Bernhard Steinmann interviewt Pascal Oberhofer

Kennen Sie die Einzellagen Forst, Mandelhang oder Rosengarten? Nein? Sie liegen in Esem. Sorry, für alle der pfälzischen Mundart Unkundigen, es handelt sich um Edesheim. Dort befindet sich das Weingut Oberhofer, ein Familienbetrieb.

Für Nachhaltigkeit, Qualität, Facettenreichtum und ökologischen Weinbau steht heute Pascal Oberhofer, der mit eigener Handschrift die Arbeit im Weinberg und Keller verantwortet. Mit ihm konnte ich das nachfolgende schriftliche Interview führen:

Bernhard Steinmnn (B.St.:) Winzer kennen schwierige Jahre, was bisher im Wesentlichen dem Wetter geschuldet ist. Das Coronavirus stellt eine völlig neue Herausforderung dar. Wie hart trifft Sie diese Krise?

Pascal Oberhofer (P.O.:) Jedes Jahr aufs Neue ist es eine Herausforderung, wie sich das Wetter entwickelt: Spätfrost, Hagel, Regen, Hitze oder Kälte zum falschen Zeitpunkt – das alles können wir nicht beeinflussen, nur lernen damit umzugehen. Das Coronavirus ist für uns alle neu. Die Umsätze durch Gastronomie-Kunden sind völlig eingebrochen. Es trifft mich besonders hart, dass ich Weinfreunden meine Weine nicht bei Präsentationen vorstellen kann und dadurch kein direktes Feedback erhalte. Für diese Jahreszeit ist es untypisch ruhig in der Südpfalz – es sind keine Touristen und Weinkäufer unterwegs.

B.St.: Fühlen Sie in dieser schwierigen Situation die Wertschätzung durch die Politik? Schließlich kommt die zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin aus einer Winzerfamilie und müsste die Probleme kennen.

P.O.: Dem Weinbau sowie der gesamten heimischen Landwirtschaft, fehlt es in der Politik an Wertschätzung. Daran kann leider auch eine Ministerin aus einer Winzerfamilie wenig ändern.

In der Krise kümmert sich die Politik um Großkonzerne und nicht um die systemrelevante Landwirtschaft. Die Grenzschließungen für Saisonarbeitskräfte, sind ein Problem. Die getroffenen Kompromisslösungen wirken wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Der bürokratische Aufwand ist sehr hoch und steht oft in keinem Verhältnis zu unserer eigentlichen Arbeit. Im Weinbau, wie in der gesamten deutschen Landwirtschaft, herrschen höchste Standards.

B.St.: In der Zeit des Kontaktverbotes, so hörte ich, ist der Weinabsatz gestiegen. Haben Sie mit dem Versand von Wein ähnliche Erfahrungen gemacht?

P.O.: Im Supermarkt und Discounter wird in Corona Zeiten mehr Wein verkauft. Davon profitieren besonders Kellereien im niedrigen oder mittleren Preissegment.

Umsätze bei Fachhandel und Gastronomie dagegen sind eingebrochen – davon sind auch wir betroffen. Der Umsatz durch den Direktverkauf bei uns in der Vinothek ist ebenfalls stark zurückgegangen, da deutlich weniger Kunden unterwegs sind und auch keine Touristen in die Pfalz kommen.
Leider sind Verkostungen in der Krise aktuell nicht möglich.

B. St.: Auch der Klimawandel nimmt sicher Einfluss auf die Arbeit im Weinberg. Können Sie vom Klimawandel profitieren?

T.O.: Spätfröste Ende April/Anfang Mail haben in den letzten 10 Jahren verstärkt Schäden angerichtet. Der Austrieb der Reben erfolgt immer früher – in diesem Jahr bereits Anfang April und somit 3 Wochen früher als im Mittel der letzten Jahre, was die Reben natürlich auch anfälliger macht. Kalte Nächte mit Temperaturen im Minusbereich sind bis Mitte Mai möglich und nehmen zu.
In den letzten Jahren kommt es auch zu mehr Schäden durch Hagel.
Dies ist regional sehr unterschiedlich, aber insgesamt werden die Unwetter heftiger.

B.St.: Wir befinden uns im Land der Rieslingweine. Dennoch bieten Sie u.a. Grauburgunder, Spätburgunder, Dornfelder,  Merlot, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon, Cabernet Blanc, Chardonnay, Rieslaner, Morio Muskat, Auxerrois, Dornfelder und Gewürztraminer an, wie ich in Ihrem Weinshop sehen konnte. Welche Bedeutung hat der Riesling für Sie? 

P.O.: Der Riesling ist und bleibt die wichtigste Rebsorte der Pfalz. Riesling ist unheimlich vielseitig und interessant mit vielen Facetten. Außerdem transportiert und zeigt er das Terroir, die verschiedenen Böden der Pfalz, sehr gut.
Die Böden und das Klima bei uns in der Südpfalz ermöglichen eine große Sortenvielfalt. Ich persönlich lege auch sehr großen Wert auf die Burgundersorten, vor allem Chardonnay und Spätburgunder.

B.St.: Weshalb haben Sie sich für ökologischen Weinbau entschieden? Schließlich ist damit mehr Handarbeit verbunden und das Risiko von Ernteausfällen darf auch nicht unterschätzt werden.

