Tipps: Urige Kneipen an der Nordsee-Küste Schleswig-Holsteins

Sag Hafen und die Leute denken an Seemanns-Spelunken. Doch Klabautermann und Co. haben sich rar gemacht an der Küste. Die Umschlagszeiten sind viel zu kurz, als dass die Matrosen noch ausgiebig durch die Kneipen ziehen, einen drauf machen und ordentlich Seemannsgarn spinnen. Doch an der Nordsee-Küste Schleswig-Holsteins gibt es noch urige Kneipen und Gaststätten mit ordentlich Flair vom Meer, mit authentischen Erinnerungen und Leuten, die das leben. Mit Liebe, Lust und Leidenschaft. Und manchmal ist ein echter Hafen auch ganz in der Nähe.

„Blaue Maus“ / Amrum

Aus einem Backsteinhaus mit Reetdach zwischen Wittdün und Süddorf auf Amrum fließt warmes Licht aus den Fenstern, nicht weit weg steht der Leuchtturm und schickt sein Führlicht in die beginnende Nacht. Im nahen Yachthafen klingeln die Taue an den Masten der Schiffe; jetzt wäre etwas zum Wärmen von Innen nicht schlecht – also hin: die „Blaue Maus“ gehört zu den besten Whisky-Bars in Deutschland. Schottische Whiskies sind die Liebe und die Leidenschaft des Amrumer Kneipiers Jan von der Weppen. Romantik und authentisches Flair hat sie auch: Bilder zeigen, dass dies hier einst eine echte Seemannskneipe war. „Früher, bis in die 1960er Jahre, war die Kneipe – sie hieß damals ,Zum Leuchtturm´ – die Kneipe für Fischer und Matrosen schlechthin. Hier wurde dermaßen gefeiert, dass manche Frauen zu Hause blieben mussten“, sagt Barbara von der Weppen, die damals ein kleines Mädchen war und diese Zeiten nur als Geschichten kennt. Heute gibt es auf der Insel nur noch einen einzigen Krabbenfischer, aber die Segler aus dem nahen Yachthafen finden ihren Weg regelmäßig in die „Blaue Maus“ – und die haben schließlich auch was vom Meer zu erzählen. Und maritimes Flair hat diese Kneipe immer noch, dafür sorgen schon die Fundstücke vom Strand, die drinnen und draußen an die nahe Nordsee erinnern: Fischkisten und Helme, Handschuhe und Rettungsringe, das was das Meer wieder hergibt. Die Kneipe selbst ist urig und gemütlich mit Strandgut und Souvenirs aus der ganzen Welt, an der Wand hängen auch Seekarten und Schiffsbilder. Und dann, wenn die Einheimischen zusammen mit den Gästen sitzen und klönen und bei Live-Musik Shanties erklingen. Und: Sag Seefahrt, und die Leute denken auch an Rum. In der „Blauen Maus“, das verrät Barbara von der Weppen, reift der Zuckerrohschnaps aus der Karibik in einem Holzfass.

 

„Zum Glücklichen Matthias“ / Föhr


Der Dielenfußboden knarrt und an der Decke hängen Fischreusen und eine Harpune. In den Fensternischen stehen schöne Schiffsmodelle und die Gallionsfigur reckt ihre Brust in den Gastraum. Der ist gemütlich und voll wie fast immer – willkommen im Restaurant „Zum Glücklichen Matthias“ in Wyk auf Föhr. Der Glückliche Matthias war ein erfolgreicher Walfänger und wer es gern maritim mag und was Leckeres aus dem Meer, sollte vorbei schauen (und sicherheitshalber vorher reservieren). Stimmengewirr wabert durch den Gastraum und aus der Küche hört man das Zischen in den Pfannen. Kerzen spenden gemütliches, fast feierliches Licht und eine schöne Stimmung; es ist gediegen und gemütlich, fast so wie zu Hause. Der Gastraum ist in verschiedene Zimmer unterteilt – bei offenen Türbögen -, was das Familiäre dieser Gaststätte noch unterstreicht. Diese kleinen, fast intimen, „Einheiten“ zwischen den pastellfarbenen Wänden und der Messing-Zier vermitteln ebenfalls das Gefühl bei Freunden im heimischen Ess- oder Wohnzimmer zu sitzen – mit dem Flair vom Meer. Bei Seefahreratmosphäre und Nordsee-Romantik kommt der Appetit für Leckeres aus dem Meer natürlicherweise von selbst. Was also essen? Labskaus! Kennen Sie nicht oder ist Ihnen irgendwie suspekt? Unbedingt probieren! Wer Seefahrt sagt und an Küstenkulinarik denkt, muss es versuchen. Und es schmeckt …. Köstlich! Echt und authentisch, so wie das Restaurant „Zum Glücklichen Matthias“ auf Föhr.

