Toulouse

Rosa-violett-pastel oder das Farbenspiel von Toulouse – Die südfranzösische Hauptstadt der Midi-Pyrenäen im Zeichen des Kolorits

von Philip Duckwitz

Mein erster Eindruck schien bereits meine Sinne zu täuschen – alles rosa hier? In der Tat schienen Gebäude und Straßen in einem rosafarbenen Lichte zu glänzen, das ihr der Schein der Frühjahrssonne verlieh. Toulouse, die rosarote Stadt. So wird sie beschrieben und so erscheint sie selbst dem unaufmerksamen Besucher der Hauptstadt der Midi-Pyrénees im Süden Frankreichs.
Die meisten Gebäude – vor allem die öffentlichen – sind aus Ziegeln erbaut, die die Gründer der Stadt in Ermangelung von Steinbrüchen und Baumaterial in der umliegenden Gegend verwendeten, um die nunmehr 2000 Jahre alte Metropole an der Garonne zu errichten.

Rosarote Vergangenheit – die gallisch-römischen Wurzeln von Toulouse
Diese ehemals gallische Stadt, die im Jahr 106 v. Chr. Unter dem Namen Tolosa von dem Stamm der Tholosen errichtet wurde, zeichnet sich vor allem durch seine zahlreichen, Gärten aus, die wie grüne Oasen inmitten der rosaroten Architektur einen erfrischenden Kontrast bilden. Der Kanal du Midi und er Garonne-Seitenkanal verbinden die Metropole mit dem Mittelmeer. Anmutig liegen die kleinen Hausboote, Kähne und Jachten an den Ufern des sich bedächtig um den Stadtkern herum schlängelnden Kanal du Midi, der mich gerne zu einer beschaulichen Rundfahrt auf einem seiner urwüchsigen Schiffchen einlädt. Von hier aus sieht die Stadt mit ihren prachtvollen Gebäuden ganz anders aus, fast beschaulich und kleinstädtisch.

Dabei ist die alte Metropole und viertgrößte Stadt Frankreichs alles andere als provinziell. Allein der sich überdimensional ausrollende Platz vor dem markanten Capitol, die alles überragende Basilika St-Sermin oder die Kuppel des Hospital de la Grave – mit 69 Metern das höchste Gebäude der Stadt – am anderen Ufer der Garonne zeugen von der Größe und Ehrwürdigkeit dieser farbenprächtigen Stadt. Die Rue d´Alsace Lorraine, Pracht-Einkausstraße von Toulouse, zeigt eindrucksvoll die reichhaltige verzierten Jugendstilgebäude der Stadt. Hier und da sieht man noch Reste des Römerwalls, die von der antiken Vergangenheit Toulouse`zeugen. Zahlreiche Museen bringen mir die Kunst der Region näher. Und natürlich kann ich mich auch in in einem Besuch der modernen Produktionsstätte des Airbus-Werks vor den Toren der Stadt begeistern lassen von den technischen Errungenschaften der Region.

Alles Violett?
Mich aber reizt heute das Spiel der Farben. Denn Rosa ist längst nicht das Einzige, was die Stadt zu bieten hat. Violett und Pastel sind nicht nur allerorts präsente Kollorite, diese Farbtöne haben auch tiefe Wurzeln in der Geschichte der Stadt. Seit rund 150 Jahren wird das Veilchen vor allem an den Ufern der Garonne im Norden der Stadt kultiviert, auf fast allen Märkten angeboten und zahlreich verarbeitet. Jedes Jahr im Februar findet das Veilchen-Fest der „Féte de la Violette“ auf dem Platz vor dem Kapitol statt. Überhaupt erscheint mir in Toulouse alles von dem markant-violetten Farbton durchsetzt zu sein. Nicht nur in zahlreiche Souvenirs wie dem klassischen Veilchen-Bonbon über das süßliche Veilchen-Parfúme, Seifen, Düfte oder der Veilchen-Likör, Sirup und Essig, findet sich der Farbton wieder. Die Menschen scheinen diese Farbe zu lieben und zu leben. Violette Hüte, Jacken, Mützen oder Schirme sind keine Seltenheit in dieser Stadt. Und bei soviel lilafarbenem Farbrausch kann es durchaus zu einer Sinnesveränderung kommen. So kann es passieren, dass man beim Anblick einer weißen Wand meint, sie wäre in zartem Violett getüncht. Selbst der Champagner in den Restaurants ist mit jenem Farbton angehaucht. Wie mir ein eifriger Gaston erklärt, liege das an einem im Schaumwein aufgelösten Veilchen-Zucker, der hierzulande traditionell jenem Gtränk beigemischt würde.

