Bernhard Steinmann im Restaurant FACIL

Das Restaurant FACIL im Mandala Hotel am Potsdamer Platz in Berlin ist in der Spitzengastronomie des Landes eine feste Größe. 2001 eröffnet, von Restaurantführern hoch dekoriert und seit 2013 von Michael Kempf und Joachim Gerner geleitet, begeistert es ein internationales Publikum.

Michael Kempf kam bereits 2003 in das Facil und erkochte im ersten Jahr einen Michelinstern. Der zweite Stern folgte 2013.

Obwohl das Restaurant schon lange existiert, ist dies mein erster Bericht zum Restaurant. Dies liegt schlicht an der Lage am Potsdamer Platz, der nicht zu meinen Lieblingsplätzen in Berlin zählt und von mir bisher grundsätzlich nur durchfahren wurde. Meiner Meinung nach ist der Hype um den Platz fehl am selben. Tatsache bleibt immerhin, dass die erste Verkehrsampel in Europa 1924 dort in Betrieb genommen wurde und ein Symbol für die damals pulsierende Metropole darstellte. Was heute zu sehen ist, ist doch eher ein Business-Quartier.

1996 feierte man das Richtfest für ein Gebäude tatsächlich mit einem Kranballett und einer Beethoven-Sinfonie. Das versteht man in Berlin wohl unter dem Begriff großstädtisch. Glamourösen Glanz von Paris oder London finde ich da nicht. Anscheinend werde ich langsam altersmilde und so fand ich endlich den Weg ins FACIL.

Das Restaurant wurde schon häufig genug gewürdigt und beschrieben. Die helle Einrichtung, bequeme Stühle. Ein Bänkchen für die Tasche von Madame. Wir trafen eine Auswahl an Speisen und schon ging es los.

Das erste Amuse Bouche, ein Dreierlei, blieb nicht in Erinnerung, wobei das Rinderconfit mit Buchenpilz (rechts) recht gut gefallen hat.

Salat aus grüner Thai-Papaya und gefrorene Granatapfelkerne, Kokos-Ayran-Schaum 

Nun, erkennen kann man hier nicht viel doch geschmacklich ist der Küchengruß schon etwas Besonderes.

Rote Meerbrasse „Bordelaiser Art“, Mangold und Lardo di Colonnata

Bei „Bordelaiser Art“, man mag es mir nachsehen, denke ich sofort an das beliebte Fisch-Fertiggericht mit der knusprigen Kruste. Damit hat die hier servierte Meerbrasse natürlich nichts gemein. Sie ist perfekt gegart, an der Haut gebraten und wird mit einem köstlichen Sud (nicht abgebildet) geadelt. 

Norwegische Jakobsmuschel, Quitte, griechischer Bergtee und rosa Pfeffer

Macadamianuss in mehreren Variationen bzw. Texturen begleitet die Muschel, die zudem mit einer grandiosen Sauce serviert wird. Die Freude an diesem Gericht hält noch immer an.

Ossetra Auslese von Imperial Kaviar Berlin, Kürbis und Piemonteser Haselnuss

Langustino von den Faröern, Vogelbeeren, Karotte und gelbes Curry

Der Langustino wurde zwei Minuten im Salzwasser gegart und anschließend gegrillt. Annonciert als Signature Dish des FACIL.

Schlutzkrapfen, Schwarzer Trüffel, Spitzkohl und Edelreizker

Etwas Minze war auch bei diesem cremigen Gericht zu schmecken.

Confit von der Ente „Domäne Wachter“, Morcheln, Spargel und Bärlauch

Ein großartiges geschmackliches Erlebnis, bei dem das Foto allerdings nun wirklich nichts verrät. Unter dem Misoschaum spielt sich einiges ab. Auf der neuen Menükarte können sich die Gäste davon überzeugen. Es lohnt sich.

Sorbet vom grünen Apfel, Fenchelsalat

und leichte Yuzunoten.

Die Erdnuss

Da hat sich die Pâtisserie aber etwas einfallen lassen. Wir haben Dulcey Schokolade, Mango-Passionsfrucht, Salzkaramell, Kaffeestreusel, karamellisierte Erdnüsse, Erdnuss-Praliné-Creme, Muskatblüteneis, Avocadocreme. Na, haben Sie alles gefunden?

Ein handwerklich überaus anspruchsvolles und kreativ gestaltetes Dessert. Herausragend.

Service:

Endlich mal ein Restaurant mit ausreichend Servicepersonal. Das ist vor allem deshalb wichtig, damit Servicekräfte während eines stressigen Abends nicht den Überblick verlieren und durchhalten.

Im Restaurant FACIL war der Service überaus freundlich, professionell und höflich. Darüberhinaus stets aufmerksam.

Aufmerksamkeit ist natürlich positiv anzumerken. Dem Service steht eine lange Theke am Kopfende des Raumes zur Verfügung. Notwendige kurze Besprechungen zwischen drei oder mehr Personen werden dort abgehalten ohne dabei die Gäste aus dem Auge zu verlieren. 

Es gibt ja nun diverse Portale in denen das Essen und der Service bewertet werden. Dazu gebe ich zu bedenken, dass Freundlichkeit des Personals im Preis nicht inbegriffen ist. Es liegt also auch in der Verantwortung des Gastes ob ein Restaurantbesuch einen Mehrwert über das kulinarische Vergnügen hinaus darstellt. Ein freundliches Wort zum Service ist da überaus hilfreich.

FAZIT:

Zunächst eine grundsätzliche Bemerkung. Häufige Begleiter in den von uns besuchten Restaurants sind beispielsweise Minze für die Frische, Nüsse für den Crunch und vor allem Blumen für das Auge und zum Ankleben am Gaumen. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Im FACIL hat man, sehr zu meiner Freude, damit nicht übertrieben und so präsentierte die Küchencrew ein grundsätzlich hervorragendes bis in Teilen herausragendes (Jakobsmuschel, Confit von der Ente) Menü.

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