So trickst der Handel bei der Auszeichnung von Fleisch

Ökologisch, biologisch oder tierisch unklar?

Lebensmittel sollen aus besonders tiergerechter Haltung stammen, so wünschen es rund 90 Prozent der Verbraucher. Doch wo gibt es Fleisch, Eier oder Milch aus akzeptabler Haltung und woran lässt sich das beim Einkauf erkennen? Angaben wie „artgerecht“ oder „tiergerecht“ sind nicht gesetzlich geregelt und somit keine verlässlichen Orientierungshilfen. In ihrem Ratgeber „Lebensmittel-Lügen – Wie die Food-Branche trickst und tarnt“ erklärt die Verbraucherzentrale NRW, wie Händler und Hersteller solche Bezeichnungen für ihre Werbung nutzen und worauf sich Käufer wirklich verlassen können.

Auch Maschen und Methoden rund um die Kennzeichnung anderer Produkte wie Wurst und Käse, Fisch, Joghurt, Fruchtsäfte, Tees und Fertiggerichte zeigt das Buch auf. Im Fokus stehen dabei unter anderem Werbeaussagen zu Zucker, Fett und anderen Nährstoffen. Praktische Unterstützung beim gezielten Einkauf bieten Informationen über verlässliche Siegel und Kennzeichnungen. Wer sich aktiv gegen die Tricks der Branche wehren möchte, findet Tipps und nützliche Adressen.

Der Ratgeber kostet 14,90 Euro und ist in den örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW erhältlich. Für zuzüglich 2,50 Euro für Porto und Versand wird er auch nach Hause geliefert. Als E-Book steht er für 11,99 Euro bereit zum Download unter www.vz-ratgeber.de.

Bestellmöglichkeiten:
Online-Shop: www.vz-ratgeber.de, Telefon: 02 11/38 09-555, E-Mail: ratgeber@verbraucherzentrale.nrw, Fax: 02 11/38 09-235, Post: Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf.

Fleisch aus tiergerechter Haltung

Fehlende Kennzeichnung und andere Lebensmittel-Unklarheiten
Schnitzel, Steak und Frikadellen genießen die meisten Verbraucher am liebsten, wenn sie aus besonders tiergerechter Haltung stammen. Doch während auf jedem Ei stehen muss, wie die Legehenne gehalten wird, fehlt eine solche Einkaufshilfe für das meiste Fleisch. Nur für Geflügel gibt es EU-weit einheitliche Angaben. Da sie freiwillig sind, nutzen die Hersteller aber auch diese nur selten. Bis dieser Mangel abgestellt und die Kennzeichnung aller Fleischsorten vorgeschrieben ist, müssen Konsumenten auf andere Informationen zurückgreifen. Welchen Labeln und Versprechen sie dabei trauen können und was Augenwischerei ist, erklärt der neu aufgelegte und ergänzte Ratgeber „Lebensmittel-Lügen – Wie die Food-Branche trickst und tarnt“ der Verbraucherzentrale NRW.

In weiteren Kapiteln widmet sich das kritische Werk unter anderem der unklaren Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel, unseriösen Gesundheitsversprechen und den Strategien der Produktplatzierung im Supermarkt. Die Leser erfahren zudem, wie sie die örtliche Herkunft ihrer Speisen ergründen können und was sich hinter manch wohlklingender Warenbezeichnung wirklich verbirgt.
Der Ratgeber kostet 14,90 Euro und ist in den örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW erhältlich. Für zuzüglich 2,50 Euro für Porto und Versand wird er auch nach Hause geliefert.

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Fleisch ist nicht gleich Fleisch!

Unser weltweit wachsender Appetit auf Fleisch verursacht nicht nur Umweltschäden durch Massentierhaltung und Monokulturen von Futterpflanzen – er ist auch nicht gesund. So auch das Urteil einer kürzlich veröffentlichen Untersuchen der Weltgesundheitsorganisation?: Das Risiko an Gesundheitsschäden wachse mit der Menge und Regelmäßigkeit des Verzehrs an Wurstwaren und rotem Fleisch, schreibt die WHO.

