Prost Mahlzeit! Warum die Brauwirtschaft sich neu erfinden muss

Warum ohne starke Gasthäuser auch die Bierkultur ihre Heimat verliert. Ein Kommentar von Uwe Steiniger

Warum die Brauwirtschaft sich neu erfinden muss

Der deutsche Biermarkt hat kein kurzfristiges Problem. Er steckt mitten in einer Zeitenwende.

7,8 Milliarden Liter Bierabsatz im Jahr 2025 – weniger als in den Corona-Jahren. Wer das noch als Ausrutscher bezeichnet, hat die Realität nicht verstanden. Der Rückgang ist strukturell, seit Jahrzehnten sichtbar und gesellschaftlich erklärbar: weniger Alkohol, mehr Bewusstsein, andere Lebensstile.

Das Problem ist nicht der sinkende Durst. Brauereien scheitern nicht daran, dass Menschen plötzlich nichts mehr trinken wollen. Sie scheitern daran, dass alte Geschäftsmodelle auf neue Konsumgewohnheiten treffen, dies  ohne ausreichend Kapital, Zeit oder Mut zur Anpassung.

Kleine und mittlere Brauereien trifft es besonders hart: hohe Energiepreise, Investitionsstau, Druck durch Handel und eine Gastronomie, die selbst ums Überleben kämpft. Bier verliert dabei seinen wichtigsten Resonanzraum – das Gasthaus.

Gastronomie und Brauereien: Schicksalsgemeinschaft. Ein Land ohne funktionierende Gastronomie verliert auch seine Bierkultur. Bier ist kein anonymes Supermarktprodukt, sondern ein soziales Getränk. Stammtisch, Biergarten, Festzelt – verschwinden diese Orte, verschwindet auch der emotionale Wert des Bieres.

Alkoholfrei ist kein Trend – es ist ein Paradigmenwechsel. Alkoholfreies Bier ist längst kein Nischenprodukt mehr. Über zehn Prozent Umsatzanteil im Handel sprechen eine klare Sprache. Wer glaubt, alkoholfrei sei nur ein „Bier ohne“, wird verlieren.

Mehr als Bier: Fassbrausen, Hopfengetränke & Co. Die Zukunft liegt nicht nur im alkoholfreien Bier, sondern in alkoholfreien Alternativen mit Charakter: hochwertige Fassbrausen, Hopfenlimonaden, Kräuter- und Malzgetränke, regionale Erfrischungsgetränke mit Geschichte.

Fazit: Der sinkende Bierabsatz ist kein Untergang. Er ist eine Einladung zur Erneuerung. Nicht der Alkoholgehalt entscheidet, sondern Haltung, Qualität und Relevanz.

Uwe Steiniger im Gourmet Report

Uwe Steiniger – Küchenmeister · Food-Journalist · Coach

Warum die Brauwirtschaft sich neu erfinden muss

Zusammenfassung

7,8 Milliarden Liter Bierabsatz im Jahr 2025 – weniger als in den Corona-Jahren. Wer das noch als Ausrutscher bezeichnet, hat die Realität nicht verstanden. Der Rückgang ist strukturell, seit Jahrzehnten sichtbar und gesellschaftlich erklärbar: weniger Alkohol, mehr Bewusstsein, andere Lebensstile.

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