Gstaad Palace: Culinary Director Franz W. Faeh hört auf – Luca Gatti folgt

Das Gstaad Palace, eines der letzten familiengeführten Grand Hotels Europas, steht vor einem generationellen Wechsel in seiner Küche. Franz W. Faeh, Culinary Director und einer der letzten großen Grand Chefs der Schweiz, beendet per Ende Sommersaison 2026 seine fast 50-jährige Karriere. Mit ihm geht eine Ära zu Ende – und ein Kapitel Schweizer Gastronomiegeschichte.

Franz W. Faeh verabschiedet sich in den Ruhestand – Luca Gatti folgt

Franz W. Faeh

Es sind die Hände, die Geschichten erzählen. Hände, die schon für die thailändische Königsfamilie kochten, die an Spitzenherden in Hongkong, Singapur und Jakarta standen – und die doch immer wieder zurückfanden ins Saanenland. Franz W. Faeh, von Freunden und Kollegen liebevoll „FWF“ genannt, übergibt nach zehn Jahren als Culinary Director des Gstaad Palace das Zepter an seinen langjährigen Weggefährten Luca Gatti .

Für Gourmet Report ist dies der Anlass, auf eine außergewöhnliche Karriere zurückzublicken und einen Blick in die Zukunft der Palace-Küche zu werfen.

Vom „Saanebueb“ zum Koch der Könige

Franz W. Faeh stammt aus Gstaad, genauer gesagt aus dem Oberbort, wo er zwischen 1978 und 1981 auch seine Kochlehre absolvierte . Der Traum, eines Tages als Küchenchef ins Gstaad Palace zurückzukehren, begleitete ihn von Kindesbeinen an.

Doch bevor dieser Traum Wirklichkeit wurde, machte der gebürtige Saanenländer eine fast zwanzigjährige Reise um die Welt. Für die renommierte Regent-Hotelgruppe war er in den Metropolen Asiens tätig: Hongkong, Singapur, Jakarta, Bangkok . Mehrere Jahre kochte er als Privatkoch für die thailändische Königsfamilie – eine Position, die nicht nur höchstes kulinarisches Können, sondern auch größtes Diskretionsvermögen erforderte.

Trotz dieser glamourösen Stationen hat der „Saanebueb“ stets seine Bodenhaftung behalten. Und er ist seiner Küchenphilosophie treu geblieben – unbeirrt von kurzlebigen Trends.

„Ich stehe für eine ehrliche, gradlinige Küche, wo der Geschmack die Hauptrolle spielt. Kein Chichi, keine unnötigen Dekorationen und schon gar keine Fusion-Küche, die mehr ‚Confusion‘ als etwas anderes ist“, umschreibt FWF sein unverwechselbares Credo .

Ein Heimspiel als Karrierehöhepunkt

Vor zehn Jahren, im Jahr 2016, kehrte Franz W. Faeh schließlich dorthin zurück, wo alles begann. Palace-Inhaber und General Manager Andrea Scherz, mit dem ihn seit Jugendtagen eine enge Freundschaft verbindet, holte ihn als Culinary Director ins Gstaad Palace.

„Die letzten zehn Jahre waren ein Heimspiel und der Höhepunkt meiner Karriere. Culinary Director im Gstaad Palace zu sein, das ist eine Ehrensache und Spitzensport zugleich“, so Faeh .

In dieser Funktion führte er ein 55-köfiges Küchenteam und sorgte dafür, dass an Spitzenabenden bis zu 700 Gerichte in gleichbleibend höchster Qualität die Küche verließen. FWF war dabei mehr als nur ein Küchenchef: Er war Coach, Leader und Vorbild, stand mittendrin am Pass, packte mit an und war gleichzeitig Botschafter seiner Crew an der Front bei den Gästen .

Ehrentitel ohne Titeljagd

Obwohl Franz W. Faeh nie ein Jäger nach Punkten und Auszeichnungen war, häuften sich die Ehrungen im Laufe seiner Karriere wie von selbst. Eine kleine Auswahl seiner jüngsten Erfolge zeigt die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wird:

  • 2021 kürte ihn das Wirtschaftsmagazin BILANZ zum Hotelkoch des Jahres .
  • 2022 folgte die Ernennung zum Conseiller Culinaire der Chaîne des Rôtisseurs Schweiz .
  • Ebenfalls 2022 holte er sich den 16. Punkt bei GaultMillau Schweiz .
  • Im März 2025 wurde Faeh die höchste Ehre zuteil: Die Aufnahme in den erlauchten Kreis der „Mérite Culinaire Suisse“, eine Ehrenauszeichnung, die der Schweizer Bundesrat vergibt .
  • Zuletzt wurde er zum Koch des Jahres 2025/26 im Hotel-Rating von Andrin Willi erkoren, publiziert in der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag .

Diese Liste ist der Beweis: Mit Franz W. Faeh geht einer der besten seines Berufsstands in den Ruhestand. Er steht für eine Form der Gastfreundschaft, wie sie im Gstaad Palace seit über 113 Jahren gelebt wird: einen unverkennbaren Führungsstil und die konsequente Pflege des kulinarischen Erbes der Schweiz .

Andrea Scherz würdigt seinen langjährigen Freund und Wegbegleiter: „Mit Franz hatten wir die vergangenen zehn Jahre einen Meister in der Küche. Sein exzellentes Fachwissen, sein herausragendes Handwerk, seine sympathische Nähe zu unseren Gästen sowie sein unverwechselbarer Optimismus sind einzigartig. Im Namen der gesamten Palace-Family danke ich Franz für seinen unermüdlichen Einsatz“ .

Luca Gatti übernimmt die Federführung

Ein Haus wie das Gstaad Palace steht jedoch nie still. Die Nachfolge von Franz W. Faeh tritt ein Mann an, der das Haus fast so gut kennt wie sein Vorgänger: Luca Gatti.

Der gebürtige Italiener, der aus einem kleinen Städtchen zwischen Varese und Mailand stammt, ist seit 20 Jahren Teil der Palace-Familie . Seine Karriere begann er als Commis de Cuisine, durchlief jede Position in der Küche und arbeitete sechs Jahre als Nachtkoch, bevor er zum Sous Chef aufstieg.

Seine erste Begegnung mit dem Gstaad Palace hatte der damals 18-Jährige Mitte der 2000er Jahre, wo er mehrere Saisons arbeitete, bevor er sein fünfjähriges Studium an der Hotelfachschule Hotel Ecolière bei Mailand absolvierte .

Franz W. Faeh und Luca Gatti kennen sich seit der Sommersaison 2007. Als Faeh 2016 die kulinarische Führung von Peter Wyss und Hugo Weibel übernahm, holte er Gatti als seine rechte Hand ins Boot.

„Von Franz habe ich gelernt, wie man eine Küche in einem traditionsreichen Haus in die Zukunft führt und wie man eine so vielfältige Küchenbrigade menschlich und fair leitet. Sein Vertrauen in mich, die offene Art und die Zusammenarbeit – wir verstanden uns gewissermaßen blind – habe ich immer sehr geschätzt“, blickt Gatti auf die gemeinsame Zeit zurück .

Gatti übernimmt die Rolle als Executive Chef offiziell ab September 2026. Er wird damit die kulinarische Tradition des Hauses fortführen und gleichzeitig eigene Akzente setzen.

Ein Abschied auf Zeit?

Für Franz W. Faeh hingegen beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Doch ganz zur Ruhe setzen wird sich einer der aktivsten Grand Chefs der Schweiz wohl nicht. Andrea Scherz kennt seinen Freund zu gut: „Wie ich ihn kenne, wird er nicht ruhen und ist von ganzem Herzen stets in seiner zweiten Heimat, im Gstaad Palace, herzlich willkommen“ .

Das Gstaad Palace öffnet seine Tore für die Sommersaison 2026 vom 19. Juni bis zum 6. September. Es wird die letzte Saison unter der Ägide von Franz W. Faeh sein – und damit eine Saison, die man sich als Gourmet nicht entgehen lassen sollte.

Gstaad Palace

Das erstklassige Fünf-Sterne-Superior-Hotel Gstaad Palace öffnete im Dezember 1913 erstmals seine Türen und befindet sich seit drei Generationen im Besitz der Familie Scherz . Damit gehört es zu den letzten familiengeführten Häusern Europas.

Die 90 Zimmer und Suiten des Saisonhotels verbinden zeitgenössischen Glamour mit alpiner Behaglichkeit. In fünf Restaurants werden schweizerische, italienische und internationale Spezialitäten sowie eine mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Gourmetküche serviert. Der hoteleigene Nachtclub GreenGo ist für legendäre Partys bekannt. Auf 1800 Quadratmetern verwöhnt das Palace Spa die Sinne der Gäste. Im Sommer lockt das „PISCINE“ mit olympischen Massen. Mit der Walig Hütte, einer Alp aus dem Jahre 1783, verfügt das Haus über ein einzigartiges Refugium in 1700 Metern Höhe .

Weitere Informationen: www.palace.ch

Franz W. Faeh

Zusammenfassung

Franz W. Faeh, Culinary Director und einer der letzten großen Grand Chefs der Schweiz, beendet per Ende Sommersaison 2026 seine fast 50-jährige Karriere. Mit ihm geht eine Ära zu Ende – und ein Kapitel Schweizer Gastronomiegeschichte.

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