Katholischer Messwein

Qualitätswein ausreichend

Die katholische Kirche hat eine knapp 40 Jahre gültige Verordnung zum Messwein aufgehoben. Nun kann üblicher Qualitätswein bei der Eucharistiefeier verwendet werden, ist im Kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Mainz zu lesen.

Die Eucharistie ist die Feier von Gottes Gegenwart und Gemeinschaft und wie die Taufe ein Sakrament der katholischen Kirche. Dabei wird ein qualitativ hochwertiger Messwein verwendet, der symbolisch für das Blut Christi steht. In der Grundordnung des Römischen Messbuches steht: „Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstockes stammen und naturrein und unvermischt sein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen.“ Um diese Qualität zu sichern, hatten deutsche Bischöfe im Jahre 1976 die „Verordnung über den Gebrauch von Wein bei der Eucharistiefeier“ verabschiedet. Sie wurde auf der Grundlage des damaligen Lebensmittelrechts entwickelt.

Heutzutage sind die gesetzlichen Bedingungen allerdings anders: Die Reinheit des Weins ist nach deutschem Weinrecht streng geregelt und die Beimischung von Fremdstoffen weitestgehend verboten. Daher ist die kirchliche Verordnung nicht mehr notwendig und wurde von der Deutschen Bischofskonferenz Ende Juni 2014 aufgehoben. Nun müssen die Lieferanten nicht mehr extra geprüft werden. Bei der Eucharistiefeier soll zukünftig ein Wein verwendet werden, der mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines genügt. Qualitätsweine unterliegen einer amtlichen Prüfung durch die zuständige Behörde.
Heike Kreutz, www.aid.de

Wasser auf und um Sylt: Sport, Erfrischung und Kultur

Eine Insel in ihrem Element

Dass eine Insel ein besonderes Verhältnis zum Element Wasser hat, ergibt sich beinahe von selbst. Auf Sylt jedoch ist das feuchte Nass nicht nur Voraussetzung für sportliche Ereignisse auf Weltklasseniveau, sondern Quell kultureller Highlights – und auch noch richtig gesund.

Was Mineralwasser mit Kultur zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig. Auf den zweiten – zumindest auf Sylt – jede Menge: Seit 1993 fördert die in Rantum beheimatete „Sylt-Quelle“ Mineralwasser von höchster Güte. Abgefüllt wird hier noch in Glas; ausgeliefert wird nur auf der Insel. Die Herkunft des Wassers: ein Naturschutzgebiet bei Samoa. Oben: Dünen. Darunter: ein von mehreren Adern gespeistes Süßwasser-Reservoir in 650 Metern Tiefe. Eine 4,5 Kilometer lange Pipeline führt bis nach Rantum – zu sehen ist davon nichts. Ganz bewusst. Bei der Produktion von Deutschlands einzigem Insel-Wasser stehen die Natur und die Unberührtheit der Quelle an erster Stelle. Sowohl was die reine Logistik der Förderung angeht als auch in Bezug auf das Wasser selbst: Die Rantumer Abfüllanlage ist streng nach ökologischen Richtlinien geplant. Von Umweltbelastungen keine Spur – im Gegenteil: Konkurrenzlos hoch ist etwa der Jodgehalt des Wassers; bereits 0,75 Liter Sylt-Quelle decken den empfohlenen Tagesbedarf.

Wasser als Quell des Lebens; in Rantum ist das jedoch längst nicht alles. Das Motto des Mineralwasser-Produzenten lautet schließlich: „Mineralwasser & mehr“. Und dieses „mehr“ steht in diesem Fall für Kultur. Die gemeinnützige Stiftung „kunst:raum sylt quelle“ wurde 2001 von Indra Wussow ins Leben gerufen und ist mittlerweile eine renommierte Begegnungsstätte für Künstler und Kunstfreunde. Die Produktionshalle in der weitläufigen Abfüllhalle des Mineralbrunnens ist zudem seit mehr als einem halben Jahrzehnt das Herzstück des legendären „Meerkabaretts“. Hier finden Sommer für Sommer Comedy, Musik und Kabarett ihre Heimat. Noch bis September läuft in diesem Jahr zwischen Wasserkästen und Abfüllanlage das Programm.

