Zuckerkulör – warum Cola schwarz ist

VKI-Test: E 150 d – Umstrittener Farbstoff in Colagetränken – Strenger Warnwert in Kalifornien, in Europa ohne Beschränkung zugelassen

Die dunkle Farbe von Colagetränken entsteht durch die Beigabe von Zuckerkulör, einem Stoff, der entsteht, wenn Zucker zusammen mit verschiedenen Chemikalien auf 120 bis 150 Grad erhitzt wird. Dabei kann es zu Rückständen einer chemischen Verbindung (4-MEI) kommen, die im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Anders als etwa die kalifornische Gesundheitsbehörde, hält die europäische Behörde EFSA die Substanz bisher für gesundheitlich unbedenklich. Dass sie in vielen Produkten zumindest enthalten sein kann, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI): Neun von 13 geprüften Limonaden müssten in Kalifornien einen Warnhinweis tragen. Den ausführlichen Bericht gibt es in der Maiausgabe der Zeitschrift KONSUMENT.

Abhängig von den eingesetzten Chemikalien unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Zuckerkulören, die mit den E-Nummern E 150a bis 150d bezeichnet werden. Unter E 150d versteht man Ammoniumsulfit-Zuckerkulör. Es steckt in vielen Colagetränken aber auch in Balsamico-Essig, Whiskey oder Kräuterbonbons und ist deshalb problematisch, weil es hohe Rückstände von 4-MEI enthalten kann. 4-MEI steht für 4-Methylimidazol – eine Substanz, die in der Natur nicht vorkommt und die seit 2011 aufgrund von Tierversuchen im Verdacht steht, Krebs auszulösen.

Strenger Warnwert in Kalifornien
In Kalifornien existiert aus diesem Grund seit mehreren Jahren ein strenger Warnwert. Produkte, die mehr als 29 Mikrogramm 4-MEI pro Tagesdosis enthalten, müssen einen entsprechenden Hinweis auf dem Etikett führen. In Europa dagegen ist Zuckerkulör – und damit auch 4-MEI – nach wie vor ohne Mengenbeschränkung zugelassen. Definiert wurde lediglich ein ADI-Wert. Dieser gibt an, welche Menge eines Zusatzstoffes bei täglicher Aufnahme als gesundheitlich unbedenklich gilt. Derzeit wären dies laut EFSA 300 mg Zuckerkulör pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Demnach wäre im Extremfall sogar eine tägliche Aufnahme von bis zu 4.500 Mikrogramm 4-MEI bedenkenlos möglich.

Wie viel 4-MEI steckt im Cola?
Orientiert man sich dagegen am kalifornischen Grenzwert, dann ist die maximal zulässige Höchstmenge bei vielen Colagetränken schnell erreicht. Selbst unter Berücksichtigung einer Messunsicherheit von 25 Prozent müssten neun der 13 geprüften Produkte in Kalifornien einen Warnhinweis tragen. Die größten Mengen 4-MEI fanden die Tester in den Limonaden von S-Budget (71 Mikrogramm pro 250 ml), dem koffeinfreien Cola-Kindergetränk Dreh und Trink (66 Mikrogramm pro 250 ml) und Black Jack (64 Mikrogramm pro 250 ml). Nur die Produkte von Pepsi, Spitz, Freeway und Spar dürften ohne Warnhinweis verkauft werden.
„Wer sichergehen möchte, dem raten wir, auf Lebensmittel mit den Farbstoffen E 150c und E 150d möglichst zu verzichten“, resümiert VKI-Ernährungswissenschaftlerin Birgit Beck. „Die Zusatzstoffe müssen in jedem Fall auf der Verpackung angeführt werden. An Stelle der E-Nummern sind dabei manchmal auch die Bezeichnungen Ammonium-Zuckerkulör oder Ammoniumsulfit-Zuckerkulör zu finden.“

SERVICE: Den ausführlichen Testbericht gibt es in der Maiausgabe der VKI- Zeitschrift KONSUMENT und online unter www.konsument.at .

