Hygiene-Smiley in Deutschland

Transparenzsystemen fehlt die gesetzliche Grundlage

Hygiene-Smiley, Hygiene-Ampel, Kontrollbarometer – seit einigen Jahren versuchen Länderbehörden ein Transparenzsystem zur Darstellung der amtlichen Kontrollergebnisse aus der Lebensmittelüberwachung einzuführen. Doch das Thema ist offenbar explosiv.

Bislang scheiterten alle Versuche, entsprechende Modelle zu etablieren am hinlänglichen Widerstand von Verbänden. Gastronomie und Handwerk fühlen sich durch die Veröffentlichung amtlicher Kontrollergebnisse an den Pranger gestellt und lehnen bisherige Systeme kategorisch ab. Verbrauchervertreter und lebensmittelüberwachende Behörden hingegen wünschen und fordern ein solches Instrument zur besseren Transparenz. Die Atmosphäre scheint vergiftet, die Fronten sind verhärtet und die Positionen festgefahren. Verbände erwirken, dass die Veröffentlichung von Kontrollergebnissen aufgrund unzureichender gesetzlicher Grundlagen gerichtlich untersagt wird.

Ganz ähnlich ist die Einstellung der Beteiligten im Nachbarland Frankreich, wo die Zeitung „Le Figaro“ jüngst wieder einmal titulierte, die Einführung eines Restaurant-Hygiene-Smileys sei illusionär. In Dänemark und Großbritannien haben sich unterschiedliche Transparenzsysteme dagegen längst etabliert und funktionieren unaufgeregt als Informationsinstrument in der Praxis. So können sich dänische Verbraucher mittels eines Smileys, britische Konsumenten mit Hilfe eines Fünf-Punkte-Barometers im Internet oder an der Laden- bzw. Gaststättentür über die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen informieren.

Von den deutschen Transparenzsystemen existiert derzeit nur noch ein einziges, zeitlich befristetes Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen: ein Kontrollbarometer in den Städten Duisburg und Bielefeld für Gastronomiebetriebe. Über eine sogenannte „appetitlich App“ können die Bürger derzeit am Smartphone oder im Internet die Bewertung und das Ergebnis der letzten betrieblichen Prüfung einsehen. Ins Leben gerufen und betrieben wird die App als Modellprojekt mit dem klangvollen, ein wenig gefährlich klingenden Namen „KOBRA“ von der Verbraucher Zentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen. Seit Dezember 2013 werden dort die Kontrollergebnisse mit der Punktbewertung aus den amtlichen Betriebskontrollen gesammelt und veröffentlicht.

Rund 235.000 Mal wurde auf die Daten des Kontrollbarometers via App und Internetseite zwischen Dezember 2013 und August 2014 zugegriffen. Die Rückmeldungen von Verbrauchern zu diesem Projekt seien überwiegend positiv, diese Zwischenbilanz zog Dr. Andrea Bokelmann, vom Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen, auf einem Kongress des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure in Köln Ende September 2014.

Auch Gastronomen könnten das Gastro-Kontrollbarometer zur Eigenwerbung verwenden und würden davon profitieren. Auf diesen Nutzen wies Bokelmann mit einem Praxisbeispiel hin. Hierbei hatte ein Gastronom seine positive Kontrollbewertung werbewirksam an der Tür seines Lokals aufgehängt.

Das Pilotprojekt schaffe Transparenz, fördere den Wettbewerb und sichere Wettbewerbsvorteile, so Bokelmann. Berechtigte Kritikpunkte bestünden unter anderem aber noch in der Zeitverzögerung, die sich bei der Veröffentlichung der Kontrollergebnisse ergebe und darin, dass es noch nicht möglich sei, den Kontrollbericht zur Dokumentation der festgestellten Mängel zu hinterlegen. Bis Ende August 2014 seien in Duisburg fast 850, in Bielefeld rund 500 gastronomische Betriebe erfasst gewesen. Das entspricht rund Dreiviertel aller Gastronomen in beiden Städten. Die meisten Kontrollergebnisse in diesen Betrieben liegen im grünen, ganz wenige im gelben Bereich. Nur bei zwei Betrieben in Bielefeld und einem Betrieb in Duisburg zeige das Kontrollbarometer den roten Bereich an, fasste Bokelmann die bisherigen Kontrollergebnisse zusammen.

