Geheimtipp: Cookies Cream in Berlin

Ziemlich versteckt und unscheinbar liegt das rein vegetarische Clubrestaurant in einem Berliner Hinterhof zwischen Westin Grand Hotel und Komischer Oper. Etwas überrascht ist man schon angesichts der alten Eingangstür mit reichlich Patina und dem dunklen Treppenhaus mit seinen nackten Betonstufen, die zum „Cookies Cream“ in der 1. Etage führen. Hier setzt sich die Verwunderung fort, denn anstatt edlen Accessoires, opulent gedeckten Tischen und fein gekleideten Gästen erwarten uns kalkweiß gestrichene Wände, gemütliche Retro-Möblierung und hippes Publikum.

Aus der offenen Küche kommen ausschließlich fleischlose Gerichte, und wer meint, vegetarisches Essen sei nicht spannend, wird hier eines Besseren belehrt. Schon der knackig-frische Baby Leaf Salat mit saftigen Inka Tomaten, Ziegenricotta und aromatischem Koriander-Pestodressing überzeugte als niveauvolle Vorspeise. Bei der gefüllten Paprika-Kartoffeltarte, die mit feinem Crottin de Chavignol, grünen Bohnen und Kresse kredenzt wurde, gefiel nicht nur die sorgfältige Zubereitung, sondern auch die überraschend delikate weiße Tomatencreme, bei der wir schon penetrantes Kunstaroma fürchteten. Auch das süße Leben bereitet im „Cookies Cream“ kulinarisches Vergnügen, selbst dann, wenn vermeintlich Braves, Unspektakuläres wie Schoko-Brownie mit Safran-Mascarpone-Eis und Orangen-Papayasalat gereicht wird, und erst recht bei sensationellem Joghurt-Limetten-Törtchen mit eingelegten Trauben und wunderbar aromatischem Holunderbeeren-Sorbet.

Das Preisniveau ist angemessen und geht in Anbetracht des Gebotenen mit 32,– € für ein 3-Gänge-Menü völlig in Ordnung. Zu allem findet man in einem kurzen, aber guten Angebot aus deutschen Spitzenweinen die passenden flüssigen Begleiter. Wer auch besten Pfälzer und Rheingauer Gewächsen nichts abgewinnen kann, kann auch den einen oder anderen Bordeaux ordern.

Ein Lob möchten wir auf jedem Fall dem Service zukommen lassen, der locker, leger und sehr sympathisch agiert und sich herzlich um das leibliche Wohl der Gäste kümmert. Zwar geschieht dies in äußerst lässiger Kleidung und jenseits von klassischen Serviceregeln – allerdings wäre ein schwarz-weiß gekleidetes, steif auftretendes Servicepersonal hier sowieso total fehl am Platz.

Fazit: Ein originelles Restaurant mit trendigem Loft-Ambiente, das bestens in die Hauptstadt passt. Für Gäste, die sich in der Szene zu Hause fühlen, ist diese coole Location fast schon ein „Muss“. Selbst wer sich vom morbiden Charme ein wenig erdrückt fühlt, wird spätestens wegen der exzellent zubereiteten kreativen Küche von Stephan Hentschel wiederkommen.

www.cookiescream.de

Die Redaktion des Varta-Führers kürt auf ihrer Website www.varta-guide.de wöchentlich das Hotel bzw. Restaurant der Woche. Die Auswahl erfolgt anhand aktueller Prüfergebnisse unserer Experten. Die Nennung im Varta-Führer hängt allein von der Leistung der Betriebe ab. Vergeben werden Varta-Diamanten und Varta Tipps für besonderes Ambiente, erstklassige Küche oder für aufmerksamen Service.

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