse – aber sicher!

Obst und Gemüse – aber sicher!

Bunte Vielfalt – am besten fünf Portionen Obst und Gemüse täglich empfehlen Ernährungsexperten. Doch viele Verbraucher sind angesichts gehäufter Meldungen über Rückstände in Lebensmitteln verunsichert: Kann man Gemüse und Obst noch bedenkenlos essen?

„In jedem Fall, Obst und Gemüse sind nicht stärker belastet als noch vor Jahren oder Jahrzehnten“, informiert Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Dass Lebensmittelchemiker heutzutage häufiger fündig werden, liegt an den neuen, sehr viel empfindlicheren Analysemethoden. Mit ihnen lassen sich Pflanzenschutzmittel selbst in winzigsten Spuren nachweisen.

Nach den Grundsätzen der guten landwirtschaftlichen Praxis dürfen nur so viel Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, wie notwendig und sinnvoll ist. Für Rückstände hat der Gesetzgeber als Grenzwerte die so genannten Höchstmengen definiert. Höchstmengen kennzeichnen die Mengen an Pflanzenschutzmitteln, die maximal in einem Lebensmittel enthalten sein dürfen, damit es noch verkauft werden kann. Prinzipiell gilt: Lebensmittel mit Rückständen über den gesetzlich festgelegten Höchstmengen werden beanstandet und dürfen nicht in den Handel gelangen.

„Die Bedeutung von Höchstmengen wird allerdings häufig falsch eingeschätzt“, sagt Professor Michael Petz von der Bergischen Universität Wuppertal. Denn Höchstmengen oder das Überschreiten von Höchstmengen liefern keinen Hinweis für eine Beeinträchtigung der Gesundheit. Ein gesundheitliches Risiko hängt vielmehr von der Art der Substanz sowie der tatsächlich aufgenommen Menge ab und davon, ob von dem Stoff überhaupt eine Gefahr ausgeht. Diese drei Faktoren berücksichtigen der acceptable daily intake, kurz ADI- sowie der ARfD-Wert. Der ADI-Wert gibt an, wie viel von einer Substanz täglich und lebenslang aufgenommen werden kann, ohne dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. In seine Berechnung fließt eine große Sicherheitsspanne ein. Ein vergleichbar hohes Sicherheitsniveau wird laut des Wissenschaftlers erreicht, wenn beispielsweise Autofahrer gefahrlos mit 100 Stundenkilometern eine Kurve passieren können, der Gesetzgeber vorsichtshalber aber die Geschwindigkeit auf einen Stundenkilometer beschränkt. Die „akute Referenzdosis“, kurz ARfD, charakterisiert die Substanzmenge, die innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein erkennbares Risiko entsteht. Doch selbst die Ausschöpfung des ARfD um 100 Prozent beinhaltet noch nicht zwangsläufig eine konkrete Gefährdung. Sie zeigt vielmehr an, dass ein mögliches Risiko nicht mehr mit der gebotenen Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Erfreulich: In der Beerensaison 2008 nahm das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart 91 Proben aus konventionellem, vorwiegend heimischem Anbau. Keine Substanz überschritt den entsprechenden ARfD-Wert. Damit waren alle Proben gesundheitlich unbedenklich.

„Für den Verbraucher ist oft auch unbekannt, dass sich Höchstmengen nicht auf den essbaren und eventuell zubereiteten Anteil beziehen, sondern immer auf die Handelsware, also das unverarbeitete, pflanzliche Rohprodukt“, erklärt Petz. Verbraucher können zudem mit nur wenigen Rückständen rechnen, wenn sie Obst und Gemüse saisongerecht und aus heimischem Anbau kaufen.

„Durch gründliches Waschen mit lauwarmem Wasser lässt sich der Gehalt an Pflanzenschutzmitteln noch einmal deutlich verringern“, empfiehlt Silke Restemeyer. Obst mit fester Schale nach dem Waschen nicht schälen, sondern nur gut trockenreiben. Denn in der Schale sitzen wertvolle Inhaltsstoffe. Weiches Obst wie beispielsweise Beeren nach dem Waschen gut abtropfen lassen. Fazit der Expertin: „Obst und Gemüse liefern so viele Vitamine, Mineralstoffe und vor allem sekundäre Pflanzenstoffe wie keine andere Lebensmittelgruppe, dass die Vorteile das mögliche Risiko durch Rückstände aufwiegen.“ Nahrungsergänzungsmittel sind keine Alternative. Sie können mit der Fülle an wertvollen Inhaltstoffen in Obst und Gemüse nicht mithalten, so die Ernährungswissenschaftlerin.

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