Schulobstprogramm

Obst auf den Schulhof!

Ende gut, alles gut beim Schulobstprogramm?

„Geht doch“, möchte der geneigte Wähler seinen Volksvertretern am liebsten zurufen. Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung am 18. September 2009 auf einen Einspruch gegen das vom Bundesrat bereits verabschiedete Schulobstgesetz verzichtet. Die Ampel für das Schulobst-Programm steht also nach unnötigem Hin und Her nun doch auf grün.

Die Europäische Union stellt damit 20 Millionen Euro für das Schuljahr 2009/10 zur Verfügung, um Schülern kostenloses Obst zu finanzieren. Gescheitert wäre dieses ganz praktische Projekt zur Verbesserung der Essgewohnheiten in Schulen beinahe an der Kofinanzierung. Das heißt, etwa 18 Millionen Euro zusätzlich müssen von Deutschland aufgebracht werden, um an den europäischen Geldtopf zu kommen. Genau um diese Aufwändungen wurde aber zwischen Bundesrat und Bundestag gerungen (der aid berichtete, aid-PresseInfo 30/09 vom 22.7.2009).

Ob und wie viele Kinder aber tatsächlich in den kostenlosen Genuss von Obst und Gemüse kommen, entscheidet das jeweilige Bundesland. In jedem Fall ist Eile geboten, da eine Umsetzung vor der zweiten Schuljahreshälfte nicht zu bewerkstelligen ist. Vor allem soll es nicht bei der reinen Verteilung von frischem Obst bleiben.

Begleitende Maßnahmen sind unter anderem altersangepasste Unterrichtsstunden und ein Wettbewerb um die beste Geschichte rund um Obst und Gemüse. Da müssen auch die Lehrkräfte vor Ort so schnell wie möglich informiert werden, sonst verpufft das Programm zur einmaligen Aktion. Dazu passt, dass das vom Bundesernährungsministerium geförderte Pilotprojekt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gerade seine Ergebnisse präsentieren konnte. An 18 Schulen wurde das Programm wissenschaftlich begleitet und beispielhafte Modelle erarbeitet, wie ein kleiner aber feiner Teil von Ernährungsbildung in Schulen ganz praktisch und nachhaltig funktionieren kann. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen sich auch daran orientieren.
Die Frage sei aber erlaubt, ob der anfängliche Hickhack um – Verzeihung – Beträge aus der Portokasse auch in Nicht-Wahl-Zeiten so glimpflich ausgegangen wäre.
aid, Harald Seitz

Weitere Informationen: www.5amtag-schulfrucht.de

Ampelkennzeichnung im Supermarkt angekommen

Die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel ist endgültig bei den Verbrauchern angekommen. Im Juni hatte der Tiefkühlkosthersteller Frosta angekündigt, seine Kunden künftig auf vier seiner umsatzstärksten Produkte mit der Nährwert-Ampel über den Gehalt an Zucker, Salz, Fett und gesättigten Fettsäuren zu informieren. Inzwischen ist die Umstellung abgeschlossen, die vier Produkte werden nun flächendeckend in neuer Verpackung mit Ampelgrafik ausgeliefert.

„Die Ampel hat den Supermarkt erreicht“, erklärte Martin Rücker, Sprecher der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. „Endlich können sich die Verbraucher selbst davon überzeugen, was die Wissenschaft eindeutig bestätigt: dass Nährwertangaben mit Ampelfarben am besten verstanden werden.“ Es sei an Absurdidät nicht zu überbieten, dass ausgerechnet dieses System EU-weit verboten werden soll. foodwatch forderte die Bundesregierung auf, diese Pläne der EU-Kommission zu verhindern: „Die deutsche Regierung darf bei diesem europäischen Schildbürgerstreich nicht mitspielen. Die Ampel-Verbotspläne müssen schnellstmöglich zu den Akten gelegt werden.“

