Faire Schokolade

Der Großteil umsatzstarker Produkte ist in Österreich nicht zertifiziert

Die steigende Nachfrage nach Schokolade treibt weltweit die Preise für Kakao in die Höhe. Doch während sich Produzenten von Topmarken über hohe Gewinne freuen, hat der langjährige Preiskampf auch dazu geführt, dass Millionen von Kleinbauern unter der Armutsgrenze von 1,25 Dollar pro Tag leben müssen. Faire Bedingungen in der Schokoladeproduktion versprechen Gütesiegel wie Fairtrade, UTZ und das Siegel der Rainforest Alliance. Doch gerade viele umsatzstarke Marken (darunter auch Nestlé, Ferrero, Ritter und Storck) bieten keine oder kaum zertifizierte Produkte an. Insgesamt tragen derzeit kaum fünf Prozent der Schokoladeprodukte im österreichischen Handel, ein Zertifikat, das Ausbeutung und soziale Missstände in der Produktion ausschließen kann.

Für den Kakaosektor sind vor allem drei Zertifizierungsstandards von Bedeutung: Fairtrade, UTZ-Certified und Rainforest Alliance. Alle drei wollen durch unabhängiges Monitoring dazu beitragen, die Erzeugung und Verarbeitung von Kakao (und anderen Agrarprodukten) weltweit zu verändern und nachhaltiger auszurichten. Die Umsetzung in die Praxis erfolgt dabei allerdings nach unterschiedlichen Gesichtspunkten:

Fairtrade Gütesiegel
Produkte, die das Fairtrade-Siegel tragen, werden nach den Standards der Fairtrade Labelling Organization International (FLO) hergestellt und gehandelt. Die Richtlinien verbieten u.a. Zwangsarbeit und ausbeuterische Kinderarbeit. Für den Handel legt die FLO faire Mindestpreise fest, die die durchschnittlichen Produktionskosten decken. Zusätzlich nutzen die Produzenten nachhaltige Anbaumethoden, über 75 Prozent der Fairtrade Produkte sind bereits bio. Für Bio-Anbau und Sozialprojekte bekommen die Unternehmen eine Prämie. Fairtrade-Schokolade besteht zu 100 Prozent aus zertifiziertem Kakao.

UTZ Certified
Im Gegensatz zu Fairtrade müssen bei UTZ-zertifizierten Produkten nur 60 Prozent des Kakaos aus UTZ-zertifizierter Herkunft stammen, bis Ende 2014 sollen es 90 Prozent sein. Das Gütesiegel steht für nachhaltig produzierten Kakao, faire Arbeitsbedingungen und den Verzicht auf Kinderarbeit. Es sieht jedoch keine Vorfinanzierung von Saatgut und keine Mindestabnahmepreise vor. Arbeiter werden im Umgang mit Pestiziden, Düngemitteln oder Sicherheitsstandards geschult.

Rainforest Alliance
Auch das Rainforest Alliance Gütesiegel garantiert keinen Mindestpreis für die Farmer, der Schwerpunkt liegt hier klar auf ökologischen Aspekten. Prämien wie bei Fairtrade sind nicht
vorgesehen. Voraussetzung für die Zertifizierung ist jedoch das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit. Grundsätzlich müssen über 90 Prozent der Inhalte eines Produkts zertifiziert sein, um das Siegel ohne Zusatz führen zu dürfen.

Den Report im Detail und weitere Informationen zum Thema Schokolade und Gütesiegel gibt es online unter www.konsument.at und in der Septemberausgabe der Zeitschrift KONSUMENT .

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