Selen und Vitamin E

Nahrungsergänzung nur bei Mangelzuständen

Männer sollten Nahrungsergänzungsmittel mit Selen und Vitamin E nur auf ärztlichen Rat einnehmen. Und zwar auch nur dann, wenn sie nachweislich einen Mangel haben. Denn eine Überversorgung kann das Risiko für Prostatakrebs erhöhen, lassen die Resultate einer US-amerikanischen Studie vermuten. In die Untersuchung gingen die Daten von mehr als 5.300 Männern über 50 Jahren ein, von denen 1.739 Männer Prostatakrebs, davon 489 ein Hochrisiko-Karzinom, entwickelt hatten. Während des Untersuchungszeitraums erhielten sie eine tägliche Nahrungsergänzung von 200 Mikrogramm Selen oder 400 Internationale Einheiten Vitamin E, beide Präparate oder ein Placebo.

Eine Nahrungsergänzung mit Selen und Vitamin E schützte nicht vor einem Prostatakarzinom, wie zuvor vermutet worden war. Da die Behandlung keinen Nutzen zeigte, wurde die Studie drei Jahre vor geplantem Ende abgebrochen. Männer mit hohen Selenspiegeln, die zusätzlich große Mengen des Spurenelements einnahmen, hatten sogar ein um 91 Prozent höheres Risiko für ein hochgradiges Prostatakarzinom als Teilnehmer mit niedrigen Spiegeln. Männer mit einem niedrigen Selenspiegel hatten ein um 111 Prozent höheres Risiko für hochgradige und ein um 46 Prozent höheres Risiko für weniger aggressive Prostatakarzinome, wenn sie Vitamin E- Präparate schluckten. Weitere Studien sollen zeigen, welche biologischen Mechanismen zu diesem höheren Krebsrisiko führen. Es wird vermutet, dass sowohl hohe als auch niedrige Selenkonzentrationen die Erbsubstanz in den Zellen des Prostatagewebes schädigen.

Vitamin E ist ein Zellschutzvitamin und kommt gehäuft in pflanzlichen Ölen vor. Selen ist unter anderem am Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone beteiligt und in Fisch, Meeresfrüchten, Milch und Gemüse enthalten. Generell wird der Körper durch eine ausgewogene Ernährung ausreichend mit Vitamin E und Selen versorgt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer ab 50 Jahren eine Zufuhr von 30 bis 70 Mikrogramm Selen und 13 mg-Äquivalent Vitamin E (Tocopherol) pro Tag.
Heike Kreutz, www.aid.de

Pringles sind schlechte Chips

KONSUMENT: Chips im Test – Trend zu weniger Acrylamid – Keines der getesteten 19 Produkte überschreitet den EU-Richtwert

Vor einigen Jahren kamen Chips in Zusammenhang mit Acrylamid ins Gerede. Acrylamid ist im Tierversuch krebserregend und erbgutschädigend und entsteht beim Backen, Braten oder Frittieren von Erdäpfeln bzw. von stärkehaltigen Lebensmitteln. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 14 Chips-Produkte getestet. Dabei überschritt keines den von der EU festgelegten Richtwert. Am wenigsten Acrylamid steckt in den Chips von funny-frisch. Generell waren die gemessenen Werte – sowohl beim Acrylamid als auch beim Kochsalzgehalt – tendenziell niedriger als noch beim letzten Test im Jahr 2008. Viel Salz und auch Fett enthalten sie aber nach wie vor. Die getestete Sorte Pringles enthielten zudem als einziges Produkt Transfette. Pringles fiel auch in anderer Hinsicht aus der Rolle: Hier fanden die Tester große Mengen an 3- MCPD-Ester – Testurteil: „weniger zufriedenstellend“. Die beiden Testsieger stammen von Lorenz; sechs von 19 Produkten wurden insgesamt mit „gut“ bewertet.

Die Details zum Test gibt es auf www.konsument.at und im Juni-KONSUMENT.

