Modetrend: Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

Bekanntes und anstrengendes Phänomen in der Gastronomie: „Mein Essen bitte ohne Butter/Sahne, ich bin Laktose-intolerant.“ Am Ende bestellt der Gast bei der dann sprachlosen Kellnerin einen Cappuccino. “ Ist das Gericht Glutenfrei?“ „Vom Brot würde ich gerne noch einmal nehmen, das ist so lecker!“ Die Ernährungsfachgesellschaft der Uni Hohenheim betont, dass Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten entgegen des Scheins nicht zunehmen

Tag des Deutschen Butterbrots
Bitte kein Brot, ich bin allergisch!
„Modetrend: Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten“ weiterlesen

Wie viel Gluten ist wirklich drin?

In einem Verbundprojekt hat die Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) 43 ausgewählte Lebensmittel und Getränke auf ihren exakten Glutengehalt untersucht. Bisher fehlten diese Angaben, die für Fachpersonal und von einer Lebensmittelunverträglichkeit betroffenen Personen relevant sind. „Unsere langjährige Expertise im Bereich der Glutenanalytik ermöglicht es, erstmals belastbare Glutengehalte in Lebensmitteln anzugeben“, so Prof. Dr. Peter Schieberle, Direktor der DFA. Das Projekt – gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – hilft somit, einen gesicherten Überblick über die Gehalte an Gluten zu geben.

Werte für Getreide, Mehle, Brote und Biere
Erwartungsgemäß enthalten Weizen und die daraus hergestellten Mehle die höchsten Glutengehalte. Nur Dinkel und Dinkelmehle weisen höhere Werte aus. So enthält beispielsweise das Dinkelmehl Type 630 im Mittel 10.300 mg Gluten/100g. Zum Vergleich: Das bevorzugte Haushaltsmehl ist das Weizenmehl Type 405 mit 8.660 mg Gluten/100 g. Die niedrigsten Glutengehalte weisen im Vergleich zu den anderen untersuchten Getreidearten und Getreideprodukten Roggen (3.177 mg/100 g ganzes Korn) und Roggenprodukte auf. Im Vergleich zu Dinkelmehl hat Roggen zwei Drittel weniger Gluten.

Bei den untersuchten Bieren enthält Weißbier mit 274 mg/100 g den höchsten Glutengehalt. Demgegenüber liegt die Glutenmenge beispielsweise im Pilsener Lagerbier deutlich niedriger, bei nur 1,2 mg/100 g. Demnach verfügen das Pilsener Lagerbier zusammen mit weiteren Bieren wie Vollbier (hell, dunkel), alkoholfreies Bier und Malzgetränk über einen „sehr geringen Glutengehalt“. Laut EU-Verordnung dürfen Produkte so bezeichnet werden, wenn sie den Grenzwert von 100 mg Gluten/kg Lebensmittel nicht überschreiten. „Glutenfrei“ deklarierte Produkte können ebenfalls Gluten enthalten, solange ein Höchstgehalt von 20 mg/kg nicht überschritten wird.

Zöliakiepatienten müssen, Glutensensitive sollen Gluten meiden
Für Menschen, die an Zöliakie oder Glutensensitivität leiden, ist es unabdingbar, Gluten aus der Nahrung zu verbannen. Bei Zöliakie, einer chronischen Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, bilden sich bei Aufnahme glutenhaltiger Lebensmittel die Darmzotten zurück. In Folge verringert sich die Oberfläche des Dünndarms und der Körper kann nicht genügend Nährstoffe aufnehmen. „Die einzige Therapie dieser Erkrankung ist der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel, denn selbst Spuren von Gluten können bei Zöliakiepatienten Beschwerden auslösen“, sagt Dr. Wolfram Schaecke, Leiter des KErn. Anders ist es bei der Glutensensitivität: Bei dieser Unverträglichkeitsreaktion klagen Betroffene zwar über körperliche Beschwerden, allerdings findet keine Schädigung der Darmschleimhaut statt. „Wichtig ist in der Diskussion um Gluten, dass es sich weder bei Zöliakie noch bei Glutensensitivität um eine Allergie handelt“, so Schaecke weiter. Bei einer
Weizenallergie, die bei nur 0,1 bis 0,5 % der Bevölkerung auftrete, kommt es zur Ausschüttung eiweißspezifischer Antikörper, die im Blut nachgewiesen werden können. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten, dieoft ähnliche Symptome wie die einer Allergie aufweisen, ist das nicht der Fall.

