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Veröffentlicht am von Gourmet Report
San-Marzano-Tomate g.U.
Die neue Kampagne der San-Marzano-Tomate aus dem Agro Nocerino Sarnese g.U. steht in den Startlöchern – und sie kommt mit Rückenwind. Das Schutzkonsortium meldet steigende Exporte nach Deutschland, Rekordvergütungen für Landwirte und setzt auf Satellitentechnologie sowie ein einheitliches Kennzeichnungssystem. Gourmet Report analysiert die Strategie hinter dem Wachstum einer der edelsten Tomaten Italiens.
San Marzano Tomate – Pflanze
San-Marzano-Tomate g.U.
Wenige Wochen vor dem Beginn der neuen Erntesaison zeichnet sich ab: Die San-Marzano-Tomate mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) gewinnt auf den europäischen Märkten an Boden. Das Konsortium zum Schutz der San-Marzano-Tomate DOP verzeichnet nicht nur ein deutliches Exportplus in Deutschland, sondern auch erste positive Signale aus Frankreich. Parallel dazu sollen technologische Innovationen und eine einheitlichere Kennzeichnung die Position des Produkts im Premiumsegment weiter festigen .
Exporte nach Deutschland legen deutlich zu
Der deutsche Markt erweist sich zunehmend als Zugpferd für die kampanische Spezialität. Im Jahr 2025 stiegen die Exporte der San-Marzano-Tomate g.U. nach Deutschland um 5 Prozent. Noch bemerkenswerter ist die Wertentwicklung: Der Marktwert kletterte von rund 200.000 Euro auf nahezu eine halbe Million Euro.
„Es handelt sich zwar noch nicht um sehr große Zahlen“, relativiert Giampiero Manfuso, Präsident des Konsortiums, im Gespräch mit Gourmet Report. „Doch sie zeigen einen klaren Wachstumstrend, der uns optimistisch stimmt. Erste ähnliche Entwicklungen beobachten wir inzwischen auch auf dem französischen Markt.“
Die Erfahrung zeige: „Wer ein g.U.-Produkt probiert, erkennt schnell den Unterschied zur gewöhnlichen Tomate und entscheidet sich in der Regel erneut für die San-Marzano-Tomate.“
Rekordpreise sichern Anbaufläche
Ein zentraler Baustein der Strategie ist die angemessene Vergütung der Erzeuger. Im vergangenen Jahr zahlten die verarbeitenden Unternehmen den Landwirten im Anbaugebiet einen durchschnittlichen Preis von 0,66 Euro pro Kilogramm – der höchste Wert seit der Anerkennung der geschützten Ursprungsbezeichnung .
Für die kommende Saison wird eine weitere Anpassung nach oben erwartet. Ziel ist es, zusätzliche Flächen für den Anbau zu gewinnen und so die steigende internationale Nachfrage bedienen zu können. Angesichts der aufwendigen Handarbeit – die Ernte der San-Marzano-Tomate erfolgt ausschließlich per Hand in mehreren Durchgängen zwischen dem 30. Juli und 30. September – ist die Rentabilität für die Betriebe existenziell .
Herkunftsschutz als Qualitätsversprechen
Die San-Marzano-Tomate wächst ausschließlich auf den vulkanischen Böden des Agro Sarnese-Nocerino, einer fruchtbaren Ebene südlich des Vesuvs zwischen Neapel und Salerno . Das Terroir ist einzigartig: Die tiefgründigen, weichen Vulkanböden sind reich an organischer Substanz, Phosphor und Kalium. Hinzu kommt das milde mediterrane Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit, das der Tomate ihr unverwechselbares Aroma verleiht .
Beliebte Fälschung
Das Konsortium, gegründet 1999, vertritt und bewahrt dieses kulinarische Erbe . Denn das Problem ist bekannt: Schätzungen zufolge sind bis zu 95 Prozent der Dosen, die weltweit als „San Marzano“ verkauft werden, nicht authentisch . Sie stammen weder aus dem definierten Anbaugebiet noch erfüllen sie die strengen Produktionsspezifikationen. Die g.U.-Zertifizierung (Denominazione d‘Origine Protetta) garantiert hingegen, dass jede Tomate von der Aussaat bis zur Dose streng kontrolliert wird .
Um die Wiedererkennbarkeit im Supermarktregal weiter zu erhöhen, plant das Konsortium die Einführung eines einheitlichen Kennzeichnungsbands auf allen Etiketten der San-Marzano-Tomate g.U.
„Damit wird noch deutlicher sichtbar, welche Produkte tatsächlich zertifiziert sind“, so Manfuso. „Verbraucherinnen und Verbraucher können dadurch einfacher eine bewusste Kaufentscheidung treffen.“ Bislang waren die Etiketten der verschiedenen Verarbeiter im Konsortium uneinheitlich, auch wenn jede Dose bereits mit der offiziellen DOP-Marke und einer individuellen Konsortiumsnummer versehen ist . Die Vereinheitlichung soll nun die Marke San Marzano DOP als Ganzes stärken .
Satelliten überwachen die Ernte
Parallel investiert das Konsortium in die digitale Zukunft. Ein satellitengestütztes System zur Überwachung der Anbauflächen wird künftig bereits Anfang Juli erste präzise Angaben zu Qualität und verfügbaren Mengen liefern – etwa anderthalb Monate früher als bisher möglich .
Diese Frühwarnung ermöglicht es den verarbeitenden Unternehmen, frühzeitig verlässliche Prognosen zu erstellen und Vertragsverhandlungen mit europäischen Importeuren effizienter zu gestalten. „Das schafft Planungssicherheit auf beiden Seiten und verhindert spekulative Preissprünge“, erklärt Manfuso.
Die aktuellen Erfolge sind auch das Ergebnis gezielter Informations- und Promotionsmaßnahmen in den wichtigsten europäischen Zielmärkten. Das Programm wird mit Unterstützung des italienischen Landwirtschaftsministeriums (MASAF – Ministerium für Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Forsten) umgesetzt.
Im Mittelpunkt steht die Aufklärung von Handel und Verbrauchern über den Mehrwert der Herkunftsbezeichnung – ähnlich, wie es bei Parmigiano Reggiano oder Champagner längst Praxis ist . Denn die San-Marzano-Tomate ist mehr als nur eine Zutat: Sie ist ein Stück italienische Kulturgeschichte.
Fazit
Die San-Marzano-Tomate g.U. befindet sich im Aufwind. Mit Rekordpreisen für die Erzeuger, steigenden Exporten, technologischer Vorreiterrolle und einer einheitlichen Markenstrategie stellt das Konsortium die Weichen für nachhaltiges Wachstum. Für Feinschmecker und Spitzengastronomen in Deutschland bleibt sie damit weiterhin erste Wahl – wenn das gold-rote Siegel auf der Dose stimmt.
Das Konsortium zum Schutz der San-Marzano-Tomate DOP verzeichnet nicht nur ein deutliches Exportplus in Deutschland, sondern auch erste positive Signale aus Frankreich.