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Veröffentlicht am von Gourmet Report
Käse gegen Demenz
Ein kleiner Löffel Frischkäse auf dem Bagel oder eine Scheibe Gouda auf dem Brot könnte mehr sein als nur ein Genuss – vielleicht eine Investition in die geistige Gesundheit im Alter.
Käseauswahl, M.B. Teneriffa
Käse gegen Demenz
Eine kürzlich in Nutrients veröffentlichte japanische Studie des JAGES-Forschungsteams bringt regelmäßigen Käsekonsum mit einem signifikant geringeren Demenzrisiko bei älteren Erwachsenen in Verbindung. Die Studie, die über 7.900 Menschen drei Jahre lang begleitete, ergab, dass Personen, die mindestens einmal pro Woche Käse aßen, ein um 24 % geringeres relatives Risiko hatten, an Demenz zu erkranken.
Die Analyse zeigt, dass von den Käsekonsumenten über drei Jahre 3,4 % an Demenz erkrankten, verglichen mit 4,5 % bei den Nicht-Konsumenten. Die absolute Risikoreduktion beträgt 1,1 Prozentpunkte oder etwa 11 weniger Fälle pro 1.000 Personen über drei Jahre.
Käse als Demenzschutz? Neue Studie weckt Hoffnungen
Die Studie mit dem Titel „Cheese Consumption and Incidence of Dementia in Community-Dwelling Older Japanese Adults“ nutzte Daten aus der Japan Gerontological Evaluation Study (JAGES), einer der größten epidemiologischen Studien des Landes zur Altersgesundheit.
Für die Analyse wurden Daten von 7.914 Teilnehmern (je 3.957 Konsumenten und Nicht-Konsumenten) im Alter von 65 Jahren und älter verwendet. Das Besondere: Durch ein statistisches Verfahren (Propensity Score Matching) wurden die beiden Gruppen so zusammengestellt, dass sie sich in zentralen Gesundheits- und Lebensstilfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen und Gesundheitszustand ähnelten. Dadurch wurde der reine Effekt des Käsekonsums besser isoliert.
Die Klassifizierung der Demenzdiagnose erfolgte über das standardisierte japanische Pflegeversicherungssystem (LTCI), das auf ärztlichen Gutachten basiert und damit eine objektive Diagnosequelle darstellt.
Käsekonsum in der Studie
Die Einteilung der Gruppen war einfach: Wer angab, mindestens einmal pro Woche Käse zu essen, galt als „Konsument“. Die Mehrheit dieser Gruppe (72,1 %) aß Käse ein- bis zweimal pro Woche.
In der Studie dominierte verarbeiteter Käse (82,7 %) – wie Scheibenkäse oder Frischkäse – in den Ernährungsgewohnheiten, während Weich- und Hartkäse weniger verbreitet waren.
Die Hauptergebnisse der Studie sind eindeutig und statistisch signifikant:
Relatives Risiko: Käsekonsumenten hatten ein um 24 % geringeres Risiko, im Studienzeitraum eine Demenz zu entwickeln (Hazard Ratio = 0,76, 95 %-Konfidenzintervall 0,60–0,95).
Absolute Zahlen: In der Konsumentengruppe erkrankten 134 Personen (3,39 %), in der Nicht-Konsumentengruppe 176 Personen (4,45 %).
Die Kaplan-Meier-Kurven der Studie zeigen einen stetigen und signifikanten Unterschied im Überleben ohne Demenz zwischen den beiden Gruppen über den gesamten dreijährigen Beobachtungszeitraum.
Warum könnte Käse das Gehirn schützen?
Die Forscher diskutieren mehrere biologische Mechanismen, die den beobachteten Zusammenhang erklären könnten:
Vitamin K2: Besonders in gereiften Käsesorten enthalten. Es unterstützt die Gesundheit der Blutgefäße, einschließlich derer im Gehirn, und hilft, schädliche Kalziumablagerungen zu verhindern.
Bioaktive Peptide: Diese entstehen bei der Fermentation von Milchprotein und wirken antioxidativ und entzündungshemmend. Chronische Entzündungen sind ein bekannter Risikofaktor für kognitive Abbauprozesse.
Probiotika: Bestimmte Käsesorten enthalten lebende Mikroorganismen, die die Darm-Hirn-Achse positiv beeinflussen können. Ein gesundes Darmmikrobiom wird zunehmend mit besserer kognitiver Gesundheit in Verbindung gebracht.
Gesunde Fette und Nährstoffe: Käse liefert bioverfügbare Formen von Calcium und Vitamin B12 sowie gesunde Fette, die alle für die neuronale Funktion essentiell sind.
Trotz der robusten Methode ist die Studie beobachtend und kann keine direkte Kausalität beweisen. Es könnte sein, dass Käsekonsumenten insgesamt einen gesünderen Lebensstil pflegen, der in der Studie nicht vollständig erfasst wurde.
Die Autoren weisen darauf hin, dass die absolute Risikoreduktion mit 1,1 Prozentpunkten moderat ist. Dennoch ist der Effekt aus öffentlicher Gesundheitsperspektive relevant, da es sich um eine einfache, genussvolle und potenziell wirksame Präventionsstrategie handelt.
Die Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zwischen Milchproduktkonsum und besserer kognitiver Gesundheit nahelegen, liefern aber spezifischere Erkenntnisse für Käse.
Was bedeutet das für die Ernährung?
Die Studie legt nahe, dass bereits ein moderater, regelmäßiger Konsum – etwa eine Portion pro Woche – mit einem Vorteil verbunden sein könnte. Die Mehrheit der Teilnehmer in der Konsumentengruppe aß Käse nur ein- bis zweimal wöchentlich.
Für die Praxis bedeutet dies nicht, unbegrenzt Käse zu essen. Eine ausgewogene mediterrane Ernährung, die Käse in Maßen einschließt, bleibt eine empfehlenswerte Strategie für die Gehirngesundheit.
Käse sollte als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes betrachtet werden, der regelmäßige körperliche Aktivität, geistige Herausforderungen, soziale Kontrolle und den Verzicht auf Rauchen einschließt.
Die Forscher betonen den Bedarf an weiteren Studien, um die optimalen Käsesorten, Mengen und zugrunde liegenden Mechanismen genau zu verstehen. Randomisierte kontrollierte Studien wären der nächste Schritt, um den kausalen Zusammenhang zu bestätigen.
Während die Wissenschaft weiter forscht, bietet diese Studie eine ermutigende Perspektive: Der bewusste Genuss von Käse, in einen gesunden Lebensstil eingebettet, könnte mehr als nur Gaumenfreude sein – er könnte ein kleines, aber wirksames Puzzleteil in der Prävention von Demenz darstellen. Ein Grund mehr, das nächste Stück Käse auf dem Wochenmarkt mit einem guten Gefühl zu genießen.
Autoren
Jeong, S., Suzuki, T., Inoue, Y., Bang, E., Nakamura, K., Sasaki, M., & Kondo, K. (2025). Cheese Consumption and Incidence of Dementia in Community-Dwelling Older Japanese Adults: The JAGES 2019–2022 Cohort Study. Nutrients, 17(21), 3363. https://doi.org/10.3390/nu17213363
Käse gegen Demenz: Eine kürzlich in Nutrients veröffentlichte japanische Studie des JAGES-Forschungsteams bringt regelmäßigen Käsekonsum mit einem signifikant geringeren Demenzrisiko bei älteren Erwachsenen in Verbindung.