Craft-Bier boomt in Deutschland

Das Oktoberfest in München ist in vollem Gange und Deutsche auf der ganzen Welt werden das Beste aus dem Fest machen und darauf anstoßen. Aber standardmäßiges Lagerbier könnte bald von einem gehobeneren Gebräu ersetzt werden – nämlich von Craft-Bier. Eine neue Untersuchung von Mintel zeigt, dass bereits eines von sechs (12 %) Bieren, die im Jahr 2014 in Deutschland auf den Markt gebracht wurden, als Craft-Bier bezeichnet werden konnte; im Jahr 2012 waren es lediglich 1 % der Biere. Und dieser Trend zum Craft-Bier wird sich fortsetzen – eines von fünf Bieren (18 %), die zwischen Januar und September 2015 auf den Markt kamen, fallen ebenfalls unter die Kategorie Craft.

Während die Deutschen schon immer Bier in seiner traditionellsten Form bevorzugt haben, scheint es nun als würden sie eine Vorliebe für Craft-Bier entwickeln. Beinahe ein Viertel (23 %) der deutschen Biertrinker hat in den vergangenen sechs Monaten Craft-Bier für den heimischen Eigenkonsum gekauft, während 16 % angeben, sie hätten es in Kneipen oder Restaurants getrunken.

Insgesamt ist der Bierkonsum in Deutschland beträchtlich; 9 % der deutschen Biertrinker geben an, dass sie täglich außerhalb von zu Hause Bier trinken, während ein Viertel (25 %) dies mehrmals pro Woche tut.

Katya Witham, Senior Food and Drink Analyst bei Mintel, sagt:
„Deutschland ist für seine enorme Vielfalt an Bieren und seine lange Brautradition bekannt. Doch in Sachen Craft-Bier hinkte die „Biernation“ den USA und auch einigen anderen Märkten jahrelang deutlich hinterher. Da viele traditionelle deutsche Biere geschmacklich kaum voneinander zu unterscheiden sind, zeigen Mikrobrauereien und einige größere Bierhersteller jedoch seit Kurzem ein zunehmendes Interesse an neuartigen Brautechniken und Zutaten. Es scheint als sei der Trend zum Craft-Bier mit einiger Verzögerung nun auch endlich in Deutschland angekommen.“

Solche Produktinnovationen könnten dem deutschen Biermarkt guttun, da die Verkaufszahlen für das Getränk seit dem Jahr 2008 rückläufig sind. Mintel Daten zeigen, dass der Durchschnittsdeutsche letztes Jahr 71,6 Liter Bier für den heimischen Eigenkonsum kaufte – im Jahr 2010 waren dies noch 73,1 Liter. Dieser Trend wird sich wohl fortsetzen, denn es wird bis zum Jahr 2019 ein Rückgang des Eigenkonsums zu Hause auf 67 Liter pro Jahr erwartet.

Im Jahr 2015 werden die Deutschen aller Voraussicht nach trotzdem mehr Bier für den Genuss zu Hause kaufen als jede andere Nation auf der Welt; mit 70,6 Liter pro Kopf ist diese Menge größer als bei den Kanadiern (65 Liter), Amerikanern (55,2 Liter) und den Russen (46,9 Liter).

„Da der Bierkonsum abnimmt, könnte der deutsche Biermarkt erheblich von innovativen Biersorten profitieren. Deutsche Bierkenner, deren Interesse an herkömmlichem Bier schwindet, werden Bierspezialitäten mit eigenem Charakter sicherlich herzlich begrüßen“, so Witham.

Lokale Wurzeln und Geschmacksvielfalt sind die größten Stärken von Craft-Bier in Deutschland. Beinahe die Hälfte (49 %) der deutschen Biertrinker zieht es vor, Bier aus der eigenen Region zu trinken, während zwei von fünf (40 %) lieber viele verschiedene Biermarken probieren, anstatt bei einer Sorte zu bleiben. Darüber hinaus scheint es, dass eine gewisse Anzahl an Verbrauchern mehr Informationen zu Bier haben möchte – ein Drittel (33 %) der deutschen Biertrinker gibt an, mehr über das Getränk in ihrem Glas herausfinden zu wollen.

Außerdem denken beinahe drei Viertel (73 %) der deutschen Biertrinker, dass die Qualität des Hopfens einen entscheidenden Einfluss auf den Geschmack des Bieres hat.

„Hopfen, der für den Reiz von Craft-Bieren sehr wichtig ist, fügt dem Getränk eine zusätzliche Geschmacksdimension hinzu. Aromahopfen lassen einen großen Freiraum für Experimente mit Bieren, ohne die Regeln zu brechen, die den guten Ruf der deutschen Brautradition geprägt haben. Es ist wahrscheinlich, dass Hopfen und intensiv hopfige Geschmacksrichtungen in den nächsten Jahren den Massenmarkt erobern werden“, fügt Witham hinzu.

Um den steigenden Bedarf der Verbraucher zu decken, wird sich der Craft-Bier Boom in Deutschland, laut Mintel, auch in Zukunft fortsetzen. Schon heute gibt einer von fünf (19 %) deutschen Biertrinkern an, dass es ihm beim Bierkauf wichtig ist, ob das Bier von kleinen oder von Craft-Brauereien stammt. Einer von acht (15 %) Befragten gibt an, dass das Ausprobieren von etwas Neuem ein wichtiger Kauffaktor ist.

Darüber hinaus scheint die Jagd auf Geschmackserlebnisse unter jüngeren Biertrinkern besonders stark zu sein – 28 % der deutschen Verbraucher zwischen 18 und 24 Jahren geben an, dass ein einzigartiger oder unbekannter Geschmack eine wichtige Rolle spielt, wenn sie Bier kaufen; betrachtet man zum Vergleich alle Verbraucher, so trifft diese Aussage auf lediglich 17 % zu.

„Mit dem wachsenden Markt für Craft-Bier wird auch die Auswahl in den Lebensmittelmärkten zunehmen, und sowohl Einzelhändler als auch Craft-Brauer werden von dieser Entwicklung profitieren. Craft-Brauer können ein möglichst großes und vielfältiges Publikum erreichen, indem sie ihre Marken auf dem Massenmarkt verkaufen, während eine stärkere Präsenz von Craft-Bieren im Einzelhandel für mehr Abwechslung im Bierregal sorgen wird“, fasst Witham zusammen.

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