Stattdessen muss eine Öffnungsklausel in die EU-Verordnung aufgenommen werden, mit der die Nährwert-Ampel zumindest auf einzelstaatlicher Ebene verbindlich eingeführt werden dürfe. Eine freiwillige Ampelkennzeichnung dagegen hilft nicht weiter. Dies belegt die Situation in Deutschland, wo bislang nur eine einzige Firma dem Wunsch der Kunden nach Transparenz bei den Nährwertangaben nachkommt. foodwatch-Sprecher Rücker: „Eine freiwillige Lösung ist zum Scheitern verurteilt. Gerade Hersteller, die hohe Zucker-, Salz- oder Fettwerte in ihren Produkten verstecken, werden sich durch die Ampelfarben sicher nicht freiwillig entlarven.“

Ampelkennzeichnung

Die Kombination von Ampelfarben und Text ist entscheidend für die Verständlichkeit von Nährwertinformationen auf Lebensmitteln. Zu diesem eindeutigen Ergebnis kommt die bislang umfassendste vergleichende Studie über die Verständlichkeit verschiedener Kennzeichnungssysteme. Beauftragt wurde sie von der staatlichen britischen Lebensmittelbehörde FSA (Food Standards Agency). „Die Kennzeichnung der Industrie mit Prozentwerten nach dem GDA-System fällt bei dem Vergleich durch“, sagte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

foodwatch verlangte, die wissenschaftlichen Erkenntnisse beim laufenden Gesetzgebungsverfahren auf EU-Ebene zu berücksichtigen. „Die EU ist drauf und dran, das nachweislich beste Kennzeichnungssystem zu verbieten – das ist absurder als jede Krümmungsnorm für Gurken“, so Wolfschmidt. „Kanzlerin Merkel und Verbraucherministerin Aigner dürfen diesen europäischen Schildbürgerstreich nicht mitspielen. Sie müssen dafür sorgen, dass das Ampel-Verbot aus dem Gesetz gestrichen wird!“

foodwatch hatte die Diplom-Ökotrophologin Julia Lohscheidt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Agrarsoziologie und Beratungswesen der Justus-Liebig-Universität Gießen, mit der Überprüfung der wissenschaftlichen Qualität der FSA-Studie beauftragt. Der Prüfauftrag wurde unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Professor Dr. Ingrid-Ute Leonhäuser vom Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. Das Fazit: In der FSA-Studie seien „erstmals umfassende Ergebnisse“ zum Verständnis unterschiedlicher Nährwert-Kennzeichnungssysteme erfasst worden. Die FSA-Studie sei bezüglich ihrer Methodik und Validität „als eine hervorragende Leistung einzustufen“. Demnach sind zwei Arten der Nährwertkennzeichnung „signifikant verständlicher“ als andere Systeme wie das GDA-Modell: Eine Kombination aus Text (hoch/mittel/niedrig) und Ampelfarben (rot/gelb/grün) oder eine Kombination von Text, Ampelfarben und zusätzlichen GDA-Prozentwerten.

„Die Wissenschaft sagt: Ohne Ampelfarben geht nichts“, so foodwatch-Experte Wolfschmidt. Es sei unverantwortlich, dass sich die Lebensmittelindustrie weiterhin gegen die Ampelkennzeichnung wehrt. Die Studien EUFIC und FLABEL, auf die sich die Wirtschaftslobbyisten ihrerseits berufen, wurden von Unternehmen wie Coca-Cola, Nestlé, Ferrero, Danone, Mars und McDonald’s selbst finanziert oder durchgeführt. Wolfschmidt: „Die Ampel-Gegner finanzieren sich ihre Anti-Ampel-Studien selbst und ignorieren unabhängige wissenschaftliche Erkenntnis – darauf darf die Politik nicht hören.“

Ampel-Kennzeichnung

foodwatch begrüßt Initiative der Krankenkassen für Ampel-Kennzeichnung – Geplantes Ampel-Verbot muss vom Tisch

Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch begrüßt den Appell der Krankenkassen an die Bundesregierung, sich für die Ampelkennzeichnung einzusetzen. „Das ist ein überragendes Signal“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. „Das in Brüssel geplante Ampel-Verbot muss vom Tisch. Der Ruf nach der Ampelkennzeichnung ist inzwischen so ohrenbetäubend laut, dass ihn die Bundesregierung gar nicht überhören kann.“

foodwatch forderte Bundskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt auf, sich in Brüssel gegen die Gesetzespläne der Europäischen Kommission stark zu machen, nach denen die Einführung der Ampelkennzeichnung auch auf nationaler Ebene de facto verboten würde. „Es kann nicht sein, dass in Brüssel mit Billigung von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner gegen den erklärten Willen der Menschen in Deutschland ein Verbot der verbraucherfreundlichsten Nährwertkennzeichnung entschieden wird. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil zum Lissabon-Vertrag gerade erst betont, dass europapolitische Entscheidungen nicht über die Köpfe der Bürger hinweg gefällt werden dürfen. Die Ampel ist ein praktisches Beispiel dafür, wie in Europa hinter dem Rücken der Menschen entschieden wird“, so Bode.

Die Forderung nach Einführung der Nährwert-Ampel wird in Deutschland von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis getragen. Im Juli 2009 hatten sich 69 Prozent der Bundesbürger in einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von foodwatch für diese Form der Lebensmittelkennzeichnung ausgesprochen, sogar 77 Prozent lehnten das geplante EU-weite Ampel-Verbot ab. Die Einführung der Nährwert-Ampel fordern neben foodwatch und den Krankenkassen auch die Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Ärztevereinigungen wie die Bundesärztekammer, der Bundeselternrat und Patientenverbände wie die Deutsche Herzstiftung.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter http://www.foodwatch.de

Fertigprodukte, Brot oder Schokolade oft mit hohem Salzgehalt

Viele Lebensmittel haben einen überraschend hohen Salzgehalt. Das zeigt ein Test der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. Dabei wurden 22 Produkte mit der Ampelkennzeichnung versehen. Die Ergebnisse:

Vor allem Fertigprodukte enthalten häufig extrem viel Salz. Zu den stark salzhaltigen Produkten gehören auch Brot, Käse oder Senf.

Auch viele Lebensmittel weisen einen relativ hohen Salzgehalt auf, bei denen es Verbraucher nicht erwarten. Bei Snickers, einer Tafel Milka Alpenmilch und der Konserve King’s Crown „Junge Erbsen mit Möhrchen sehr fein“ aus dem Aldi-Sortiment zeigt die Ampel auf Gelb.

„Spitzenreiter“ im Ampeltest: Die Tütensuppe „Thai Chef Ente“ mit 6 Gramm Salz pro 100 Gramm. Hier würde nicht nur die Ampel auf Rot zeigen – mit 100 Gramm dieser Suppe hätten Verbraucher zudem ihren kompletten Tagesbedarf an Salz gedeckt. Auch durch den Verzehr einer Tiefkühlpizza „Ristorante Pizza Speciale“ von Dr. Oetker wird der Tagesbedarf vollständig gedeckt.

Häufig können Verbraucher den Salzgehalt von Lebensmitteln durch die Angaben auf der Verpackung nicht erkennen. „Die Nährwertangaben der Industrie führen in die Irre. Die Ampelkennzeichnung dagegen zeigt auf einen Blick, ob ein Produkt versalzen ist“, erklärte foodwatch-Sprecher Martin Rücker.

Nach Einschätzung von Ärzten und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist der Salzkonsum in Deutschland deutlich zu hoch. Besonders bei männlichen Jugendlichen liegt er nach Angaben der Bundesregierung bei mehr als 10 Gramm am Tag – empfohlen werden 5 bis 6 Gramm, ausreichend wären sogar 1 bis 1,5 Gramm Salz am Tag. Drei Viertel der Zufuhr stammt dabei aus den versteckten Salzgehalten in zusammengesetzten Produkten aus dem Supermarkt.

