ÖKO-TEST: Schaumstoffmatratzen

ÖKO-TEST 12 Schaumstoffmatratzen

Drum prüfe, wer sich bettet

Wo kann man die besseren Schaumstoffmatratzen bekommen, beim Fachhändler, bei den Discountern oder bei Ikea? Diese Frage hat sich das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST gestellt und 12 Schaumstoffmatratzen ins Labor geschickt. „Erfreulich ist, dass die Schadstoffbelastung aller Matratzen in den vergangenen Jahren abgenommen hat. In unserem aktuellen Test haben wir keine Schadstoffe wie weichmachende Phthalate, phosphororganische Verbindungen oder Insektizide gefunden“, berichtet Chefredakteur Jürgen Stellpflug. Allerdings werde im Matratzenbezug noch das giftige Halbmetall Antimon verwendet, das Haut und Schleimhäute reizen kann.

Im Praxistest zeigten sich die Matratzen jedoch nicht von ihrer besten Seite. So sind ihre Bezüge wohl der Optik zuliebe mit vielen Steppnähten versehen, wodurch sich aber die elastischen Eigenschaften der Matratzenkerne abschwächen. Jürgen Stellpflug empfiehlt: „Käufer sollten unbedingt die Matratzen vor dem Kauf Probe liegen. Denn jeder Hersteller versteht unter einer mittleren Härteklasse etwas anderes; bei manchen bezeichnet ‚medium‘ eine weiche, bei anderen eine sehr harte Matratze.“

Große Unterschiede zeigen sich bei den Produkten auch darin, wie gut der Schulterbereich gebettet ist. Grundsätzlich soll die Wirbelsäule auf der Matratze möglichst entspannt gelagert sein. Für Seitenschläfer ist es wichtig, dass die Schulter tief genug einsinken kann, damit die Wirbelsäule möglichst waagrecht gelagert wird. Bei Rückenschläfern muss die Matratze verhindern, dass der Oberkörper zu tief einsinkt und die Wirbelsäule überbeugt wird.

Das ÖKO-TEST-Magazin Januar 2010 gibt es seit dem 30. Dezember 2009 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

Hintergrund
Das richtige Bett

Im Laufe unseres Lebens schlafen wir rund 25 Jahre – Grund genug, den Schlafplatz sorgfältig zu gestalten. Matratze und Lattenrost sind für einen gesunden, erholsamen Schlaf besonders wichtig.

Ob man gut erholt oder aber wie gerädert aufwacht, das kann an vielen Dingen liegen – vor allem aber an der Matratze. Ist sie zu hart, gibt sie nicht an den richtigen Stellen nach. Ist sie zu weich, sinkt der Körper zu tief ein. Matratzen werden in drei bis vier Härtegraden angeboten. Als Faustregel gilt: Schwergewichte oder Menschen mit empfindlichen Bandscheiben benötigen eine festere Unterlage, Leichtgewichte und Ältere eher eine weichere.

Vor allem auf die Punktelastizität kommt es an, damit Wirbel und Muskeln entspannen können. Die Wirbelsäule sollte in allen Schlaflagen in ihrer natürlichen Form ruhen. Das erfordert eine elastische und zugleich stützende Unterlage, die Bewegungen im Schlaf zulässt, ohne nachzufedern. Doch jeder Mensch hat andere Schlafbedürfnisse. Deshalb ist eine individuelle Beratung in einem Fachgeschäft ebenso wichtig wie ausgiebiges Probeliegen.

Latex: Von allen Matratzentypen hat Latex die höchste Punktelastizität, das heißt das Material passt sich der Körperform sehr gut an. Schultern und Becken können in Seitenlage tiefer einsinken, in Rückenlage sinkt das Gesäß tiefer. So wird die Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-Form gestützt und hängt nicht durch. Auch beim Thema Belüftung hat Latex gute Karten, denn meist verbessern zusätzliche senkrechte Luftkanäle den Klimahaushalt der Matratze. Häufig wird Latex in Kombination mit anderen Materialien angeboten, denn für stark schwitzende Menschen empfehlen sich feuchtigkeitsregulierende Auflagen aus Naturmaterialien. Die Matratzen können aus Naturlatex, synthetischem Latex oder einer Mischung bestehen. Naturlatex hält Bakterien und Hausstaubmilben weitgehend fern und ist ein nachwachsender Rohstoff. Der Begriff ist allerdings gesetzlich nicht geschützt. Dahinter können sich auch Matratzen mit nur geringem Naturlatexanteil verbergen. Um dem einen Riegel vorzuschieben, vergibt der Qualitätsverband für umweltverträgliche Latexmatratzen (QUL) ein Qualitätssiegel. Das grüne Ökocontrol-Siegel garantiert einen Anteil von mindestens 95 Prozent Naturlatex. Bleibt ein Manko: Latexmatratzen sind schwer.
Preis (90 x 200 cm): 300 bis 1.200 Euro.

Schaumstoff: Die Qualität des Schaumstoffs wird durch das Raumgewicht RG angegeben. Je höher das Raumgewicht, desto elastischer, tragfähiger und haltbarer ist das Material. Je besser diese Eigenschaften, desto höher die Punktelastizität und desto besser für den Rücken. Unter 35 RG sollte man keine Matratze kaufen. Ein Nachteil: Reiner Schaumstoff fördert das Schwitzen. Die Materialien sind jedoch verbessert worden, meist regulieren heute ausgeklügelte Luftkammersysteme die Feuchtigkeit. Wenn sie mit geeigneten Bezügen kombiniert werden, verbessert sich das Mikroklima.
Preis (90 x 200 cm): 100 bis 900 Euro.