Das Pilotprojekt endet zum Jahresende 2014. Danach werde eine Auswertung erfolgen. Eine Ausweitung auf andere Städte, weitere Bundesländer und andere Betriebsarten (Bäckereien, Metzgereien etc.) werde überlegt. Ob es dazu komme und das Modellprojekt nach Jahresende noch fortbestehen werde, sei jedoch ungewiss. Gegen das Modellprojekt KOBRA wurden in Duisburg acht Einzelklagen, in Bielefeld zwei Sammelklagen mit mehr als insgesamt 40 Beteiligten und sechs Einzelklagen eingereicht. Die Erfolgsaussichten für die eingereichten Klagen seien gut, da das Verbraucherinformationsgesetz keine ausreichende Rechtsgrundlage für das Kontrollbarometer darstellt, so Bokelmann.

Ute Gomm, www.aid.de

Dirk Luther

Der Hamburger 2 Sternekoch Dirk Luther hatte einen schweren Autounfall

Ein 86jähriger Däne fuhr über eine rote Ampel, der weniger als halb so alte Luther rauschte mit seinem BMW-Kombi in den dänischen Suzuki – Luther wurde zum Rettungswagen gebracht

Ausser zittrige Knie und einen gehörigen Schrecken hatte Dirk Luther aber nichts. Auch der 86j. Däne – dessen Auto von Luthers BMW ziemlich zerschreddert wurde, hatte nichts, wie auch die Ehefrau des Unfallverursachers.

Gourmet Report freut sich, dass der Unfall für alle Beteiligten so glimpflich abging!

Der 42jährige Luther ist seit 2006 Küchenchef im Restaurant „Meierei” im Vitalhotel Alter Meierhof in Glücksburg (Ostsee). Er hält zwei Sterne seit 2008, sowie 17 Punkte Gault Millau.

www.alter-meierhof.de

Länder pokern bei Hygiene-Ampel

Am Dienstag hatte die Verbraucherschutzminister- konferenz (VSMK) das Bundesverbraucher- schutzministerium aufgefordert, eine Rechtsgrundlage für ein bundesweit einheitliches Modell der Hygiene-Ampel zu schaffen. Dort verwies man auf die Uneinigkeit der Länder. Das Hin und Her muss ein Ende haben: Verbraucher wollen die Ampel.

„Die Verbraucherschutzminister der Bundesländer fordern zwar eine einheitliche Hygiene-Ampel, aber ihre Wirtschaftsminister lehnen eine gesetzlich verbindliche Kennzeichnung ab“, kritisiert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Gestern hatte die Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) das Bundesverbraucherschutzministerium aufgefordert, eine Rechtsgrundlage für ein bundesweit einheitliches Modell der Hygiene-Ampel zu schaffen. Dort verwies man auf die Uneinigkeit der Länder.

Das Verbraucherinteresse ist da

Billen bekräftigt das Verbraucherinteresse an einer einheitlichen Lösung: „Obwohl die von den Wirtschaftsministern durchgesetzte Freiwilligkeit für die Länder für die Verbraucher unbefriedigend ist, sollte ein Rechtsrahmen für ein einheitliches Modell ein erster Schritt zu einer verbindlichen Regelung sein, die dann in Zukunft klare Verhältnisse für alle Verbraucher schafft.“

Die Ampel im Internet und am Eingang gastronomischer Betriebe soll Verbraucher mittels der Farben Grün, Gelb und Rot über die Hygiene informieren. Das System soll zunächst für die Gastronomie eingeführt und dann auf andere Lebensmittelunternehmen ausgeweitet werden. Im Vorfeld war keine Einigkeit zwischen Verbraucherschutzministern und Wirtschaftsministern der Länder für eine verbindliche Regelung zustande gekommen, nun sollte ein Kompromiss gefunden werden.