„Thalamegus“ / Sankt Peter Ording

Schaurig-schöne Masken aus Indonesien und Speere aus dem fernen Afrika, Souvenirs aus der Seefahrt – das ist sehenswert, das ist einmalig: Willkommen im Thalamegus, dieser wundersamen, schönen kleinen Kneipe in Sankt Peter Ording. Seit fast fünfzig Jahren steht Christine Menden hinter der Theke dieser Gaststube, sie ist die dienstälteste Wirtin in Sankt Peter Ording – und sie kann zu fast jedem Stück eine Geschichte erzählen. Sie selbst fuhr nicht zur See, aber ihr Mann Claus-Joachim jahrzehntelang auf den Meeren dieser Welt. Von ihm – und auch von ihr, sie reiste ihm früher oft hinterher und zusammen machten sie Ausflüge – stammen diese meist schönen, manchmal skurrilen Stücke. „Früher hatten die Seeleute genügend Landgang bei drei, vier Tagen Liegezeiten – und Claus durfte als Erster Offizier das Schiff ja verlassen!“ In Afrika, in Asien und anderswo in den exotischen Häfen der weiten Welt. Und im „Thalamegus“ erzählt nicht nur Christine Menden von dieser Zeit, sondern auch die Artefakte, als Seefahrt – auch – noch romantisch war und exotisch. Die Kneipe selbst ist herrlich gemütlich mit dem Charme lägst vergangener Zeiten; die Jukebox steht hier (und das Zwei-Mark-Stück dazu gibt´s an der Kasse), bequeme Stühle, eine Uhr tickt und Christine Menden verteilt Knabberkram auf den Tischen. Zapft dann die Biere für die Einheimischen und die Gäste, von denen viele längst Stammkunden sind. Denn Kneipen wie diese, wo man das Gefühl hat zu Hause zu sein, sind sehr, sehr selten geworden. Es ist diese gewachsene, authentische Mischung aus Exotik und liebgewonnener Eck-Kneipe, die den Gast im „Thalamegus“ sich wohl und aufgehoben fühlen lässt. Sie zapft noch ein Bier und dann erzählt sie die Geschichte zum großen Steuerrad, die von der „Durban Castle“, die einst Linie fuhr zwischen England und Südafrika. Ein Ort voller Nostalgie ist das hier. Ach! Man mag gar nicht mehr aufstehen bei diesem spannenden Klönschnack und diesen Erinnerungen an die weite Welt.

