Kassel rettet Lebensmittel

Kartoffel zu knubbelig? Karotte ohne Idealmaß? Ab damit in den Müll? „Das geschieht im Alltag leider zu oft“, weiß Dr. Ursula Hudson von der weltweiten Bewegung „Slow Food“: Allein in Deutschland werden elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr weggeworfen „Dies bedeutet eine nicht zukunftsfähige und ethisch nicht verantwortbare Vergeudung von Ressourcen, wie Böden, Energie, Lebewesen, aber auch menschliche Arbeitskraft. Hier müssen wir alle gemeinsam neue Wege beschreiten, um dies zu ändern und die Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu sichern. Jeder einzelne von uns kann dazu beitragen.“, sagt Hudson. Ein Aktionstag in der Kasseler Innenstadt setzt sich daher für die Wertschätzung von regionalen und „verschmähten“ Lebensmitteln ein. Die Initiatoren möchten Verbraucherinnen und Verbraucher dafür sensibilisieren, das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Jedes achte gekaufte Lebensmittel das wir kaufen, landet im Müll. Gemüse zählt zu den am meisten verschwendeten Lebensmitteln. Der Aktionstag „Kassel rettet Lebensmittel!“ am 13. September 2014 rückt speziell das Nachtschattengewächs Kartoffel ins Licht der Aufmerksamkeit.

Die Veranstaltung wird organisiert von Slow Food Deutschland e.V. in Kooperation mit dem Bundesverband Deutsche Tafel. Sie ist Bestandteil der Initiative Zu gut für die Tonne! des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Slow Food Deutschland und die Tafeln engagieren sich im Rahmen der Initiative bereits seit fast zwei Jahren mit Aktionen in verschiedenen Städten Deutschlands. Gemeinsames Ziel: Verbraucherinnen und Verbraucher zu motivieren, die Bedeutung von Lebensmitteln, Kochen und Essen für die eigene Lebensqualität wertzuschätzen.

Am 13. September wird auf dem Königsplatz in Kassel um 12 Uhr eine lange Tafel aufgebaut – an dieser sind Besucherinnen und Besucher dazu eingeladen, nach Lust und Laune Gemüse zu schälen, zu schnippeln und natürlich auch zu kosten. Kartoffeln und Gemüse werden am Vortag bei Bauern in der Umgebung von Kassel gesammelt. Aktionskoch Wam Kat und sein Team der Fläming Kitchen zeigen, dass das Aussehen nicht über den Geschmack entscheidet. Aus dem „verschmähten“ und aussortierten Gemüse wird ein köstlicher Eintopf. Bei Tischgesprächen informieren Expertinnen und Experten zu den vielfältigen Aspekten eines nachhaltigen Umgangs mit Gemüse und Kartoffeln: Fragen wie „Was ist ein gutes Lebensmittel“ werden beantwortet und Hinweise zum richtigen Lagern, Konservieren und Verarbeiten gegeben. Zudem erhalten die Gäste raffinierte Koch- und Einkaufstipps.

„Erntetour“ bereits am 12. September
Wer sich noch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte, ist dazu eingeladen, bereits am Vortag mit auf „Erntetour“ zu kommen. An unterschiedlichen Stationen wie der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen in Grebenstein, dem BioHof Groß in Homberg-Mühlhausen und dem Gut Halbersdorf in Spangenberg wird Halt gemacht. Dort wird „nicht marktfähiges“ Gemüse für den Aktionstag eingesammelt. Auch auf der „Erntetour“ steht die Kartoffel im Fokus – informiert wird über ihre Lagerung und Weiterverarbeitung nach der Ernte.

Für die „Erntetour“ wird um Anmeldung gebeten unter: projektbeauftragte@slowfood.de. Die Teilnahme an der Rundfahrt mit dem Bus ist kostenlos, Start- und Endpunkt ist Kassel.

Zu gut für die Tonne!
Wie sich Lebensmittelabfälle reduzieren lassen, zeigt die Initiative Zu gut für die Tonne! des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Akteure aus Industrie, Handel, Gastronomie und Landwirtschaft sowie Verbraucherverbände, Kirchen und NGOs unterstützen die Initiative. Unter www.zugutfuerdietonne.de finden sich Tipps zu Lebensmittellagerung und -haltbarkeit, Fakten zur Lebensmittelverschwendung sowie Rezepte für beste Reste.

Leichte Küche ohne Reste

Die Fastenzeit ist ein guter Anlass, sich gesünder und bewusster zu ernähren und eingeschliffenen Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen. 47 Prozent der Deutschen möchten sich laut einer Forsa-Umfrage dieses Jahr gesünder ernähren. Vor allem in der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern steht gesunde und leichte Kost vermehrt auf dem Speiseplan. Vergangenes Jahr ermittelte die Forsa, dass die Bundesbürger in dieser Zeit am liebsten auf Alkohol verzichten wollten (71 %), gefolgt von Süßigkeiten (66 %) und Fleisch (42 %).
 
Doch gerade Leichtes und Gesundes, das in der Fastenzeit auf den Tisch kommen sollte, landet oft in der Tonne: In Deutschland werfen die Menschen pro Kopf jährlich rund 36 Kilogramm Obst und Gemüse weg. Die Initiative Zu gut für die Tonne! des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zeigt, was jeder dafür tun kann, damit weniger Lebensmittel in den Abfall wandern. Denn durch richtige Lagerung und geschickte Resteverwertung von klassischen Zutaten der leichten Küche wie Fisch, Gemüse, Pilzen, Obst, Säften und Tees kann man Nahrungsmittel vor dem Müll retten.
 