Salz ist lebensnotwendig, zu viel Salz jedoch kann ein Gesundheitsrisiko sein. Insbesondere Menschen mit Bluthochdruck – betroffen sind 38 Millionen Deutsche – wird empfohlen, ihren Salzkonsum zu reduzieren. foodwatch-Sprecher Rücker: „Die Verbraucher haben ein Recht darauf, leicht verständlich über den Salzgehalt in Lebensmittel informiert zu werden.“ foodwatch forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) auf, sich aktiv für die Ampelkennzeichnung einzusetzen. „Es liegt an Frau Aigner: Das geplante Ampel-Verbot in Brüssel muss vom Tisch!“

Die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln wirkt

Die Ampel wirkt

Die Rot-Gelb-Grün-Kennzeichnung von Lebensmitteln nützt Verbrauchern am meisten

Die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln ist die klarste Entscheidungshilfe zu den Inhaltstoffen, die wichtig sind für die Gesundheit, berichtet die „Apotheken Umschau“. In einer australischen Studie wählten knapp 800 Teilnehmer ihre Lebensmittel nach unterschiedlichen Kennzeichnungen aus. Bei der Ampel werden Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz mit den Signalfarben Rot, Gelb und Grün dargestellt. Ein anderes Modell gibt an, wie viel Prozent der empfohlenen Tageszufuhr eine Portion enthält. Teilnehmer, die nach der Ampel auswählten, erkannten gesündere Lebensmittel fünfmal öfter als jene, die nach der Prozentangabe wählten.

Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 7/2009 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Bürger fordern Nein zum geplanten Ampel-Verbot

Neue Emnid-Studie: Bürger fordern Nein zum geplanten Ampel-Verbot – Zustimmung zur Ampelkennzeichnung auf 69 Prozent gestiegen

Die Zustimmung zur Ampelkennzeichnung ist weiter gewachsen. 69 Prozent der Bundesbürger fordern von der Bundesregierung, sich für die Nährwert-Ampel einzusetzen. Das ist das Ergebnis einer Repräsentativ-Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. Auf die gleichlautende Frage hatten Ende Januar 2009 noch 67 Prozent der Befragten Ja zur Ampel gesagt.

Noch klarer ist die Haltung der Bundesbürger zum geplanten EU-weiten Ampel-Verbot: Vier von fünf Bürgern (77 Prozent) fordern die Bundesregierung auf, eine solche Regelung nicht zu akzeptieren. Stattdessen solle sie sich für eine Öffnungsklausel einsetzen, die die Einführung der Ampel-Kennzeichnung in Deutschland ermöglichen würde. Mit 83 Prozent am höchsten ist die Zustimmung zu einer solchen Klausel in Bayern, dem Heimatland von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner.

foodwatch rief die Bundesregierung dazu auf, die Ampel-Verbotspläne zu stoppen. „Das Votum der Bürger ist eindeutig: Frau Aigner muss in Brüssel aktiv werden und Nein sagen zum geplanten Ampel-Verbot“, erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. „Offenheit vorgaukeln und gleichzeitig hinterrücks ein Ampel-Verbot billigend in Kauf nehmen – das grenzt schon an Trickbetrug. Aigners Spiel mit doppeltem Boden muss aufhören. Deutschland braucht eine Verbraucherministerin und keine Industrieministerin.“

Derzeit wird in der EU ein Gesetz geplant, das eine industriefreundliche Nährwertkennzeichnung als verbindlich festschreiben und jede nationale Abweichung ausdrücklich verbieten würde. Dies belegt ein Rechtsgutachten der Bremer Europarechtsexpertin Prof. Sabine Schlacke, das foodwatch in dieser Woche veröffentlicht hatte.

Erforderlich ist daher eine Öffnungsklausel, mit der den EU-Mitgliedern ermöglicht wird, verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnungen wie das Ampel-System zumindest auf nationalstaatlicher Ebene einzuführen.

Emnid hatte am 13. und 14. Juli 1004 Menschen in Deutschland repräsentativ befragt.