Risikofaktor Öl
Erstmals hat der VKI Chips auch auf 3-MCPD-Ester untersucht. Das sind Stoffe, die bei der Raffination von Speiseölen und -fetten entstehen. Über die Wirkungen der 3-MCPD-Ester liegen noch keine abschließenden wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Vermutlich entsteht bei der Verdauung 3-MCPD, das in Verdacht steht, die Nieren zu schädigen und gutartige Tumore zu verursachen. Seit 2001 gibt es in der EU für 3-MCPD einen Grenzwert für die zulässige tägliche Aufnahmemenge, die je nach Alter, Geschlecht und Körpergewicht unterschiedlich hoch ist. Bei den untersuchten Chips fand der VKI 3-MCPD-Ester von 5,9 bis 73,0 Mikrogramm pro 100 Gramm – bei Pringles lag dieser Wert bei 120 Mikrogramm pro 100 Gramm.

Üppiger Fettgehalt
Keine Neuigkeiten gibt es beim Fettgehalt. Chips sind nach wie vor eine üppige Angelegenheit. Zwischen 32 und 43 Gramm Fett stecken in 100 Gramm Chips. Bei einer Packung Clever- oder Crox-Chips (250 Gramm) verspeist man 100 Gramm Fett. „Zur Einschätzung: Eine erwachsene Frau sollte pro Tag nicht mehr als 70 g Fett, ein erwachsener Mann nicht mehr als 90 g verspeisen“, so VKI-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck.

Herkunft – selten aus Österreich
Lediglich bei Crox, Sunsnacks (Kartoffel Chips Salz), Clever, Spar und Kelly’s werden laut Auskunft der Hersteller die Kartoffeln aus Österreich bezogen und die Chips auch hierzulande produziert. Die benötigten Fette und Öle stammen aber selbst hier aus anderen Ländern wie Deutschland und Frankreich.

SERVICE: Details zum Test gibt es auf www.konsument.at sowie im Juni-KONSUMENT. Fragen zum Thema Ernährung beantwortet der VKI zudem unter der Hotline 0810 810 227 (Mo-Fr 9-15 Uhr, aus ganz Österreich Euro 0,0676/min), die in Zusammenarbeit mit dem Fonds Gesundes Österreich betrieben wird.

Hormone aus der Dose

Bier-, Softdrink- und Energydrink-Dosen enthalten Bisphenol A

In Getränkedosen von Sprite, Red Bull, Schöfferhofer, Faxe-Bier, Nescafé und weiteren Abfüllern hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die riskante Chemikalie Bisphenol A nachgewiesen. In den Epoxidlacken der Innenbeschichtungen der Dosen habe ein vom BUND beauftragtes Labor je Dose zwischen 0,3 und 8,3 Mikrogramm Bisphenol A gefunden. Akute Gesundheitsschäden seien beim Trinken aus Dosen zwar nicht zu befürchten, jedoch trage der Schadstoffgehalt zur Gesamtbelastung des Menschen mit Bisphenol A bei. Bisphenol A wirke ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen und habe bei Versuchen an Muttertieren schon in geringer Konzentration bei Föten zu Organmissbildungen, Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung und späteren Fruchtbarkeitsschäden geführt, so der BUND. Beim Menschen seien Zusammenhänge zwischen einer Bisphenol-A-Belastung mit Herz- und Kreislauferkrankungen, Sexualstörungen sowie Diabetes festgestellt worden. Der Umweltverband forderte die Hersteller von Dosen und anderen Lebensmittelverpackungen auf, auf Bisphenol-A-haltige Materialien zu verzichten.

Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: „Bisphenol A findet man nicht nur in Schnullern, Babyflaschen und jetzt auch in Getränkedosen. Es kommt auch in Konservendosen, Zahnfüllungen und Thermopapier vor. Und es gibt noch viele weitere Quellen, die zur Belastung des Menschen mit hormonellen Schadstoffen beitragen.“ Die BUND-Expertin nannte als Beispiel Weichmacher in PVC-Produkten.

