Wie gut ist das Obst und Gemüse aus der Flasche?

Wie gut ist das Obst und Gemüse aus der Flasche?

Smoothies, die so genannten Ganzfruchtgetränke bzw. Fruchtshakes wurden zunächst vor allem in Saftbars, an Tankstellen und Kiosken angeboten. Inzwischen sind die Flaschen mit püriertem Obst und Gemüse aus den Kühlregalen der Supermärkte nicht mehr wegzudenken und der Trend scheint nicht abzureißen, denn ständig kommen neue Produkte hinzu. Auch die Discounter sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und lassen Artikel ihrer Eigenmarken produzieren.

Aber was taugen die Fruchtdrinks wirklich? Können die Ganzfruchtgetränke ihre Werbeversprechen halten und auf schnelle und unkomplizierte Art und Weise frisches Obst und Gemüse ganz oder teilweise ersetzen? „Frisches Obst und Gemüse ist den fruchtigen Trendprodukten aufgrund seiner zahlreichen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe in vielerlei Hinsicht überlegen und auf keinen Fall vollständig ersetzbar. Außerdem ist es meist wesentlich preisgünstiger. Dennoch kann ein guter Smoothie gelegentlich bis zu zwei Portionen Obst bzw. Gemüse pro Tag ersetzen, beispielsweise unterwegs oder wenn frische Produkte nicht zur Verfügung stehen“ sagt Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. Hochwertige Smoothies werden auf Basis von Fruchtmark oder -püree und ggf. Fruchtstücken aus geschälten, entkernten, ganzen Früchten hergestellt. Abgesehen vom Verlust wertvoller Inhaltsstoffe aus den Schalen bleiben so die Nährstoffe weitgehend erhalten. Einige Anbieter stellen ihre Smoothies überwiegend aus Saft her. Hier wird Direktsaft oder Saft aus Konzentraten verwendet. Je höher der Saftanteil ist, desto weniger wertgebende Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe sind im Endprodukt enthalten. Wenn Smoothies zusätzlich Zucker, Verdickungsmittel und Aromastoffe oder Vitamine zugesetzt werden, sollte man besser die Finger davon lassen. Aufschluss über die Zusammensetzung gibt die Zutatenliste.
Hintergrundinformation: Eine eindeutige Definition für die Inhaltsstoffe eines Smoothies gibt es nicht, denn „Smoothie“ ist kein geschützter Begriff. Daher gibt es hinsichtlich Rezeptur und Zutaten sehr unterschiedliche Produkte auf dem Markt, die alle als „Smoothie“ verkauft werden. „Echte“ Smoothies (Portion von 200-250 ml), die maximal zur Hälfte aus Saft und mindestens zur Hälfte aus Mark, Püree oder stückigen Bestandteilen bestehen, können gelegentlich bis zu zwei Portionen Obst bzw. Gemüse ersetzen – sofern sie keine Zusätze wie Zucker, Zusatzstoffe (Aromen, Farbstoffe, Konservierungsstoffe) und isolierte Nährstoffe enthalten und nicht durch Entzug von Wasser konzentriert sind. Denn mit der Aufkonzentrierung geht das für die Sättigung wichtige Volumen verloren und die Energiedichte nimmt zu. Und die ist bei Smoothies, insbesondere bei solchen mit viel Obst, aufgrund des hohen (fruchteigenen) Zucker- und damit Energiegehaltes sowieso schon hoch. Daher sollten Smoothies nicht zusätzlich verzehrt werden und eignen sich auch nicht als Durstlöscher. Wenn der Gehalt an Fruchtsäften in einem Smoothie überwiegt, ist er nicht anders als Saft zu bewerten. Säfte können ab und zu eine Portion Obst oder Gemüse am Tag ersetzen.

Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Gemüse und Obst sind wichtige Lieferanten für Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und haben zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen: Sie können das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmten Krebsarten senken. Eine wichtige Rolle spielen Obst und Gemüse auch in der Prävention von Übergewicht. Aufgrund ihres hohen Wasser- und Ballaststoffgehaltes und der damit verbundenen geringen Energiedichte haben sie eine gute Sättigungswirkung.