EU will Nährwert-Ampel in Deutschland verbieten

Gutachten belegt: EU will Nährwert-Ampel in Deutschland verbieten – Doppelspiel von Bundesministerin Ilse Aigner

Die Europäische Union plant ein Verbot der Ampelkennzeichnung in Deutschland. Das ist das Ergebnis eines Gutachten der Europarechtsexpertin Prof. Sabine Schlacke, das die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch heute veröffentlicht hat.
„Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner spielt ein scheinheiliges Doppelspiel mit den Bürgern“, erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. „In Deutschland gibt sie sich offen für die Ampelkennzeichnung, in Brüssel jedoch nimmt sie es billigend in Kauf, dass ein Ampel-Verbot hinter dem Rücken der deutschen Bevölkerung und des deutschen Parlamentes beschlossen wird.“

Sabine Schlacke, Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bremen, hat im Auftrag von foodwatch den Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission zur Nährwertkennzeichnung analysiert. Festgeschrieben werden soll demnach eine industriefreundliche Kennzeichnung. Diese jedoch soll nicht nur ein Mindeststandard sein, über den die EU-Staaten auf nationaler Ebene hinaus gehen dürfen, sondern die einzig zulässige Kennzeichnung. Abweichungen, etwa durch eine farbliche Hinterlegung der Nährwertangaben mit den Ampelfarben, wären ausdrücklich verboten – sogar auf freiwilliger Basis. „Eine Ampelkennzeichnung ist weder an Stelle der vorgeschriebenen Nährwertangaben noch zusätzlich erlaubt“, schreibt Prof. Schlacke in ihrer Expertise.

„Die bittere Wahrheit lautet: Wenn es keine Änderung am Gesetzentwurf gibt, ist die Ampel auf lange Zeit vom Tisch“, so der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Wolfschmidt. „Wir brauchen eine Öffnungsklausel in der EU-Verordnung, die es den EU-Mitgliedsstaaten erlaubt, über die Mindeststandards hinauszugehen und eine Ampel einzuführen. Wir fordern Frau Aigner auf, sich für eine solche Klausel im EU-Ministerrat einzusetzen.“

Wir wollen die Ampel!

Lebensmittel-Kennzeichnung: Ampel-Logik hilft Verbrauchern
Studie zeigt: Angaben zu Nährwerten können Ernährungsverhalten erheblich verändern und kommen Trend nach „bewusster Ernährung“ entgegen

Frosta führt als erster deutscher Hersteller freiwillig die Lebensmittel-Ampel ein – und bringt damit eine ganze Branche in Zugzwang. Mit den möglichen Folgen für Konsumenten und Konzerne hat sich das Marktforschungsinstitut concept m (Köln/Berlin) in einer Initiativstudie beschäftigt. Das Ergebnis: „Jedwede Kennzeichnung kommt den bei vielen Konsumenten vorherrschenden Wünschen nach bewusster Ernährung entgegen“, so Dirk Ziems, Autor der Studie. „Im spannungsgeladenen und von vielen Konflikten geprägten Ernährungsalltag kann ein gewissermaßen staatliches Signal ein wirkungsvolles Orientierungsinstrument sein.“

Ein Signal, dass die Branche vor erhebliche Herausforderungen stellt: „Produkte wie der Wellness-Joghurt, der wegen seines hohen Zuckergehalts eine rote Ampel erhält, oder das mediterrane Fertiggericht, das wegen seines hohen Salzgehalts gebrandmarkt wird, verursachen beim Verbraucher einen heftigen Konflikt“, so Ziems. „Die emotionale Aufladung der Marke wird durch die funktionalen Werte, die etwas ganz anderes besagen, entlarvt.“

Die Studie schätzt das Störpotenzial für viele Marken als „gravierend“ ein, weil sowohl sinnliche Genussversprechen wie auch Gesundheitsbotschaften massiv konterkariert würden. Selbst Bio-Produkte stehen vor einer Nagelprobe: Wenn beispielsweise einem ökologisch produzierten Nahrungsmittel viel (Bio-)Zucker beigemischt wird, stellt sich die Frage, ob der Verbraucher den Nutzen des kontrollierten Anbaus höher bewertet als Schadpotenzial des hohen Zuckergehalts.