Obst und Gemüse – nicht alle Sorten mögen es kühl
Beim Obst gilt die Faustregel: Heimisches liebt es kühl, Exoten mögen es warm. Nur Feige und Kiwi fühlen sich im Gemüsefach des Kühlschranks wohl und fast alle Gemüsesorten. Zu den prominentesten Ausnahmen dieser Regel gehören Aubergine, Tomate, Kartoffel und Kürbis. Wichtig bei der Lagerung der saisonalen Salatsorten Chicorée, Chinakohl und Feldsalat: Sie reagieren empfindlich auf das Reifegas Ethylen, das einige Obst- und Gemüsesorten absondern. Es sorgt dafür, dass anderes Gemüse und Obst schneller altert und verdirbt. Man sollte einzelne Sorten deshalb getrennt voneinander lagern. Das Reifegas kann man aber auch bewusst zum Nachreifen nutzen. Dazu legt man unreife Avocados und Kiwis bei Raumtemperatur neben Tomaten oder Äpfel und deckt sie locker mit einer Plastiktüte ab. So werden die Früchte schneller reif.
 
Wie lange hält Fisch?
Fisch ist leicht verderblich: Sein hoher Wassergehalt und Eiweißanteil sowie die lockere Struktur seines Bindegewebes machen ihn anfällig für Bakterien. Frischen Fisch sollte man daher unbedingt im Kühlschrank aufbewahren und nach maximal einem Tag essen. In einer Glas- oder Porzellanschale und mit Frischhaltefolie abgedeckt, gehört er an die kälteste Stelle im Kühlschrank, auf die Abdeckplatte des Gemüsefachs. Gegarter Fisch hält dort ein bis zwei Tage, geräucherter Fisch lässt sich im Kühlschrank zwei bis vier Tage aufbewahren. Beim Einfrieren gilt die Faustregel: Fetter Fisch wie Aal hält etwa zwei Monate, magerer fünf Monate. Und: Nur Frisches tiefkühlen. Auftauen lässt er sich bei Zimmertemperatur in ein bis zwei Stunden.
 
Meerestiere: Mit diesen Tipps lässt sich Frische prüfen
Frische Muscheln lassen sich ein bis zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Am besten transportiert  man sie in einer Kühltasche vom Einkauf nach Hause. So wird die Kühlkette nicht unterbrochen. Achtung: Rohe, geöffnete Muscheln sollten sich schließen, wenn man damit auf eine feste Unterlage klopft. Gehen sie nicht zu, gehören sie nicht auf den Teller. Beim Kochen müssen sich Muscheln allerdings öffnen. Was geschlossen bleibt, darf man nicht essen. Einfrieren sollte man die Meerestiere nur gegart, sonst verlieren sie ihr Aroma. Garnelen halten gekühlt bis zu zwei Tage. Aufbewahren lassen sie sich im Kühlschrank auf der Abdeckplatte des Gemüsefachs bei 0 bis 4 °C. Tiefgefroren halten sie bis zu einen Monat lang. Verdorbene Exemplare erkennt man am weichen, leicht grünlichen Fleisch, das salmiakähnlich riecht. Sie zu essen kann lebensgefährlich sein.
 
Pilze lieben es luftig
Pilze sind in der leichten Küche eine Alternative zu Gemüse und Fisch. Auch sie sind wegen ihres hohen Wassergehalts anfällig für Bakterien. Frische Pilze haben festes Fleisch ohne Verfärbungen und geschlossene Hüte. Sie mögen es kühl, trocken – und luftig. Sie gehören also nicht in verschweißte Plastikverpackungen oder fest schließende Behälter. Im Gemüsefach des Kühlschranks bleiben sie ein bis zwei Tage frisch. Reste von Pilzgerichten sollte man nach dem Kochen schnell abkühlen lassen. Sie können auf der Abdeckung des Gemüsefachs im Kühlschrank einen Tag aufbewahrt werden. Wichtig beim Aufwärmen: Auf mindestens 70°C erhitzen. Blanchierte Pilze kann man bis zu sechs Monate einfrieren. Man sollte sie danach noch gefroren verarbeiten, sonst werden sie matschig.
 
So bleibt Tofu länger frisch
Angebrochener Tofu ist in Frischhaltefolie gewickelt oder in einem dicht schließenden Behälter zwei bis drei Tage haltbar. Bis zu einer Woche lässt sich Tofu aufbewahren, wenn er in eine Schüssel mit Wasser gelegt, diese mit einem Deckel oder mit Klarsichtfolie abgedeckt wird.
 
Haltbarkeit von Wasser und Säften verlängern
Besonders wichtig beim Fasten: Viel Gesundes trinken. Fruchtsäfte sollte man innerhalb kurzer Zeit aufbrauchen. Wer sie frisch halten will, trinkt nicht direkt aus der Flasche und bewahrt diese nach dem Öffnen mit geschlossenem Deckel im Kühlschrank auf. Sonst können sich schnell Keime bilden und das Getränk fängt an zu gären oder zu schimmeln. Teeblätter fühlen sich im Trockenen bei kühlen Temperaturen wohl. Sind sie aromatisiert, sollte man sie schnell aufbrauchen, weil sich ihr Aroma im Laufe der Zeit verändern kann.
 