Die Empfehlung der DGE und des 5 am Tag-Vereins für den Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland liegt für Erwachsene bei 400 g Gemüse und 200 bis 250 g Obst pro Tag, das bedeutet 5 Portionen Obst und Gemüse täglich. Einige Anbieter werben damit, dass man mit 100 ml eines durch Entzug von Wasser konzentrierten Smoothies 50 % der empfohlenen Menge an Obst und Gemüse decken kann. Diese Werbeaussage bezieht sich auf die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Menge von 400 g Obst und Gemüse pro Tag und ist für Deutschland nicht zutreffend.

Fazit: Auch wenn bisher keine Daten zur gesundheitlichen Wirkung von Smoothies am Menschen vorliegen, ist ein gut zusammengesetzter Smoothie allemal besser als kein Obst und Gemüse. Er ist vor allem praktisch, wenn gerade keine frischen Produkte zur Verfügung stehen oder vorübergehend keine feste Nahrung aufgenommen werden kann. Generell sind nach wie vor frisches Obst und rohes bzw. schonend gegartes Gemüse in ihrer ganzen Vielfalt und mit ihrem vollen Spektrum an Nährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, ihrem geringen Energiegehalt und ihrem großen, sättigenden Volumen zu bevorzugen.

Nüsse im Wandel der Zeit

Vom Dickmacher-Image zum Gesundheitsbringer

Was gibt es schöneres als an einem kalten Winterabend bei Kaminfeuer oder Kerzenschein Nüsse zu knacken? Die heimischen Wal- und Haselnüsse werden im Spätherbst geerntet und schmecken jetzt besonders gut. Spezialitäten aus der ganzen Welt ergänzen das Angebot.

Mandeln kommen vorwiegend aus den Mittelmeerländern und Kalifornien zu uns. Cashew-Kerne stammen aus Asien und Afrika, Macadamianüsse aus Australien, Paranüsse aus Südamerika und Pekannüsse aus den USA und Mexiko.

Keine Lebensmittelgruppe hat in den letzten Jahren einen solchen Imagewandel erlebt wie Nüsse.
Früher als Dickmacher abgelehnt, gelten sie jetzt als wahre Gesundheitsbringer.

In zahlreichen Studien zeigten sich positive Effekte auf die Fettstoffwechselwerte, die Regulation des Blutzuckerspiegels, den Blutdruck und – kaum zu glauben – auf das Gewicht. Vieles spricht dafür, dass das günstige Fettsäureprofil hierbei eine wesentliche Rolle spielt. Aber auch andere Inhaltsstoffe wie Vitamine (Vitamin E, Folsäure, Vitamin B6, Niacin), Mineralstoffe (Magnesium, Zink, Kalium), Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, Phenolsäuren) tragen dazu bei.

Experten empfehlen deswegen, täglich eine kleine Handvoll ungeröstete und ungesalzene Nüsse zu essen. Eingekauft werden Nüsse am besten mit Schale, denn so halten sie sich am längsten. Der Schütteltest zeigt, ob die Ware frisch ist: Klappert die Nuss in der Schale, ist sie eingetrocknet und damit alt. Nüsse schmecken am besten, wenn sie erst direkt vor dem Verzehr geknackt werden.
Angeschimmelte und dunkel verfärbte Nüsse sind für den Verzehr nicht geeignet. Schmeckt eine Nuss bitter oder seifig, sollte sie nicht geschluckt, sondern ausgespuckt werden!
( Dr. Maike Groeneveld )

Gemüse und Obst für ein vitales Leben

Für den Endverbraucher steht ab sofort die 3. Auflage der 40-seitigen Broschüre „Gemüse und Obst aus ernährungswissenschaftlicher Sicht“ bereit. Hier kann sich der Konsument über die wichtigsten Inhaltsstoffe, deren positive Wirkungen sowie über praktische Tipps zu Einkauf, wirkstoffschonender Zubereitung und Lagerung informieren.

Ein reichhaltiger Verzehr an Obst und Gemüse stellt einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Immunsystems sowie zur Vorbeugung gegen Krankheiten dar. Neben hohen Wasser- und Faserstoffgehalten liefern Gemüse und Obst essentielle Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Diese besitzen vielfältige gesundheitsförderliche Effekte und machen Gemüse und Obst wertvoll für die menschliche Ernährung. Trotz der bekannten positiven Wirkungen fällt der tatsächliche Verzehr nur mäßig aus: So zeigt die Statistik der Landesanstalt für Landwirtschaft, dass der Pro-Kopf-Verbrauch für Gemüse in Deutschland lediglich 93 Kilogramm pro Kopf beträgt, wünschenswert hingegen sind 219 Kilogramm jährlich.