P.O.: Die Qualität des Weines entsteht immer im Weinberg, dies ist allgemein bekannt. Gerade deshalb ist es wichtig dafür zu sorgen, dass die Böden lebendig und vital sind. Grundvoraussetzung dafür ist die ökologische Wirtschaftsweise. Das bedeutet einen Mehraufwand, den wir gerne auf uns nehmen, um die Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt im Ökosystem Weinberg zu fördern und zu vermehren. 

Bereits seit 2008 haben wir konsequent auf ökologischen Anbau umgestellt und verzichten auf den Einsatz von Herbiziden, Pestiziden, Insektiziden, Fungiziden und Mineraldünger, um das natürliche Ökosystem zu bewahren und die Umwelt zu schonen. Mit der Verwendung von Pflanzenstärkungsmitteln werden die Pflanzen auf natürlichem Wege gestärkt und abgehärtet.

© Pascal Oberhofer

B.St.: Es kommt beim Weinanbau sehr auf die Qualität der Verarbeitung an. Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Terroir und Verarbeitung?

P.O.: Grundvoraussetzung sind gesunde, perfekt gelesene Trauben, die eine eigene Typizität vom Weinberg mitbringen. Diese Typizität muss im späteren Wein schmackbar sein.
Die Verarbeitung muss individuell und kompromisslos erfolgen, um das Terroir nicht zu verfälschen. Nur im perfekten Zusammenspiel von Terroir und Verarbeitung entstehen große und unverwechselbare Weine.

B.St.: Ein Produkt zu formen und mit der Natur zu arbeiten, der ständige Kampf mit Trockenheit und Staunässe scheint ein hartes Handwerk zu sein. Worin liegt darin der Reiz?

P.O.: Jedes Jahr aufs Neue beginnt eine Vegetationsperiode und wir wissen noch nicht, mit welchen Herausforderungen wir uns auseinandersetzten werden, bis wir dann – am Ende der Vegetationsperiode – möglichst gesunde, reife Trauben ernten können. Auch dann ist die Spannung noch nicht vorbei – es folgt die Verarbeitung, die Gärung und Reifung bis zur Flaschenfüllung. Doch dann, wenn der Wein unveränderbar gefüllt ist, bin ich stolz auf das Ergebnis, darauf alles von Anfang an begleitet und die Verantwortung dafür übernommen zu haben.

Den ständigen Kampf mit den immer wieder wechselnden, von der Natur gegebenen Herausforderungen kann ich bestehen, wenn ich flexibel bin, bereit bin zu lernen und auch auf Erfahrungen zurückgreifen kann. Häufig verbinde ich die langjährigen Erfahrungen meiner Eltern oder Großeltern mit den neuesten Erkenntnissen und Forschungen. Das ist ein besonderer Reiz, um jedes Jahr noch ein Stück besser zu werden. 

B.St.: Der älteste Weinberg der Welt befindet sich in Ihrem Besitz. Die knorrigen Gewürztraminerreben im „Rhodter Rosengarten“ erfordern viel Arbeit und bringen wenig Ertrag, wenn ich dies einmal etwas provozierend sagen darf.

Welche Bedeutung hat der Weinberg für Sie und das Unternehmen?

P.O. Die 400-jähringen Traminer Reben bedeuten uns weit mehr als nur ein Weinberg. Niemals sehen wir den damit verbunden Aufwand unter wirtschaftlichen Aspekten. Es ist unsere Pflicht dieses Naturdenkmal zu pflegen und bewahren. Jeder einzelne Rebstock hat schon viel erlebt und erzählt seine eigene Geschichte.

Alle Arbeiten im Weinberg einschließlich Pflanzenschutz werden händisch ausgeführt. Dabei wird mir bewusst, dass ich nur eine weitere Generation nach vielen Winzern in der Geschichte dieses Weinberges bin.

B.St.: Für die Verpackung Ihres Gewürztraminers gab es 2019 einen Verpackungspreis. Was muss man denn darunter verstehen?

P.O.: Der Weinberg ist absolut einzigartig. Unter diesem Aspekt haben wir lange über eine nachhaltige Präsentationsmöglichkeit nachgedacht.

Marc Clormann von Clormann Design – Luxurising Brands hat uns verstanden. Gemeinsam haben wir eine neue Hülle aus Holz und Naturpapier für den ältesten Weinberg der Welt geschaffen.

Kurz nach Fertigstellung wurde diese Verpackung mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Im Laufe des Jahres folgte der German Design Award sowie der Deutsche Verpackungspreis.

B.St.: Welchen der Weine aus Ihrem Sortiment würden Sie mir besonders empfehlen?

Heute empfehle ich Ihnen besonderes unseren 2018 Chardonnay „Madonnenhöhe“ Réserve.

Nach acht Monaten Hefelager und einer gewissen Zeit auf der Flasche zeigt er für mich eine taktile Mineralität, die für Spannung sorgt. Vor ein paar Tagen wurde er mit 93 Punkten von Falstaff bewertet.

Für die kommenden sommerlichen Tage empfehle ich außerdem unseren 2019 Cabernet Sauvignon & Merlot rosé. Mit 7 Gramm Säure und dabei nur 1 Gramm Restzucker ist er sehr frisch, elegant und hat unheimlich viel Trinkfluss. Zum Wohl.

B.St.: Vielen Dank für die interessanten Eindrücke Ihrer Arbeit, die wir in diesem Interview gewinnen konnten. 

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