Leichte Rezepte für beste Reste
Übrig gebliebene Zutaten der leichten Küche lassen sich auch gut zu leckeren Gerichten verarbeiten. Gemüseabschnitte eignen sich etwa für ein Rezept von Starkoch Christian Henze: Penne mit Antipasti-Soße.
Penne mit Antipasti-Soße (von Christian Henze)
Zutaten: 500 g Penne (oder andere Nudeln), Meersalz, Gemüsereste (z. B. 1 kleine Zucchini,
½ Aubergine, 1 rote Paprikaschote), 1 kleine Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 5 EL gutes Olivenöl, 200 g passierte Tomaten, 2 EL Essig (evtl. heller Balsamicoessig), 1 TL Kapern, schwarzer Pfeffer aus der Mühle, 5 EL Parmesan (frisch gerieben), etwas Blattpetersilie (oder andere Kräuter)
Zubereitung: Die Penne in Salzwasser al dente kochen und in ein Sieb abgießen. Zucchini und Aubergine waschen. Paprikaschote waschen und putzen, die Zwiebel abziehen. Das Gemüse und die Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Knoblauch abziehen und fein schneiden. Das Öl erhitzen und das Gemüse, die Zwiebel und den Knoblauch darin anbraten. Passierte Tomaten hinzufügen, Essig und Kapern einrühren, mit Salz und Pfeffer würzen. Fünf Minuten köcheln lassen. Die Soße abschmecken, mit den Nudeln mischen, auf Tellern anrichten und mit dem Parmesan bestreuen. Mit grob geschnittener Blattpetersilie garnieren.

Weitere Rezepte für beste Reste enthält die App Zu gut für die Tonne! Darüber hinaus bietet sie Tipps zu Lagerung und Haltbarkeit von Lebensmitteln sowie einen interaktiven Einkaufsplaner. Sie ist gratis im AppStore und bei GooglePlay erhältlich: www.zugutfuerdietonne.de/app

 

Wertewochen in Berlin

Linsensalat, pochiertes Ei und Buttermilchschaum als Vorspeise, Kassler mit Sauerkraut und Kartoffelsalat als Hauptgang und Kaiserschmarrn mit Apfel-Johannisbeer-Kompott und Heidelbeer-Minz- Jogurt – das klingt nicht wie Resteessen!

Zum offiziellen Start der Wertewochen haben im Coledampfs&Companies am Moritzplatz Senator Thomas Heilmann und Staatssekretärin Sabine Töpfer-Kataw zusammen mit Spitzenköchen Sonja Frühsammer, Markus Semmler und Florian Glauert Gerichte aus Lebensmitteln gekocht und serviert, die erst am Morgen angeliefert wurden und normalerweise in der Tonne gelandet wären. Jeder Verbraucher wirft jährlich etwa 82 Kilogramm Lebensmittel im Wert von 235 Euro in den Müll, obwohl sich vieles davon noch verwenden ließe. In den Wertewochen wollen die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz sowie die teilnehmenden Akteure ein Zeichen setzen gegen Verschwendung und für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln. Bis zum 6. Oktober gibt es in der ganzen Stadt Veranstaltungen der rund 40 teilnehmenden Partner mit Tipps zur Resteverwertung.

Viele Spitzenrestaurants haben sich ein besonderes Menü einfallen lassen, um Gästen zu zeigen, dass man alles nicht wegschmeißen muss, sondern in leckeren Gerichten verwerten kann.
Die gesamte Übersicht finden Sie unter: www.wertewochen-lebensmittel.de

Das e.t.a.Hoffmann serviert jeden Abend bis zum 06.10. ab 17:00 Uhr ein Menü zum Thema „Schwein gehabt… für 48 Euro.

Heute 28.09. hat Kevin Alder im Restaurant dos palillos in Mitte ein besonderes Lunchmenü kreiert. Thema: “Einfach ein Huhn, in vier Gängen” inklusive Kaffee, für 22 Euro.

Sonja Frühsammer, die auch zur Auftaktveranstaltung gekocht hat, serviert am 01.10 ein “Erntedank- Menü – alles aus unserem Garten, Ein Genuss im Gourmetrestaurant”.
4 Gang-Menü inkl. aller Getränke 95 Euro.

Auch Markus Semmler wird am 01.10 in seinem Restaurant ein Vier-Gang-Menü inklusive Wasser- oder Bierbegleitung für 39 Euro. Geben wird es neben einem Amuse Bouche
Ochsenschwanzkrokette; Asiatische Sülze vom Schweinebauch und Sesamkartoffeln; Linguine mit Lachs, Frühlingslauch und Safrannage; Königsberger Klops mit Salzkartoffeln, Rote Bete Salat; Crêpes Suzette.

Das Fünf Gänge Menü von Küchenchef Tobias Janzen im Restaurant Jolesch gibt es am 3.10. zum Preis von 49 Euro, passende österreichische Weinbegleitung gibt es für 24 Euro dazu. Gereicht werden geräuchertes Tartar vom Kalb, Essiggurkenwasser und saure Sahne; Panadelsuppe, Pochiertes Ei und Kren; Praline vom Geschmorten Schweinenetz, Kartoffelschale, Kürbis; Appletini von der Schale; Ofenschlupfer und Kirschkernsorbet.