Hygiene-Ampel muss gestoppt werden

Der Deutsche Hotel– und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) kritisiert das Festhalten der Verbraucherschutzminister an ihrem Vorhaben, eine Hygiene-Ampel einzuführen. „Es ist und bleibt völlig unverhältnismäßig, dass Gastronomen aufgrund einer Momentaufnahme über Monate an den Pranger gestellt werden sollen, auch wenn längst alle Mängel beseitigt sind“, kritisiert DEHOGA-Präsident Ernst Fischer das Ergebnis der Verbraucherschutzkonferenz, in Bremerhaven zu Ende gegangen ist.

Bemerkenswert sei immerhin, dass die Bedenken der Wirtschaftsminister, die sich im Juni gegen die Farbkennzeichnung in der geplanten Form ausgesprochen hatten, Ernst genommen würden. Die Verbraucherschutzminister kündigten nach ihrer Konferenz an, zwecks Klärung der Differenzen eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen zu wollen. Der DEHOGA wird sich in die Diskussion einbringen und darauf drängen, dass die Vielzahl offener Fragen erst einmal beantwortet wird, bevor ein offensichtlich verfassungswidriges Vorhaben auf den Weg gebracht wird.

Inakzeptabel ist aus Sicht des DEHOGA auch, dass weiterhin eine stufenweise, nach Branchen sortierte Einführung der Farbkennzeichnung vorgesehen ist und dabei mit den Restaurants angefangen werden soll. Fischer: „Hier wird der Gleichbehandlungsgrundsatz mit Füßen getreten. Der Stufenplan zeigt, wie populistisch in dieser Sache agiert wird. Dabei ist völlig unstrittig, dass die Ursachen der Lebensmittelskandale der jüngsten Zeit – wie Dioxin, „Gammelfleisch“ und EHEC – nicht in der Gastronomie begründet waren, sondern dass die Gastronomen wie die Endverbraucher stets die Leidtragenden waren.“

Makrele macht viele Medikamente überflüssig

Die Rheuma Ampel von Sven-David Müller macht Rheumatikern das Leben leichter

Die in Makrele, Lachs und Hering enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können bei Menschen, die unter rheumatoider Arthritis leiden, die Beschwerden deutlich lindern und Medikamente überflüssig machen. Demgegenüber verstärkt die in fetten tierischen Produkten wie Butter, Schmalz, Sahne, Fleisch, Eier oder Vollmilch enthaltene Arachidonsäure die Schmerzen und Unbeweglichkeit bei Rheumatikern. In der Rheuma Ampel von Sven-David Müller können Patienten und Therapeuten auf einen Blick den Entzündungswert von Lebensmitteln erfassen. Die Rheuma Ampel macht zudem Angaben über den Gehalt an Arachidonsäure und Omega-3-Fettsäuren. Die Rheuma Ampel zeigt die Nährwerte von mehr als 2.600 Lebensmitteln, Speisen, Fertiggerichten und auch Fast Food und ist damit das wohl umfangreichste Tabellenwerk für Rheumatiker. Ernährungsexperte Sven-David Müller, Master of Science in Applied Nutritional Medicine (Angewandte Ernährungsmedizin) hat die Nährwerttabelle im renommierten TRIAS Verlag, Stuttgart, herausgebracht.