Diese Aussage schlägt derzeit einige Wellen, insbesondere im undifferenzierten Echo mancher Medienberichte, aber eine kritische Beurteilung des WHO-Gutachtens ist wichtig. „Ob Fleisch oder Wurst – jedes Produkt weist in vielerlei Hinsicht erhebliche Unterschiede auf,“ so Dr. Hanns-Ernst Kniepkamp, Leiter der Qualitätskommission von Slow Food Deutschland e. V. „Fleisch ist nicht gleich Fleisch, sondern in hohem Maße abhängig von Zucht, Haltung und Fütterung der Tiere. Dazu kommt die Zubereitungsart. Hat Fleisch, das gesotten wurde, dasselbe Risiko wie gegrilltes Fleisch? Gibt es Unterschiede im Gefährdungspotenzial zwischen Rind, Schwein und Lamm? Ist ,Schwarzgeräuchertes‘ mit besonders hohem Risiko behaftet?“

Bei den unterschiedlichen Wurstarten ist das nicht anders. Vor allem bei der Herstellung von Würsten kommt der Frage nach Zusatzstoffen eine besondere Bedeutung zu. Für beide gilt: die Herkunft der Tiere und die Art der Zubereitung (Fleisch) oder Weiterverarbeitung (Wurst) sind mitentscheidend für mögliche Wirkungen auf die Gesundheit.

Die Einstufung der WHO wurde anhand der Auswertung von 800 Einzelstudien gemacht, deren Fragestellungen jeweils einem ähnlichen Muster folgten. Daraus ergibt sich zwar ein großer Datenpool, eine differenzierte Aussage aus wissenschaftlicher Sicht lässt dies aber nicht zu.

„So lange diese differenzierten Fragen nach Herkunft, Verarbeitung und Zubereitung nicht beantwortet werden können, entzieht sich die Studie einer fachlichen Bewertung,“ betont Dr. Kniepkamp weiter.

Slow Food plädiert bei allen Lebensmitteln für die Wahl guter, sauberer und fairer Lebensmittel, bei denen die Herkunft, Herstellung und Zusatzstoffe nachvollziehbar sind. Gerade beim Fleischverzehr kommt es eben auf die Dosis an: Fleischverzehr in Maßen ist nicht nur ökologisch nachhaltiger sondern auch besser für die Gesundheit.

„Weniger ist mehr, das gilt gerade bei Fleisch und Fleischprodukten,“ so Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e. V. „Der Verzehr von Fleischkonsum steht in engstem Zusammenhang mit ökologischer Nachhaltigkeit und menschlicher Gesundheit – das sagt Slow Food schon seit langem. Unsere Ernährung muss abwechslungsreich sein mit wenig, aber gutem Fleisch und Wurstwaren aus artgerechter Haltung.“

www.slowfood.de

Das Rote Höhenvieh

Das Rote Höhenvieh wurde als 55. Passagier in die Slow Food Arche des Geschmacks aufgenommen. Ganz im Sinne seiner sehr speziellen Gefährdungssituation wird das Rote Höhenvieh von zwei Slow Food Convivien unterstützt: Slow Food Sauerland und Slow Food Regensburg-Oberpfalz.

Das Rote Höhenvieh
Das einfarbig rotbraune, mittelgroße Rote Höhenvieh war früher als klassisches Dreinutzungsrind (Milch, Fleisch und Zugleistung) in jeder Mittelgebirgsregion zu Hause, meist mit einer eigenen regionalen Ausprägung. Der Wegfall der Nutzung als Zugtier infolge der Mechanisierung und die einseitige züchterische Selektion anderer Rassen – entweder nur auf Milch- oder nur auf Fleischleistung – haben im 20. Jahrhundert zu seiner Verdrängung geführt. So zählt das Rote Höhenvieh heute zu den extrem gefährdeten Rassen.