Mit einer Steigerung des Gemüse- und Obstverbrauchs auf 600 bis 800 Gramm pro Tag kann sich zum Beispiel das Krebsaufkommen um bis zu 23 Prozent verringern. Besonders die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, die in geringen Mengen in der Pflanze vorkommen, sind bedeutende Radikalfänger und somit Zellschützer. Laut Untersuchungen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung sinkt das Risiko für bösartige Tumore im oberen Verdauungstrakt pro täglich verzehrter Portion (80 Gramm) um bis zu neun Prozent (1).

Die Neuauflage des Ratgebers steht für 3,50 Euro auf www.fet-ev.eu als Download zur Verfügung oder ist unter 0241 – 961030 anzufordern.

Literatur:
(1) Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam Rehbrücke: Jahresbericht 2005-2006. S. 31ff

Essen ohne Entzündungsrisiko

Die Ernährung hat einen direkten Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Körper. Das zeigen epidemiologische Studien, die den Zusammenhang zwischen Ernährungsmuster und Entzündungsrisiko untersucht haben. Dabei schnitt die hier zu Lande übliche fettreiche Kost mit einem hohen Anteil tierischer Produkte deutlich schlechter ab als eine pflanzlich betonte Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Getreide und Fisch.

"Die westliche Kost geht klar mit einer höheren Blutkonzentration an Entzündungsmarkern einher", sagte Dr. Bernhard Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel auf einer Veranstaltung des Instituts Danone Ernährung für Gesundheit e.V. Wichtig ist diese Erkenntnis, weil chronische Entzündungen der Nährboden für die Entstehung vieler Krankheiten sind, unter anderem für Typ-2-Diabetes und Arteriosklerose mit ihren Folgen, dem Herzinfarkt und dem Schlaganfall. Nach einem deftigen Frühstück mit Eiern und Speck seien typische Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) oder Tumornekrosefaktor alpha noch Stunden erhöht. Ein hoher Obst und Gemüseverzehr wirkt dagegen offenbar entzündungshemmend. Eine tägliche Zusatzration von 280 g Kirschen pro Tag zur normalen Ernährung ließ das CRP in einer Interventionsstudie um 30 Prozent sinken.

Eine wichtige Rolle scheinen dabei Sekundäre Pflanzenstoffe zu spielen: Carotinoide, Flavonoide, Phenolsäuren und Sulfide haben sowohl immunmodulierende (Beeinflussung des Immunsystems) als auch antientzündliche Wirkungen. Inzwischen gibt es Daten über die entzündungshemmenden Effekte der Carotinoide, zu denen zum Beispiel der rote Tomatenfarbstoff Lykopin oder das Karotten oder Aprikosen färbende Beta-Carotin gehören.

Offenbar sind diese Effekte dosisabhängig: "Bei Probanden einer Studie, die acht Wochen lang nur zwei Portionen Obst und Gemüse gegessen hatten, kam es zu einer deutlichen Erhöhung des Entzündungsmarkers CRP. Bei acht Portionen Obst und Gemüse täglich lag dieser Marker sehr viel niedriger", so Watzl.

Auch die Gruppe der Flavonole ist hinsichtlich ihrer Immunwirkungen gut untersucht. Sie kommen zum Beispiel in Schokolade, Rotwein, Tee oder Äpfeln vor und haben in etwa 50 Studien eine entzündungshemmende Wirkung gezeigt. Allerdings handelt es sich dabei fast ausschließlich um in-vitro-Studien gab Watzl zu Bedenken. "Daten aus Humanstudien gibt es bislang nicht, und auch über die Wirkmechanismen ist bislang wenig bekannt".
( Dorothee Hahne)

Zusammenhang zwischen flavonolreicher Ernährung und Bauchspeichelsdrüsenkrebs

Eine große amerikanische Ernährungs- und Krebsstudie mit 183 518
Teilnehmern zeigt, dass eine flavonolreiche Ernährung helfen könnte, das
Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko zu senken. Flavonole sind sekundäre
Pflanzenstoffe, die besonders reichlich in Zwiebeln, Äpfeln, Beeren,
Grünkohl und Brokkoli enthalten sind. Die Studienergebnisse wurden am
Sonntag den 15. April 2007 anlässlich des Annual Meeting of the American
Association for Cancer Research (AACR) 2007 in Los Angeles erstmals
vorgestellt.