Besonders interessant ist das Angebot von Markus Semmler, der deutlich auf Sterne Niveau kocht und normalerweise auch viel teurer ist. Hier unsere Eindrücke bei Semmler: www.facebook.com/media/set/?set=a.10151719543498124.1073741869.168996673123&type=3 Sensationell! Da muss man hingehen!

Beeren in den Müll?

Beerenobst ist sehr beliebt. Allein 4,5 Kilo frische Erdbeeren kauft in Deutschland jeder Haushalt jährlich. Längst nicht alle gekauften Früchte landen im Magen. Leider ist Beerenobst sehr empfindlich und damit ein Risikokandidat für den Müll. Die Initiative Zu gut für die Tonne! des Bundesverbraucherministeriums gibt Tipps zur Rettung der Lebensmittel und zeigt mit Rezepten von Spitzenköchen, wie man aus Resten leckere Gerichte macht. Beeren, die nicht gleich verspeist werden, eignen sich wunderbar für Sorbets, Marmeladen oder Shakes.

Klappt nicht: Unreif kaufen und länger lagern
Erdbeeren halten wie Brombeeren, Johannisbeeren und Himbeeren gekühlt höchstens zwei bis drei Tage. Unreif kaufen und damit die Lagerzeit verlängern klappt aber nicht, denn die Früchte werden nach dem Pflücken nicht mehr süßer. Eine Ausnahme sind noch grün geerntete Stachelbeeren, sie reifen nach. Als Faustregel gilt aber: Reif geerntet schmeckt am besten. Da die Früchte schnell nach der Ernte gegessen oder verarbeitet werden müssen, sind kurze Transportwege von Vorteil. Es bietet sich also an, Beeren aus der Region zu kaufen. Übrigens: Damit das Aroma beim Waschen nicht verloren geht, Beeren nur kurz unter schwachem Brausestrahl säubern.

Vorsicht bei Transport und Lagerung
Beeren sind äußerst empfindlich. Druckstellen können besonders bei Wärme schnell faulen. Beim Einkauf gehören sie deshalb ganz oben in die Tasche oder den Korb. Im Gemüsefach des Kühlschranks können flache Schalen die Früchte vor Druck schützen. Darin liegen sie locker nebeneinander.

Faulige Früchte aussortieren
Verdorbene Beeren sollte man aussortieren, weil sie schnell schimmeln und andere Beeren anstecken können. Befallenes Obst entsorgen, weil sich die Sporen bei saftigen Früchten bereits ausgebreitet haben. Schimmlige Stellen abzuschneiden hilft also nichts.

Kalt gerührt oder gekocht – Marmelade selber machen
Haltbar machen lassen sich Beeren besonders schnell und leicht, indem man sie zu kalt gerührter Marmelade verarbeitet: Einfach die Früchte pürieren und mit Gelierzucker nach Packungsangabe mischen. Das Fruchtmus hält rund 14 Tage im Kühlschrank. Bis zu einem Jahr lässt sich selbst gemachter Beeren-Brotaufstrich aufbewahren, wenn die Fruchtmasse nach Rezept erhitzt wird. Lagern sollte man das fertige Mus an einem trockenen Ort bei 15 bis 20 Grad. Die Marmelade kann mit der Zeit im ungeöffneten Glas eine bräunliche oder leicht graue Farbe annehmen. Der Brotaufstrich schmeckt aber weiterhin lecker, er hat nur Farbstoffe verloren.

Einfriertrick gegen Verklumpen
Übriggebliebene Beeren kann man auch hervorragend für mehrere Monate einfrieren. Dabei lässt sich ganz leicht verhindern, dass sie zu dicken eisigen Klumpen zusammenkleben: Zuerst breitet man die Früchte auf einem Tablett aus und stellt sie zum Vorgefrieren kurz in den Tiefkühler. Erst dann geht es in den Gefrierbeutel. Genauso besteht die Möglichkeit, die Früchte vor dem Einfrieren zu pürieren, je nachdem was man später damit machen will.

Beeren retten mit Rezepten von Spitzenköchen
Beerenreste lassen sich auch zu leckeren Gerichten verarbeiten. Zu gut für die Tonne! zeigt mit Spitzenköchen, wie das geht: Tiefgefrorene Früchte bereitet Sternekoch Christian Henze schnell zu Geeister Beerencreme mit Schokolade zu. Für ganz kleine Mengen frischen Obstes hat Kochpate Willi Haider sein Sorbet hausgemacht entworfen.

Geeiste Beerencreme mit Schokolade von Sternekoch Christian Henze
Zutaten für 4 Personen: 250 g tiefgefrorene Beeren (z.B. Himbeeren, Erdbeeren, Blaubeeren), 200 g Sahne, 4 EL Schmand, 2 Päckchen Vanillezucker, 1 Tafel weiße Schokolade
Zubereitung: Kurz vor dem Servieren Beeren, Sahne, Schmand und Vanillezucker in einen Mixbecher geben und mit dem Pürierstab aufmixen. Die Schokolade raspeln. Die Beerencreme in Gläser füllen und die geraspelte Schokolade darauf geben. Die Geeiste Beerencreme mit Schokolade zügig servieren – sie soll eiskalt sein.

