Bad Kissingen

Das Bad lebt nicht vom Ruhm allein – Bad Kissingen ist bekanntester Kurort Deutschlands

Bad Kissingen ist Kurort. Aber wer sich unter dem fränkischen Städtchen ein verstaubtes Kurbad vorstellt, das vom Ruhm vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte lebt, erlebt eine Überraschung. Das einstige Bad der Kaiser und Könige, in dem sich die Potentaten und Berühmtheiten aus aller Welt die Klinke in die Hand gaben, hat sich zu einem modernen, schlagkräftigen Kurbetrieb gemausert. Die Prise Nostalgie, mit der das Ganze gewürzt ist, schadet dabei nicht – im Gegenteil.

Der moderne Wandel ist mit Sicherheit nicht der Grund, warum sich Bad Kissingen nach repräsentativen Erhebungen des renommierten Emnid-Instituts „bekanntester Kurort Deutschlands“ nennen darf. Das Prädikat hängt eher mit dem Ambiente des berühmten Bades zusammen, mit den prächtigen Bauten des genialen Architekten Max Littmann.

Er schuf 1905 das intime Jugendstil-Theater und von 1911 bis 1913 die größte Wandelhalle Europas sowie den Regentenbau mit seinen imponierenden Sälen, allen voran der heute nach ihm benannte Max-Littmann-Saal. Der große, völlig holzgetäfelte Konzertsaal nimmt 1.100 Zuhörer auf. Musiker, die einmal hier gespielt haben, hören nicht auf, die Akustik des Saals zu rühmen. Zum Ruhm des Bades haben auch die Parks beigetragen, der riesige Luitpoldpark, der Kurgarten und nicht zuletzt der Rosengarten mit seinen 330 Rosensorten.

Attentat auf Reichskanzler Bismarck

Bad Kissingens legendärer Ruf hängt natürlich auch mit der Gästeliste zusammen, die illustrer kaum sein könnte. Grafen, Fürsten und Herzöge, Kaiser und Könige ließen sich durch das Heilwasser des Bades Linderung zukommen. Kaiserin Sisi gehört dazu und Ludwig II. von Bayern,
der „Märchenkönig“. Otto von Bismarck, der eigenwillige deutsche Reichskanzler, kurte sogar 15 mal in Bad Kissingen. Bei seinem ersten Besuch, 1914, entging er nur knapp einem Attentat. Fortan nahm er in der Oberen Saline Quartier, wo das nach ihm benannte Museum Originalinterieur seiner Wohnung zeigt. Bismarck hat während seiner Kuraufenthalte von Bad Kissingen aus kräftig Politik gemacht. Das gilt in gewissem Rahmen auch für Heinrich Lübke, nach Theodor Heuss der zweite Bundespräsident, der im Bad zur Kur weilte: Hier empfing er 1960 das thailändische Königspaar.

Von Tolstoi über Alfred Nobel und Adolph von Menzel bis hin zu Theodor Fontane, Vladimir Nabokov und George Bernhard Shaw reicht die Liste der Künstler, die nach Bad Kissingen kamen. Shaw hat das „Pygmalion“-Manuskript redigiert und sich der Kur entzogen. Nur einmal kostete er vom berühmten Heilwasser – und wandte sich angewidert ab. Das Heilwasser hat ihm, wie er schrieb, „überhaupt nicht geschmeckt“.

Sieben Heilwässer aus sechs Quellen

Zu seiner Ehrenrettung ist zuzugeben, dass das Heilwasser in der Tat nicht gut schmeckt. Aber es ist gesund. Sieben verschiedene Heilwasser gibt es, die aus sechs Quellen gespeist werden. Einige sind bei Trinkkuren, andere nur bei Bädern angebracht. Die Indikationen reichen von Stoffwechselstörungen über Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen bis hin zu Erkrankungen der Verdauungsorgane, von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises über Krankheiten der Niere, Harnwege und Prostata bis hin zu Unfall- und Verletzungsfolgen.