Noch mehr Meer findet sich auf einer Insel selbstredend vor der Haustür: Segler, Kiter und Surfer finden auf Sylt ideale Bedingungen. Gerade Anfänger sind im Wassersportrevier rund um die Insel bestens aufgehoben. Surf-Neulingen und Kite-Laien helfen zahlreiche Surfschulen aufs Brett. Segler wiederum erhalten ihre ersten Lektionen von erfahrenen Lehrern zwischen Sylt, Amrum und Föhr – auf Wunsch auch im Catsegeln.

Die Westküste jedoch ist die Heimat der Profis. Hier präsentiert sich das Meer gerne von seiner rauen Seite. Dass Wind und Wellen dort gerne mal machen, was sie wollen, ist für viele Sportler der besondere Reiz der Nordsee. Ein fester Termin für Surf-Profis: der „Reno Windsurf World Cup Sylt“ vom 28. September bis 7. Oktober. Das weltweit größte Windsurf-Event – der einzige Super Grand Slam der PWA World Tour – findet traditionell in der Brandung vor Westerland statt. Zu Gast: die Top-Stars im Waveriding, Freestyle und Slalom, darunter Weltmeister Philip Köster und Surf-Legende Björn Dunkerbeck. Man muss ja nicht selbst mitfahren. Auch wer nur gucken will, ist Ende September in Westerland und am Brandenburger Strand bestens aufgehoben: Die Kurpromenade wandelt sich zur Zeltstadt und verspricht ein hochkarätiges Rahmenprogramm – für Ohren und Gaumen. Und dass dann auch die Original-„Sylt-Quelle“ gereicht wird, versteht sich von selbst.

www.sylt.de

CAVIAR CREATOR

CAVIAR CREATOR: Bundesgerichtshof hebt Urteil wegen schweren Betruges gegen Frank Schaefer auf.

Am 31.01.2012 hat der 3. Senat des Bundesgerichtshofes einstimmig und deshalb durch Beschluss (ohne Verhandlung) das von der 10. Großen Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht Düsseldorf unter der Leitung von Frau Richterin Wierum am 15.12.2010 gesprochene Urteil gegen den Unternehmensgründer und CEO Frank Schaefer über 3 Jahre und 8 Monate Haft aufgehoben.

Caviar Creator betrieb bis 2010 die weltgrößten Kreislaufanlagen zur Störzucht und Kaviarproduktion in der Hansestadt Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Der Unternehmenssitz der Deutschlandniederlassung war Düsseldorf
Frank Schaefer war 2009 nach fast sechsjährigen ergebnislosen Ermittlungen in den USA verhaftet und zur U-Haft nach Düsseldorf überstellt worden.

Trotz „Geständnis“ (der BGH setzte den Begriff in Anführungszeichen) wurde das Urteil mit den dazugehörigen Feststellungen aufgehoben. Aus der Begründung des Gerichts: „Das Urteil hält sachlichrechtlicher Überprüfung nicht stand, weil die Feststellung des Landgerichts, die Aktionäre hätten die Aktien aufgrund einer Täuschung erworben, durch die Beweiswürdigung nicht belegt ist.“

Frank Schaefer war nach dem Urteil in Revision gegangen und hatte damit nun Erfolg.

Der 3. Senat des Bundesgerichtshofes hat die „Die Sache … zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.“
BGH-Aktenzeichen 3 StR 285/11 vom 31.1.2012

Rechtslage für Entschädigungen bei Flugverspätungen eindeutig bestätigt

Rechte für Flugreisende gestärkt: Urteil des Amtsgerichts Nürtingen vom Landgericht Stuttgart aufgehoben – Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für nationale Gerichte bindend

Wer als Bahnreisender allzu lange auf seinen Zug warten muss, hat nach dem Fahrgastrechtegesetz einen Anspruch auf Entschädigung. Gemäß dem Motto „Zeit ist Geld“ erstattet die Bahn ihren Kunden bei Verspätungen bis zu 50 Prozent vom Ticketpreis. Doch wie sieht es bei Flugreisen aus? Seit langem monieren Juristen und Verbraucherschützer die oft uneinsichtige Haltung der Fluggesellschaften. Das Landgericht Stuttgart hat jetzt die Rechte von Fluggästen gestärkt und der Klage auf eine Ausgleichszahlung bei großer Verspätung stattgegeben.