Es geht auch in Pastel – die Wurzeln der Färbekunst
Nach soviel violettem Fetisch verwundert es mich kaum noch, dass noch ein weiterer Farbton das Bild der Stadt dominiert, wenn auch dezenter als Violett es tut. Pastel. Dieser hellblaue Farbton, gewonnen aus den Blättern der gelben Planze „Färberwaid“ oder auch „Pastel des teinturiers“ , die vor allem in dieser Region verwendet wird, gibt diesen bläulichen Farbton. Usrpünglich aus Asien stammend, wurde sie seit dem Mittelalter von Färbern zur Herstellung des Färbemittels genutzt. Die Kunst des Meister-Färbers, dem „maître pastellier“, bestand darin, aus den pigmenthaltigen Kugeln ein Färbebad zu bereiten. Der Vorgang war lang und kompliziert, aber die Belohnung folgte sofort, dann nämlich, wenn der gefärbte Stoff aus dem Farbbad noch gelblich-grün auftaucht und sich wie durch einen Zauber beim Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft blau färbt.
Man erhält mit dem Pastel jede Farbnuance von Blau, vom Allerhellsten bis zum Tiefdunklen. Und dieses Blau färbt nicht ab und hält seine Farbe durch die Jahrhunderte… Pastel besitzt all diese Vorzüge noch heute. Die prunkvollste Zeit waren die Jahre von 1450-1560, wo das Pastel als „blaues Gold“ gehandelt wurde und großen Kaufherren wie Pierre d’Assézat in Toulouse sich beachtliche Vermögen verschafften. Erkennen kann man dies heute noch an den überreichen Kaufmannshäusern, die durch ihre markanten Türme hervortreten. Erfreut erfahre ich, dass die Kunst der Pastel-Färberei noch nicht vorbei ist. Tatsächlich gibt es unweit von Toulouse im Sommer die sogenannten „Färber-Tage“, bei denen Laien sich mit der technik des Blaufärbens vertraut machen können.

Französische Küche in Toulouse – deftig und bodenständig
Nach soviel farblichen Nuancen und Sinneseindrücken zieht es mich in die Küche der Stadt. Und Toulouse hat einiges zu bieten. Grundsätzlich gilt hier wie fast überall in Frankreich: Schlecht essen kann man woanders, aber nicht hierzulande. Alles wird selbst im kleinsten Bistro frisch und schmackhaft zubereitet. Man gibt sich Mühe, denn das Essen, kochen und jegliche Verarbeitung von Lebensmitteln ist allen Bestrebungen der Fastfood-Industrie zum trotz, auch dieses Land zu erobern, noch immer die größte Leidenschaft des Franzosen. Und die lässt er sich sich nicht nehmen. So wird jede Mahlzeit zu einem Erlebnis für einen Reisenden, der diese kontinuierliche Art der frischen Zubereitung nicht gewohnt ist aus seiner Heimat.
Zu Toulouse und seiner Umgebung muss man wissen: Mit 120 Lebensmitteln, die allesamt mit einem Qualitäts- oder Herkunftslabel ausgezeichnet wurden, sind die Midi-Pyrenäen die Region Frankreichs, in der die meisten regionalen Küchenspezialitäten angeboten werden. Obligatorisch ist der Genuss einer gut zubereiteten Cassoulet, einem Eintopf auf weißen Bohnen, Enten- und Rindfleisch sowie einem Stück der berühmten Toulouser Bratwurst. Die Zubereitung dauert 24 Stunden, denn das Gericht muss ziehen, köcheln und wird in mehreren Schichten gebacken, bis sich eine deftig gewürzte, schwere und unverwechselbare Mischung ergibt, die in einem flachen Tontopf serviert wird, der das Gericht seinen Namen verdankt.
Zum Dessert steht eine Auswahl an Käsen auf dem Programm, denn die Region verfügt über ausgezeichnete und sehr markante Sorten. Roquefort aus Schafsmilch, der Bleu de Causses und Laguiole aus Kuhmilch oder der Rocamadour aus Ziegenmilch – hier bleibt kein Wunsch offen. Aber auch Süßes kommt gerne auf den Tisch, wie ich in zahlreichen Restaurants feststellen darf.
Die von den Toulousern erfundenen Köstlichkeiten sind ein wahrer Gaumenschmaus. Der „fénétra“, ein Kuchen aus Mandelteig mit Baiser, oval oder rund, mit Zitronenkonfit und einem Überzug aus Aprikosenmarmelade. Oder doch lieber ein „Pavé du Capitole“, eine Praline aus dunkler Schokolade, einer „Caraque“, dem kleiner Sandteigkuchen mit einer Füllung aus Crème fraîche und zerlassener Schokolade und einem grünen Fondant, oder am Ende der berühmte „Cachou Lajaunie“, eine Leckerei aus natürlichen Produkten, die von einem Apotheker aus Toulouse erfunden wurde und deren Rezept streng geheim gehalten wird. Da wird die Wahl schnell zu Qual und an Pfunde darf man hierzulande schon gar nicht denken, will man sich dem Genuss hingeben.