Cameron: „Hochwirksame hormonelle Stoffe haben in Erzeugnissen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, nichts zu suchen. Unsere Analyse der Dosengetränke hat auch gezeigt, dass Bisphenol A aus dem Epoxidlack in die Flüssigkeiten übertritt. Der höchste gemessene Wert betrug beim Faxe-Bier 3,9 Mikrogramm pro Liter. Während in allen Dosenbeschichtungen Bisphenol A nachgewiesen werden konnte, waren die Getränke selber nicht in jedem Fall belastet. Vermutlich hängt das auch von den Lagerbedingungen und dem Doseninhalt selbst ab. Dazu benötigen wir weitere Analysen.“

Der BUND forderte die Bundesregierung auf, den Einsatz Bisphenol-A-haltiger Kunststoffe wie Polycarbonat, Epoxidlacke und -harze bei Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen oder direkten Hautkontakt haben, zu verbieten. Zudem müsse die Bundesregierung bei der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA für eine verschärfte Risikobeurteilung von Bisphenol A eintreten.

Der Bisphenol-A-haltige Kunststoff Polycarbonat sei in Ländern wie Kanada und einigen Staaten der USA für die Herstellung von Babyflaschen bereits verboten. Erst kürzlich habe die amerikanische Gesundheitsbehörde ihre Warnungen vor Bisphenol A verschärft.

Die Analyseergebnisse zu Bisphenol A in Getränkedosen finden Sie im Internet unter www.bund.net/bisphenol-a

Acrylamidbelastung in Weihnachtsgebäck gesunken

foodwatch-Test: Acrylamidbelastung in Weihnachtsgebäck gesunken – Wenige Ausreißer mit unnötig hohen Werten – Testverlierer Allos-Bio-Lebkuchen

Die Acrylamidbelastung in Lebkuchen und Spekulatius ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das ist das Ergebnis eines Tests der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. Allerdings sind nach wie vor einzelne Produkte mit unnötig hohen Mengen der krebsverdächtigen Substanz im Handel. So sind die Testverlierer, die Bio-Elisen Lebkuchen von Allos mit einem Acrylamidwert von 510 Mikrogramm pro Kilogramm und die Frenzel Echte Pulsnitzer Delikatess Lebkuchen (430 Mikrogramm) 20 bis 30 Mal so stark belastet wie die Testsieger (Bahlsen Contessa Schokolade und Bahlsen Grandessa Oblaten Lebkuchen, jeweils 16 Mikrogramm).

Insgesamt hat foodwatch elf Lebkuchen- und sechs Spekulatiusprodukte in einem unabhängigen Labor untersuchen lassen. Nur bei zwei Produkten ist die Belastung im Vergleich zum Vorjahr signifikant gestiegen. Alle Ergebnisse sowie die Vergleichswerte aus den vergangenen sieben Jahren sind unter www.foodwatch.de/acrylamid veröffentlicht.

„Die meisten Hersteller in unserem Test haben die Acrylamidbelastung inzwischen weitgehend im Griff“, erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. „Es zeigt Wirkung, die Werte zu veröffentlichen und dabei die Namen der Produkte zu nennen – umso unverständlicher, wenn die Lebensmittelkontrollbehörden ihre Werte geheim halten.“ foodwatch fordert eine unverzügliche namentliche Veröffentlichung der Behördendaten sowie eine Kennzeichnung der Belastung auf der Verpackung. Eine Reduktion des Acrylamidgehalts auf Werte von unter 50 Mikrogramm bei Lebkuchen und Spekulatius sei für die Hersteller möglich, so Wolfschmidt. Die unverbindlichen, behördlichen „Signalwerte“ dagegen – 1.000 Mikrogramm für Lebkuchen, 416 für Spekulatius – seien absurd hoch: „Die Signalwerte sind keinerlei Anreiz für die Hersteller, sich zu verbessern – und dabei geht es bei Acrylamid darum, so wenig wie nur irgendwie möglich zu sich zu nehmen.“

Acrylamid kann beim Frittieren, Backen oder Braten stärkehaltiger Produkte entstehen. Im Tierversuch löst die Substanz Krebs aus und schädigt das Erbgut; die Gefahr für den Menschen ist noch nicht abschließend geklärt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) legt lediglich unverbindliche „Signalwerte“ fest, die sich an den am höchsten belasteten Produkten orientieren.