flightright, das Verbraucherportal für Fluggastrechte, fühlt sich mit dem Stuttgarter Urteil in seiner Arbeit bestärkt. Das Online-Unternehmen bietet Passagieren die Möglichkeit, Entschädigungen für verspätete oder annullierte Flüge direkt über das Internet auf www.flightright.de einzufordern. Dazu geben sie ihre Flugdaten auf der Webseite ein; das System prüft daraufhin automatisch, inwieweit der Anspruch auf Entschädigung aussichtsreich ist. Im Anschluss übernimmt flightright die weitere Durchsetzung der Forderung gegenüber den Fluggesellschaften.

Vor einem Jahr deutete noch alles auf eine Niederlage des Klägers zugunsten der Fluggesellschaften hin. Das Amtsgericht Nürtingen (Urteil 11 C 1219/10) wies die Klage zweier Reisender, die fast zwölf Stunden auf einen Inlandsflug hatten warten müssen und für diese Verzögerung Entschädigungsforderungen geltend machen wollten, entgegen einem eindeutigen Urteil des Europäischen Gerichtshofs ab. Auf das Nürtinger Urteil beriefen sich Fluggesellschaften immer wieder, wenn Ausgleichszahlungen von ihnen verlangt wurden. Das Landgericht Stuttgart (Urteil 13 S 227/10) hat dieses Urteil nun für ungültig erklärt und begründet die Aufhebung mit geltendem EU-Recht, welches die nationalen Gerichte bindet.

„Mit dem Urteil des Landgerichts Stuttgart wurden die Rechte von Flugreisenden nachhaltig gestärkt“, sagt Sven Bode, Geschäftsführer von flightright. „Die Fluggesellschaften können sich nicht mehr hinter dem Nürtinger Urteil verstecken. Die Rechtslage ist eindeutig und auf Seiten der Passagiere.“

Rund ums Ei

„Woran erkenne ich, wie frisch ein Ei ist?“, ist eine Frage, die sich Verbraucher beim Einkauf unterwegs, aber auch häufig zu Hause am Kühlschrank stellen. Im Handel ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Eierverpackung oder auf einem Schild bei der Ware anzugeben. Es beträgt maximal 28 Tage nach dem Legen. „Eier, die während der ersten neun Tage nach dem Legedatum in den Handel kommen, dürfen als Güteklasse A ‚extra frische Eier‘ verkauft werden. Diese eignen sich besonders für Cremes und Süßspeisen. Laut Hühnereiverordnung sind Eier innerhalb von höchstens 21 Tagen nach dem Legen an den Verbraucher abzugeben“, weiß Ökotrophologe Harald Seitz vom aid infodienst aus Bonn.

Ab dem 18. Tag nach dem Legedatum dürfen Eier nur noch gekühlt im Handel angeboten werden. „Auch Verbraucher sollten beim Einkauf darauf achten, dass sie die Kühlkette nicht unterbrechen. Besonders in der wärmeren Jahreszeit empfiehlt es sich, eine Kühltasche mit zum Einkaufen zu nehmen oder zumindest keine großen Umwege bis zum heimischen Kühlschrank zu machen“, so Seitz. Ab dem 22. Tag nach dem Legedatum dürfen die Eier nicht mehr an den Verbraucher verkauft werden. Eier, die älter als 28 Tage sind, sollten nur noch gut durcherhitzt gegessen werden. „Zu Hause sollten Eier grundsätzlich bei 5 bis 8 Grad Celsius aufgehoben werden. Gut geeignet dafür ist das Eierfach in der Türseite des Kühlschranks“, so Seitz.