Federkern: Dieser ältere Matratzentyp besteht aus Stahlfedern, die durch ein Geflecht miteinander verbunden sind und sich unabhängig voneinander bewegen lassen. Umgeben wird der Federkern von einem Feinpolster aus Wolle, Baumwolle und anderen Materialien. Ihr Nachteil: Das Federgeflecht unterstützt eher großflächig und nicht punktelastisch, was dem Rücken weniger individuellen Halt bietet. Für eine 90 mal 200 Zentimeter große Matratze sollte sie nicht unter 400 Federn liegen. Billigangebote sind oft von minderer Qualität. Deutlich besser sind Taschenfederkernmatratzen. Die einzelnen Federn sind in kleine Säckchen aus Nessel eingenäht und an ihren Berührungspunkten miteinander verbunden. Gute Matratzen sollten bei einer Größe von 90 mal 200 Zentimetern wenigstens 460 Federn aufweisen, es gibt auch sehr hochwertige Modelle mit mehr als 1.000 Federn. Dieser kleinteilige Aufbau sorgt für eine hohe Punktelastizität, da nur die belasteten Federn nachgeben. Die übrigen Federn bleiben in ihren Taschen gespannt und unterstützen so den Lendenwirbelbereich.
Preis (90 x 200 cm): 150 bis 500 Euro.

Naturmatratzen: Sie enthalten weder Metallteile noch Kunst- und Schaumstoffe oder synthetische Fasern. Man unterscheidet Vollpolstermatratzen und Kombinationsprodukte mit Naturlatex und Wolle. Reine Vollpolstermatratzen, die Rosshaar, Seegras, Kapok, Wolle oder Stroh enthalten, sind sehr hart, was für rückenempfindliche Menschen unangenehm ist. Diese Matratzen findet man auch kaum noch im Handel, zumal sie schwer und pflegeintensiv sind. Sie müssen regelmäßig gewendet, gelüftet oder aufgerollt werden. Trotz aller Pflege bilden sich bald unbequeme Liegekuhlen. Nach etwa fünf Jahren muss die Matratze beim Fachmann nachgestopft werden. Kombinationsprodukte, die den Liegekomfort und die Lebensdauer der Matratze deutlich erhöhen, haben sich deshalb auf dem Naturmatratzenmarkt durchgesetzt. In diesen Matratzen werden verschiedene Naturmaterialien schichtweise verarbeitet. Beliebt sind Kombinationen aus federndem Naturlatex plus einer oder mehrerer Lagen Naturfasern, zum Beispiel Kokoskautschuk (Kokosfasern plus Naturkautschuk), oder aus Schafwolle. Die Kombiprodukte verbinden guten Liegekomfort und die hautsympathischen, atmungsaktiven Vorteile einer Naturfaser. Naturmatratzen sind generell etwas fester als andere Matratzen. Man sinkt nicht so tief ein, was vor allem übergewichtige Menschen als angenehm empfinden.
Preis (90 x 200 cm): 500 bis 900 Euro.

Futons: Auf europäische Schlafbedürfnisse angepasste Futons sind meistens mit mehreren Schichten elastischer Fasern gepolstert. Ihr Kern besteht aus Schafschurwolle, Latex, Rosshaar und Kokosfasern. So ein weicher Futon braucht Pflege. Um zu vermeiden, dass sich die Füllung verhärtet, sollte der Futon mehrmals wöchentlich, am besten täglich, aufgerollt werden.
Preis (90 x 200 cm): 100 bis 400 Euro.

Wasserbetten: Die in der Werbung vielfach gepriesenen Wasserbetten sind aus orthopädischer und schlafmedizinischer Sicht nicht zu empfehlen. Dieses Fazit hat eine Expertenrunde aus Orthopäden, Schlafmedizinern, Bettentechnikern und Physiotherapeuten vor einiger Zeit gezogen. Problematisch sind demnach unter anderem die zu hohe Einsinktiefe und nicht kontrollierbare Druckverhältnisse beim Liegen, die einen guten Schlaf im Wasserbett beeinträchtigen.

Lattenrost: Mittlerweile hat man erkannt, dass eine Matratze allein noch kein gutes Bett ausmacht. Um eine optimale Lage des Schläfers zu gewährleisten, müssen Matratze und Lattenrost richtig aufeinander abgestimmt sein. Ziel ist, dass die Wirbelsäule in Seiten- und Rückenlage gerade liegt und die Halswirbelsäule nicht abgeknickt ist. Lattenroste bestehen heute in der Regel aus einem massiven Rahmen, auf dem Federleisten ruhen. Mehrere Holzschichten werden dazu miteinander verleimt und unter Dampf elastisch gemacht. Dadurch können die Federleisten entsprechend der Belastung durch den Schläfer nachgeben oder stützen. Die Latten gibt es aus Buchen- oder Birkenholz. Wegen des höheren Anteils an Lignin bleiben Buchenlatten länger elastisch. Mit Schiebern kann man die Latten bei einigen Modellen weicher oder härter einstellen. Der Abstand der Latten untereinander sollte vier Zentimeter betragen, wenn sie als Unterlage für Latex- und Kaltschaummatratzen dienen. Sonst hat die Matratze zu wenig Halt oder die Luftzirkulation wird behindert. Bei Federkernmatratzen kann der Abstand der Latten größer sein. Die Breite der einzelnen Latten sollte fünf Zentimeter nicht übersteigen, damit der Rost die Körperkonturen nachbilden kann. Weil das Bett für viele nicht nur zum Schlafen da ist, sondern auch zum Lesen, Frühstücken oder Fernsehen, verfügen viele Lattenroste zudem über ein verstellbares Kopf- und/oder Fußteil. Spätestens nach zehn bis zwölf Jahren ist ein Nachfolger fällig. Dann hat die Dämpfung ausgedient, und die Aufhängung ist ausgeleiert.

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