Nach der Blüte des Bades mit der schier endlosen Gästeliste gekrönter Häupter und anderer Berühmtheiten folgte im 20. Jahrhundert nach der „Demokratisierung des Badewesens“ die große Zeit der Sozialversicherungsträger. Sie errichteten große Kliniken und sorgten für einen nie versiegenden Strom von Kurgästen – bis die Gesundheitsstrukturreform vor zwölf Jahren die Gäste- und Übernachtungszahlen rapide eindampfte. Wie so viele andere Bäder auch musste sich Bad Kissingen neu aufstellen.

Besitzer sind Stadt und Land

Das ist dem bayerischen Bad gut gelungen. 1999 wurden die Staatliche Kurverwaltung und der kommunale Bäderbetrieb in eine GmbH umgewandelt, zur Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH. 60 Prozent der Anteile hält der Freistaat Bayern, 40 Prozent die Stadt Bad Kissingen. Seit 2005 leitet Gunter Sauer als Kurdirektor und Geschäftsführer die Geschicke der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH. Seine 200 Mitarbeiter sind allesamt Spezialisten im Verwöhnen der Gäste.

Mit großem Aufwand stellt sich die Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH den Anforderungen, die heute an eine moderne Kur- und Wellnessoase gestellt werden. Gleich drei Tourist-Informationen, davon eine täglich von 9 bis 21 Uhr, geben Informationen, vermitteln Zimmer, nehmen Buchungen für die vielen entwickelten Pauschalangebote entgegen, bieten Führungen an und verkaufen Souvenirs. Ein Callcenter ist über die kostenlose Hotline 0800 9768800 wochentags von 8:30 bis 20:00 Uhr, am Wochenende von 10 bis 14 Uhr erreichbar. Auf dem modernen, interaktiven Internet-Auftritt [www.badkissingen.de] stellt sich unter anderem die virtuelle Assistentin Kissy den Fragen künftiger Gäste und gibt möglichst perfekte Antworten.

Kurorchester mit 13 Mann

Das Bad tut viel für seine Gäste. Selbst wenn manches einfach zum Standardangebot eines Bades von heute gehört, wird es in Bad Kissingen stets eine Spur perfekter, eine Prise liebevoller angeboten. Der Lesesaal beispielsweise hält eine Auswahl – auch regionaler – Zeitungen
vor, die vorbildlich ist. Das Internetstudio mit zehn Plätzen steht Besitzern der Kurkarte zum Sonderpreis offen. Und dann erst einmal das Kurorchester! Hier ist kein Mann der 13-Personen-Truppe dem Sparzwang zum Opfer gefallen. Zwei- bis dreimal am Tag spielt das Orchester unter Dr. Jaroslav Drasil auf – bei schlechtem Wetter in der Wandelhalle, bei gutem im gepflegten Kurgarten. Dazu wird die Konzertmuschel einfach nach außen gedreht.

Musik spielt auch im großen Kulturprogramm der Stadt eine Rolle. Seit über 20 Jahren lockt das Festival „Kissinger Sommer“ Stars der klassischen Musikszene aus aller Welt in das Frankenstädtchen. Wer bei der Kissinger KlavierOlympiade im Herbst gewinnt, darf beim nächsten Kissinger Sommer als Klaviersolist in einem Sinfoniekonzert auftreten. Damit die Wintertage nicht zu lang und grau ausfallen, wurde der „Kissinger Winterzauber“ ins Leben gerufen, ebenfalls ein internationales Musikfestival. Schon zum 58. Male, immer am letzten Juli-Wochenende, feiert Bad Kissingen 2008 das große Rákóczi-Fest, bei dem sich Bürger der Stadt als berühmte Persönlichkeiten verkleiden: Sisi und Bismarck, Ludwig II. oder Adolph Menzel. Auf diesem dreitägigen Fest geht’s rund wie bei keinem anderen!

Alles rund in moderner Therme

Apropos rund: Alles an und in der KissSalis Therme – dem Stolz der Stadt – ist rund, wie auch in der Natur alles rund ist. Naturnähe ist Teil des Konzepts der Therme, die 2004 vor den Toren von Bad Kissingen für 40 Millionen Euro mitten in der Natur errichtet worden ist. Vom Ortszentrum liegt sie zwei Kilometer entfernt. Kurgäste, die den Spaziergang scheuen, nehmen den Shuttlebus, der in Bad Kissingen alle wichtigen Kurstandpunkte anfährt. Autofahrer finden reichlich kostenlose Parkplätze. Balinesische Massage mit heißem Öl, Shiatsu, Pantai Luar aus Indonesien oder Lomi Lomi Nui – das alles und mehr lernen Besucher der KissSalis Therme im Wellness-Pavillon kennen.