Die vollständigen Glutenwerte sind dem Daten und Faktenblatt „Gluten in Getreide und Getreideerzeugnissen“ auf www.KErn.Bayern.de zu entnehmen.

Äpfel genießen trotz Allergie

Alte Apfelsorten sind für Allergiker besser verträglich als neu gezüchtete Sorten. Das ist vermutlich auf den hohen Gehalt an Polyphenolen zurückzuführen, lässt eine Untersuchung an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe vermuten. Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die in neuen Apfelzüchtungen meist kaum noch vorhanden sind. Offenbar können diese Substanzen das eigentliche Apfelallergen inaktivieren und dadurch verhindern, dass die Allergie auslösenden Eiweißstoffe vom Körper aufgenommen werden.

In Deutschland reagieren zwei bis vier Millionen Bürger auf Äpfel allergisch. Neben Reifegrad, Verarbeitung und Zubereitung hat auch die Apfelsorte einen großen Einfluss auf das allergische Potenzial. Traditionelle Sorten wie Eifeler Rambur, Roter Boskoop, Goldparmäne oder Roter Eiserapfel werden in der Regel besser vertragen. Thomas Bernert vom Institut für Lebensmitteltechnologie hat im Rahmen seiner Bachelorarbeit verschiedene Apfelsorten auf ihren Polyphenolgehalt untersucht. Alte Sorten hatten deutlich höhere Polyphenolgehalte als Neuzüchtungen wie Braeburn, Golden Delicious oder Granny Smith. Diese Substanzen wurden herausgezüchtet, da sie der Frucht einen säuerlichen Geschmack geben und nach dem Anschnitt des Apfels zu einer schnellen Braunfärbung führen.

Generell kann der Allergengehalt eines Apfels reduziert werden, indem man die Frucht schält, klein schneidet und kurze Zeit an der Luft stehen lässt. Als Kompott, Bratapfel, Saft, Gelee oder im Kuchen sind meist auch die neuen Sorten für Allergiker gut verträglich.
Heike Kreutz, www.aid.de

Dank Allergie keinen Krebs

Allergien bieten auch Vorteile –
Forscher weisen eine Schutzfunktion vor Krebs nach

Gute Nachrichten für die zahlreichen Allergiker in Europa: Ein britisch-amerikanisches Forscherteam hat jetzt in dem Fachmagazin „Journal oft the National Cancer Instiute“ nachgewiesen, dass Allergiker ein geringeres Hirntumor-Risiko haben. Grund hierfür sei das vermehrte Aufkommen eines speziellen Antikörpers im Blut von Allergikern, das Immunglobulin E (IgE).

IgE-Antikörper sind verantwortlich für die Entstehung von Allergien. Binden sie ein Allergen, werden allergieauslösende Stoffe ausgeschüttet. Weitere Studien sollen nun den Zusammenhang zwischen einer Allergie und einem Hirntumor-Risiko in Verbindung mit dem IgE-Antikörper genauer erforschen.

„Allergiker haben durch die Evolution bevorzugt ein kräftigeres Immunsystem, das sich im Falle der Allergie leider gegen harmlose Substanzen richtet. Gleichzeitig bietet es aber einen besseren Schutz vor schweren Infektionskrankheiten und Krebs, was durch diese neue Studie nun auch für Hirntumore bewiesen ist“, erklärt Professor Dr. med. Torsten Zuberbier, Leiter der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF).

Vor kurzem hatte bereits ein ECARF-Forscherteam unter der Leitung von Professor Dr. med. Marcus Mauer an der Charité gemeinsam mit internationalen Forschern der Harvard University nachgewiesen, dass die für die Symptome bei Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis und allergischem Schock verantwortlichen Mastzellen eine wichtige gesundheitserhaltende Funktion wahrnehmen. Mastzellen werden genau dann lebensnotwendig, wenn sich der Organismus mit gefährlichen Bakterien auseinandersetzen muss, wie beispielsweise bei einer Blutvergiftung.

„Bessere Behandlungsmöglichkeiten für Allergien werden wir nur finden, wenn wir weiterhin und verstärkt in die Erforschung von Allergien investieren“, erklärt Professor Dr. med. Marcus Maurer. “Nur dann wird es auch irgendwann möglich sein, die gesundheitserhaltenden und krankheitsvermeidenden Eigenschaften von Allergiezellen und –stoffen medizinisch nutzbar zu machen“, so Marcus Mauer abschließend.

