Boom im Niedrigpreissegment – nachhaltiger Trend oder bloße Modeerscheinung

Mark Thompson, Geschäftsführer B&B Hotels GmbH Deutschland, Referent beim Deutschen Hotelkongress 2008 – Markteinschätzung zum Wachstum auf dem deutschen Budget-Hotelmarkt – Sieben Thesen des Experten – Großes Wachstum sichtbar an B&Bs Erfolgszahlen

. Mark Thompson, Geschäftsführer der B&B Hotels GmbH Deutschland, diskutierte mit anderen Experten auf dem gestri­gen Deutschen Hotelkongress 2008 in Frankfurt die Megatrends der Hotelle­rie. Als Referent setzte Thompson sich kritisch mit der Frage auseinander, ob der aktuelle Boom der Niedrigpreishotellerie nur eine bloße Modeerscheinung oder ein nachhaltiger Trend ist und präsentierte seine sieben Thesen dazu:

Der deutsche Budget-Hotelmarkt stellt den größten in Europa dar. Rund 450.000 Zimmer (entspricht 63 Prozent) der deutschen Beherbergungsbe­triebe gehören zu dem sogenannten Budget-Segment, fallen also höchstens in die Zwei-Sterne-Kategorie (Quelle: MKG 2007).

Qualitative Hotelmarken sind nur gering auf dem deutschen Budget-Hotel­markt präsent. Kaum fünf Prozent der preisgünstigen Häuser in Deutschland befinden sich in Besitz von Hotelketten. Im Vergleich hierzu gehören in Frankreich 37 Prozent der Budget-Häuser zu Hotelketten, in Großbritannien sogar 43 Prozent (Quelle: MKG 2007).


„Der Erfolg der Budget-Hotellerie hängt aber stark von einem erfolgreichen Markenauftritt ab, denn der Gast benötigt einen ‚Vertrauensanker‘ für die Hotelleistung. Eine einfache Sternen-Klassifizierung ist nicht aussagekräftig genug. Erfolg kommt durch Markenbekanntheit“, erläutert Thompson.

Das große Wachstumspotenzial für die Budget-Hotellerie entsteht zum Einen durch die geänderte Kundennachfrage, zum Anderen aber auch durch das höhere Interesse von Seiten der Investoren. Der Trend bei Hotelgästen geht entweder in Richtung „preisgünstig“ oder „luxuriös“; das mittlere Segment weist nur noch ein langsames Wachstum auf. Dabei stellt Thompson fest: „Preisgünstig heißt nicht unbedingt billig mit schlechter Qualität, sondern ver­nünftige Qualität zu einem vernünftigen Preis, ohne für ungewünschte Extras zahlen zu müssen. Mit unseren kostenlosen zusätzlichen Leistungen, zum Beispiel Internetzugang, gehen wir gezielt auf die Kundenwünsche ein.“ Das wachsende Interesse auf der Investorenseite gibt der Budget-Hotellerie einen weiteren Schub. Durch die niedrigen Grundstücks- und Baukosten, die hohen Auslastungsraten, den nachhaltigen Cash-Flow und die hohen Gewinnmar­gen ist dieser Markt zunehmend auch für Investoren attraktiv.

Thompson prognostiziert der Marken-Budget-Hotellerie in Deutschland ein schnelles und nachhaltiges Wachstum, im Schnitt rund 50 Häuser pro Jahr bis Ende 2010 und damit von aktuell knapp 200 Budget-Hotels auf über 350 Häuser. Dabei wird auch die Größe der Hotels zunehmen und über 100 Zimmer steigen.

Das Wachstum der Marken-Budget-Hotellerie wird Einfluss auf den gesamten deutschen Hotelmarkt haben: Ein Teil der Nachfrage im mittleren Segment wird weiter Richtung Niedrigpreishotellerie abwandern. Im Budget-Segment wird es weniger unabhängige Häuser geben.

Als letzte These stellt Thompson fest: „Das Wachstum der Marken-Budget-Hotellerie wird sich positiv auf die Gesamtnachfrage in Deutschland auswir­ken, sowohl durch deutsche als auch ausländische Hotelgäste.“

Die Erfolgszahlen der B&B Hotels unterstützen die positiven Prognosen der Marken-Budget-Hotellerie in Deutschland: In 2007 erzielte die Kette mit 14 Hotels in Deutschland eine durchschnittliche Auslastung von 62 Prozent. Der Umsatz von B&B Hotels Deutschland stieg in 2007 um fast 70 Prozent auf 12,6 Millionen Euro. Durch eine neue Partnerschaft mit Tank & Rast entste­hen innerhalb der nächsten drei Jahre bis zu 34 Hotels entlang des deutschen Autobahnnetzes unter der Marke B&B Hotels. Darüber hinaus sind für 2008 sieben weitere Neueröffnungen geplant, so dass noch vor Ende 2010 die Hotelkette mit etwa 65 B&B-Häusern in Deutschland präsent sein wird.

Mark Thompson übernahm im September 2003 den Posten des Geschäfts­führers der B&B Hotels GmbH in Deutschland und startete damit seine Hotellaufbahn. Zwei Jahre zuvor fasste der 51-Jährige Brite Fuß in Deutsch­land: Als Berater begleitete er die Neuausrichtung von Alamo und National Car Rental. Davor war Mark Thompson knapp 20 Jahre beim bekannten Autovermieter AVIS in England tätig. Er zeichnete dort zunächst verantwort­lich für die Bereiche Finanzen und Entwicklung, zuletzt als Finanzdirektor UK.

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