Grünfisch Berlin

Restaurant-Tip

von Nikolas Rechenberg

Sie halten nicht viel von Feng Shui? Asiatischer Hokuspokus wie hierzulande Horoskope und Lottospielen? Wer regelmäßig in Restaurants speist, weiß, daß es „gute“ und weniger gelungene Speisehallen gibt.

Das fließende Zusammenspiel von Lebensraum und Harmonie, von Design und Atmosphäre bekommt erst im Restaurant seine elementare Bedeutung.

Sie betreten es – und wissen sofort, hier gefällt es mir, hier fühle ich mich wohl, hier kann das Essen nur gut sein. Oder auch nicht. Aber in diesem Fall gibt es nur eine Lösung: Umdrehen und gleich wieder raus. Es gibt Restaurants, die betritt man nie wieder im Leben.

Ins Restaurant „Grünfisch“ zog es uns geradezu hinein. Wir fühlten uns sofort wohl, als wären wir alte Stammgäste. Und dieses Gefühl zog sich durch den ganzen Abend.

Das stilvolle Restaurant am Kreuzberger Chamissoplatz bezaubert mit gelben Wänden, warmen Holzmöbeln und einer guten Raumaufteilung. Es gibt sehr viele gute Plätze, an denen man sitzen möchte, auch im hinteren Raum.

Das ist nicht selbstverständlich, oftmals sind Restaurants so schlecht geschnitten, daß der Gast sich nur auf wenigen Plätzen im Raum wirklich wohl fühlt. Es gibt Menschen, die lieber ein anderes Mal wiederkommen, wenn ihre Plätze einmal besetzt sind.

Die vietnamesische Bedienung ist ausgesprochen fröhlich und herzlich. Vietnamesisch? Ein Sizilianer und ein Vietnamese führen das „Grünfisch“, daher auch der ungewöhnliche Name. Es gibt ausgezeichnetes italienisches Essen, mit leichten asiatischen Einflüssen. Diese machen das „Grün“ im Restaurant-Namen aus, und natürlich auch die frischen Zutaten Minze, Koriander und Limetten.

Der perfekt gebratene Thunfisch mit aparter Limettenkapernsauce, gebratenem Mangold und gratinierter Polenta (10,50 Euro) läßt die Sonne im Herzen leuchten. Der Rosé vom sizilianischen Weingut „vom Papa des Kochs“, wie es die Bedienung charmant formuliert, könnte nicht besser passen. Die hausgemachten Ravioli mit Hummerkartoffelpüree gefüllt und St. Petersfisch in einer Ingwersauce mit frischem Bärlauchpesto und grünem Spargel (12,50 Euro) sind eine farbliche Orgie aus Gelb, Grün und Orange, und auch geschmacklich ist die Komposition so raffiniert, wie lange nicht mehr erlebt.

Die Großgnocchi mit Hasenragout, Rotwein und Steinpilzen (11 Euro) sind wie von der sizilianischen Mamma zubereitet, Aromen verschmelzen auf dem Gaumen miteinander. Die Weine sind gut und preiswert, vor allem die des Papas vom Koch: Es sind Bioweine von der Azienda Agricola Milazzo, die der Gast selbstverständlich auch mit nach Hause nehmen kann.

Wir haben lange nicht mehr so gut gegessen, es war wie ein kurzer Urlaubsabend zwischendurch. Das „Grünfisch“ ist eine gelungene Symbiose, eine kleine Oase zum Immer-wieder-neu-Einkehren.

-Grünfisch

Willibald-Alexis-Straße 27, Tel: 61 62 12 52, www.gruenfisch.de

Öffnungszeiten: Di-So 18-24 Uhr

Karten: nur EC Plätze: 70

Fazit: Derzeit das schärfste Restaurant in Kreuzberg. Unbedingt reservieren! Liebliche Straßenterrasse mit Blick auf das Gründerzeit-Quartier Chamissoplatz.

Autor Niko Rechenberg betreibt auch den lesenswerten Wein Blogg bei der WAMS:
www.wams.de/z/plog/blog.php/nikos_weinwelten

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