Weiterführende Informationen zum Thema Lebensqualität trotz Allergie: www.ecarf.org

Link zum Artikel: http://www.yazio.de/aktuelles/allergie-antikoerper-schutz-vor-hirntumor-26012.html

Verzicht auf Alkohol senkt Allergie-Risiko

Magazin Reader’s Digest gibt Tipps, wie man sich vor Allergien schützen kann

Viele Deutschen leiden gerade jetzt im Frühjahr unter Allergien, zum Beispiel unter dem lästigen Heuschnupfen. Was viele Betroffene nicht wissen: Es gibt Mittel und Wege, um sich zu schützen. Das Magazin Reader’s Digest zeigt in seiner Mai-Ausgabe auf, was man vorbeugend gegen die tückischen Attacken tun kann. Einer der zentralen Ratschläge ist der Verzicht auf Alkohol. Forschern zufolge kann das in Bier, Wein und Schnaps enthaltene Histamin die Heuschnupfensymptome verschlimmern. Mehr noch: Untersuchungen zeigen sogar, dass regelmäßiger Weinkonsum das Risiko erhöht, eine saisonale oder ganzjährige Allergie überhaupt erst zu entwickeln. Menschen, die zu allergischen Reaktionen neigen, sollten deshalb auf Saftschorlen oder antialkoholische Cocktails umstellen.

Auch Antibiotika können Allergiesymptome verschlimmern. Grund genug, sie, soweit dies möglich ist, nur selten zu sich zu nehmen. Zwar töten Antibiotika krankheitsauslösende Bakterien, sie schädigen aber auch die Darmflora. Die Folge: Die körpereigene Abwehr von Allergenen wie Staub, Hautschuppen oder Pollen wird geschwächt.

Experten wie Gary Huffnagle, Professor an der Universität von Michigan in den USA, empfehlen deshalb, der Darmflora in der Folge einer Antibiotika-Behandlung etwas auf die Sprünge zu helfen: beispielsweise durch die Einnahme von Probiotika, die sich in Joghurt oder Nahrungsergänzungsmitteln befinden. Der Schlüssel zu einer gesunden Ernährung und einer intakten Darmflora aber ist eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Ballaststoffen, Obst und Gemüse.

Menschen, die zu Allergien neigen, sollten auf mögliche Kreuz-Allergien achten. Wer zum Beispiel auf Beifuß reagiert, sollte besser rohe Zucchini, aber auch Bananen und Wassermelonen meiden. Die meisten allergenen Obst- und Gemüseproteine werden beim Kochen zerstört. Grundsätzlich gilt: Wer beim Essen plötzlich ein Kribbeln oder Juckreiz verspürt, sollte das betreffende Obst oder Gemüse nicht weiter verzehren, sondern einen Allergologen aufsuchen.

Neben der Ernährung gibt es weitere Möglichkeiten, das Risiko einer Allergieerkrankung einzudämmen. So haben Forscher herausgefunden, dass Stress ein Auslöser von Niesanfällen oder tränenden Augen sein kann. Dr. Gailen Marshall, Allergologe und Immunologe an der Universität von Mississippi in den USA, rät deshalb in der neuen Ausgabe von Reader’s Digest: „Wenn Sie wissen, dass eine stressreiche Situation auf Sie zukommt, etwa auf einer Geschäftsreise, lassen Sie sich von Ihrem Arzt ein Nasenspray mit Kortikosteroiden verschreiben, das die Allergie schnell bekämpft.“

Wer unter mehreren Allergien leidet – zum Beispiel gegen Pollen und Hausstaubmilben – sollte mit dem behandelnden Arzt über eine ganzjährige Therapie sprechen, bei der dem Patienten kleine Dosen des Stoffes injiziert werden. Der Vorteil: Die Anfälle während der Pollensaison fallen dann weniger stark aus.

Auch im persönlichen Umfeld kann man Allergien vorbeugen. Für die eigenen vier Wände empfehlen Experten die Anschaffung eines Hochleistungsfilters. Ein solcher HEPA-Filter – separat installiert oder im Staubsauger eingebaut – reduziert die Menge der Schwebstoffe in der Raumluft beträchtlich und hilft so, Allergieauslöser wie Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelsporen zu beseitigen. Luftentfeuchter verschaffen Allergikern ebenfalls Erleichterung, denn Hausstaubmilben gedeihen am besten bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent.