Aber vieles spricht für eine Renaissance dieser genügsamen und robusten Rinderrasse, zum Beispiel in arbeitsextensiver Viehhaltung in der Nebenerwerbslandwirtschaft. Die Tiere zeichnen sich durch gute Konstitution aus, sind leicht kalbend, sehr mütterlich und gelten als ideale Partner in der Mutterkuh-Haltung. Die Rasse Rotes Höhenvieh beeindruckt in extensiver Haltung durch gute Masteigenschaften und bildet ein feinfaseriges, leicht marmoriertes, schmackhaftes Fleisch.

Hier finden Sie eine detaillierte Beschreibung des neuen Arche-Passagiers: http://www.slowfood.de/rotes_hoehenvieh

Die Arche des Geschmacks wurde 1996 ins Leben gerufen, um fast vergessene traditionelle Lebensmittel, die in Gefahr sind, völlig zu verschwinden, zu katalogisieren und bekannt zu machen, nach dem Motto: Essen, was man retten will. Denn was nicht gegessen wird, wird nicht nachgefragt, kann also nicht verkauft werden, und wird deshalb nicht hergestellt. Weltweit beherbergt die Arche derzeit über 2.000 Lebensmittelprodukte, die so genannten Arche-Passagiere, in Deutschland gibt es derzeit 54. Die große Mehrheit der Passagiere sind vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen und Nutzpflanzensorten. Die kleinere Gruppe sind handwerklich hergestellte Lebensmittel wie Wurst – und Käsespezialitäten, die nur noch von wenigen Produzenten erzeugt werden. Die Arche will die letzten verbleibenden Produzenten dieser Spezialitäten unterstützen und das traditionelle Wissen – Teil unseres wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Erbes – bewahren.

Warum Bio-Eier teurer sein müssen

Ostern naht, und mit dem Fest das Ei. Neben der Frage nach Haltbarkeit und Zubereitung steht auch die Herkunft immer wieder im Blickpunkt. Bio oder konventionell? Nach wie vor sind Bio-Eier teurer als Eier aus konventioneller Haltung. Trotzdem gehören Bio-Eier mit knapp 14 Prozent Umsatzanteil nach wie vor zu den Produkten mit dem höchsten Bio-Anteil am jeweiligen Gesamtmarkt.

Der höhere Preis hat einen einfachen Grund. Neben den Kosten für die Aufzucht der Legehennen, dem höheren Flächen- und Personalbedarf sind es vor allem die Kosten für die Futtermittel, die zu Buche schlagen. So sind Getreide und Hülsenfrüchte in Bioqualität wesentlich teurer als entsprechende Produkte aus konventionellem Anbau. Und gentechnisch verändertes Sojaschrot als preiswerter Eiweißträger kommt nicht in Frage, da Gentechnik im Ökolandbau generell verboten ist.

Die ökologische Haltung von Legehennen erfordert vom Landwirt zudem ein ausgeklügeltes Management. Im Vordergrund steht das natürliche Verhalten der Hühner. Sie müssen einen Auslauf ins Freie haben und ständig Frischluft und viel Tageslicht bekommen. Darüber hinaus muss jedes Huhn Raum zum Ruhen, Laufen, Picken, Scharren, Staub- und Sandbaden haben. Die artgerechtere Haltung und Fütterung, die Hygiene sowie die regelmäßige Beobachtung der Tiere erfordern einen höheren Aufwand.

Eier aus ökologischer Legehennen-Haltung sind durch Hinweise wie „aus ökologischer Erzeugung“, „Bio“ oder „Öko“ gekennzeichnet. Im Erzeugercode – dem Herkunftsstempel – tragen sie als erste Ziffer eine „0“. Wer in Biomärkten einkauft, findet im Sortiment nur Lebensmittel aus Öko-Produktion, somit auch die Eier. Verpackungen im Lebensmitteleinzelhandel mit Bildern von freilaufenden Hühnern oder die Bezeichnung „aus kontrollierter Haltung“ sind keine bindenden Informationen sondern reine Werbung.