„Goldener Anker“ / Husum

Husum hat einen richtigen Hafen – und eine richtige, urige Kneipe auch: In Husum gibt es seit 50 Jahren den „Goldenen Anker“, die Kneipe mit dem Charme einer echten Eck-Kneipe und direkt am historischen Binnen-Hafen gelegen. Birte Lausen poliert am Vormittag die Gläser, der Blick aus dem Fenster schweift über das Hafenbecken mit den historischen Schiffen, hinüber zu den alten Lagerhäusern. Auf der anderen Seite der Bundesstraße ist echter, maritimer Betrieb im Hafen; aber „…echte Seeleute treffen, das gibt´s nicht mehr. Viele Matrosen dürfen vielleicht gar nicht mehr von Bord“, vermutet die Frau hinter der Theke, „und die Liege- und Umschlagszeiten sind heute ja viel kürzer als früher.“ Früher, ja früher war das hier eine richtige Hafenkneipe – und heute … ist sie es doch auch: Steuerrad und Gallionsfigur an der Wand, Buddelschiff und Bilder vom Meer – das ist echt und authentisch, gewachsen und gemütlich. Kleine Preise sowieso. „Und manchmal kommen Gäste rein und sagen: Hej, das ist ja eine richtige Kneipe!“ Das ist der „Goldene Anker“ natürlich; hier trifft sich die Knobelrunde und der Skatclub, geschnackt wird an diesem Morgen auf Platt – und wieder reicht der Blick auf das Hafenbecken, über dem die Möwen schreien und die Schiffe liegen. „Ab und zu kommen die Krabbenfischer vorbei, wenn sie Zeit haben“, sagt Birte. Auf jeden Fall ist der „Goldene Anker“ ein authentischer Ort zum Sitzen, Gucken und zum Träumen von der Seefahrt und der Romantik. An einem echten Hafen, in einer echten Kneipe.

„Domicile“ / Büsum

Es ist die „allerletzte Kneipe vor Helgoland“ und der Hafen ist nicht weit weg: willkommen im „Domicile“, der gemütlichen Keller-Kneipe an der Nordsee-Küste von Dithmarschen. Seit 1979 zapft Norbert Lutz, er hat das „Domicile“ aufgemacht, und klönt mit seinen Gästen. Diese Kneipe ist, sie hat Klasse. Die Wände, die Decken – voll mit Souvenirs einmal rund um die Welt. „Ich bin selbst viel gereist; durch Asien, nach Südamerika“, sagt Norbert, „…und viele Sachen sind Souvenirs von meinen Gästen!“ Und da sind: Skulpturen aus Kolumbien und Figuren aus Afrika, Masken aus Thailand und Kronleuchter aus Messing. Dazu die Geldscheine aus fremden, fernen Ländern – allein hier kann man in Gedanken auf Reisen gehen, Seekarten als Tapeten. „Mein Vater war Matrose in der Kriegsmarine und mein Onkel U-Boot-Kommandant“, sagt Norbert, „hier hängen auch viele Bilder aus dieser Zeit – historische Aufnahmen aus China oder Japan zum Beispiel.“ Da kann man stundenlang schauen und der Wirt freut sich, wenn die Gäste sich umschauen. Und er freut sich noch viel mehr, wenn sie ihm Fragen stellen. Wo ist das? Wie war das da? „Das ist doch was zum Gucken und zum auf Reisen gehen im Kopf. Und dann überlegen die Leute – Wie kommt das denn hierher? Jedes Stück hat seine eigene Geschichte!“ Und Norbert Lutz kann sie alle erzählen, sehr gern sogar. Die Kneipe hat eine eigene, schöne Atmosphäre, die heutzutage selten geworden ist. Nicht nur wenn Norbert zum Schlagzeug greift und mit der Band Musik macht; Rock, Blues, solche Sachen. Und: Das „Domicile“ liegt nahe am Büsumer Hafen; einem richtigen Umschlagsplatz für Waren, dem Heimathafen etlicher Krabbenkutter, Liegeplatz für Off-Shore-Arbeiten. „Ab und an sensekommen doch noch Seeleute vorbei“, sagt Norbert, „der Hafen ist ja nicht weit weg.“ Und dann kann es manchmal sogar sein, berichtet der Wirt, dass man mit Matrosen aus den Philippinen an der Theke sitzt. Im Winter dann auf einen Eiergrog, DIE Spezialität im „Domicile“. Und sich Geschichten erzählen lässt. Die von der großen, weiten Welt. Am Hafen von Büsum.

Weitere Tipps und Ideen für einen genussvollen Urlaub an der Nordsee-Schleswig-Holstein unter http://www.nordseetourismus.de

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