Wer gerne schwimmen geht, sollte stark chlorierte Schwimmbäder meiden. Der Grund: Untersuchungen haben ergeben, dass das Chlor die Atemwege von empfindlichen Menschen angreift und bereits vorhandene Allergien womöglich verstärkt. Reizungen an Augen, an der Haut und im Hals sind dabei unmissverständliche Hinweise.

Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Mai-Ausgabe von Reader’s Digest Deutschland ist ab 26. April an zentralen Kiosken erhältlich.

aha! Schweizerisches Zentrum für Allergie, Haut und Asthma

Liste mit qualifizierten Ernährungsberaterinnen online

Diplomierte Ernährungsberaterinnen und -berater HF/FH mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung, die das Fortbildungsseminar «Mehr Kompetenz und Sicherheit in der Beratung Betroffener mit Unverträglichkeiten» von aha! besucht haben, bietet aha! die Möglichkeit, sich listen zu lassen. Von dieser Zusammenstellung von Fachpersonen mit qualifizierter Fortbildung profitieren alle Beteiligten: Am Beratungstelefon aha!infoline
werden interessierte Betroffene auf die Liste verwiesen. Die Betroffenen haben Gewähr, dass sie von einer Fachperson beraten werden, die sich zum Thema Nahrungsmittelaller-gien weitergebildet hat. Weiter können auch Ärztinnen und Ärzte von der Listung profitieren, da sie einfach und schnell eine dipl. Ernährungsberaterin HF/FH mit umfassenden Kenntnissen zu Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen in ihrer Nähe finden. via www.nutrinet.ch

www.ahaswiss.ch (Infos zu Allergien/nahrungsmittelallergie/ernaehrungsberatung)

Irrtümer rund um Allergien

Irrtümer rund um Allergien

2: Ziegen- oder Stutenmilch schützen Babys vor Allergien

Irrtümer entstehen und verbreiten sich, wenn etwas logisch und einleuchtend klingt. Dafür bedarf es keiner wissenschaftlichen Beweise – es reicht, wenn man jemanden kennt, der es auch schon mal erlebt hat. Und so kennt fast jeder jemanden, dessen Kind oder Kinder möglicherweise allergiegefährdet sind oder bereits eine Allergie haben. Die meisten Allergien im Kleinkindalter betreffen Kuhmilch. Da ist die Annahme naheliegend, dass Ziegen- oder Stutenmilch besser geeignet sein müssen, als Kuhmilch. Von einer Ziegen- oder Stutenmilchallergie hört man schließlich nie etwas. Aber so ist es eben nicht. Tatsächlich kommen Babys in unserem Kulturkreis, wenn sie nicht gestillt werden, als erstes mit kuhmilchhaltiger Säuglingsnahrung in Berührung. Manchmal reagieren sie allergisch auf das Eiweiß aus der Milch. Sie würden aber höchstwahrscheinlich auch eine Allergie gegen Ziegen- oder Stutenmilch entwickeln, denn das enthaltene Eiweiß ist dem aus Kuhmilch sehr ähnlich. Wenn ein
allergiegefährdetes Baby in den ersten vier Lebensmonaten mit Fremdeiweiß in Kontakt kommt, ist das Risiko für eine Allergie gegen diesen Stoff erhöht. Übrigens ist auch die „Milch“ aus Soja oder Getreide keine Alternative zu Kuhmilch. Diese Lebensmittel können genauso Allergien auslösen. Und was viel schwerer wiegt: Ziegen- und Stutenmilch wie auch Soja- oder Getreidemilch sind von der Zusammensetzung gar nicht für die Ernährung von Säuglingen geeignet. Babys, die mit diesen „Milchen“ gefüttert werden, können sogar dramatische Mangelerscheinungen entwickeln.

Für allergiegefährdete Babys, also Babys in deren Familie Allergien bekannt sind, ist HA-Nahrung der beste Muttermilchersatz. Dort ist das enthaltene Eiweiß in kleinere Bruchstücke gespalten und wird dadurch verträglicher (hypoallergen=HA). Und wenn ein Baby bereits allergisch auf Kuhmilcheiweiß reagiert, dann bekommt es am besten eine stark hydrolysierte Spezialnahrung, bei der die Eiweißbruchstücke so klein sind, dass sie in der Regel auch bei Allergien gut vertragen werden.