Grüne Welle für rheumalindernde Ernährung
Die Rheuma Ampel ist ein kompetenter Ernährungsberater in Form eines Buches. Viele Rheuma-Patienten möchten neben der medikamentösen Therapie auch selbst zu einer Linderung ihres chronischen Leidens beitragen. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass auch entzündliche Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, die der Arzt als rheumatoide Arthritis bezeichnet, einer Ernährungstherapie zugänglich sind. Durch eine arachidonsäurearme Ernährungsweise und die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren sowie eine gezielte Nahrungsergänzung ist es möglich, natürlich gegen den Rheumaschmerz und die Gelenksteife vorzugehen, betont Sven-David Müller bei der Vorstellung der Rheuma Ampel in Berlin. Dem umfangreichen Lebensmitteltabellen stellt der Autor ausführliche Informationen über die Diättherapie bei Rheuma voran. Im Gegensatz zu vielen dubiosen Rheumadiäten ist das von Sven-David Müller beschriebene Ernährungsregime wissenschaftlich bestens belegt und hat sich bei vielen tausend Rheumatikern hervorragend bewährt. An der Universitätsklinik Aachen und auch in meiner Praxis habe ich mit einer arachidonsäurearmen Kost und der erhöhten Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren beste Erfahrungen gemacht. Diese können über Lachs, Makrele und Hering oder auch über Präparate zugeführt werden.

Diätexperte Sven-David Müller mehr als 20 Jahre Erfahrung
Seit März 1989 ist der staatlich anerkannte Diätassistent in Sachen gesunde Ernährungsweise und Ernährungstherapie unterwegs, war fast zehn Jahre an der Universitätsklinik in der Diät- und Ernährungsberatung sowie der Diabetesschulung tätig. Sven-David Müller (41) ist Diabetesberater der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), hat Nutritive Medizin studiert und den akademischen Grad des Master of Science (M.Sc.) in Applied Nutritional Medicine erreicht. Der aus Presse, Funk und Fernsehen bekannte Diätexperte ist mit der Diplom-Pädagogin Almut Müller verheiratet und lebt mit ihr in Niederweimar in der Nähe von Marburg an der Lahn. Neben der Rheuma Ampel hat Sven-David Müller im TRIAS Verlag auch noch die Kalorien Ampel, Diabetes Ampel, die Cholesterin Fett Ampel und die Gicht Ampel herausgebracht. Mit den Lebensmittelampeln wird gesunde Ernährung, Abnehmen und Ernährungstherapie bei rheumatoider Arthritis und anderen Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen zum Kinderspiel.

Bibliografische Daten zur Rheuma Ampel
Rheuma Ampel
Trias Verlag
Bestellink: ISBN 978-3-8304-3909-7

„Restaurant-Ampel“ zügig umsetzen

Verbraucherminister stimmen am 19. Mai über eine bundesweite Hygiene-Plakette ab

Eine schnellstmögliche Umsetzung der geplanten Hygiene-Plakette für Restaurants fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Anlass ist die morgige Sondersitzung der Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK), auf der über die „Restaurant-Ampel“ abgestimmt werden soll. Geplant ist eine Skala mit fließenden Farbumschwüngen von grün über gelb bis rot. Ab kommendem Jahr soll diese an der Eingangstür anzeigen, wie es um die Sauberkeit eines Betriebes steht. „Wichtig ist, dass die Verbraucher die Information verstehen. Bund und Länder sollten dies nach der Einführung überprüfen“, so Vorstand Gerd Billen.

Nach Auffassung des vzbv sollten Aushänge an den Eingangstüren erklären, worauf die Bewertung basiert und wie die „Restaurant-Ampel“ zu lesen ist. Ergänzend sei eine breit angelegte Aufklärungskampagne erforderlich, um die Bekanntheit des Systems zu erhöhen. Läuft alles nach Plan, könnte die Bundesregierung noch in diesem Jahr die nötige Rechtsgrundlage schaffen und die „Restaurant-Ampel“ zum 1. Januar 2012 bundesweit starten. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt hin zu einer neuen Informationskultur. Der nächste ist eine umfassende verbraucherfreundliche Novelle des Verbraucherinformationsgesetzes“, so Billen.