Sorbet hausgemacht vom österreichischen Spitzenkoch Willi Haider
Zutaten für 2 Personen: 1 Handvoll Himbeeren, 1 Apfel, 1 Birne, 1 Handvoll Acerola, etwas Zucker
Zubereitung: Frische, reife Früchte (Äpfel, Birnen, Himbeeren, Acerola oder andere, in verschiedenen Kombinationen möglich, so wie man es am liebsten mag) mit etwas Zucker oder Kompottsaft pürieren. Das Fruchtpüree in Eismaschine oder unter häufigem Rühren (für eine cremige Konsistenz) circa vier bis fünf Stunden im Tiefkühlfach frieren lassen.

Weitere Rezepte für beste Reste enthält die App Zu gut für die Tonne!. Darüber hinaus bietet sie Tipps zu Lagerung und Haltbarkeit von Lebensmitteln sowie einen interaktiven Einkaufsplaner. Sie ist gratis im AppStore und bei GooglePlay erhältlich: www.zugutfuerdietonne.de/app

1500 Münchner bei der Aktion Teller statt Tonne

1500 Verbraucherinnen und Verbraucher haben am Samstag auf dem Münchner Odeonsplatz am Aktionstag „Teller statt Tonne“ gegen Lebensmittelverschwendung teilgenommen. Sie protestierten gegen die Entwertung unserer Nahrung und die damit zusammenhängende Verschärfung der Ernährungskrise in den Entwicklungsländern.

Slow Food Deutschland hatte gemeinsam mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst, dem Bund Naturschutz in Bayern, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Mission EineWelt und derKampagne Meine Landwirtschaft zu dieser Aktion aufgerufen. Die Veranstaltung – eröffnet vom Münchner Dekan Volker Herbert – war der erfolgreiche Auftakt zum Good Food March, einer dreiwöchigen Rad- und Treckertour nach Brüssel für eine zukunftsfähige Lebensmittelwirtschaft und eine bäuerliche, sozial- und umweltgerechte Landwirtschaftspolitik.

400 Kilogramm nicht-marktkonformes Gemüse von kleinbäuerlichen Öko-Betrieben aus dem Münchner Umland wurden von Helfern und Food-Aktivisten öffentlich geschnippelt und an einer langen Tafel verspeist – als Akt kulinarischen Ungehorsams. In die Protest-Suppe kamen zum Beispiel biologisch erzeugte Kartoffeln vom Hatzlhof in Olching, die alleine aufgrund optischer Mängel wie kleiner Beschädigungen bei der Ernte oder Herzchen-Wuchsformen nicht mehr als Handelsware, sondern nur noch zur Stärkegewinnung und als Tierfutter verkauft werden können – mit bis zu 90 Prozent Preisabschlag.

Während des Essens erörterten die einladenden Organisationen mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie mit Erzeugern und Köchen in verschiedenen Podiumsgesprächen die Problematik der Lebensmittelverschwendung als Symptom einer verfehlten Verbraucher- und Landwirtschaftspolitik. So wies Francisco J. Marí, Projektreferent Agrarhandel und Fischerei beim Evangelischen Entwicklungsdienst, eindringlich auf die paradoxe Situation hin, dass „die gleiche Produktions- und Verteilungsstruktur, die zum Wegwerfen animiert auch billige Nahrungsmittel nach Afrika exportiert: etwa Fleischreste, Tomatendosen oder billiges Milchpulver.“ Damit würden lokale Kleinbauern aus dem Markt gedrängt, so der Autor des Buches „Das globale Huhn“. Auch gelte: „Wenn fast die Hälfte der Bananen aus Kamerun oder ein Drittel der Schokolade aus der Elfenbeinküste weggeworfen wird, dann haben wir in diesen Ländern für den Anbau Land verbraucht und Wasser verschwendet. Die Menschen haben umsonst Pestizide eingeatmet und sind krank geworden für Lebensmittel, die weggeworfen werden.“

Für den Schutz regional wertvoller Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen
Dr. Rupert Ebner, Mitglied im Vorstand von Slow Food Deutschland, betonte den Zusammenhang von Normierungsdruck und Lebensmittelverschwendung in der Nahrungsindustrie. „Die Monokultur im Supermarkt-Regal bedient optimal die Bedürfnisse einer Lebensmittelindustrie nach normierten Waren und schnellem Umsatz, spielt dabei nachhaltig wirtschaftende bäuerliche Erzeuger ins Abseits, missachtet das Recht auf Ernährungssouveränität des Verbrauchers und beraubt die Gesellschaft des Reichtums an Arten- und Geschmacksvielfalt“, erläuterte der Agrarexperte. Slow Food engagiere sich deshalb mit Projekten wie der Arche des Geschmacks zum Schutz regional wertvoller Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen sowie Geschmacksbildungsprojekten für Kinder und Erwachsene und fordere eine neue, zukunftsfähige Lebensmittelwirtschaft mit regionalen Wirtschaftskreisläufen und bäuerlichen Strukturen. „Die Weichen dazu müssen von der Politik gestellt werden, die dieses Jahr in Brüssel neu verhandelt wird, deshalb schließen wir uns dem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus Verbrauchern, Umweltschützern und Erzeugern an, das auf Mitbestimmung drängt“, erklärte Ebner.