Ob Bio-Hühner letztlich „glücklicher“ sind, darüber streiten sich Wissenschaftler übrigens seit Jahrzehnten. Die Bedürfnisse der Tiere können nicht nach menschlichen Maßstäben gemessen werden. So entsprechen die für den Menschen angenehmen Vorstellungen von freilaufenden Hühnern auf der grünen Wiese in frischer Luft nicht unbedingt den Bedürfnissen der Tiere: Hühner sind ursprünglich Waldbewohner und leben nicht auf großen Grasflächen. Sie brauchen Bäume oder andere Unterstellmöglichkeiten, die ihnen Schutz vor Feinden wie Greifvögeln, Füchsen oder Mardern bieten – was bei den heutigen Haltungssystemen mit Freilauf selbstverständlich berücksichtigt wird.
Heike Stommel, www.aid.de

Weitere Informationen – zum Beispiel, warum Eier so gesund sind und woran Sie ein frisches Ei erkennen können – finden Sie auf was-wir-essen.de in der Rubrik „Tipp der Saison“.

Oster-Ei

Wissenswertes zur Erzeugung und Vermarktung von Eiern

Eier gehören traditionell zum Osterfest – sie werden gekocht und eingefärbt verschenkt und symbolisieren neues Leben. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat vor dem Osterfest interessante Fakten rund ums Ei zusammengestellt:

Erzeugung
847.000 Tonnen Eier wurden im Jahr 2013 in Deutschland produziert. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen der Erzeugung kontinuierlich gesunken, 2000 waren es noch 893.000 Tonnen. Gegenüber dem Jahr 2010 mit 656.000 Tonnen zeigt die aktuelle Zahl wieder eine steigende Tendenz. Die vorläufige Versorgungsbilanz der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) weist für 2013 eine verwendbare Erzeugung von 13,7 Milliarden Eiern (+2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr) aus. Im Jahr 2013 importierte Deutschland 362.000 Tonnen Eier und damit rund 24 Prozent mehr als noch im Jahr 2000 (293.000 Tonnen). Auch der Export hat steigende Tendenz: Während im Jahr 2000 noch 72.000 Tonnen exportiert wurden, gingen im Jahr 2013 etwa
140.000 Tonnen Eier ins Ausland. Das entspricht einer Steigerung von fast 95 Prozent.

Haltung
Zum Stichtag 1. Dezember 2013 wurden 38,4 Millionen Legehennen in Deutschland gehalten (erfasst werden Betriebe mit mindestens 3000 Haltungsplätzen) – das waren 5,2 Prozent mehr als im Dezember 2012. Besonders hoch war der Anstieg von 2012 auf 2013 mit 12,3 Prozent in der ökologischen Erzeugung. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das Ausgangsniveau bis dato vergleichsweise niedrig war. Auch die Haltung der Legehennen in Bodenhaltung mit 24,3 Mill. (+ 4,0 Prozent) und in Freilandhaltung mit 6,1 Mill (+13,2 Prozent) nahm stark zu. Legehennen in Käfighaltung mit 4,8 Mill gingen hingegen um 2,3 Prozent zurück.

Die Stallkapazität liegt derzeit bei rund 44,5 Millionen Haltungsplätzen. 28,6 Millionen Plätze (64 Prozent) entfallen auf die Bodenhaltung, 6,9 Millionen (15,5 Prozent) auf die Freilandhaltung, 5,1 Millionen (11,5 Prozent) auf die Haltung in ausgestalteten Käfigen und Kleingruppen. Auf die ökologische Erzeugung entfallen rund 3,7 Millionen Plätze (8,3 Prozent).

Verbrauch
Jährlich verzehrt die Bevölkerung in Deutschland pro Kopf 218 Eier (13,5 kg pro Jahr), insgesamt werden 1.090.000 Tonnen oder 17,6 Milliarden Stück verbraucht (Zahlen von 2013). Die Haushaltskäufe machen dabei rund 50 Prozent aus. Mit rund 64 Prozent der Haushaltskäufe werden in Deutschland am häufigsten Eier aus Bodenhaltung gekauft, danach folgen die Freilandhaltung mit rund 25 Prozent, die ökologische Erzeugung mit rund 9 Prozent und die Kleingruppenhaltung mit etwas mehr als
2 Prozent. Der Einkauf von Eiern aus ökologischer Erzeugung ist 2013 im Vergleich zu 2010 um etwa 27 Prozent gestiegen, der Einkauf von Eiern aus der Kleingruppenhaltung um knapp 70 Prozent gesunken.