Oftmals haben Verbraucher den Eierkarton mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht aufgehoben und wissen nach geraumer Zeit nicht mehr, wie frisch die eingekauften Eier sind. Für diesen Fall empfiehlt der Ökotrophologe, das Ei entweder aufzuschlagen oder es in ein durchsichtiges Gefäß mit Wasser zu geben. „Bei einem frischen aufgeschlagenen Ei umschließt das Eiklar hochgewölbt den Dotter. Bei einem älteren Ei ist das Eiklar dünn und fließt beim Aufschlagen auseinander. Bei der Frischeprobe in einem Gefäß mit Wasser schwimmt ein frisches Ei unten auf dem Grund. Je älter das Ei ist, desto höher steigt es“, so Seitz. Letzteres hat wenig mit Zauberei zu tun und ist ganz einfach zu erklären: Mit zunehmendem Alter des Eies vergrößert sich die Luftkammer im Inneren des Eies, da während der Lagerung Wasser durch die Poren der Schale verdunsten.
(Ira Schneider, www.aid.de )

Wie lagert Kopfsalat am besten?

Nichts geht im Frühjahr über einen knackigen, grünen Salat. Er erfrischt, ist gesund und spart Kalorien. Außerdem ist er schnell gemacht. Salatfans hätten am liebsten einen nicht enden wollenden Vorrat in ihrem Kühlschrank. Aber ist das wertvolle Grün da überhaupt richtig aufgehoben? Vor allem Kopfsalat ist druckempfindlich und wird schnell welk. Am besten ist es, ihn direkt vor dem Verzehr zu kaufen. Optimal lagert Kopfsalat bei einer Temperatur von 0 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 95 bis 100 Prozent. Solche Umgebungsbedingungen sind am ehesten in Kühlgeräten gegeben, die mit einer so genannten Nullgradzone und Feuchtefächern ausgestattet sind. Dort hält es feldfrische Ware bis zu 20 Tage aus. In herkömmlichen Kühlgeräten ist es bei einer Temperatur von 5 °C in den Obst- und Gemüsefächern zu warm für eine längerfristige Lagerung. Richtig verpackt bleibt Kopfsalat hier etwa zwei bis drei Tage knackig. Wichtig ist, dass der Salat nicht austrocknet. Bei Obst und Gemüse ist der Stoffwechsel auch nach der Ernte noch aktiv. Besonders Blattgemüse verliert über seine große Oberfläche rasch jede Menge Feuchtigkeit und wird welk. Folienbeutel verhindern ein solches Austrocknen; die zurückgehaltene Feuchtigkeit bildet jedoch andererseits eine ausgezeichnete Entwicklungsgrundlage für Mikroorganismen. Dies kann bei Temperaturen von +4 bis 8 °C, wie sie oft in den Obst- und Gemüsefächern vorkommen, dazu führen, dass der Salat erstickt und innerhalb kurzer Zeit verdirbt. Gelochte Folienbeutel oder ein lockeres Einschlagen in einem feuchten Tuch sind in Abhängigkeit von der tatsächlich vorhandenen Lagertemperatur im Gemüsefach des herkömmlichen Kühlgeräts die am besten geeigneten Verpackungsarten. Dabei darf der Salatkopf auf keinen Fall gequetscht werden. Auch von Früchten wie Äpfeln oder Birnen sollte man ihn fernhalten. Sie sondern das Reifungsgas Ethylen ab und beschleunigen somit die Alterung und den Nährstoffabbau. Alternativ kann es sinnvoll sein, den Salat zu putzen und die gewaschenen und trocken geschleuderten Blätter ohne Dressing in einem geschlossenen Gefäß oder in der trockenen Salatschleuder in den Kühlschrank zu stellen und ihn so für spätestens den nächsten oder übernächsten Tag zu lagern.
aid, Silke Hoffmann

Weitere Informationen: Mehr praktisches Haushaltswissen für Laien und Profis gibt es in der fast 400 Seiten starken aid-Broschüre „Lebensmittelverarbeitung im Haushalt“, Bestell-Nr. 61-3953, Preis: 25,00 EUR unter www.aid-medienshop.de .

TEST: Fahrradanhänger

Gefahr durch Schadstoffe

Kinder sind in einem Fahrradanhänger sicherer aufgehoben als in einem Fahrradsitz. Doch vier der geprüften Anhänger enthalten so viele Schadstoffe, dass sie „mangelhaft“ abschneiden. Zu diesem Ergebnis kommen die Stiftung Warentest und der ADAC bei einem Gemeinschaftstest von sieben Fahrradanhängern, drei Fahrradtrailern und zwei Fahrradzugsystemen.