Dies betonte auch Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern und des BUND: „Wir brauchen eine neue Agrarpolitik, die weg von Überschüssen und Entwertung unserer Lebensmittel führt und den Tieren, die als Nahrung dienen, ein würdiges Leben ermöglicht. Die Agrarpolitik muss grüner und gerechter werden,“ so Weiger, „wie es Agrarkommissar Dacian Ciolos auch vorgeschlagen hat.“

Jochen Fritz von der Kampagne Meine Landwirtschaft betonte zum Abschluss noch einmal die aktuelle Brisanz des Themas: „Die Ernteausfälle in den USA sollten ein Signal sein, die Förderung der industriellen Landwirtschaft zu beenden. Tierfabriken, Sojaimporte und Mais-Monokulturen müssen wieder von Bauernhöfen, die vielfältiges und gesundes Essen produzieren, abgelöst werden. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die Reform der EU-Agrarpolitik diese Kehrtwende einleitet. Deswegen setzen wir mit dem Good Food March nach Brüssel der Politik ein Zeichen.“

Gemeinsames Engagement für eine Wende in der Europäischen Agrarpolitik
Hauptforderung des Bündnisses aus über 40 Organisationen, die die Kampagne Meine Landwirtschaft unterstützen, ist: Die EU darf nicht weiter eine Politik betreiben, die bäuerliche Strukturen zerstört und der Agrarindustrie Tür und Tor öffnet, die Umwelt massiv belastet, Tierleid vergrößert und die Pflanzenvielfalt vernichtet.

Die Aktion „Teller statt Tonne“ bildet den Auftakt zum Good Food March, einem Protestzug auf Rädern und Treckern für eine bessere EU-Agrarpoltik. Um 15.00 Uhr startete der dreiwöchige Demonstrationszug von München über Süddeutschland und Frankreich nach Brüssel. Er endet am 19. September mit einer Konferenz im europäischen Parlament, an der auch der EU-Kommissar für Landwirtschaft Dacian Ciolos, der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz und der Präsident von Slow Food Carlo Petrini teilnehmen. Nach der Konferenz, organisiert von Slow Food und ARC2020, sollen die Forderungen der Zivilgesellschaft den Entscheidungsträgern in Brüssel vorgelegt werden.

Großer Slow Aktionstag "Teller statt Tonne"

Großer Aktionstag „Teller statt Tonne“ gegen Lebensmittelverschwendung am Samstag, dem 25. 8. auf dem Münchner Odeonsplatz – öffentliches Gemüseschnippeln, Kochen und Tafeln, Tischgespräche über Lebensmittelverschwendung (NGOs, Kirche , Politik, Wirtschaft, Produzenten)

Slow Food Deutschland veranstaltet gemeinsam mit dem Bund Naturschutz in Bayern / BUND, dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ sowie Mission EineWelt am Samstag, dem 25.8.2012, von 9.00 bis 15 Uhr einen gro.en Aktionstag „Teller statt Tonne“ gegen Lebensmittelverschwendung auf dem Münchner Odeonsplatz.

Qualitativ gute, aber krumme und knubbelige Gemüse-Individualisten haben im Lebensmittelhandel keine Chance. Die Folge: Produzenten müssen hochwertige Waren oft wegwerfen. Nicht am Samstag! Aktivisten üben den kulinarischen Ungehorsam und schnippeln nicht-marktkonformes Gemüse regionaler Produzenten mitten auf dem Odeonsplatz. Koch und Aktivist Wam Kat mit seiner Fläming Kitchen kocht daraus eine Gratissuppe, die ab 13.00 Uhr allen Münchnerinnen und Münchnern angeboten wird.

Das Thema Lebensmittelverschwendung hat angesichts klimabedingter Missernten aktuelle Brisanz. In verschiedenen Runden sprechen darüber u. a. Dr. Rupert Ebner (Vorstand Slow Food Deutschland), Prof. Dr. Hubert Weiger (1. Vorsitzender BN/BUND Bayern) und Dekan Volker Herbert, München, mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Lebensmittelerzeugung über eine zukunftsfähige Lebensmittelwirtschaft. Zusätzliche Informationen gibt es an den Infoständen der Veranstalter.

Die Aktion bildet den Auftakt zum Good Food March, einem Protestmarsch nach Brüssel für eine bessere EU-Agrarpoltik. Um 15.00 Uhr startet der drei-wöchige Demonstrationszug von München über Süddeutschland und Frankreich nach Brüssel. Er endet am 19. September mit einer Konferenz im europäischen Parlament an der auch der EU-Kommissar für LandwirtschaftDacian Ciolos, der Präsident des europäischen Parlaments Martin Schulz und der Präsident von Slow Food Carlo Petrini teilnehmen. Die Konferenz, organisiert von Slow Food undARC2020, ist eine konkrete Aktion, um die Forderungen der Zivilgesellschaft den Entscheidungsträgern in Brüssel vorzulegen. Die Zeit ist reif für Bauernhöfe statt Agrarindustrie!