Uran im Trinkwasser

Uran im Trinkwasser: Bedenklich hohe Belastung in 13 Bundesländern – Bundesregierung nimmt unnötige Gesundheitsrisiken für Kinder in Kauf

In 13 von 16 Bundesländern wird Trinkwasser an die Bevölkerung abgegeben, das zu hoch mit Uran belastet ist. Das belegen Recherchen der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. Ein von der Bundesregierung bereits vor mehr als einem Jahr angekündigter Grenzwert ist immer noch nicht festgelegt worden. Zudem würde ein Grenzwert in Höhe von 10 Mikrogramm, wie ihn das Bundesgesundheitsministerium ankündigt, keinen Schutz für Kleinkinder und Säuglinge bieten: Für sie ist dieser Wert deutlich zu hoch angesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Stellungnahme der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die eigens von Deutschland beauftragte wurde, nun aber offenbar ignoriert wird.

„Die Bundesregierung vernachlässigt in sträflicher Weise ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern“, erklärte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Der lange angekündigte Grenzwert lässt weiter auf sich warten, und jetzt soll auch noch in völliger Verkennung der wissenschaftlichen Faktenlage ein Grenzwert festgelegt werden, der die Gesundheit von Kleinkindern nicht wirksam schützen kann. 2 Mikrogramm müssen unverzüglich als oberstes Limit festgesetzt werden.“ Für in Flaschen abgefülltes Mineralwasser gilt schon heute: Ist es mit mehr als 2 Mikrogramm Uran pro Liter belastet, darf es nicht mit dem Hinweis „geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung“ verkauft werden.

foodwatch liegen rund 5000 Messdaten für Trinkwasser aus ganz Deutschland vor. 12,6 Prozent dieser Daten überschreiten 2 Mikrogramm. 13 Wasserwerke in fünf Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt) geben sogar Wasser an die Bevölkerung ab, das mehr als 10 Mikrogramm Uran pro Liter enthält und damit auch für Erwachsene im kritischen Bereich liegt. Lediglich für die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg überschreitet keiner der Messwerte 2 Mikrogramm.

Bereits im August 2008 hatte foodwatch Tausende Behördendaten zur Uranbelastung von Trinkwasser veröffentlicht. Das Beispiel der bayerischen Gemeinde Maroldsweisach zeigt, wie einfach die Belastung gesenkt werden kann: Hier lagen die Uranwerte in Rekordhöhe von 39,9 Mikrogramm pro Liter. Nach der foodwatch-Veröffentlichung wurde Anfang 2009 eine Filteranlage in Betrieb genommen – seither liegt die Belastung bei deutlich unter 2 Mikrogramm. foodwatch liegen zudem Angaben der E.ON Mitte AG vor, nach denen der Wasserversorger für das hessische Herleshausen, OT Holzhausen (Werra-Meißner-Kreis) zwar den Einbau einer Uranentfernungsanlage vorbereitet habe. Deren Installation halte er aber „nicht zielführend“, bevor ein gesetzlicher Grenzwert feststeht. „Das Beispiel zeigt, dass die Bundesregierung durch ihre Untätigkeit den Gesundheitsschutz der Bürger verschleppt“, so foodwatch-Sprecher Rücker. „Es gibt ein Problem, und es gibt eine einfache Lösung – jetzt ist Handeln gefragt.“

Das Schwermetall Uran ist in vielen Gesteinsschichten natürlicherweise enthalten und löst sich im Wasser. Aufgrund seiner chemischen Giftigkeit kann es zu schweren Gesundheitsfolgen wie Nierenschädigungen führen. Mithilfe von chemischen Filteranlagen (Ionentauschern) kann Uran bis zur Nachweisgrenze aus dem Wasser entfernt werden.

Mineralwasser-Abfüller senkt Uranbelastung

Jedes achte Mineralwasser in Deutschland ist bedenklich hoch mit Uran belastet – nun hat ein Abfüller reagiert. Die Griesbacher Mineral- und Heilquellen senkten den Urangehalt ihrer Wassermarken deutlich, wie das Schwarzwälder Unternehmen der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch mitteilte.