Wein – aber welcher?
Und dann ist da noch die Frage nach den Weinen zum Essen. Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, je nach Gericht und Vorliebe. Der französische Südwesten ist eine Weinregion mit 16 Appellationen. Die Rotweine, Weißweine und Rosés werden beim Aperitif verkostet oder begleiten die regionalen Gerichte, die in Toulouse aufgetischt werden. Fronton, Cahors oder Gaillac sind die bekanntesten Weinlagen der Region. Ich folge dem Tipp eines Gastons und bevorzuge in diesen Tagen meines Aufenthalts einen Rotwein aus der Region Saint Mont, deren Winzer sich zu den „Plaimont Producteurs“ zusammengeschlossen haben. Diese Weine aus der Gegend am Fuße der Pyrenäen sind außerhalb Frankreichs noch schwer erhältlich, genießen quasi ein Schattendasein. Und genau das macht diese Weine zu einem echten Geheimtipp. Die kieseligen Böden dieser Region um Saint Mont bringen runde und leichte Weine hervor. Die tonhaltigeren, höheren Lagen hingegen begünstigen elegante Weine mit Alterungspotential. Die Weißweine befinden sich an den westlich ausgerichteten, steileren Hängen mit kalkhaltigen Böden. In einem der zahlreichen Weingeschäfte von Toulouse erfahre ich, dass die Winzer unter die Rebstöcke der roten Sorten Gräser pflanzen , damit die Rebstöcke schön tief auf der Suche nach Wasser wurzeln. Dadurch bekommen die Weine noch mehr Struktur und Charakter.

Toulouse – die schillernde Stadt
Satt und zufrieden, farbenfroh im wahrsten Sinne des Wortes und kulturell durchtränkt – so verlasse ich nach 3 spannenden aber nicht weniger erholsamen Tagen Toulouse. Diese Stadt macht Lust auf sein Umland, liefert beispielhaft eine Fülle von Kultur, Farben, Leben und Lebendigkeit. Aber anders als man es aus Südfrankreich kennt. Geordnete Lebensfülle gepaart mit französischem Flair. Eine Prise von allem. Das ist Toulouse. Da gibt es Stadtteile, die sich geordnet geben, wie ein nordfranzösisches Departement. Südlich der Innenstadt in Richtung des Hauptbahnhofs Matabiau wiederum ist es bunt, die Menschen lebendig, oft aus Nordafrika, bereichern sie das Straßenbild und die Kultur der Stadt. Und allerorts treffe ich Menschen mit einem oder mehreren Baguettes unter dem Arm. Dann stimmt es also doch, das Klischee mit dem Franzosen und dem Baguette? Nun, zumindest tragen die wenigsten noch ein Barett. Nur ältere Menschen sieht man mit dieser markanten Kopfbedeckung. Dagegen ist die Schiebermütze das Kleidungsstück, welches hier zur obligatorischen Grundausstattung der Gegenwart zu gehören scheint. Und der Verkehr in Toulouse ist auch so gar nicht französisch. Die Autos halten bei rot, parken geordnet und entsprechen in ihrem Aussehen gar nicht dem französischen Klischee. Viel lässt sich hier lernen in Toulouse, von den Menschen, der Lebensweise und der Kultur der Stadt. Eines vor allem: Sich Zeit zu nehmen zu Beobachten. Denn nur so erfasse ich die Eindrücke der Pyrenäen-Metropole und kann sie mitnehmen.