Speziell zu Ostern
Im Ostermonat werden zwei bis drei Eier mehr gekauft (bezogen auf die Haushaltskäufe). Bunte Eier werden inzwischen das ganze Jahr über angeboten. Im Ostermonat nimmt auch hier der Konsum zu. In 2013 kauften die privaten Haushalte dem GfK-Haushaltspanel zufolge 5 Prozent mehr gefärbte Eier. Im Jahresdurchschnitt waren 5,2 Prozent aller gekauften Eier gefärbt.

Öko-Ziegenlammfleisch

Ziegenkäse hat sich hierzulande längst als Spezialität etabliert. Im Gegensatz dazu gibt es gegenüber Ziegenfleisch noch große Vorbehalte. Als Koppelprodukt der Ziegenmilcherzeugung gibt es immer mehr davon – vielfach auch in Bioqualität. In einer Studie der Universität Kassel, gefördert durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), haben Agrarmarktexperten das Absatzpotential von Öko-Ziegenlammfleisch untersucht.

Hierzu wurden potenzielle Käufer im Rahmen einer Verkostungsaktion befragt: Fast durchweg positiv bewerteten sie den Geschmack dieser Fleischsorte, davon mehr als die Hälfte mit „sehr gut“. Eigenen Angaben zufolge werden über 70 Prozent der Verkostungsteilnehmer wahrscheinlich Öko-Ziegenlammfleisch kaufen. Trotz des generellen Trends hin zu einem maßvollen Fleischkonsum essen immerhin 44 Prozent der potenziellen Käufer ein- bis zweimal pro Woche Fleisch und bei rund 40 Prozent steht sogar drei- bis sechsmal in der Woche Fleisch auf dem Speiseplan.

Fast allen liegt das Wohl der Tiere – sprich deren artgerechte Haltung – besonders am Herzen. Die Befragten nannten geschmackliche und gesundheitliche Vorzüge als zusätzliches Kaufargument für Bio-Fleisch. Grundsätzlich sind sie eher bereit, für Öko-Produkte und qualitativ hochwertige Lebensmittel mehr Geld auszugeben und sind zugleich offen für neue Produkte. Zudem schätzen sie Ziegenlammfleisch als ein gesundes, fettarmes Lebensmittel. „All das legt nahe, dass es für Ökoziegenlammfleisch ein viel versprechendes Nachfragepotenzial gibt. Denn gerade Bio-Ziegenlammfleisch erfüllt alle Anforderungen an eine artgerechte Haltung, ist etwas Besonderes und zugleich ein gesundes sowie geschmacklich ansprechendes Produkt“, betont die Agrarmarktexpertin Astrid Heid. Ganz wichtig sei es, die Kunden probieren zu lassen und ihnen Rezepte an die Hand zu geben. „Mit veredelten Fleischteilen und schmackhaften Wurstspezialitäten kann man noch dazu den Mehrwert für die Kunden erhöhen.

Generell wünschen sie sich optisch ansprechende und leicht zu portionierende Fleischstücke mit möglichst geringem Zubereitungsaufwand“, ergänzt Hermann Jakob, Leiter der Meisterschule für Fleischer in Kulmbach und Metzgermeister. Und vor allem Wurst möge eigentlich fast jeder. „In Rohwürsten und Kochwürsten lässt sich durch geringfügiges Anpassen der Rezepturen Rindfleisch problemlos durch Ziegenfleisch ersetzen.

