Trend in Berliner Restaurants

Die deutsche Küche ist seit gut zwei Jahren wieder „in“. Lange orientierte man sich in ganz Deutschland an den Küchen anderer Länder, etwa Frankreich oder Italien. Im Zuge des Trends zu „Bio“ und der damit verbundenen Besinnung auf regionale Produkte entdeckten die jungen Küchenchefs die Speisen von Großmutter wieder, machten sie leichter und gaben ihnen neuen Schwung. Die Berliner Köche gehörten zu den Ersten, die mit dem arbeiteten, was vor den Toren der Hauptstadt wächst, etwa Gemüse wie „Teltower Rübchen“, Havelländer Apfelschwein, Fisch aus der Müritz oder Wild aus der Schorfheide.

Ein phantastisches Beispiel dafür, dass aus diesen Produkten ein Spitzenmenü werden kann, ist das „Fräulein Fiona“ in Charlottenburg. Oder auch das „Volt“ in Kreuzberg im 1928 erbauten Umspannwerk Kreuzberg am Landwehrkanal. Küchenchef Matthias Gleis kombiniert Zutaten vorsichtig, so dass der Gaumen nicht mit Aromen überfordert wird, sondern diese sich vortrefflich ergänzen – hochraffiniert! Eine Kostprobe: Kohlrabisuppe mit Curry und gebratener Garnele oder Schwarzfederhuhn an Erbsen, Pfifferlingen, Karotten und Muskatblüte.

Eines der sensationellsten Restaurants, von Gourmetkritikern bejubelt und noch ein Geheimtipp ist das „Naked Lunch“. Keine Sorge, hier muss sich niemand beim Essen ausziehen, vielmehr geht es darum, regionale Produkte pur hervorzuheben. Die Küche ist eine Sensation, herrlich unaufgeregt und dabei enorm kunstvoll: Matjesfilets mit Apfel-Zwiebel-Schmand und Bratkartoffeln zum Beispiel erinnern an Großmutters Kochkunst und geben ein wunderbares Heimatgefühl, haben aber auch diesen leichten Kick von Modernität und Frische. Gekonnt werden auch die selbstgemachten Möhrengnocchi mit Orangen-Salbeibutter zubereitet, fruchtig, kräftig, würzig und doch unschlagbar dezent. Und: Regionale, moderne Kost trifft auf typische Berliner Architektur. Das Restaurant liegt versteckt im zweiten Hinterhof in der Anklamer Straße in Mitte.

Wurst und Bier – das halten viele Menschen im Ausland für deutsche Kost. Stimmt! Das „Meisterstück“ zeigt, wie vielfältig beides sein kann und serviert Würstchen in allen Variationen, etwa auch mit Lachs als Inhalt. Außerdem gibt es die typisch deutsche „Stulle“ – Brot mit „was drauf“, zum Beispiel Gewürzkrustenbrot mit Honig-Senf-Aufstrich mit jungem Lauch und Gartenkresse. Das Bierangebot besteht vor allem aus Craft Bier, handgebrauten Biersorten in Kleinauflagen. Eine Portion Humor gibt’s obendrauf: Die Wände des urig-schicken Restaurants sind voll mit Kuckucksuhren, und zwar von traditionellen bis zu modernen Ausgaben.


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