Einem aktuellen Untersuchungsbefund zufolge liegt die Belastung des Griesbacher First Class Mineralwassers jetzt bei unter 0,5 Mikrogramm Uran pro Liter und damit im unkritischen Bereich. Noch im April 2009 hatte eine von foodwatch beauftragte Laboranalyse mit 15,6 Mikrogramm pro Liter einen bedenklich hohen Wert des giftigen Schwertmetalls ermittelt. Die Verringerung sei durch eine neue Enteisenungsanlage erreicht worden, so das Unternehmen. Für das Bad Griesbacher Heilwasser konnte die Belastung von 20,4 zunächst auf immer noch gesundheitlich riskante 14 Mikrogramm Uran pro Liter reduziert werden; hier kündigte der Abfüller weitere Schritte an. Beide Griesbacher-Marken hatten zu den am stärksten belasteten Wässern in Deutschland gehört.

Im Mai 2009 hatte foodwatch 825 Messdaten von 435 Mineralwasser-Marken veröffentlicht. Demnach enthält jedes achte Mineralwasser so viel Uran, dass gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können. Insgesamt lagen 104 Messdaten von 55 Marken über zwei Mikrogramm Uran pro Liter. Diesen Wert dürfen Wässer nicht überschreiten, wenn die Abfüller sie als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ bezeichnen wollen.

foodwatch begrüßte die Uran-Reduktion bei Griesbacher und forderte die Industrie auf, ihrer Verantwortung für die Gesundheitsvorsorge nachzukommen. „Wässer mit einer Belastung von mehr als zehn Mikrogramm Uran pro Liter gehören überhaupt nicht in den Verkauf. Bei einer Belastung von mehr als zwei Mikrogramm muss zumindest ein Warnhinweis auf das Etikett gedruckt werden, dass solche Wässer für Kleinkinder nicht geeignet sind“, erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. foodwatch forderte die Bundesregierung erneut auf, zum Schutz von Kleinkindern einen gesetzlichen Grenzwert für Mineralwasser in Höhe von zwei Mikrogramm Uran pro Liter festzulegen. Diese Grenze halten heute bereits sieben von acht Marken ein.

Mehr Informationen unter http://www.foodwatch.de/uran

Ob Ihr Lieblings-Wasser auch betroffen ist, können Sie mit der Liste aller Untersuchungsergebnisse kontrollieren:
http://www.foodwatch.de/e10/e2569/e13515/e10/e2569/e13515/e27816/Uran-in-Mineralwasser_20090518_ger.pdf

Acetaldehydbelastung in Mineralwasser vermeidbar

„Konsument“: Acetaldehydbelastung in Mineralwasser vermeidbar

21 von 25 prickelnden Mineralwässern in PET-Flaschen belastet.

Acetaldehyd kann bei der Herstellung von Kunststoffflaschen bzw. bei deren
Lagerung als Abbauprodukt entstehen und in den Flascheninhalt übergehen. Die EU
hat es auf die Liste der Substanzen mit Verdacht auf krebserregende Wirkung gesetzt.
„Konsument“ wollte wissen, ob und – wenn ja – wie viel Acetaldehyd in Mineralwasser
steckt und kaufte 35 Produkte mit und 17 ohne Kohlensäure in PET- und Glasflaschen
ein. Während die stillen Mineralwässer gut abschneiden, waren 21 von 25 prickelnden
Mineralwässern in Kunststoffflaschen belastet. Dabei wäre das vermeidbar. Gibt es
doch Methoden, das Acetaldehyd im PET zu binden.