Selbst Ziegenschinken aus dem Fleisch älterer Tiere ist gut machbar“, so Jakob. Für Fleischerfachgeschäfte ist es also durchaus möglich, sich mit Spezialitäten zu profilieren und so den Trend hin zu hochwertigen Fleischprodukten aus artgerechter Haltung zu bedienen.
Nina Weiler, www.aid.de

86 Prozent aller Legehennen in Boden-, Freiland und Öko-Haltung

Deutschland nimmt beim Tierschutz europaweit eine Spitzenstellung ein:
Die Haltungsformen haben sich grundlegend gewandelt und verbessert

Die Haltungsformen für Legehennen haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt und dadurch deutlich verbessert: Einer der Hauptgründe ist, dass Deutschland die Haltung in konventionellen Batterie-Käfigen bereits zum 1. Januar 2010 verboten hat – zwei Jahre früher, als es nach EU-Recht erforderlich gewesen wäre. Die Legehennenhaltung erfolgt seitdem nur noch in Kleingruppen-, Boden- und Freilandhaltung sowie in ökologischer Erzeugung. Damit ist Deutschland beim Tierschutz weiter als alle Länder in der Europäischen Union. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung sind ausgestaltete Käfige auch in Zukunft in der EU weiter zulässig – mit Ausnahme Deutschlands. Deutschland hat auch ausgestaltete Käfige bereits seit 2010 verboten. Die tierschutzgerechtere, seit 2010 einzig zugelassene Form der Kleingruppenhaltung soll im Einvernehmen zwischen Bund und Ländern ebenfalls auslaufen.

Wie aus einer aktuellen Bilanz des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervorgeht, hat das Käfigverbot in Deutschland zu einer deutlichen Veränderung der Produktionsstruktur geführt: Waren 2008 noch rund 62 Prozent der Legehennen in Deutschland in konventionellen Käfigen und Kleingruppenhaltung untergebracht, leben nach dem Verbot der konventionellen Käfige aktuell nur noch rund 14 Prozent in Kleingruppen. Der Großteil der Legehennen – zwei Drittel aller Tiere – ist in der Bodenhaltung untergebracht: Der Anteil an der Bodenhaltung hat sich zwischen 2008 (21,7 Prozent) und 2011 (64,2 Prozent) fast verdreifacht. 14,4 Prozent der Legehennen lebten 2011 in Freilandhaltung (2008: 11,1%). Die ökologische Erzeugung steigerte ihren Anteil von 5,1 Prozent in 2008 auf 7,4 Prozent im Jahr 2011.

Die modernen, artgerechten Haltungsformen spiegeln das veränderte Einkaufsverhalten der Verbraucher wider: Mit über 50 Prozent Marktanteil in Deutschland kaufen die Verbraucher ihre Eier am häufigsten aus Bodenhaltung, danach folgt die Freilandhaltung. Der Einkauf von Eiern aus ökologischer Erzeugung ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2010 um etwa 30 Prozent gestiegen, der Einkauf von Eiern aus der Kleingruppenhaltung um fast 40 Prozent gesunken.

Zur Kleingruppenhaltung ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts ergangen: Ab 1. April 2012 sind aufgrund des Beschlusses des Verfassungsgerichts die bestehenden Regelungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zur Kleingruppenhaltung nicht mehr anzuwenden. Das heißt konkret: Bis zum Inkrafttreten einer neuen Regelung ist die Kleingruppenhaltung dann von den Vollzugsbehörden der Länder anhand allgemeiner tierschutzrechtlicher Vorgaben zu beurteilen (§ 2 des Tierschutzgesetzes sowie die §§ 3,4 und 13 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung). Die Bundesregierung hatte 2011 die Initiative ergriffen und einen Vorschlag vorgelegt, der den Ausstieg aus der Kleingruppenhaltung festschreiben sollte. Weil zwischen Bund und Länder keine Einigung erzielt werden konnte über eine zeitlich befristete Übergangsregelung für bestehende Anlagen, sind nun die Länder selbst gefordert, eine verfassungskonforme Regelung zu treffen. Einig sind sich Bund und Länder in dem Grundsatz, dass die Kleingruppenhaltung auslaufen wird. Die Haltungsformen der Zukunft sind Boden-, Freiland- und Biohaltung.