Wellness-Angebote gibt es zahlreiche in der Stadt, die auch hier auf der Höhe der Zeit ist. So ist selbstverständlich, dass eines der ehrwürdigen Hotels im Ort, das Fünf-Sterne Hotel Steigenberger Bad Kissingen, über ein eigenes umfangreiches Wellness-Angebot verfügt.

Auch die Familie Laudensack, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, hat viel Geld in die zauberhaftheitere Wellness-Landschaft von Laudensacks Parkhotel gesteckt. Aber nicht diese hat das kleine Romantik-Hotel in ganz Deutschland berühmt gemacht, sondern das Restaurant. Hermann Laudensack hat mit seiner Küche fast alles errungen, was an Auszeichnungen verliehen wird: 17 Punkte, drei Hauben und Kellnersymbol im Gault Millau 2008, einen Michelin-Stern [und zwei „rote Häuschen“ für das besonders angenehme Hotel], drei Diamanten im Varta-Führer 2008 [und 2 Diamanten für das Hotel] sowie drei „F“ in der Zeitschrift „Der Feinschmecker“…

Felix Real

Felix Real, Vaduzer mit Hand und Herz, ist noch voll dabei, wenn es darum geht, die Gäste zu verwöhnen. Der Pionier und Patron des Hauses «Real» hat Liechtensteins Gastronomie zu weltweitem Ruhm verholfen.

Mit Felix Real sprach Jana Riedmüller

Herr Real, erzählen Sie uns von den
Anfängen des Hauses Real.

Felix Real: Das Real wurde am 1. Mai 1921 eröffnet. Davor war an dieser Stelle eine Handlung, wo man Zucker, Kaffee und Eier kaufen konnte. Als mein Vater merkte, dass meine Mutter eine richtig gute Köchin war, beschloss er, ein Café zu eröffnen. Zu Beginn gab es bei uns nur vier Tische und sechzehn Stühle. Es gab Pensionäre, die jeden Tag zum Essen kommen wollten. Weil zu wenig Platz da war, wurde ein weiteres Stübchen angegliedert und nett eingerichtet.

Und bald folgte ein Hotelbetrieb.

Um die Konzession zu erhalten, schrieb uns die Regierung damals vor, auch Gastbetten anzubieten. Das haben wir gemacht. Wir nutzen zwei Kinderzimmer, die wir nicht dringend benötigten und richteten diese als Gästezimmer ein. Sie wurden allerdings nie besetzt.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, Koch zu werden?

Meine Mutter hatte mittags Kalbshaxen für Jagdherren gebraten. Als diese im Ofen waren, ging sie einen Moment aus der Küche. Ich holte mir ein Messer und habe die besten angebratenen Stücke heraus geschnitten und gegessen. Als meine Mutter die Kalbshaxen zum Tranchieren holen wollte, war sie entsetzt. «Wer hat mir da die Haxen angeschnitten», rief sie. Ich sagte dann, dass ich es war. Und Sie erwiderte: «Gut Bub, du wirst Koch.»

Ihre Lehrzeit führte Sie auch nach Paris. Welche Inspiration brachten Sie mit nach Hause?

Fast alles, was ein guter Koch braucht, lernte ich bei «Chez Maxime» in Paris, welches zu jener Zeit eines der besten Restaurants der Welt war. Das war für mich wirklich beste Inspiration. Ich arbeitete hauptsächlich in der Küche, aber auch überall sonst, wo mich der Chef gerade brauchte. So kam es dann, dass ich für ihn drei Wochen nach Persien reisen konnte.

Lesen Sie das gesamte Interview mit dem bekannten Liechtensteiner Koch Felix Real:
www.vaterland.li/page/wr/artikel_aktuell_detail.cfm?ausgabe=2006-12-23&id=21980