Kurz notiert

Wie kommt man hin:
Am schnellsten und einfachsten erreicht man Toulouse von Deutschland aus mit dem Flugzeug in nur 1,5 Stunden. Linienflüge bietet die Lufthansa, als Billigflieger verkehrt hier auch Easyjet.

Flughafentransfer und Pass Tourisme:
Der Flughafen Blagnac liegt etwa 8 Kilometer vor der Stadt und ist mit einem Shuttle-Bus in 20 Minuten gut zu erreichen. Die Linie 66 Aeroporte hält direkt in der Innenstadt am Plac d Arc´ und am Hauptbahnhof Matabiou.
Es empfiehlt sich, einen „Pass Tourisme“ direkt am Flughafen zu erwerben, der für 1, 2 oder 3 Tage gültig ist. Dieser kostet für 72 Stunden 32 Euro und berechtigt zu allen Fahrten mit Bussen und Bahnen sowie zu zahlreichen Museumsbesuchen. Erhältlich ist der Pass im Büro der Busgesellschaft „Tisseo“ an der Außenseite des Flughafengebäudes am Busbahnhof.

In der Innenstadt gibt es zahlreiche, kleine Hotels, die preislich um die 50 Euro pro Nacht zzgl. Frühstück liegen. Es empfiehlt sich, ein Hotel rund um den Plac d Arc zu suchen. Dieser ist fußläufig, etwa 500 Meter vom Capitol, entfernt und bietet preislich deutlich günstigere Unterkünfte als direkt im Zentrum.

Stadtrundfahrt:
Im Pass Tourisme kostenlos enthalten ist eine Tour mit dem „Petit traine“, einem kleinen Bummelzug, der Mi., Sa. und So. täglich mehrmals vom Platz vor dem Platz am Capitol abfährt und eine 35-minütige Tour mit Audioguide offeriert.
Etwas umfangreicher und 80 Minuten dauernd ist eine Tour mit der „City Tour Toulouse“. Der rote Bus mit öffnenbarem Dach verkehrt täglich um 10:30 und 14:30 Uhr ab dem Platz d`Arménie, Allée Jean Jaurès. Die Audioguide-gestützte Fahrt kostet 14 Euro, reduziert mit dem Pass Tourisme 10 Euro pro Person.

Fahrradverleih:
Wer sportlich die Stadt erkunden will, kann sich an einer der zahlreichen Bike-Stationen ein Fahrrad für 20 Euro pro Tag mieten, dass an jeder Station wieder zur Rückgabe angedockt werden kann.

Umgebung und Auswärts: Fahrten nach Andorra
Wer von Toulouse ins nahe gelegene Andorra fahren will, kann dies mit einem Shuttle-Bus tun, der täglich vom Flughafen abfährt: www.andorrabybus.com/

Restaurants:
Zahlreiche Restaurants in der Innenstadt bieten Spezialitäten der Region des französischen Südwestens an, bzw. haben sich darauf spezialisiert. Oft werden Menüs angeboten, die meist zwischen 15 und 22 Euro inkl. Vor- Haupt- und Nachspeise liegen.
Die „Maison de cassoulet“ ist ein Restaurant unweit des Capitols, mit annehmbaren Preisen, in dem es vor allem die berühmte Cassoulet als Spezialität gibt. www.maisonducassoulet.com
Excellent, aber ohne vorherige Reservierung nicht zu besuchen ist das Restaurant l´Entrecote im Boulevard d`Strassbourg unweit des Capitals. www.entrecote.fr/

Shopping:
Unbedingt besuchen sollte man die Markthallen am Place Victor Hugo. Der hier stattfindende, tägliche Markt (auch sonntags) ist nicht nur ein Fest für die Sinne, sondern auch eine gute Gelegenheit, die Spezialitäten und Lebensmittel der Region kennenlernen.

Toulouse bietet zahlreiche, ausgefallene Boutiquen und Geschäften. Rund um den Platz des Capitols gehen zahlreiche Einkaufsstraßen ab.
Wer Souvenirs aus Toulouse sucht, ist gut beraten, den Laden Violettes & Pastels aufzusuchen, in der Innenstadt. www.violettesetpastels.fr
In der Rue Peyrolieres im Zentrum befindet sich das Geschäft „Groucho“, in dem Requisiten aus Film und Theater verkauft werden, sehenswert ist der Laden, auch wenn man dort nichts kaufen will.
An jedem Wochenende findet rund um die Basilika St. Sermene ein Trödel- und Antikmarkt statt, der kurioses und Ausgefallenes bietet.