Stürzt der Radfahrer bei einem Unfall, kippt keiner der Anhänger im Test mit um, sondern alle bleiben mit den Rädern auf dem Boden. Die Anhänger sind wie eine Art Kokon, der das Kind bei einem Aufprall durch Pufferzonen schützen kann.


Doch nicht alle überzeugten in puncto Sicherheit und Komfort fürs Kind. Zum Risiko für die Kleinen und ihrer Eltern können auch die Schadstoffe in einigen Gurten, Polstern und Schiebegriffen werden. Die Tester fanden erschreckend viele polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phthalate (Weichmacher), die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen, das Erbgut zu verändern und die Fortpflanzung zu gefährden.

Drei Anhänger enthalten nur geringe Mengen dieser Schadstoffe und sind gesundheitlich weniger bedenklich. Der beste unter ihnen ist der „gute“ Cougar 2 von Chariot. Zwar ist er mit 715 Euro der teuerste, was sich aber in der Qualität widerspiegelt.

Wer zum ersten Mal mit einem Anhänger fährt, sollte ein paar Übungsrunden drehen. Vor allem das Bremsen, Abbiegen und der Kurvenradius unterscheiden sich deutlich vom Alleinfahren. Die Tester raten, einen Rückspiegel am Fahrrad anzubringen, um den Anhänger besser im Blick zu haben. Auch im Anhänger sollte das Kind einen Fahrradhelm tragen und angeschnallt sein.

Der ausführliche Test ist in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift test und online unter www.test.de/fahrradanhaenger veröffentlicht.

Die krumme Gurke ist wieder da

Die krumme Gurke ist wieder da
EU hebt spezifische Vermarktungsformen für 26 Obst- und Gemüsearten auf.

Ab dem 1. Juli stehen die legendäre krumme Gurke und anderes Obst und Gemüse, das nicht den bislang geltenden Handelsnormen entspricht, wieder zum Verkauf. Europäische Regeln über die Größe und Form vieler Obst- und Gemüsesorten gelten dann nicht mehr, die spezifischen Vermarktungsnormen für 26 Arten Obst und Gemüse werden aufgehoben.
„Der 1. Juli steht für die Rückkehr der krummen Gurke und der knorrigen Karotte in unsere Regale“, erklärte EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel. „Etwas ernsthafter betrachtet ist dies ein konkretes Beispiel für unsere Bemühungen, unnötige Bürokratie abzubauen. Solche Dinge müssen nicht auf EU-Ebene geregelt werden. Es ist viel besser, dies den Marktbeteiligten zu überlassen. Die Veränderungen bedeuten auch, dass die Verbraucher aus einer möglichst breiten Produktpalette auswählen können. Es ist sinnlos, einwandfreie Erzeugnisse wegzuwerfen, nur weil sie die ‚falsche‘ Form und Größe haben.“

Die Initiative der Kommission, diese Normen abzuschaffen, ist ein wichtiges Element der laufenden Bemühungen, die EU-Regeln zu straffen und zu vereinfachen sowie die Bürokratie abzubauen. Die morgige Änderung bedeutet, dass die Normen für 26 Erzeugnisse aufgehoben werden: Aprikosen, Artischocken, Spargel, Auberginen, Avocados, Bohnen, Rosenkohl, Karotten, Blumenkohl, Kirschen, Zucchini, Gurken, Zuchtpilze, Knoblauch, Haselnüsse in der Schale, Kopfkohl, Porree, Melonen, Zwiebeln, Erbsen, Pflaumen, Staudensellerie, Spinat, Walnüsse in der Schale, Wassermelonen und Chicoree. Für zehn Obst- und Gemüsearten, worunter Äpfel, Erdbeeren und Tomaten, werden die Vermarktungsnormen erhalten bleiben. Doch auch für diese zehn Obst- und Gemüsearten könnten die Mitgliedstaaten zum ersten Mal den Verkauf von Erzeugnissen erlauben, die nicht den Normen entsprechen, solange diese entsprechend gekennzeichnet sind, um sie von den Erzeugnissen der Güteklassen Extra, I und II zu unterscheiden. Die neuen Regeln werden es den einzelstaatlichen Behörden mit anderen Worten ermöglichen, den Verkauf von allem Obst und Gemüse unabhängig.