Laut geltenden EU-Vorschriften dürfen aus Kunststoff maximal 6.000 Mikrogramm
Acetaldehyd auf ein Kilogramm Lebensmittel übergehen. Bei den stillen Mineralwässern lag
der Acetaldehydgehalt bei allen Proben unter der Bestimmungsgrenze von fünf Mikrogramm.
Anders die Untersuchungsergebnisse beim prickelnden Mineralwasser: Bei nahezu allen
Mineralwässern in PET-Flaschen wurde Acetaldehyd gefunden. Im San Pellegrino (Italien),
dem teuersten Mineralwasser in dieser Produktgruppe, wurden 33 Mikrogramm Acetaldehyd
pro Liter gefunden, bei Guizza, das ebenfalls aus Italien kommt, wurde der höchste Wert, 58
Mikrogramm pro Liter, gemessen. Dazwischen lagen prickelnde Mineralwässer von Despar,
Aro Tiroler Quelle, Markus Quelle, Lauretana, Gasteiner und Güssinger.

„Auch wenn die gemessenen Werte die EU-Vorgaben nicht überschreiten, ist die Belastung
von Mineralwässern mit Acetaldehyd unnötig, da vermeidbar“, kritisiert „Konsument“-Experte
Konrad Brunnhofer. PET-Flaschen können mit einem speziellen Blocker erzeugt werden, der
das Acetaldehyd im PET bindet. Besonders Kohlensäure begünstigt das Herauslösen von
Acetaldehyd aus PET-Flaschen. „Wer prickelndes Mineralwasser mag, und auf der sicheren
Seite bleiben will, greift daher besser zu Produkten in der Glasflasche. Aus ökologischen
Gründen ist es zudem ratsam, sich für Mineralwasser aus der näheren Umgebung zu
entscheiden – wer stilles Wasser mag, hat mit Trinkwasser aus der Leitung darüber hinaus
fast überall eine preiswerte Alternative“, so Brunnhofer abschließend.

Details zum Test gibt es ab dem 30.7. im August-„Konsument“ und ab sofort auf
www.konsument.at

Jedes achte Mineralwasser zu hoch mit Uran belastet

Jedes achte Mineralwasser zu hoch mit Uran belastet – Kritische Werte auch bei bekannten Marken wie S. Pellegrino und Überkinger

Bundesregierung muss gesetzlichen Grenzwert für Trink- und Mineralwasser festlegen

Viele Mineralwässer, darunter bekannte Marken wie S. Pellegrino und Überkinger, sind so stark mit Uran belastet, dass gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können. Das geht aus einer Liste mit 825 Uran-Messdaten von 435 Mineralwasser-Marken hervor, die die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch heute veröffentlicht hat. 104 Messwerte von 55 Marken liegen über zwei Mikrogramm Uran pro Liter. „Jedes achte Mineralwasser ist zu hoch mit Uran belastet und für Säuglinge und Kleinkinder nicht sicher“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

Das Schwermetall Uran kann wegen seiner chemischen Giftigkeit insbesondere bei kleinen Kindern zu schweren Schädigungen der Niere führen. foodwatch forderte Bundesverbraucherministerin Aigner und Bundesgesundheitsministerin Schmidt auf, gesetzliche Grenzwerte für Mineral- und Trinkwasser in Höhe von zwei Mikrogramm Uran pro Liter festzulegen. „Gesundheitsvorsorge muss sich an denen orientieren, die ein besonderes Schutzbedürfnis haben: Babys und Kleinkinder“, sagte Bode. „Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist man mit einem Grenzwert von zwei Mikrogramm auf der sicheren Seite.“

Diese Auffassung bestätigt eine neue wissenschaftliche Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Obwohl diese Stellungnahme von Deutschland beauftragt worden war, ziehen die zuständigen deutschen Behörden bislang keine Konsequenzen und bewerten Uranwerte von bis zu zehn Mikrogramm pro Liter offiziell als unbedenklich. Generelle gesetzliche Grenzwerte gibt es bisher weder für Mineral- noch für Trinkwasser. Dabei dürfen bereits seit 2006 Mineralwässer in Deutschland, die mit dem Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ beworben werden, einen Höchstwert von zwei Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten.

