Jean-Claude Bourgueil behält Michelin Stern

Nach einem dussligen, rassistischen Post auf Facebook verliert der 73jährige Patron und Küchenchef des Restaurant „Im Schiffchen“ in Kaiserswerth die Erwähnung auf den Webseiten des Michelin, seinen Stern darf er aber laut Guide Michelin behalten.

Jean-Claude Restaurant Im Schiffchen, Kaiserswerth

„Wir beginnen am Freitag, erstmal nur mit unserem Bistro. Chinesen nicht erwünscht!!!“, schrieb Patron Jean-Claude Bourgueil in Facebook auf die Wall seines Restaurants. Gourmet Report berichtete ebenfalls auf Facebook.

Der 73jährige Küchenchef, der jeden Tag selber am Pass steht, machte wohl China für Covid19 verantwortlich und wollte mit diesem Kommentar darauf hinweisen. Dem ruppigen Alten war natürlich nicht bewusst, welche Wellen das schlagen wird. Der Spitzenkoch ist sicher kein Rassist, lästert aber über alles und jeden und verbrannte sich so schon öfter das Maul. So war er jahrelang vom Gault Millau schlecht bewertet, weil er sich gegenüber dem Chefredakteur Manfred Kohnke – nett ausgedrückt – eher wenig diplomatisch verhielt. Leidtragender war er selber im Endeffekt.

Bourgueil probierte nur den Rückzieher: Natürlich seien Chinesen bei ihm willkommen! Der Spruch war ausschliesslich auf die Regierung gemünzt. Die sei nicht willkommen.
Gottseidank erweiterte er nicht die Entschuldigung mit „bei mir können ab sofort Chinesen den guten Rotwein auch mit Eiswürfeln bekommen oder dürfen mit Cola mischen!“
Aber alles zu spät!

Anyway, fleissige chinesische Diplomaten meldeten das ganze nach Hause. China ist ein wichtiger Markt für den Guide Michelin. Dort co-finanzieren staatliche Stellen die Ausgaben des roten Führers. Diese beschwerten sich massiv beim Michelin. Der knickte umgehend ein. Der „Michelin Guide“ kritisierte die diskriminierenden Äußerungen des 73j. Restaurateurs auf seinem WeChat-Konto am Freitag scharf und meldete gehorsam, es sei beschlossen worden, das Restaurant von der Liste der empfohlenen Betriebe zu streichen.

„Der Vorfall stelle keinen Einzelfall dar, sondern spiegele den Anstieg von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Zeiten der Pandemie wider,“ sagte Zhu Wei, Kommunikationsforscher an der China University of Political Science and Law in Beijing, in der chinesischen Global Times.
„Einige westliche Medien und Politiker haben während der Pandemie Gerüchte gegen China aufgebauscht und versucht, die Chinesen zu verleumden, was „unreflektierte“ lokale Nachahmer angezogen habe,“ so Zhu.
Das dürfte wohl die offizielle chinesische Lesart sein.

Was Bourgueil angeht: Selbstverschuldet ist er in die internationale Politikmühle geraten. Auch mit 73 Jahren schafft er es nicht, sich in Zaum zu halten. In den 70ern wäre das alles nicht so ein Problem gewesen, aber die Zeiten haben sich nun mal geändert. Im WDR verteidigt sich der alte Revolutionär: „Mir ist es wichtig, ich bin kein Nazi, und es tut mir ehrlich leid, die armen Chinesen, die unter dieser Diktatur leiden. Sie sind im Schiffchen herzlich willkomen“, sagte er dem Sender. Ich bin ein Kind der französischen Revolution und verabscheue alle Diktatoren dieser Welt. Diktatoren, die ihr Volk unterdrücken und Menschen sogar mit dem Tode bestrafen. Erfahrungen dieser Art hatten wir im letzten Jahrhundert auch in Europa.
Mein – sicherlich unglücklich formulierter Satz – sollte sich in keiner Weise auf die chinesische Bevölkerung beziehen, sondern auf ihre Machthaber“, so Bourgueil im Radio Interview. In seinem Restaurant sei jeder herzlich willkommen. „Seien Sie versichert, man kann mir einiges vorwerfen, aber sicher keinen Rassismus und ich dulde diesen auch nicht“, behauptete Bourgueil. Er bitte jeden, den er mit seiner Äußerung verletzt habe, um Verzeihung.

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Bourgueil ist aber nicht der einzige, der derzeit Probleme mit Asiaten hat. Viele asiatische Gastronomen berichteten Gourmet Report bereits vor dem Lockdown, dass viel weniger Gäste wie gewöhnlich kommen, da sie Angst hätten, angesteckt zu werden. Ein Wirt meinte: „Unglaublich. Wir sind fast alle Deutsche. Das letzte Mal war einer von uns vor einem halben Jahr in China. Bei uns ist es genauso sicher oder unsicher wie überall!“
Wir beobachteten selber, dass auch jetzt noch weiterhin in asiatischen Restaurants viel weniger Gäste als üblich waren, während wir beim Nachbarn mit europäischer Küche keinen Platz mehr bekamen. Und das im weltoffenen Berlin!

Chinesen nicht erwünscht – Bourgueil, Düsseldorf

In den Streit um die Äußerungen Jean-Claude Bourgueil hat sich jetzt Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) geäussert. In einem Schreiben an den chinesischen Generalkonsul Haiyang Feng zeigte sich Geisel empört über die Äußerung des Gastronomen. „So etwas passt nicht zu unserer weltoffenen Stadt, die stolz darauf ist, eine so große und lebendige chinesische Gemeinschaft beherbergen zu dürfen“, schrieb Geisel: „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie Ihre Landsleute in Düsseldorf dies wissen lassen und ihnen meine herzlichen Grüße übermitteln wollten.“

In Düsseldorf sitzen einige wichtige chinesische Firmen, wie z.B. Huawei.

Bei allem Respekt: Bourgueil ist hier der Täter und nicht China.
Was lernen wir daraus: erst denken, dann posten!

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Nach einem dussligen, rassistischen Post auf Facebook verliert der 73jährige Jean-Claude Bourgueil, Küchenchef des Restaurant „Im Schiffchen“ in Kaiserswerth, die Erwähnung auf den Webseiten des Michelin, seinen Stern darf er aber laut Guide Michelin behalten.

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