Weitere Informationen zur Aktion „Teller statt Tonne“ auf: www.slowfood.de
Weitere Informationen zum Good Food March: www.meine-landwirtschaft.de

Die Zahl der Woche

21,6 Milliarden Euro
So viel kostet die alltägliche, vermeidbare Verschwendung von Lebensmitteln jährlich auf ganz Deutschland hochgerechnet (Quelle: Studie der Universität Stuttgart). Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt bedeutet dies, dass pro Jahr Lebensmittel im Wert von 935 Euro in Restmüll, Biotonne und Kanalisation entsorgt, eigenkompostiert oder an Haustiere verfüttert werden. Um die Menge der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Privathaushalten und der Wirtschaft zu reduzieren, hat das Bundesverbraucherministerium im Frühjahr die Initiative Zu gut für die Tonne gestartet.

Weitere Informationen über die Initiative und Datenmaterial aus der Studie der Universität Stuttgart zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen finden Sie im Internet unter: www.zugutfuerdietonne.de

Slow Food Deutschland lädt ein – Feiern gegen Lebensmittelverschwendung

Am Samstag, 02. Juni 2012 feiert Slow Food Deutschland e.V. sein 20jähriges Vereinsjubiläum in Köln – und lädt gemeinsam mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst alle Kölner ein, im Rahmen des Festes ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu setzen.

Seit dem letzten Herbst macht Slow Food Deutschland gemeinsam mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (eed) unter dem Motto „Teller statt Tonne“ durch Aktionen ganz gezielt auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Gegenwärtige Kampagnen zum Thema erregen viel öffentliches Interesse, greifen aber zu kurz. So wird weder die Lebensmittelindustrie in die Verantwortung genommen, noch werden die Konsequenzen auf die Länder des Südens thematisiert.

Grundproblem hinter der Verschwendung ist nicht nur die fehlende Wertschätzung und das fehlende Verständnis von Lebensmitteln und ihrer Herkunft, sondern auch das industrielle System von Herstellung und Vertrieb, in dem weder für krumme Gurken noch für alte Rinderrassen Platz ist. Slow Food stellt sich schon seit zwanzig Jahren gegen diese Tendenz. „Das Bewusstsein für das, was wir essen, ist der Mittelpunkt der Slow Food Philosophie,“ erklärt Dr. Ursula Hudson, amtierende Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V. (im Bild). „Unser Essen ist von zentraler Bedeutung für die Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt – viel mehr als nur eine Ware. Slow Food setzt sich dafür ein, den Zyklus von Überproduktion und Verschwendung zu durchbrechen und unserem Essen wieder seinen wahren Wert zu verleihen.“ Francisco Mari, eed, ergänzt: „Wir wollen auch darauf aufmerksam machen, welche Folgen unsere Konsummuster auf die Selbstversorgung im globalen Süden haben. Land und Wasser dürfen nicht durch Industrie, Handel und Verbraucher verschwendet werden, in dem bei uns viel zu viele Lebensmittel in der Tonne statt auf dem Teller landen“.

Viel nahrhaftes Gemüse kommt wegen meist optischer Mängel gar nicht erst in den Handel. Dieses verschmähte Gemüse – gesammelt auf dem Gertrudenhof Hürth und dem Biohof Bursch in der Umgegend von Köln – wird am Samstagmorgen auf dem Platz vor dem Schokoladenmuseum in der Kölner Innenstadt geschnippelt. Wam Kat und sein Team der Fläming Kitchen verarbeiten es dann zu einer leckeren Mahlzeit, zu der alle Kölner herzlich eingeladen sind. Gegessen wird gemeinsam an einer langen Tafel, begleitet von Podiumsgesprächen zu Themen rund um Lebensmittelverschwendung, Ernährungssouveränität und Konsumentenverantwortung aus Sicht von Slow Food und mit Blick auf die Länder des Südens.

Teller statt Tonne – Aktion gegen Lebensmittelverschwendung
Samstag, 02. Juni 2012, Platz am Schokoladenmuseum, 50678 Köln

08:00 – 12:00 Uhr Schnippelaktion mit dem Slow Food Youth Network
12:00 – 15:00 Uhr Gemeinsame Mahlzeit an der langen Tafel begleitet von Podiumsgesprächen

An den Podiumsgesprächen nehmen teil:
Carlo Petrini, Gründer und internationaler Präsident von Slow Food
Dr. Ursula Hudson, Slow Food Deutschland e.V.
Pfr. Jürgen Reichel / Francisco Mari, Evangelischer Entwicklungsdienst
Peter Knitsch, Abteilungsleiter Verbraucherschutz, MKULNV NRW
Martin Müller, Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure e.V.
Stefan Kreutzberger, Journalist und Autor „Die Essensvernichter“
Hans Stefan Steinheuer, Restaurant ,Zur Alten Post‘ Heppingen
Heinz Bursch, Biohof Bursch Bornheim
Peter Zens, Gertrudenhof Hürth
Roland Schüren, Ihr Bäcker Schüren Hilden

Slow Food Deutschland e.V. wird 20 – und feiert mit einer Esskult(o)ur

Seit 1992 setzt sich Slow Food Deutschland für lokale Esskulturen, die biologische Vielfalt und damit die Geschmacksvielfalt ein. Mittlerweile zählt der Verein über 11.000 Mitglieder – Menschen, die sich dafür interessieren, wo ihr Essen herkommt, wie es schmeckt, und wie sich unsere Ernährungsgewohnheiten auf die Ernährung der Menschen in anderen Teilen der Welt auswirken. Zusammen engagieren sie sich für ein gutes, sauberes und faires Lebensmittelsystem – und das seit 20 Jahren. Mit Mitgliedern, Freunden und Interessierten feiert Slow Food Deutschland nun das Jubiläum am 01. und 02. Juni 2012 in Köln.