Rund 87 Prozent der foodwatch vorliegenden Uran-Messdaten von Mineralwässern liegen unter zwei Mikrogramm. Bei vier Marken (Griesbacher, Kugelsburgquelle, Waldecker und Winfried aus der Sebastianquelle) sowie zwei Heilwässern (Bad Griesbacher, Bad Mergentheim Karlsquelle) wurden mehr als zehn Mikrogramm Uran pro Liter gemessen. Doch auch bekannte und weit verbreitete Mineralwässer wie S. Pellegrino und Perrier (beide Nestlé), Freyersbacher oder Überkinger sind nach EFSA-Maßstäben riskant hoch belastet.

foodwatch sieht neben dem Gesetzgeber die Hersteller in der Pflicht.
„Wir fordern Nestlé als weltgrößten Anbieter von Mineralwasser auf, seine Verantwortung für die Gesundheit von Kleinkindern ernst zu nehmen. Bis zur Einführung von Grenzwerten muss Nestlé umgehend Warnhinweise auf den Etiketten von S. Pellegrino und Perrier anbringen, dass diese Wässer für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet sind“, so Bode.

Bereits im August 2008 hatte foodwatch bundesweite Daten über die Uranbelastung von Trinkwasser veröffentlicht. Auch hier lag etwa jeder achte der rund 8200 Werte bei über zwei Mikrogramm pro Liter.

foodwatch veröffentlicht Acrylamid-Testergebnisse für Weihnachtsgebäck

foodwatch veröffentlicht Acrylamid-Testergebnisse für Weihnachtsgebäck – Nennung von Herstellernamen zeigt Erfolg, Belastung sinkt

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat 17 Sorten Weihnachtsgebäck in einem unabhängigen Labor auf Acrylamid untersuchen lassen. Die Mehrheit der Produkte ist nur noch gering mit der krebsverdächtigen Substanz belastet. foodwatch testet seit 2002 regelmäßig Lebkuchen und Spekulatius auf Acrylamid und veröffentlicht Werte, Produktnamen und Hersteller. Das zeigt Wirkung, fast alle Hersteller haben die Belastung gesenkt. „Wenn Produktnamen genannt werden, steigt der Druck auf die Hersteller, die Belastung mit Acrylamid zu senken“, sagte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch. Diese positive Entwicklung lasse sich aber nicht auf die Mehrheit des verkauften Weihnachtsgebäcks übertragen. Zwar würden viele Behörden Lebkuchen und Spekulatius auf Acrylamid testen, doch hielten sie sowohl Ergebnisse als auch Herstellernamen zurück. „Alle amtlichen Testergebnisse müssen aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes veröffentlicht werden“, forderte Wolfschmidt.

Acrylamid entsteht beim Backen und steht im Verdacht, Krebs auszulösen sowie das Erbgut zu schädigen. foodwatch hat elf Lebkuchen-Produkte und sechs Sorten Spekulatius auf ihren Acrylamidgehalt testen lassen. Am höchsten belastet ist das Bioprodukt „Elisen Lebkuchen“ der Firma Allos mit 570 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm, dicht gefolgt von „Frenzel Echte Pulsnitzer Delikatess Lebkuchen“ des Herstellers Pulsnitzer. Testsieger sind die „Grandessa Oblaten-Lebkuchen“ von Bahlsen und „Favorina runde braune Lebkuchen mit Schokolade“ des Discounters Lidl. Sie weisen nur 28 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm auf und sind damit 20 Mal weniger belastet als der „Elisen Lebkuchen“ von Allos. Bei den Spekulatius haben drei von sechs Herstellern die Belastung im Vergleich zum Vorjahr gesenkt.

Für die krebsverdächtige Substanz Acrylamid gibt es keinen als „sicher“ geltenden Grenzwert. Der behördliche „Signalwert“ für Lebkuchen liegt seit Jahren unverändert bei 1.000 Mikrogramm. Dabei können die Hersteller längst Werte unter 50 Mikrogramm erreichen. Das zeigen die Testergebnisse von foodwatch. „Die Bundesregierung muss 50 Mikrogramm als Richtwert festlegen und der Industrie vorschreiben, die Acrylamidbelastung am Produkt zu kennzeichnen“, forderte Matthias Wolfschmidt.