Die Auswirkungen variieren von Segment zu Segment – so erwartet kein Konsument, dass ihm beim Kauf einer Tafel Schokolade noch eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ auf der Verpackung das Gewissen erleichtert.

Die qualitativ-psychologische Untersuchung ist eine der ersten, die sich mit den Konsequenzen einer solchen Kennzeichnung für das Marketing befasst hat. Sie entstand auf Basis von 40 tiefenpsychologischen Intensivinterviews mit haushaltsführenden Personen. Im Vordergrund der Studie stand die Frage, wie die Verbraucher eine solche Kennzeichnung auf der Packung erleben und welche Konsequenz sie für das Einkaufsverhalten haben. Dabei kamen Packungsdummys zum Einsatz, die eine farbliche Kennzeichnung vorwegnahmen.

Lebensmittel-Ampel

Lebensmittel-Kennzeichnung: Ampel-Logik hilft Verbrauchern

Studie zeigt: Angaben zu Nährwerten können Ernährungsverhalten erheblich verändern und kommen Trend nach „bewusster Ernährung“ entgegen

Frosta führt als erster deutscher Hersteller freiwillig die Lebensmittel-Ampel ein – und bringt damit eine ganze Branche in Zugzwang. Mit den möglichen Folgen für Konsumenten und Konzerne hat sich das Marktforschungsinstitut concept m (Köln/Berlin) in einer Initiativstudie beschäftigt. Das Ergebnis: „Jedwede Kennzeichnung kommt den bei vielen Konsumenten vorherrschenden Wünschen nach bewusster Ernährung entgegen“, so Dirk Ziems, Autor der Studie. „Im spannungsgeladenen und von vielen Konflikten geprägten Ernährungsalltag kann ein gewissermaßen staatliches Signal ein wirkungsvolles Orientierungsinstrument sein.“

Ein Signal, dass die Branche vor erhebliche Herausforderungen stellt: „Produkte wie der Wellness-Joghurt, der wegen seines hohen Zuckergehalts eine rote Ampel erhält, oder das mediterrane Fertiggericht, das wegen seines hohen Salzgehalts gebrandmarkt wird, verursachen beim Verbraucher einen heftigen Konflikt“, so Ziems. „Die emotionale Aufladung der Marke wird durch die funktionalen Werte, die etwas ganz anderes besagen, entlarvt.“

Die Studie schätzt das Störpotenzial für viele Marken als „gravierend“ ein, weil sowohl sinnliche Genussversprechen wie auch Gesundheitsbotschaften massiv konterkariert würden. Selbst Bio-Produkte stehen vor einer Nagelprobe: Wenn beispielsweise einem ökologisch produzierten Nahrungsmittel viel (Bio-)Zucker beigemischt wird, stellt sich die Frage, ob der Verbraucher den Nutzen des kontrollierten Anbaus höher bewertet als Schadpotenzial des hohen Zuckergehalts.

Die Auswirkungen variieren von Segment zu Segment – so erwartet kein Konsument, dass ihm beim Kauf einer Tafel Schokolade noch eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ auf der Verpackung das Gewissen erleichtert.

Die qualitativ-psychologische Untersuchung ist eine der ersten, die sich mit den Konsequenzen einer solchen Kennzeichnung für das Marketing befasst hat. Sie entstand auf Basis von 40 tiefenpsychologischen Intensivinterviews mit haushaltsführenden Personen. Im Vordergrund der Studie stand die Frage, wie die Verbraucher eine solche Kennzeichnung auf der Packung erleben und welche Konsequenz sie für das Einkaufsverhalten haben. Dabei kamen Packungsdummys zum Einsatz, die eine farbliche Kennzeichnung vorwegnahmen.