Gemeinsam engagieren – gemeinsam feiern
Ehrengäste aus dem In- und Ausland werden ebenfalls dabei sein, darunter Carlo Petrini, der internationale Präsident und Gründer von Slow Food und Wolfgang Niedecken, Gründer und Frontmann der Rockgruppe BAP, der während des Festabends am Samstag eine musikalische Einlage geben wird. „In Köln wollen wir unsere Mitglieder feiern, die Aktivistinnen und Aktivisten für Genuss und Verantwortung, welche die Slow Food Idee an ihren Orten, in ihren lokalen Gruppen mit Lust, Energie, Phantasie und Zeit gestalten und umsetzen,“ so Dr. Ursula Hudson, amtierende Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V.

Esskult(o)ur
Der festliche Abend am Samstag führt in das Kölner Stadtteil Ehrenfeld, wo das Projekt des Design Quartier Ehrenfeld angesiedelt ist. Das Herz des Projektes ist die Ausstellungshalle des DQE in den alten Fabrikhallen der Helioswerke. Dort sind jetzt auch Kleingewerbe, Einzelhändler, Werkstätten und Handwerksbetriebe angesiedelt, und seit kurzem in der Nähe auch ein urbanes Landwirtschafts-Projekt. Ehrenfeld ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie sich ein Stadtviertel durch regionale und handwerkliche Lebensmittelherstellung und -vertrieb regenerieren kann. Hier werden urbane Räume in produktive Stadtgärten verwandelt, Lebensmittel im kleinteiligen Einzelhandel angeboten und internationale Spezialitäten traditionsgerecht hergestellt. Auf einer Esskult(o)ur lernen die Gäste Ehrenfeld und seine innovativen Genusshandwerker näher kennen. Beginn und Treffpunkt ist im urbanen Landwirtschafts-Projekt des „Obsthain Grüner Weg“. Nach einem Aperitif geht es zu drei Stationen von Lebensmittelhandwerkern, in kurzer, fußläufiger Umgebung, die Kostproben ihres Könnens bereithalten. Anschließend findet man sich in der Halle des Design Quartier Ehrenfeld zum festlichen Teil des Abends, mit Grußworten, Musik, einem Ochsen am Spieß und Kölner Spezialitäten vom Büffet.

Teller statt Tonne – Aktion gegen Lebensmittelverschwendung
Auch im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten will Slow Food Deutschland ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung und ihre Konsequenzen für uns und die Länder des Südens setzen. Grundproblem ist nicht nur die fehlende Wertschätzung und das fehlende Verständnis von Lebensmitteln und ihrer Herkunft, sondern auch das industrielle System von Herstellung und Vertrieb, in dem weder für krumme Gurken noch für alte Rinderrassen Platz ist. Slow Food stellt sich schon seit zwanzig Jahren gegen diese Tendenz. Seit dem letzten Herbst macht Slow Food Deutschland durch Aktionstage gemeinsam mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst ganz gezielt auf diese Problematik aufmerksam. Viel nahrhaftes Gemüse kommt wegen meist optischer Mängel gar nicht erst in den Handel. Teller statt Tonne! sagen wir, gehen das verschmähte Gemüse am Vortag bei Bauern in der Umgebung von Köln sammeln und schnippeln es am Samstagmorgen auf dem Platz vor dem Schokoladenmuseum in der Kölner Innenstadt. Alle Kölner sind zu der Protestsuppe an einer langen Tafel am Samstagmittag herzlich eingeladen.

Import-Kartoffeln verdrängen heimische Bio-Knollen

Bioland kritisiert den aktuell steigenden Import von Bio-Kartoffeln aus Israel und Ägypten, obwohl noch große Mengen qualitativ hochwertiger Ware in Lägern deutscher Erzeuger liegen. „Die Handelspraxis widerspricht dem Wunsch der Verbraucher nach durchgängig heimischer Ware. Angesichts der öffentlichen Diskussion über das Wegwerfen von Lebensmitteln ist es inakzeptabel, dass deutsche Bio-Kartoffeln im Lager zu vergammeln drohen“, sagt Bioland-Präsident Jan Plagge.

Die Bio-Landwirte arbeiten Jahr für Jahr daran, hochwertige Kartoffeln für einen möglichst langen Vermarktungszeitraum zu produzieren. Professionelle und optimierte Produktions- und Lagertechnik sowie eine marktorientierte Sortenauswahl verlangen viel Expertise und hohe Investitionen. „Die Bemühungen unserer Kartoffelbauern rund ums Jahr beste Qualität anbieten zu können, müssen honoriert werden“, sagt Christian Landzettel, Bioland-Berater für Kartoffelbau. „Statt auf dem Teller landen die guten Bio-Kartoffeln in der Tonne.“

Neben den negativen Auswirkungen auf die regionalen Wertschöpfungsketten in Deutschland, sind gravierende Umweltwirkungen in Ägypten und Israel die Folge. So werden die Import-Kartoffeln in Trockengebieten unter hohem Bewässerungsaufwand und mit einer schlechten Klimabilanz erzeugt. „Das ist nicht nachhaltig“, sagt Plagge. „Lebensmittelimporte sind nur dann sinnvoll, wenn die heimische Produktion die Nachfrage nicht decken kann.“