Museen & Kultur:
Wer selbst zum Blaufärber werden will, kann an mehreren Terminen im Jahr in der Region um Toulouse im Pays de Cocagne an einem Workshop teilnehmen: www.teindreaveclepastel.com/–1/werden-sie-f%C3%BCr-einen-tag-blauf%C3%A4rber/

Einen Überblick über alle Tooulouser Mussen und Kulturveranstaltungen bietet das Tourismusamt Tourlouse www.toulouse-tourismus.de/ , das sich auf der Rückseite des Capitols befindet.

Die vegetarische Kochschule

DSas DEUTSCHE INSTITUT FÜR KOCH- UND LEBENSKUNST, Leipzig und Frankfurt am Main, hat „Die vegetarische Kochschule“ aus dem Christian Verlag zum KOCHBUCH DES MONATS März 2011 gekürt.

Die Begründung der Jury lautet:
Die Luft riecht nach Frühling. Die Spitzen der bunten Krokusse lugen hervor. Der Bauer, der im Märzen die Rösslein einspannt, ist bestimmt ein Gemüsebauer – die neue Saison beginnt bald. Zwar ist die Gemeinde der Vegetarier in diesen dioxinlastigen Zeiten sprunghaft gewachsen, aber was wissen die Neulinge über den rechten Umgang mit Gemüsen und deren leckere Zubereitung? Christel Kurz hat deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt auf 400 Seiten eine vegetarische Kochschule eröffnet. Gegliedert in drei Teile, von denen jeder ein eigenes Buch hätte ergeben können: zunächst eine Küchenpraxis mit Problemlösungen wie Tomaten häuten, Schwarzwurzeln vorbereiten, einen Kürbis aushöhlen, Julienne und Brunoise schnippeln, mit Garmethoden für Spargel oder was auch immer, Gemüse pochieren, blanchieren, karamellisieren, Soßen binden – 140 pralle Seiten Handwerk. Zum Abschluß 50 Seiten Warenkunde. Dazwischen aber, viel umfangreicher geht kaum, 250 Rezepte vom Feinsten: eine Schmorgurken- oder eine Provenzalische Artischocken-Nudel-Pfanne, ein Veilchen-Sorbet, Sommerlicher Brotsalat, die Grüne Tomatenkonfitüre mit Ziegenkäse, Sauerkrautsuppe mit knusprigem Kartoffelstrudel oder Kürbis-Cordon bleu mit Chili-Orangen-Mayonaise. Manches, unerhört gut und neu, haben wir so noch nicht gegessen. Das Buch, nicht nur für Gemüsefreunde. Aber wenn es gar Vegetariern in die Hände fällt, stoßen die Schreie des Entzückens aus…
(Frank Brunner)

DIE JURY:
Klaus Erfort, hat Ahnung und deshalb 3 Sterne
Stefanie Gundermann, will ihre Familie gesund ernähren
André Schenkel, Journalist, bekennender Vegetarier
Robert Menasse, Schriftsteller mit eigenem Garten
Frank Brunner, Kritiker

Rezeptprüfer:
Henri Bach, Gemüsefreund mit zwei Sternen

Christel Kurz: Die vegetarische Kochschule, Christian Verlag München, 400 Seiten, ca. 600 Abbildungen, Format 22,3 x 26,5 cm,

Rezeptbuch – WIENER WEIHNACHTSBÄCKEREIEN

WIENER WEIHNACHTSBÄCKEREIEN
Rezepte aus Meisterhand

Die Legende vom süßen Wien lebt weiter. Bereits im 16. Jahrhundert gab es die ersten Hofzuckerbäcker, die sich ganz in den Dienst der süßen Sachen stellten. Im Laufe der Jahrhunderte etablierten sich in und rund um Wien Betriebe, Manufakturen und Konditoreien rund um den Zucker. An diese Tradition schließt nun das Backbuch von Meisterpatissier Herwig Gasser an. „Wiener Weihnachts-bäckereien“ enthält einen Schatz an traditionellen Rezepten aus dem „Süßen Wien“ – von feinen Lebkuchen über raffinierte Kekse bis zu herzhaften Stollen und lockeren Busserln. Die Rezepte sind nicht nur einfach nachzubacken, sondern sind auch mit zahlreichen Dekorations-tipps versehen. Ein Weihnachtsbackbuch für alle, die immer wieder gerne Neues ausprobieren.