Auf europäischer Ebene hat sich die Bundesregierung mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass das seit 1. Januar 2012 geltende Verbot der konventionellen Käfighaltung in allen EU-Mitgliedstaaten strikt umgesetzt und die Umsetzung zuverlässig kontrolliert werden muss. Es darf beim Tierschutz keine Rolle rückwärts geben. Die EU-Kommission hat zwischenzeitlich angekündigt, die Einhaltung des Verbots streng zu überwachen und Verstöße zu ahnden. Es wurden in einzelnen EU-Staaten bereits Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Die Bundesregierung bekräftigt ihre Forderung an die Kommission, dass eine konsequente Umsetzung des geltenden Rechts in ganz Europa gewährleisten sein muss – notfalls durch Strafzahlungen jener Mitgliedsstaaten, die sich nicht an EU-Recht halten und ungeachtet des Verbots weiter Batterie-Käfige dulden.

Butter von glücklichen Kühen

Weidemilch leistet einen Beitrag zu artgerechter Haltung

Die europäische Milchkuh vollbringt meistens Höchstleistungen: Sie liefert bis zu 50 Liter Milch am Tag, ein Drittel mehr als noch vor 40 Jahren. Manchen Verbraucher mag das freuen, denn durch das große Angebot geht der Preis runter und er spart Geld. Die Kühe jedoch zahlen dafür einen hohen Preis: Intensivhaltung und Kraftfutter haben nicht mehr viel mit den natürlichen Lebens-bedingungen der Tiere zu tun. Anders ist dies bei der Herstellung von Weidemilch: Hier können Kühe den Großteil des Jahres über grüne Weiden streifen, Gras und Kräuter fressen sowie ihren natürlichen Trieben folgen. Auf diese Weise sorgen Produkte aus reiner Weidemilch, wie Milch, Butter und Käse, für mehr artgerechte Haltung in Europas Landwirtschaft. Zwar sind solche Produkte, wie etwa Kerrygold Butter, teurer als andere, doch dies ist auch ein kleiner Beitrag für glücklichere Kühe.

Meist stehen sie friedfertig auf der Stelle und grasen – Kühe scheinen wenig Ansprüche an ihr Umfeld zu stellen, doch das täuscht! Bis zu 12 Kilometer legt eine freilaufende Kuh am Tag auf der Weide zurück. Angetrieben wird sie dabei von ihrem natürlichen Drang nach Bewegung. Es sind äußerst soziale Wesen mit dem Bedürfnis nach Kontakt, Ruhe, Platz und Komfort. Auf der Weide finden Kühe diese natürlichen Bedingungen vor. „Durch Bewegung und Umweltreize bauen die Tiere Stress ab und bleiben gesund. Außerdem haben sie genug Zeit und Ruhe, um wiederzukäuen“, weiß Stefan Johnigk, Geschäftsführer des Vereines gegen tierquälerische Massentierhaltung PROVIEH. „Auf der Weide zu grasen, ist für ihre Verdauung, Gesundheit und die Qualität der Milch sehr wichtig“, so Stefan Johnigk weiter.

Doch diese Art der Haltung ist in Europa selten geworden. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gilt die Haltung von Kühen in Deutschland sogar als mangelhaft. In engen Räumen und auf harten Böden werden ihre angeborenen Instinkte ignoriert, was oft zu Aggressionen und Krankheit führen kann. Speziell gezüchtete Hochleistungstiere haben einen enormen Energie- und Eiweißbedarf, der mit ihrem natürlichen Futter wie Gras oder Kräutern kaum noch gedeckt werden kann. „Wie Leistungssportler stehen sie ständig an den Grenzen ihrer Belastbarkeit, wodurch Stoffwechsel, Euter und Verdauungssystem äußerst anfällig werden“, erklärt Stefan Johnigk. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Milchkuh kann bei natürlicher Haltung zwischen 12-15 Jahren liegen. Hochleistungstiere werden heute meist nicht älter als 5 Jahre. So gibt es einen Zusammenhang zwischen hoher Milchleistung und damit einhergehender Krankheitsanfälligkeit.