Einführung zunächst nur in der Gastronomie
Ob in Restaurants und Hotelküchen hygienisch einwandfrei gearbeitet wird, können Verbraucher heute nicht erkennen. Mit der geplanten „Restaurant-Ampel“ soll das bald anders werden: Auf einem Farbstrahl, der von grün über gelb nach rot verläuft, markiert ein Pfeil, wie gut ein Betrieb bei den Hygienekontrollen abgeschnitten hat. Liegt dieser im gelb-roten oder gar roten Bereich, lässt die Hygiene stark zu wünschen übrig. Verbraucher sollten dann lieber woanders einkehren. Grundlage der Bewertung ist ein Punktesystem. Je mehr Punkte ein Betrieb erhält, desto häufiger und gravierender waren die Verstöße. Zunächst soll es die Plakette nur in der Gastronomie geben, später auch in Metzgereien, Bäckereien und im Lebensmitteleinzelhandel.

Erfolgsgeschichte Dänemark
Die Lebensmittelüberwachung verzeichnet in Deutschland seit Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau Verstöße gegen die Betriebshygiene. Mit diesem Problem kämpfte auch Dänemark und führte vor zehn Jahren den Hygiene-Smiley ein, um die Transparenz für Verbraucher zu erhöhen und den Wettbewerb unter den Unternehmen anzukurbeln. Anfänglich gab es große Bedenken, insbesondere seitens der Betriebe. Mittlerweile befürworten 86 Prozent der dänischen Unternehmer das System, unabhängig vom Bewertungsergebnis. Die Qualität des Angebots hat sich nachweisbar verbessert: 2002 wurden 70 Prozent der Betriebe mit dem fröhlichsten Smiley ausgezeichnet, 2008 waren es bereits 83 Prozent und 2009 sogar 86 Prozent. Zusätzlich wurde ein „Elite-Smiley“ für Betriebe eingeführt, die vier Mal hintereinander das bestmögliche Kontrollergebnis erzielt haben.

Europa hält sich Einführung der Ampelkennzeichnung offen

Europa hält sich Einführung der Ampelkennzeichnung offen – foodwatch begrüßt Anträge im Europäischen Parlament

Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch begrüßt die jüngsten Entwicklungen im Gesetzgebungsverfahren zur Lebensmittelkennzeichnung innerhalb des Europäischen Parlaments. „Alles bleibt offen – Europa hat die Türen für die Ampelkennzeichnung weit aufgestoßen“, erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Am gestrigen Mittwoch endete um 18 Uhr die Frist für Änderungsanträge im federführenden Verbraucherausschuss (ENVI) des Europäischen Parlaments. Aus den Reihen von Sozialdemokraten (S&D), Liberalen (ALDE), Grünen (Verts/ALE) und Linken (GUE/NGL) wurden gleich mehrere Anträge für die Ampelkennzeichnung gestellt: Diese sehen eine EU-weite Einführung der verbraucherfreundlichen Nährwertkennzeichnung vor oder eine Öffnungsklausel, mit der die Ampel von den Regierungen der Mitgliedsnationen auf einzelstaatlicher Ebene verbindlich eingeführt werden könnte. „Die Ampel strahlt heller denn je, denn durch die Anträge spielt sie jetzt auch offiziell eine Rolle im Gesetzgebungsverfahren“, so Wolfschmidt. „Die Parlamentarier beklagen öffentlich den immensen Lobbydruck aus der Lebensmittelindustrie. Jetzt liegt es an ihnen, diesem Druck nicht nachzugeben und Politik für die Verbraucher zu machen.“

Der Stand des Gesetzgebungsverfahrens:

