Viren, Würmer und Lauschangriff

IT-Experten warnen vor vielfältigen Risiken bei VoIP / Anstieg von „Spam over Internet Telephony“ befürchtet – Der Lauschangriff ist derzeit noch „ein Kinderspiel“ – COMPUTERWOCHE rät: Standard-Passwörter vermeiden, Firewall installieren und sensible Telefonate verschlüsseln
Nicht nur Unternehmen steigen auf Voice-over-IP (VoIP) um, sondern auch immer mehr Privatpersonen. Denn Internet-Telefonie ist günstig und der Anwender überall erreichbar, weil jeder Internet-Anschluss genutzt werden kann. In die Begeisterung für VoIP mischen sich aber zunehmend Stimmen, die vor vielfältigen Risiken warnen. Die IT-Wochenzeitung COMPUTERWOCHE berichtet in ihrem aktuellen Heft (Ausgabe 31/2005), wo die Gefahren der neuen TK-Welt liegen und wie sich Anwender schützen können.

Den Grund für die Risiken bringt Christian Louis, Security Consultant, auf den Punkt: „VoIP ist letztlich nur eine Anwendung wie jede andere auch.“ So befürchten IT-Experten bei zunehmender Verbreitung von VoIP etwa einen massiven Anstieg des so genannten Spit (Spam over Internet Telephony), bei denen der User mit automatischen Werbeanrufen bombardiert wird. Gravierender als die wohl vor allem nervigen Spits ist aber die Gefahr von Lauschangriffen. Wer mithören möchte, hat es dabei noch nicht einmal schwer: Mit Hilfe eines installierten Agenten oder Trojaners dringen Lauscher in das System ein, mit im Internet frei verfügbaren Tools wie „Ethereal“ oder „Cain&Abel“ können sie die Datenpakete mitschneiden. „Ein Kinderspiel“, meint Sicherheitsberater Louis in der COMPUTERWOCHE. Eine weitere Gefahr sind Denial-of-Service-Attacken. Bei DoS-Attacken wird die IP-Anlage oder sogar das komplette Netz lahm gelegt, indem das System mit einer Unmenge von Anfragen oder speziellen Daten überlastet wird. Und schließlich ist auch VoIP vor Hacker-Angriffen nicht sicher, so die IT-Wochenzeitung. Ein Angreifer kann sich unter falscher Identität in das System einschleichen und dann auf Kosten des Nutzers die Dienste in Anspruch nehmen.

Um einen wirksamen Schutz gegen die Angriffe zu haben, rät die COMPUTERWOCHE, zuerst alle Standard-Passwörter für die VoIP-Anlage zu ändern sowie ein Antivirenprogramm und eine gute Firewall zu installieren. Als weiteren Schutz sollten Verschlüsselungsmaßnahmen sowie starke Zugangskontroll- und Authentifizierungslösungen für das VoIP-System eingerichtet werden. Wer solche Maßnahmen ergreift, kann unbesorgt via Internet telefonieren, so die COMPUTERWOCHE.

Internet-Telefonie – Das Mittel gegen den Würgegriff der Tarife

Die Alternative zur jüngst auch von der EU angeprangerten Urlauberabzocke per Handy heißt Voice-over-IP (VoIP). Wer auf Internet-Telefonie umstellt, ist im Ausland nicht nur unter seiner eigenen Rufnummer erreichbar. Über den netzunabhängigen Anbieter sipgate beispielsweise telefonieren Urlauber für 1,7 Cent nach Deutschland. „Die Preise für Internet-Telefonie seien am unteren Ende. Künftig werde der Wettbewerb über Services und Sicherheit entschieden“, erklärten Experten auf einer Veranstaltung des hightech presseclub (hpc) in München.
„Bisher wollen die Kunden vor allem billig telefonieren. Sicherheit steht derzeit nicht im Vordergrund“, erklärte Wilhelm Fuchs vom Internet-Telefonie-Anbieter sipgate (www.sipgate.de im Rahmen einer vom hightech presseclub (www.hightech-presseclub.de veranstalteten Podiumsdiskussion. Dabei bieten Unternehmen wie Cisco ihren Firmenkunden Verschlüsselung und Abhörsicherheit im Unternehmensnetzwerk längst an, integriert in firmenspezifische Büro-Anwendungen. Denn durch das Zusammenwachsen von Computerwelt und Telefon werden die Geräte immer intelligenter. „Über das Telefon lassen sich z.B. auch Raumtemperatur oder Helligkeit regeln“, erläutert Ernst Engelmann von Cisco Systems (www.cisco.de

Selbst klassische Festnetzbetreiber rüsten ihre Netze auf die „paketvermittelte“, kostengünstigere Internet-Telefonie um. „Dass Internet-Telefonie billig ist, hat sich herumgesprochen. Weniger bekannt sind ihre weiteren Vorteile.“ Mit dieser These eröffnete Bernhard Jodeleit, Ressortleiter der Fachzeitschrift „connect“, eine spannende Diskussion des hpc im eleganten Münchner Lenbach-Palais unter dem Titel „Voice-over-IP: Hype oder Revolution unserer Kommunikation?“

Allein der Provider 1&1 Internet AG (www.1und1.de stellte im vergangenen Quartal mehr als 200.000 Telefonkunden auf die kostengünstige Internet-Telefonie um. Und die Nachfrage steigt täglich: „Wir verzeichnen ein Wachstum von 20 bis 30% pro Monat“, erklärte Joachim Hofmann von 1&1. Die VoIP-Experten von Cisco Systems, sipgate, 1&1 und des Verbands der Internet-Wirtschaft (eco) waren sich einig: VoIP spielt im Business eine ganz andere Rolle als beim Endverbraucher.