ZMP geschlossen

Die ZMP wurde im September des Jahres 1950 gegründet und hat von Anfang an die Aufgabe verfolgt, die Agrarmärkte transparent zu machen. Erst 1972 wurde sie in das System Absatzfonds integriert. Das Selbstverständnis des Unternehmens und seiner Mitarbeiter war immer klar: Aus der Mitte des wirtschaftlichen Geschehens heraus wollte die ZMP für die Agrarwirtschaft die Märkte weltweit abbilden – neutral und objektiv. Markttransparenz und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gehören zusammen. Trotz gelegentlicher Kritik hat das Unternehmen während dieser langen Zeit enormen Zuspruch erfahren, was die positive Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und die große Leserschaft beweist.

Die Gesellschafter der ZMP GmbH haben am 25. Februar 2009 beschlossen, das Unternehmen aufzulösen. Der Grund ist bekannt: Das Bundesverfassungsgericht hat am 3. Februar 2009 die Beitragsveranlagung nach dem Absatzfondsgesetz als unzulässige Sonderabgabe für verfassungswidrig und nichtig erklärt. Mit dieser Entscheidung fällt auch der rechtliche Rahmen, aufgrund dessen der Absatzfonds die ZMP mit der Durchführung von Maßnahmen zur Marktbeobachtung und -berichterstattung beauftragt hat. Die ab sofort fehlende finanzielle Zuwendung war wichtigster Bestandteil des Etats der ZMP.

Derzeit werden über 7.000 Lieferverträge gekündigt, Geschäftsbeziehungen aller Art aufgehoben und die in erheblichem Maße unentgeltlich zur Verfügung gestellten Informationen zum 30. April 2009 eingestellt. Im Anschluss an die Betriebsstilllegung folgt die ordentliche Kündigung aller 152 Mitarbeiter, Volontäre und Auszubildenden, soweit die Verträge nicht schon aufgehoben worden sind.

Die ZMP hat im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen und staatlichen Stellen innerhalb der EU ein sehr viel größeres Informationsspektrum angeboten. Nach ihrer Auflösung wechselt nun der Vorsprung durch Information hin zu anderen Ländern. Das federführende Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sah sich nicht veranlasst, dieses nun bestehende Ungleichgewicht durch eine finanzielle Stützung aufzuheben. Eine Marktberichterstattung mit so umfangreichen und objektiven Marktdaten aus einer Hand, die von den Rohstoffmärkten über die Verarbeitung bis hin zu Handel und Verbraucher reicht, wird es in Deutschland zukünftig nicht mehr geben. Inwieweit die Wirtschaft in der Lage ist, diese Lücken durch bereitgestellte Marktdaten zu schließen, wird sich zeigen.

Stiftung Warentest gewinnt gegen Andechser Molkerei

Stiftung Warentest gewinnt gegen Andechser Molkerei

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat eine gegen die Stiftung Warentest erlassene Einstweilige Verfügung aufgehoben. Damit hat die Stiftung Warentest einen Rechtsstreit mit der Andechser Molkerei Scheitz GmbH gewonnen. Sie kann die in der Oktober-Ausgabe von test 2008 veröffentlichte Untersuchung weiter verbreiten.

Bei einem Test von 35 Buttermarken hatte die Stiftung Warentest die Sauerrahmbutter „Andechser Natur (Bioland)“ mit „mangelhaft“ bewertet, weil diese eine zu geringe Anzahl an Milchsäurebakterien enthalten hatte. Milchsäurebakterien sind in Sauerrahmbutter ein wichtiges Qualitätskriterium.

In dem Berufungsverfahren der Stiftung Warentest gegen das Urteil des Landgerichts Mannheim kam das Oberlandesgericht Karlsruhe nun zu dem Ergebnis, dass die Bewertung in test in Bezug auf die Anzahl der Milchsäurebakterien in der Sauerrahmbutter nicht zu beanstanden sei.

Damit ist dieses Verfahren rechtskräftig zugunsten der Stiftung Warentest abgeschlossen.