Was (werdende) Eltern tun können, um ihr Kind vor Allergien zu schützen, erfahren sie bei der neuen Telefonhotline vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) und dem Präventions- und Informationsnetzwerk Asthma/Allergien (pina) sowie einem Internet-Expertenforum des aid:

Telefonhotline: 01805 052251 Mo.- Fr. von 9:30 bis 12:00 Uhr (12 Cent/Minute).
aid-Internet-Expertenforum – Allergievorbeugung:
www.forum-allergien-vorbeugen.de.

aid, Dr. Sonja Floto-Stammen

Wenn Nahrung krank macht

Wenn Nahrung krank macht
„betrifft: Lebensmittelallergien“ am 9. Dezember im SWR Fernsehen

Kekse, Nüsse und Marzipan: Die Weihnachtszeit ist für viele die Zeit der Genüsse. Doch was ist, wenn der Genuss den Körper angreift? Immer mehr Menschen werden krank durch das, was sie essen. Längst gehören Lebensmittelallergien und Nahrungsunverträglichkeiten zu den großen Volkskrankheiten. Warum ist das so? Und wie kann man sich schützen? Die 45-minütige SWR-Dokumentation „betrifft: Lebensmittelallergien“ von Lothar Zimmermann fragt nach und klärt auf: am 9. Dezember um 20.15 Uhr im SWR Fernsehen.

Lisa Rössner hat seit ihrer Kindheit eine Allergie gegen Erdnüsse. Sie gehört zu den ungefähr sechs Prozent aller Deutschen, die auf ein Lebensmittel mit Kribbeln im Mund, pelziger Zunge, juckenden Hautauschlägen bis hin zu Atemnot reagieren. Die Erdnussallergie gilt als die gefährlichste aller Allergien, es treten sogar Todesfälle auf. Häufig sind Allergien auch gegen Baumnüsse, Weizen, Soja, Hühnereier und Meeresfrüchte. Eine Lebensmittelallergie kommt plötzlich, und sie kann jeden treffen. „betrifft“ fragt nach: Wer ist besonders gefährdet? Wie erkenne ich überhaupt eine Allergie, und wie kann ich mich schützen?

Nicht immer ist eine Allergie der Grund, wenn der Körper auf Nahrung überreagiert. Manchmal werden Lebensmittel einfach nicht vertragen, weil dem Körper ein Enzym fehlt, wie beispielsweise bei der Lactoseintoleranz. „betrifft“ recherchiert, welche Risiken Fertigprodukte bergen. Lösen sie womöglich besonders leicht Unverträglichkeitsreaktionen aus? Die Sendung geht auf Spurensuche und fragt, wann Nahrungsmittel das Leben bedrohen können?

Internet: www.SWR.de/betrifft

Allergene in Lebensmitteln innerhalb von Minuten nachweisen

Allergene in Lebensmitteln innerhalb von Minuten nachweisen

BfR-Forschungsprojekt zur Entwicklung innovativer Analysemethoden

In der Abteilung Lebensmittelsicherheit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wird an der Entwicklung von Schnelltests zum Nachweis Allergie auslösender Stoffe in Lebensmitteln gearbeitet. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) geförderten Forschungsprojektes sollen bis Anfang 2012 Analysemethoden für die amtliche Lebensmittelüberwachung und die Lebensmittelindustrie entwickelt werden, mit Hilfe derer sich innerhalb von Minuten auch geringste Spuren von Allergenen in Lebensmitteln nachweisen lassen. „Wir schließen damit eine Lücke bei den wissenschaftlichen Methoden zur Kontrolle von Lebensmitteln“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Denn die wichtigsten Allergene müssen seit 2005 zwar auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden, doch gibt es bisher nur zwei offizielle Methoden, um sie im Labor nachzuweisen. Sie sind zeitaufwändig und können nur mit entsprechenden Analysegeräten erfolgen.