Weihnachtszeit ist Lebkuchenzeit. Deshalb nehmen die Lebkuchen in diesem Buch auch einen wichtigen Platz ein. In Wien gab es lange bevor die ersten Zuckerbäcker hier Fuß fassten, zahlreiche Lebzelter. Sie waren hoch angesehene Handwerker, die sich oft von Künstlern geschnitzte Holzformen herstellen ließen, in die sie dann den Lebkuchenteig gossen. Diese Holzformen („Modeln“) und die darin gebackenen Lebkuchen stellten Heiligen- und Ritterfiguren, höfische Szenen und christliche Symbole dar. Letztere sind zum Teil bis heute als Christbaumschmuck gebräuchlich.

Keks – eine Erfindung des späten 19. Jahrhunderts
Das Wort „Keks“ wurde um 1890 von Hermann Bahlsen ins Deutsche eingeführt. Er hatte „Cakes“ in England, wo er geschäftlich tätig war, kennengelernt und nannte so die von ihm produzierten Backwaren. 1911 wurde das eingedeutschte Wort dann in den Duden aufgenommen. In den Alt-Wiener Kochbüchern spielten Kekse eine eher bescheidene Rolle. Das Standardwerk „Der Zuckerbäcker für Frauen mittlerer Stände“ aus dem Jahr 1824 widmet nur eines von 12 Kapiteln den kleinen Bäckereien. Dies ändert sich um die Jahrhundertwende – ab dann sind jede Menge Rezepte für kleine, feine Backwaren in den Wiener Kochbüchern zu finden. Ab den 1920er Jahren laufen diese unter dem Begriff „Kekse“.

Auszug aus dem Rezeptteil

Sisi Lebkuchen
Zutaten:
150 g Eier, 30 g Eiweiß, 200g gehackte Aranzini, 200g geriebene Haselnüsse, 150g geriebene Mandeln, 1 Prise Lebkuchengewürz, 1 EL Zimt, etwas abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone, 60g glattes Mehl, 60g Milch, 120g Staubzucker, 1 Prise Hirschhornsalz (Ammonium), 60 Stück Oblaten (5cm Durchmesser), 60 Stück geschälte Mandelhälften
Dekorationsvorschlag: Schokolade (Kuvertüre), kandierte Veilchen

Zubereitung:
Eier, Eiweiß, Aranzini, Nüsse, Mandeln, Lebkuchengewürz, Zimt und Zitronenschale gut vermischen. Danach Mehl, Milch, Staubzucker und Hirschhornsalz unterrühren. Die Masse in einen Dressiersack füllen. Oblaten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Die Masse aufdressieren, zuckern und mit jeweils einer Mandelhälfte belegen. Ungefähr 15 Minuten trocknen lassen und dann im vorgeheizten Backrohr bei etwa 180°C 10 bis 15 Minuten hellbraun backen. Die Oberseite in zerlassene Schokolade tunken und mit einem kandierten Veilchen verzieren.

Über die Autoren
Herwig Gasser ist Chefpatissier von „Landtmann’s feiner Patisserie“ in Wien. Die von ihm kreierten Köstlichkeiten werden unter anderem in der Wiener Topgastronomie sowie in Traditionskaffeehäusern wie dem „Café Landtmann“ oder dem „Café Mozart“ serviert. Gerhard Loibelsberger arbeitet seit 1984 als freier Texter. Er ist ein begeisterter Hobbykoch sowie Autor von Sach- und Gourmetbüchern, Songtexten und Kriminalromanen.

Bibliografische Daten
Herwig Gasser, Gerhard Loibelsberger
WIENER WEIHNACHTSBÄCKEREIEN
Rezepte aus Meisterhand
96 Seiten,
avBUCH 2008;
Preis: EUR 19,90 (A,D), CHF 34,90
ISBN: 978-3-704023-11-7

Der "Graupert" von MEINKLANG darf wachsen, wie er will.