*Studienteilnehmer, die mit ihrer Nahrung am meisten Flavonole
aufnahmen, hatten im Vergleich zu Teilnehmern mit dem geringsten
Verzehr, ein um 23 Prozent vermindertes Risiko an Bauspeicheldrüsenkrebs
zu erkranken“, kommentiert Studienleiter Dr. Laurence Kolonel vom
Cancer Research Center of Hawaii.

*Besonders Raucher profitierten von einer flavonolreichen Ernährung.
Raucher, die viele dieser sekundären Pflanzenstoffe mit der Nahrung
aufnahmen, konnten ihr Risiko im Vergleich zu Rauchern mit geringem
Verzehr sogar um 59 Prozent senken“, sagt Dr. Ute Nöthlings, die die
Studie im Rahmen eines längeren Forschungsaufenthalts auf Hawaii
durchführte und nun am Deutschen Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke tätig ist.

*Vermutlich sind die Effekte bei Rauchern am stärksten, da diese Gruppe
bereits ein erhöhtes Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko hat“, sagt
Nöthlings, Erstautorin der Studie. Rauchen ist bislang der einzige
anerkannte Lebensstilrisikofaktor für Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die von Kolonel und Nöthlings durchgeführte Studie ist Teilprojekt der
großen Multiethnic Cohort Study in Hawaii und Los Angeles. Innerhalb
einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich acht Jahren erkrankten
529 Studienteilnehmer an Bauchspeicheldrüsenkrebs. *Aufgrund der sehr
hohen Zahl von Neuerkrankungen hat die Studie zwar eine sehr große
statistische Aussagekraft, dennoch reicht diese eine Studie sicher nicht
aus, um eine krebspräventive Wirkung von Flavonolen zu belegen“, sagt
Nöthlings. *Weitere epidemiologische Studien an anderen Populationen aus
anderen geographischen Regionen sind nötig, um diese Ergebnisse
wissenschaftlich abzusichern.“

*Auf welchen biologischen Mechanismen die gefundenen Zusammenhänge
beruhen, haben wir in unserer Studie nicht untersucht. Allgemein sind
krebspräventive Wirkungen von Flavonolen auf verschiedene Eigenschaften
zurückgeführt worden: Flavonole inhibieren den Zell-Zyklus sowie die
Zell-Proliferation und wirken oxidativem Stress entgegen. Zudem sind sie
in der Lage, Enzyme des *Entgiftungsstoffwechsels“ zu induzieren und
einen programmierten Zelltod (Apoptose) auszulösen“, erklärt
Nöthlings.

Hintergrundinformation:

Das Ziel der American Association for Cancer Research (AACR) ist es,
dazu beizutragen, Krebserkrankungen vorzubeugen oder zu heilen. Die im
Jahr 1907 gegründete, auf Krebsforschung ausgerichtete Organisation ist
die älteste und professionellste ihrer Art. Die mehr als 25 000
Mitglieder stammen aus den USA sowie 70 weiteren Ländern. Am jährlich
stattfindenden AACR Annual Meeting nehmen mehr als 17 000 Personen teil,
die sich über die neuesten Entdeckungen und Entwicklungen in der
Krebsforschung austauschen. Die AARC gibt fünf große Fachzeitschriften
(peer-reviewed) heraus: Cancer Research; Clinical Cancer Research;
Molecular Cancer Therapeutics; Molecular Cancer Research; und Cancer
Epidemiology, Biomarkers & Prevention.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören
84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe
Serviceeinrichtungen. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und
verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von
überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam
gefördert. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de .

Zwiebeln und Knoblauch können Krebs vorbeugen

Wer viel Zwiebeln und Knoblauch isst, erkrankt seltener an Krebs. Zu diesem Ergebnis kommt eine im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie, die in Zusammenarbeit von schweizerischen und italienischen Forschern entstand (1), berichtet heute Diplom Ernährungswissenschaftlerin Susanne Sonntag von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e. V. in Aachen.