– Im Januar 2008 legte die Europäische Kommission ihren
Verordnungsentwurf vor. Vorgesehen ist darin, Nährwertangaben
nach dem GDA-Prozentmodell der Lebensmittelindustrie verbindlich
vorzuschreiben. Darüber hinausgehende gesetzliche Regelungen auf
nationaler Ebene – zum Beispiel die Einführung der Ampel – wären
untersagt.
– Mitte November 2009 legte die zuständige Berichterstatterin des
Europäischen Parlaments, die deutsche Abgeordnete Renate Sommer
(CDU), ihren Bericht vor. Sie will weder die Ampel noch
verbindliche nationale Abweichungen oder Ergänzungen vom
EU-einheitlichen Kennzeichnungssystem zulassen.
– Zum Ende der Einreichungsfrist für Änderungsanträge im
federführenden Verbraucherausschuss (ENVI) am 9. Dezember 2009
liegen mehrere Anträge für die Ampelkennzeichnung vor. Die Ampel
ist damit offiziell Gegenstand der Beratungen.

Die Entscheidung über die Anträge soll im März 2010 auf Ausschussebene und im Mai 2010 im Plenum des Europäischen Parlamentes fallen. Nach den Abstimmungen muss eine Einigung mit dem Europäischen Rat herbeigeführt werden – erst dann kann die Verordnung verabschiedet werden.

Ampeltest zeigt: Tiefkühlprodukte oft sehr fettig und salzig

Ampeltest zeigt: Tiefkühlprodukte oft sehr fettig und salzig

Länderverbraucherminister debattieren heute über Ampel

Fertigprodukte aus dem Tiefkühlregal enthalten häufig
viel Salz oder Fett. Das zeigt ein Test der Verbraucherrechtsorganisation
foodwatch, bei dem 24 Produkte mit Hilfe der Ampelkennzeichnung verglichen
wurden. Gleichzeitig gibt es auch viele Tiefkühlprodukte mit einem
ausgewogenen Nährwertgehalt. Mit der Ampelkennzeichnung könnten Verbraucher
diese auf einen Blick erkennen. foodwatch fordert deshalb von den
Verbraucherministern der Länder, die sich heute in Berlin auf einer
Konferenz mit dem Thema beschäftigen, ein klares Signal für die
verbraucherfreundliche Ampel.

39 Kilogramm Tiefkühlware verzehrt jeder Verbraucher pro Jahr, Tendenz
steigend. „Einige Tiefkühlprodukte liegen jedoch schwer im Magen“, so
foodwatch-Sprecherin Christiane Groß. So besteht ein Tiefkühl-Zwiebelkuchen
der Thoks GmbH fast zu einem Viertel aus Fett. Der dick panierte
Schnitzel-Toast „Tillman’s Toasty“ gehört zu den extrem salzigen Produkten
im Test. Gerade bei stark verarbeiteten Produkten ist es schwierig, den
Nährwertgehalt einzuschätzen – die Ampel informiert darüber schnell und
verständlich. Doch bisher tragen lediglich vier Produkte des Herstellers
Frosta die Ampel. Dabei müssten auch andere Anbieter die Ampel nicht
fürchten, etliche Tiefkühlprodukte im Test bekamen ausschließlich grüne und
gelbe Punkte. „Die Ampelkennzeichnung würde endlich für Durchblick im
Kühlregal sorgen“, so Christiane Groß. „Mit einem roten Punkt zeigt die
Ampel klar: Hier steckt viel Salz oder Fett drin.“

Am Donnerstag und Freitag, 15. und 16. Oktober 2009, tagt in Berlin die
deutsche Verbraucherschutzministerkonferenz. Auf der Tagesordnung steht auch
das Thema Nährwertkennzeichnung. Der europäische Gesetzentwurf zur
Lebensmittel-Kennzeichnung sieht bislang ein Verbot der Ampel vor. „Zwei
Drittel der Bundesbürger fordern die Ampel“, so foodwatch-Sprecherin
Christiane Groß. „Die Verbraucherschutzministerkonferenz muss ein klares
Signal für die Ampel aussenden. Jetzt ist es nötig, dass Deutschland in
Brüssel die Tür für die Ampel zumindest offen hält. Es kann nicht sein, dass
Verbrauchern diejenige Nährwertkennzeichnung vorenthalten wird, die sie mit
großer Mehrheit wollen und die sie wissenschaftlich nachgewiesen auch am
besten verstehen.“