„Privatkunden sprechen die niedrigen Preise an“, sagte Ernst Engelmann von Cisco. „Unternehmen jedoch möchten in eine offene Technologie investieren.“ Die unternehmensweite VoIP läuft nicht über das offene Internet, sondern meist über geschlossene Datennetze. Neben Abhörsicherheit lassen sich so Leistungsmerkmale der klassischen TK-Anlagenwelt flexibel mit Geschäftslösungen verschmelzen. „Das bietet Unternehmen einen extrem hohen Mehrwert.“ VoIP-Anbieter wie Skype (www.skype.com – „der Napster der Telekommunikation“, wie ihn eco-Geschäftsführer Harald Summa nennt – verschlüsselt automatisch alles, bevor es über das Internet übertragen wird.

„Verfügbarkeit und Bandbreite sind gut“, ergänzte Engelmann. Aber: „Die Service-Provider garantieren größtenteils noch keinen ‚Quality of Service-Standard‘. Wenn der Anspruch möglichst kostenfrei lautet, kann man eben nicht viel erwarten.“ „VoIP-Anschlüsse für Konsumer werden über den Preis verkauft“, bestätigt auch Joachim Hofmann von 1&1. „Dabei ist die Flatrate für den Anbieter profitabel und für den Kunden fair.“ Bei Deutschlands größtem Hoster spricht man aber nicht von Internet-, sondern von DSL-Telefonie. Denn ein Breitband-Anschluss ist die wesentliche Voraussetzung, um kostengünstig über das Internet telefonieren zu können.

Noch glaubten viele Bürger, man brauche Computer und Headset, um weltweit zum Ortstarif telefonieren zu können. Dabei sehen die Internet-Telefone nicht nur so aus, wie die Schnurlos- oder Festnetzgeräte. Sie funktionierten auch eben so einfach und haben nur etwa ein Zehntel der Strahlungsbelastung eines DECT (Schnurlos-)-Telefons. Da sei noch viel Aufklärungsarbeit beim Verbraucher zu leisten. Jetzt ginge es darum „die Nutzungsgewohnheiten vom Festnetz auf VoIP zu übertragen“, erklärte sipgate-Sprecher Wilhelm Fuchs. „VoIP ist wesentlich günstiger, vielseitiger und der Kunde kann seinen Anschluss überallhin mitnehmen.“

Und das zahle sich bei Auslandsaufenthalten doppelt aus. „Wer auf Internet-Telefonie umstellt, ist im Urlaub und unterwegs nicht nur unter seiner eigenen Rufnummer erreichbar.“ Über den netzunabhängigen Anbieter sipgate beispielsweise telefonieren Urlauber für 1,7 Cent nach Deutschland. „Beim Preis von einem Cent ist derzeit aber das Ende der Fahnenstange erreicht“, meint Joachim Hofmann von 1&1.

Bei derart günstigen Preisen greifen leider auch „Spamer“ immer öfter zum Hörer. Die Gefahr: Es droht eine neue, moderne Form des Telefon-Terrors namens „SPIT“ („Spam-over-Internet-Telephony“). Dieses Kürzel steht für die Belästigung durch unerwünschte Werbeanrufe. Im Gegensatz zur eMail ist VoIP nicht offen, sondern abgeschottet. „Auffällige Rufnummern, die nicht zum Verbund gehören, werden automatisch abgeblockt“, beruhigt Wilhelm Fuchs von sipgate, wo man SPIT-Problem bereits erkannt hat.

So interessant die Visionen für die neue Telefonie auch klingen mögen, sind ihnen doch Grenzen gesetzt. Der Grund: Auf der deutschen Landkarte existieren noch viele „weiße Flecken“, wo eine Installation von DSL-Anschlüssen nicht oder nur unter hohen Kosten möglich ist. Dazu zählen vor allem ländliche Regionen oder Orte mit einer Glasfaserverkabelung. Eine DSL-Vollversorgung – und damit eine flächendeckende Internet-Telefonie – wird es vorerst also nicht geben. Im Oktober wird das Bundeswirtschaftsministerium einen „Breitband-Atlas“ veröffentlichen, der Auskunft geben wird, wo „VoIP-en“ möglich ist und wo nicht.

Wie mobil kann VoIP also werden? Der Zugriff vom Handy auf kostengünstige Daten-Services setzt eine neue Generation aus hybriden und preiswerten Endgeräten voraus. „Der Nutzer sollte keinen Unterschied mehr feststellen, egal ob er über ein WLAN- oder ein herkömmliches GSM-Netz telefoniert“, fordert Harald Summa vom Verband der deutschen Internet-Wirtschaft (eco). „Hauptsache billig und gut!“

VoIP-Anbieter wie sipgate bieten bereits Dual-Mode- oder WLAN-Handys wie das F1000 (Preis: 169 Euro) für fast jede Telefon-Gelegenheit an. Ob zu Hause, im Büro oder unterwegs – überall wo der Nutzer des F1000 Zugriff auf WLAN-Netze hat, ist er unter seiner Rufnummer erreichbar. Resultat: Die Nutzer solcher Handys sind flexibler, sparen künftige Investitionen in ein Netzwerk und telefonieren mobil und unabhängig von teuren Mobilfunktarifen. Verständlich also, dass Vodafone, T-Mobile & Co derartige Dual-Mode-Handys blockieren und gern aus ihrem Handy- Programm verbannen möchten. Aber wie lange werden sich die Telefonkunden diesen Würgegriff der Tarife noch bieten lassen?