„Das Restaurant“ im Hotel de Rome, Berlin

Vibrierend, dunkel und geheimnisvoll

Das „Hotel de Rome“ ist noch nicht offiziell eröffnet – die große Party steigt morgen -, aber schon gibt es eine Menge an Verwirrung um das mondäne Grand Hotel am Bebelplatz. Ein Direktor ist jetzt zwar gefunden, doch weder gibt es einen Namen noch einen Chefkoch für das aparte Restaurant im ehemaligen Bankhaus. Der erste Küchenchef verschwand sogleich nach der leisen Eröffnung vor einem Monat.

Umso überraschter waren wir, dass das „Restaurant“ – nennen wir es der Einfachheit halber so – bereits erstaunlich gut im Rennen liegt und dem Ruf des Luxushotels keinerlei Schande bereitet.

Ein faszinierender Raum mit einer großen Säule empfängt uns im Erdgeschoss des üppig ausgestatteten Hotels. Die Säule ist die einzige, die im einst für die Dresdner Bank errichteten Gebäude nicht echt ist: Es handelt sich um eine Designskulptur mit einem faszinierenden Lichtrahmen, die das Zentrum des Raumes einnimmt und geradezu Energie abstrahlt. Die dezente Beleuchtung lässt die geheimnisvoll anthrazitfarbenen Töne der Bestuhlung und der Wände im Restaurant vibrieren. Die Wirkung ist ausgesprochen elegant und graziös, ja geradezu großstädtisch.


Im hinteren Bereich gibt es einen mit edlem Holz eingekleideten Speiseraum für Raucher. Auf der linken Seite warten mehrere logenartige Plätze, die zu den schönsten des Restaurants zählen.

Die Gäste sitzen dort wie in einem Theater, die Show kann beginnen. Der Service arbeitet erstaunlich abgeklärt, charmant und locker – aber auf hohem Niveau und bildet so mit dem Ambiente eine Einheit. Die Karte ist derzeit von Südtiroler Klassikern geprägt. Zum Start gibt es einen Brotkorb – leider nur mit weißen Sorten gefüllt – zu sehr guten Gewürzpasten und ganz ausgezeichneten Olivenölen.

Das Hirschcarpaccio mit Endivien-Salat (19 Euro) ist elegant, leuchtend rot und steht im schönen Farbkontrast zu den gedeckten Restaurantfarben. Und ist von erstklassiger Qualität. Die süßsaure Auberginen-Caponata mit Flusskrebsen, Salbei und Mandeln (21 Euro) mundet ebenfalls trefflich. Überflüssig sind allerdings die Flusskrebse, ihr zarter Geschmack wird von der Caponata, einem kalten Gemüseeintopf, völlig in den Hintergrund gedrängt. Das Steinbuttfilet mit schwarzem Trüffel gratiniert und Zucchini mit Brunnenkressesauce (35 Euro) ist ein aromatischer Höhepunkt, der perfekt gegarte Fisch kann auf die pappigen, dafür lila Stampfkartoffeln verzichten.

Der geschmorte Ochsenschwanz in Barolo auf Sellerie-Kartoffelpüree (26 Euro) kommt als XXL-Portion. Das Fleisch zerfällt bereits unter sanftem Gabeldruck, wie es sein muss, die solide Harmonie zwischen Trüffel und Barolo macht das Gericht zu einem Genuss.

Einzig das Schokoladen-Mille-Feuille mit frischen Himbeeren und Himbeereis (16 Euro) schließt nicht an das Niveau an. Die Schokoladenplättchen sind zu dick, es fehlt doch sehr die Raffinesse. Stattdessen lieber einen Cocktail an der schönen Bar gleich nebenan nehmen, von der aus jazziges Pianospiel ins Hotel-Restaurant herüber dringt.

-Restaurant im „Hotel de Rome“ Behrenstraße 37, Tel: 460 60 90, www.roccofortehotels.com

Öffnungszeiten: tägl. ab 18.30 Uhr

Plätze: 100 Karten: alle

Fazit: Ein gelungener Start mit hochklassiger italienischer Küche. Wer die gesalzenen Preise nicht scheut, sollte sich das Gourmet-Theater im „Hotel de Rome“ auf keinen Fall entgehen lassen.

Kritiker Niko Rechenberg ist auch Chef des bemerkenswerten Weinblogs:
http://www.welt.de/z/plog/blog.php/nikos_weinwelten

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