Die Wissenschaftler werteten zwischen 1991 und 2004 eine Reihe von Fall-Kontroll-Studien aus Italien und der Schweiz aus, um den Zusammenhang zwischen dem Verzehr der Zwiebelgewächse und dem Auftreten von Krebs zu analysieren. Sie konnten für fast alle Krebsarten, außer Brust- und Prostatakrebs, die meist mit hormonellen Faktoren assoziiert sind, einen schützenden Effekt nachweisen.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die vorwiegend aus China stammten. Bisher war nicht bekannt, ob die Resultate auch auf westliche Ernährungsgewohnheiten anwendbar sind. Verantwortlich für die positiven Wirkungen von Zwiebeln und Knoblauch sind vermutlich schwefelhaltige Verbindungen, die zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe gehören. Diese Substanzen sorgen zum einen für das typische Aroma der aus der Klasse der Liliengewächse stammenden Pflanzen. Zum anderen besitzen sie antioxidative Wirkungen, die nicht nur für die Schutzwirkung gegenüber Krebs sondern auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind, so Susanne Sonntag abschließend. 1.521 Zeichen
Quelle:
(1) Galeone C et al.: Onion and garlic use and human cander. Am J Clin Nutr 2006; 84:1027-32

Obst und Gemüse haben immer Saison

Auch im Herbst und Winter können wir auf eine breite
Palette an Obst und Gemüse zurückgreifen, wie z. B. Äpfel,
Birnen, Walnüsse, Grünkohl, Rosenkohl. Chicorée, Schwarzwurzeln,
Steckrüben und Feldsalat. Wer sich derer reichlich bedient,
versorgt seinen Körper nicht nur mit essenziellen Vitaminen,
Mengen- und Spurenelementen sowie Ballaststoffen, sondern auch
mit bioaktiven Substanzen, den so genannten sekundären
Pflanzenstoffen.

Diese können wir zum Teil auch sehen, riechen
und schmecken: Die intensiven Farben von Obst und Gemüse sind ein
Zeichen für die große Menge an Flavonoiden und Carotinoiden, z.
B. Anthocyane in Rotkohl und beta-Carotin in Möhren. Für den
starken Geruch von Zwiebel und Knoblauch sind schwefelhaltige
Verbindungen, die Sulfide, verantwortlich. Das Aroma von Kümmel
und Pfefferminze wird durch Monoterpene verursacht. Curcumin ist
ein Polyphenol, das der Gelbwurz, dem Hauptbestandteil des
bekannten Currypulvers, Farbe und Aroma verleiht. Ihren
aromatischen Geschmack verdanken Senf und Kohl bestimmten
Glucosinolaten.

So verbinden die sekundären Pflanzenstoffe Genuss mit Gesundheit.
Ihnen werden vielfältige gesundheitsfördernde Wirkungen
zugeschrieben, die zu dem günstigen Einfluss einer pflanzlich
betonten Ernährung beitragen. Ein hoher Verzehr von Gemüse und
Obst sowie Vollkorn, Nüssen und Hülsenfrüchten steigert die
Aufnahme sekundärer Pflanzenstoffe und kann das Risiko für
bestimmte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten
senken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
schätzt, dass wir täglich ca. 1,5 g sekundäre Pflanzenstoffe mit
einer gemischten Kost aufnehmen. Eine konkrete Zufuhrempfehlung
ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht möglich. Vor allem
scheint das Zusammenspiel der verschiedenen sekundären
Pflanzenstoffe sowie die Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen
pflanzlicher Lebensmittel wirksam zu sein. Isolierte Verbindungen
wirken häufig nicht bzw. negativ. Von ihrer Einnahme als
Nahrungsergänzungsmittel bzw. Extrakte aus Obst und Gemüse wird
daher abgeraten.

Kernobst – schälen oder nicht schälen?

Aromatisch, knackig, saftig – Äpfel verführen zum spontanen Reinbeißen. Doch
für viele Genießer stellt sich die Frage: Sollen sie ihr Lieblingsobst
vorher schälen oder nicht?

Und hier die Antwort: Vorheriges Schälen ist
nicht nur unnötig, sondern auch ausgesprochen schade, denn in der Schale
stecken viele wertvolle Inhaltsstoffe. Quercetin etwa, ein wichtiger,
sekundärer Pflanzenstoff, befindet sich ausschließlich dort. Und auch ein
Drittel des für die Abwehrkräfte so wichtigen Vitamin C sowie
16 Prozent der Mineralstoffe sind dort lokalisiert.