Angela und Werner Michlits (Weingut MEINKLANG), aus dem burgenländischen Seewinkel, gehen ihren unkonventionellen Weg konsequent weiter: In ihrem „Graupert“- Weingarten (im Dialekt für wild und ungekämmt) verzichten die beiden seit Jahren ganz bewusst auf den Rebschnitt. Die Idee dahinter ist ebenso revolutionär wie logisch: „Wir arbeiten seit langem nach bio-dynamischen Richtlinien. Es war daher nahe liegend, den Trieben des Weingartens freien Lauf zu lassen, denn wir sind überzeugt, dass die Reben ohne fremdes Zutun besser zu ihrem inneren Gleichgewicht finden“, erklärt Werner Michlits. Der „Graupert“ darf wachsen wie er will. Das Ergebnis: Üppig wuchernde Reben, kleine vollreife Trauben mit außergewöhnlich hohen Extraktwerten.

Ein Naturbursch
Der Ausbau des „Naturburschen“ im Keller obliegt Winzerin Angela Michlits: „Der Graupert 2007 ist in der Nase blumig, an Veilchen erinnernd mit würzig-cremigen Geschmack, im Abgang elegant mit feinmineralischer Struktur. So wild er gewachsen ist, so charmant ist er im Glas.“
MEINKLANG stellt nun auch andere Sorten auf „Wildwuchs“ um, darunter die Rotweinsorten Zweigelt und Blaufränkisch. Der anfangs in Fachkreisen misstrauisch beäugte Ansatz findet bereits erste Nachahmer und wird unter Weinexperten wie Winzern heftig diskutiert.

Persönlich kennen lernen kann man den neuen Graupert Jahrgang 2007 auf der BioFach, der Weltleitmesse für Bioprodukte, vom 21. bis 24. Februar 2008 in Nürnberg Halle 4A Stand Nr. 100-1.
www.meinklang.at

Geheimtipp unter 10 Euro: Montepulciano d’Abruzzo Classic

Ein echter Geheim-Tipp unter zehn Euro ist der Montepulciano d’Abruzzo Classic des italienischen Erfolgs-Winzers Gianni Masciarelli. Der sortenreine Rotwein vom Weingut des Jahres 2004 (Gambero Rosso) überzeugt mit einem sehr feinen, intensiven Bukett. Fruchtige Noten von Kirschen, Veilchen und Tabak machen den edlen Tropfen zu einem unkomplizierten sowie gleichzeitig raffinierten Wein und sorgen damit für ein unverwechselbares Aroma.

Masciarelli Vini produziert jährlich rund 500.000 Flaschen des tief rubinroten Montepulciano d’Abruzzo Classic. Der erstmals 1981 angebaute Wein wächst in den Abruzzen in einer Höhe von 145 bis 400 Metern und wird von Ende September bis Ende Oktober geerntet. Die Fermentation erfolgt in Edelstahl. Der fruchtige Rotwein harmoniert ideal mit Fleisch vom Grill, Lamm sowie mit Eier und Käse und sollte jung getrunken werden. Die optimale Serviertemperatur beträgt 16 bis 18 Grad.

Weitere Informationen: www.masciarelli.it

Weinseminar mit Natalie Lumpp

Weinseminare beim Winzer bieten die Gelegenheit, sich intensiver mit Wein zu befassen als dies bei einer kurzen Weinprobe möglich ist. Schließlich erleichtert das vertiefte Weinwissen die Weinauswahl und eröffnet neue Möglichkeiten zur Gestaltung interessanter und genussreicher Weinabende zu Hause.

Ein ganz besonderes Weinseminar bietet die Südliche Weinstrasse e.V. vom 28. Juni bis 1. Juli 2007 mit der bekannten Sommelière und Weinkolumnistin Nathalie Lumpp an. Sie entführt in einem Sensorik-Seminar in die Welt der Aromen und geht dabei der Frage nach “Was haben Ananas, Pfirsich und Veilchen im Wein zu suchen?“. Tags darauf steht eine Weinbergsbegehung und Weinprobe mit dem Top-Winzer Hansjörg Rebholz auf dem Programm. Die Gäste wohnen mitten in den Weinbergen im 4-Sterne-Wohlfühlhotel „Alte Rebschule“ in Rhodt unter Rietburg. Drei Übernachtungen mit Halbpension (jeweils 4-Gang-Menü am Abend), ganztägiges Weinseminar mit Natalie Lumpp, Weinbergsbegehung und Probe mit Hansjörg Rebholz kosten 490 Euro pro Person im Doppelzimmer, 535 Euro bei Einzelbelegung.

Information und Buchung bei:
www.suedlicheweinstrasse.de