Wissenschaftliche Basis für Ampelkennzeichnung einzelner Lebensmittel fehlt

Wissenschaftliche Basis für Ampelkennzeichnung einzelner Lebensmittel fehlt

Die aktuell wieder intensiv diskutierte Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln soll über die Farbsymbole Rot – Gelb – Grün eine schnelle Orientierung über den Nährwertgehalt eines Lebensmittels bieten. Auf einen Blick soll für den Verbraucher damit erkennbar sein, wie viel Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz ein Lebensmittel enthält. Unbestritten ist die Ampel ein denkbares Modell für eine vereinfachte Bewertung der Lebensmittelzusammensetzung. Doch liegen dem Modell überhaupt objektive, wissenschaftlich basierte Bezugswerte zugrunde?

Hinsichtlich der Frage, bei welchen Werten im Rahmen einer Farbkennzeichnung mittels Ampel der Farbumschlag von Gelb nach Rot erfolgen soll, vertritt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) nach Prüfung der zugänglichen wissenschaftlichen Daten die Position, dass exakte Zahlenwerte bzw. Bezugsgrößen für die trennscharfe Bewertung von Lebensmitteln nicht wissenschaftlich korrekt abzuleiten sind. Die wissenschaftliche Evidenz der für eine Ampelkennzeichnung notwendigen „Bezugsgrößen“ ist nicht vorhanden. Zu große Spannen im Nährwertgehalt, die für die Farbgebung zugrunde gelegt werden müssten, machen eine Vergleichbarkeit von Lebensmitteln fast unmöglich.

Die ernährungsphysiologische Qualität von Lebensmitteln ist eine komplexe Größe, die sich aus einer großen Zahl von Teilqualitäten zusammensetzt, die im Ampelmodell nur unzureichend berücksichtigt wird. Da diese nicht in ihrer gesamten Komplexität abgebildet werden kann, macht es für eine vereinfachte Kennzeichnung Sinn, nur auf wissenschaftlich akzeptierte Schlüsselgrößen zu fokussieren. Hier bietet sich die Energiedichte als Maß für den Kaloriengehalt eines Lebensmittels an.

Foodwatch begrüßt Vorstoß der SPD zur Nährwert-Ampel

foodwatch begrüßt Vorstoß der SPD zur Nährwert-Ampel – Öffnungsklausel muss Weg für verbraucherfreundliche Lebensmittelkennzeichnung ebnen

Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch begrüßt die Ankündigung des Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, eine Öffnungsklausel gegen das geplante Verbot der Ampelkennzeichnung zu unterstützen. „Es ist gut, dass es die SPD nicht bei wohlfeilen Worten zur Ampelkennzeichnung in Deutschland belassen will, sondern dort die Initiative ergreift, wo es Not tut – in Europa“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

Alle Parteien, die sich in ihren Programmen zur Bundestagswahl für die Nährwert-Ampel ausgesprochen haben, seien aufgefordert, den Lippenbekenntnissen zur Ampelkennzeichnung Taten folgen zu lassen. „Damit verbraucherfreundliche Kennzeichnung eine Chance haben, muss das von der EU-Kommission geplante Verbot der Nährwert-Ampel endgültig vom Tisch“, so Bode weiter. „Wer es ernst meint mit der Ampel, muss sich für eine Öffnungsklausel einsetzen, die die verbindliche Einführung der Kennzeichnung in Rot, Gelb und Grün zumindest auf einzelstaatlicher Ebene zulässt.“