Außerdem enthält die
Schale rund die Hälfte der kostbaren Antioxidantien, dazu ein Viertel der
Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine Vielzahl positiver
Wirkungen im Stoffwechsel zugeschrieben werden.

Unter
ernährungs-physiologischen Aspekten ist es daher in jedem Fall
empfehlenswert, Äpfel samt Schale zu essen. Wichtig ist aber, die Äpfel vor
dem Essen gründlich zu waschen und mit einem Tuch abzureiben.

Im Apfel steckt Einiges drin

„Ein Apfel täglich, keine Krankheit quält dich“, klingt zwar etwas
abgedroschen, hat aber im Grunde seine Gültigkeit. Denn Äpfel liefern jede
Menge gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe und sind zugleich fett- und
kalorienarm (ca. 50 kcal bei einem mittelgroßen Apfel).

Zu den Hauptinhaltsstoffen gehören leicht verdauliche Kohlenhydrate, vor
allem Frucht- und Traubenzucker. Das Polysaccharid Pektin zählt dagegen zu
den nichtverdaulichen Ballaststoffen und fördert die Verdauung. Pektin hilft
auch als Quellstoff bei Durchfall und senkt den Cholesterinspiegel.

Ebenso
enthält der Apfel viele Vitamine, besonders Vitamin C (im Durchschnitt 12
mg/100 g). Der Wert schwankt jedoch je nach Sorte, Reife und Lagerzeit.
Besonders reich an Vitamin C sind die Sorten Berlepsch, Gala, Boskoop und
Jonagold.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler Äpfel auch als Quelle für
wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole oder Flavonoide entdeckt,
die u. a. das Immunsystem stärken, Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen oder
vermutlich vor Krebs schützen können.

Ebenso wie die Vitamine sitzen die
bioaktiven Pflanzenstoffe überwiegend direkt in oder unter der Schale
(möglichst sonnengereifter) Äpfel. Deshalb sollte man das Obst mit Schale
genießen.
(aid, Bettina Pabel)

Kirschen – Genuss mit Geschichte

Lukullisches Obst in Rot

Rot ist nicht nur die Farbe der Liebe, sondern auch die der Kirsche.
Als sommerliches Steinobst Nummer eins ist sie ab Juni in aller Munde.

Ähnlich wie die Erdbeere symbolisiert die kleine rote Frucht im Volksglauben
die Verführung zur Sinneslust und ist in mittelalterlichen
Kunstdarstellungen neben dem Apfel die verbotene Frucht. Kirschen sind seit
Menschen Gedenken begehrt und schon in der Steinzeit sammelte man sie als
Wildfrüchte.

Erste gezüchtete Kirschen brachte der römische Feldherr
Lucullus ca. 70 v. Chr. von seinen Reisen ans Schwarze Meer mit nach Europa.
Auch heute ist die Steinfrucht ein beliebter, kalorienarmer und
vitaminreicher Sommer-Snack.

Neben nur rund 60 Kilokalorien pro 100 Gramm
hat sie reichlich Vitamin C, Fruchtsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe,
darunter Anthocyane, zu bieten. Diese sind übrigens auch für ihre hell- bis
dunkelrote Farbe verantwortlich. Sowohl Süß- als auch Sauerkirschen liefern
darüber hinaus viel Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Phosphor, Kieselsäure
sowie B-Vitamine. Während Süßkirschen wegen ihrer süßlich-milden Note
überwiegend roh verzehrt werden, dienen Sauerkirschen gerne als Zutat für
Kompott, Konfitüre, Kuchen oder Suppen und verleihen – farblich wie
geschmacklich – so mancher Sommerköstlichkeit erst das gewisse Etwas.

Um ihr
volles Aroma zu entfalten, müssen Kirschen reif geerntet und möglichst bald
verzehrt werden. Damit sie zu Hause länger frisch bleiben, empfiehlt es
sich, die ungewaschenen Früchte im Kühlschrank zu lagern. Kirschen können
nicht nur eingemacht, sondern auch problemlos eingefroren werden. So laden
sie auch im Winter zum vitaminreichen Genuss in Rot ein.

Die Saison für
heimische Süßkirschen dauert bis August, Sauerkirschen gibt es bis
September. Zeit genug, um Kirschkuchen und mehr ausgiebig zu kosten und nach
Shakespeare-Manier dazu von einem vollen, leuchtend roten Kirschenmund
mittsommernächtlich zu träumen.
aid, Ira Schneider