Kein Beleg für Tee als Wundermittel gegen Krankheiten

Mario Lorenz, Molekularbiologe und Tee-Forscher an der Berliner Charité, warnt davor, Tee als gesundheitsförderndes Wundermittel anzusehen. „Angeblich hilft er auch gegen Alzheimer und Parkinson und verhindert das Wachstum von Tumoren, und weil er die freien Radikale in den Zellen eindämmt, soll er auch noch das Altern aufhalten“, sagt Lorenz dem ZEITmagazin. „All diese Wirkungen sind zwar nachgewiesen, aber nur im Labor, meistens mit Tests an Ratten oder Mäusen.“ In Versuchen mit Menschen seien bisher nur sehr wenige dieser Ergebnisse bestätigt worden.

Das liege nicht nur daran, dass jahrelange Versuchsreihen mit dutzenden Probanden aufwändig seien. „In Tierversuchen werden oft sehr hohe Mengen an Polyphenolen eingesetzt – sie werden als die gesundheitlich wirksamen Teebestandteile angesehen –, die man kaum trinken oder in Form von Kapseln zu sich nehmen könnte.“

Lorenz, 52, forscht selbst über die gesundheitlichen Wirkungen des Tees. Er war an einer Studie beteiligt, die belegte, dass Tee, egal ob grün oder schwarz, die Blutgefäße elastischer macht – zwei Stunden nach dem Teetrinken. „Aber ist das auch ein dauerhafter Effekt, und bekommen Teetrinker seltener einen Herzinfarkt? Das weiß man eben noch nicht genau“, so Lorenz. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern forscht er jetzt über die Frage, ob grüner Tee gut für Alzheimer- und Parkinsonpatienten ist. Nächstes Jahr sollen die Ergebnisse vorliegen.

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