Eine Marke, die bei der Herstellung der eigenen Produkte vollständig auf Weidemilch setzt, ist die irische Buttermarke Kerrygold. Milchkühe in Irland können aufgrund des milden Klimas von März bis Oktober ausschließlich auf Weiden gehalten werden. So auch die Kühe, die für Kerrygold die Weidemilch geben. Sie grasen dabei bis zu 312 Tage. Das Gras, das sie dabei fressen, enthält wichtige Nährstoffe und kann von ihrem Organismus ideal verarbeitet werden. Im Gegensatz zu Hochleistungstieren, die heute bis zu 8.000 Liter im Jahr produzieren, geben die Kühe in Irland knapp 5.000 Liter Milch. „Das hat gute Gründe“, erklärt Patricia Kief, Marketing Managerin bei der IDB Deutschland GmbH. „Die Tiere leben gesünder, artgerechter und sicher auch glücklicher als Kühe in Stallhaltung.

Käfigeier in Produkten: Ab 1. Januar noch mehr Vorsicht beim Einkauf

Egal ob Kekse, Backmischungen, Eierlikör – all diese Produkte enthalten Ei. Deshalb rät der Deutsche Tierschutzbund genau hinzuschauen. Wenn auf den Packungen nicht steht, aus welcher Haltung die Eier stammen, ist davon auszugehen, dass Käfigeier enthalten sind. Wichtig wird dies vor allem vor dem Hintergrund, dass ab 1.1.2012 EU-weit die herkömmlichen Batterie-Käfigsysteme verboten sind, viele Länder aber noch nicht umgestellt haben. Für die dann illegal erzeugten Eier wurde nach wie vor noch keine Lösung gefunden. Daher steigt die Gefahr, dass diese Käfigeier in Produkte gemischt werden. Der Deutsche Tierschutzbund rät zu einem Kauf-Boykott aller Produkte, bei denen nicht klar erkennbar ist, woher die Eier stammen. Bei Schaleneiern gilt: Die Ziffer 0 steht für Bio-, die Ziffer 1 für Freiland- und die Ziffer 2 für Bodenhaltung. Eier mit einer 3 sind auf Käfigquälerei. Bei Produkten mit verarbeiteten Eiern (Industrie-Ei) gibt es bisher keine Kennzeichnungspflicht.

Nur selten ist bei Fertigprodukten klar ersichtlich, aus welcher Haltungsform die tierischen Zutaten stammen. Eine Kennzeichnungspflicht – wie der Deutsche Tierschutzbund sie fordert – gibt es bislang nicht. Nur die Produkte, bei denen klar erkennbar ist, dass die Eier aus tiergerechter Haltung kommen, wie z. B. bei Ökoprodukten, oder bei solchen, die mit Eiern aus Boden- oder Freilandhaltung werben, sollten in den Einkaufskorb. Für alle anderen Produkte ohne weiteren Hinweis gilt: hierfür wurden vermutlich Legehennen auf engstem Raum unter nicht artgerechten Bedingungen – verbunden mit immensem Stress und Leiden – gehalten.

Käfigeier sind bei den Verbrauchern längst durchgefallen: Seit die Käufer anhand des Zifferncodes erkennen können, aus welchem Haltungssystem die Eier stammen, ist der Verkauf von Käfigeiern stetig zurückgegangen. Mittlerweile gibt es sie im Handel nicht mehr. Jetzt muss sich diese Entwicklung bei den Fertigprodukten fortsetzen.

Ein EU-weiter Ausstieg aus der herkömmlichen Käfighaltung bis zum 1.1.2012 ist gesetzlich vorgeschrieben, wurde aber in vielen Ländern trotz einer langen Übergangsfrist noch nicht umgesetzt. Zudem ist nicht abschließend geklärt, wie mit den ab Januar illegal erzeugten Eiern in Zukunft verfahren werden soll. Die dann illegal in der EU erzeugten Eier aus den alten Käfigen werden über Fertigprodukte zu uns nach Deutschland kommen. Auf einen generellen Importstopp für diese Eier konnten sich die Länder bisher nicht verständigen.