Für Erdnussallergiker können schon Spuren von Erdnüssen lebensbedrohlich sein. Deswegen müssen auch geringe Erdnussmengen in verpackten Lebensmitteln gekennzeichnet werden, wenn sie zur Rezeptur gehören – wie auch alle anderen Zutaten, die bekanntermaßen Allergien auslösen können. Gelangen jedoch Spuren beispielsweise von Erdnüssen unbeabsichtigt in ein Lebensmittel, bleibt die Kennzeichnung dem Hersteller überlassen und ist nicht gesetzlich geregelt. Lebensmittel tragen dann Hinweise wie „Kann Spuren von Erdnüssen enthalten“ oder „In unserem Betrieb werden auch Erdnüsse verarbeitet“ auf der Verpackung. Verbraucher wissen dann aber nicht, ob das Produkt tatsächlich Erdnüsse enthält oder der Hinweis vorsorglich angebracht wurde. Für Allergiker kann das eine erhebliche Einschränkung in der Produktauswahl bedeuten.

Damit Hersteller ihre Produkte schnell und zuverlässig auf Allergie auslösende Bestandteile testen und entsprechend kennzeichnen können, müssen sie bisher Analysen durchführen, die mitunter zeitaufwändig sind und für die nicht jedes Labor die geeigneten Geräte besitzt.

Ein Ziel des vom BfR koordinierten Projektes besteht darin, ein Verfahren zu entwickeln, bei dem Extrakte des zu untersuchenden Lebensmittels auf einen Teststreifen aufgebracht werden, der innerhalb von zehn Minuten anzeigt, ob ein Allergen enthalten ist und wenn ja, welches. Ein speziell ausgestattetes Labor für ein erstes schnelles Ergebnis („screening“) ist nicht notwendig, der Test kann vor Ort erfolgen.

Zusätzlich werden neue, moderne Analyseverfahren erarbeitet, die das Erbgut der Allergie auslösenden Stoffe sicher und auch noch in stark verarbeiteten Lebensmitteln erkennen. Dazu wird in der Real-Time-Polymerasekettenreaktion (PCR) spezifisch das Erbgut millionenfach kopiert. Vorteil: Alle dazu benötigten Reagenzien sind überall erhältlich, die Methoden können somit von Herstellern und Kontrolleuren weltweit eingesetzt werden. Die Methoden sollen darüber hinaus so empfindlich messen, dass Allergene auch im Spurenbereich von ppm (parts per million) nachgewiesen werden können. Außerdem können verschiedene Allergene parallel analysiert werden, darunter auch solche, die bisher nur schwer festzustellen waren. Die Nachweismethoden sollen Lebensmittelherstellern dazu dienen, im Rahmen ihrer Qualitätskontrolle unbeabsichtigt in das Lebensmittel gelangte Allergie auslösende Bestandteile zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Verbraucher können somit zuverlässiger über den Gehalt an Allergie auslösenden Bestandteilen in einem Lebensmittel informiert werden. Die amtliche Lebensmittelüberwachung kann mit geringerem Zeit- und Materialaufwand zuverlässig Lebensmittel auch auf geringste Mengen an Allergenen überprüfen.

Servicezeit: Essen & Trinken

WDR, Freitag, 24.04., 18:20 – 18:50 Uhr

Allergievorbeugung mit bunt gemischter Kost

Eltern, die unter einer Allergie leiden, wurde lange Zeit geraten, ihre Kinder im ersten Lebensjahr möglichst allergenarm zu ernähren.
Kein Tropfen Milch, kein Fisch, und nur ausgewählte Gemüse kamen in den Babybrei. Doch das hat sich nicht bewährt. Experten empfehlen heute ganz normale Babykost. Denn wenn Kinder zu reizarm ernährt würden, könnten sie nur schwer ein intaktes Immunsystem aufbauen.

Milcheiweißallergie: Koch-Tipps für Betroffene

Wer Milch nicht verträgt, braucht Calcium und Protein aus anderen Quellen. Servicezeit: Essen & Trinken zeigt, wie Milcheiweiß-Allergiker ganz ohne Milch gut und gesund kochen können. Außerdem nimmt das Ernährungsmagazin die aktuelle Allergen-Kennzeichnung kritisch unter die Lupe. Ist sie für Betroffene zufrieden stellend?

Mangold: Gemüse der Saison

Im Rheinland und in Westfalen kam Mangold früher häufiger auf den Tisch. Dann aber wurde er allmählich vom zarteren Spinat verdrängt. Doch langsam erobert sich das nährstoffreiche Blatt- und Stielgemüse in der regionalen Küche wieder einen festen Platz. Kenner schätzen seinen würzigen und leicht nussigen Geschmack.