Gutes Fleisch

Back to the roots: Vom Stall bis an die Ladentheke aus einer Hand: „Geht es dem Tier gut, geht es uns gut!“

Transparent in Aufzucht, Schlachtung und Herstellung, und trotzdem bezahlbar – klingt nach unvereinbarem Widerspruch. Tier- und Umweltschützer hätten es gern, aber Verbraucher wollen billig einkaufen und Unternehmen wirtschaftlich bleiben. Die Schwarzwälder Metzgerei Reichenbach in Glottertal hat dennoch einen Weg gefunden, all diese Punkte zu vereinen – und zwar durch die Bündelung der Wertschöpfungskette in einer Hand und Ergänzung des „traditionellen Handwerks“ mit moderner Technik.

Der Betrieb unterhält ca. 900 Rinder und 1.000 Schweine – alle artgerecht gehalten und mit hofeigenen Futtermitteln versorgt.

Die Art der Produktion ist ökologisch sinnvoll, die Produkte 100% sicher und oftmals sogar günstiger als vergleichbar hochwertige Waren aus dem Discount und Lebensmitteleinzelhandel. Die konsequente Ausschaltung des Zwischenhandels ist dabei ein entscheidender Kostenfaktor, der durch das System Reichenbach eliminiert wird. Des weiteren spart Reichenbach durch die eigene Aufzucht und Vermarktung erhebliche Transport- und Verpackungskosten ein.

„Gläserne Metzgerei“: Ulrich Reichenbach, Inhaber der Metzgerei Reichenbach in zweiter Generation, bringt regelmäßig Schulklassen und interessierten Verbrauchern das Reichenbach-Konzept näher und beantwortet auf Rundgängen durch die Höfe sowie den modernen Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb alle Fragen. Eine derartige Betriebsstruktur ist in dieser Größe bundesweit einzigartig.

Interview:
Gourmet Report (GR): „,Alles aus einer Hand’ lautet Ihr Motto. Sie wenden sich bewusst von der Spezialisierung auf einzelne Arbeitsprozesse ab indem Sie alle Produktionsschritte in der eigenen Hand behalten. Dadurch haben Sie die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette. Ist das nicht ineffizient und unlukrativ?“
Ulrich Reichenbach (UR): „Keineswegs. Durch unser geschlossenes System, das sich komplett in einem 50km Radius um Glottertal abspielt, sparen wir etwa 2/3 der üblichen Transport- und Verpackungskosten. Darüber hinaus verzichten wir komplett auf den Zwischenhandel, was manchmal sieben Stationen von der Zucht, über die Mast und Schlachtung bis hin zum Verkauf ausmachen kann. Das kommt sowohl dem Tierwohl zugute und bringt einen wirtschaftlichen Vorteil für Erzeuger und Endverbraucher. Die artgerechte Haltung, die kurzen Transportwege und die Schlachtung im eigenen Betrieb schlagen sich auch in der Fleischqualität nieder. Unsere Weidehaltung sowie die Mutterkuhhaltung für unsere Kälber ermöglichen den Tieren außerdem ein artgerechtes Leben.“

GR: Fütterung aus heimischen Anbau und Fleisch aus artgerechter Aufzucht bedeutet in der Regel deutlich höhere Verbraucherpreise. Bei Ihnen nicht, warum?
 UR: „Wir verkaufen unsere Produkte in unseren eigenen Verkaufsstellen und sparen dadurch mindestens 50% an Verpackungsmaterial ein. Als Beispiel: Beim SB-Pack im Discount wiegt das Verpackungsmaterial manchmal fast so viel wie das Produkt selbst.
 Auch das Futter bauen wir selbst an. Als wir vor 25 Jahren klein angefangen haben, wurden wir von vielen ausgelacht und nicht ernst genommen. Im Lauf der Jahre haben wir uns unser ganzes Know-how selbst erarbeitet und das System permanent verbessert. Heute schlachten wir jede Woche 80 Schweine und 20 Rinder aus eigener Aufzucht. Wir sind der lebende Beweis, dass ökologisch und ökonomisch kein Widerspruch ist. Das Einsparungspotential kommt dabei auch unseren Kunden zugute.

GR: Man hört und liest viel über Antibiotika und Wachstumsförderer in der Tierhaltung. Wie sieht das in Ihrem Betrieb aus?
UR: „Unsere Kälber wachsen bei Ihren Mutterkühen auf  der Weide und im offenen Stall auf. Dadurch sind sie sehr resistent gegen die üblichen Erreger und werden selten krank. Unsere Ferkel kommen aus einem einzigen Aufzuchtsbetrieb zu uns in die Stallungen. Dadurch ist auch dieses „System“ in sich geschlossen und es können kaum Keime von extern eingeschleppt werden. Eine prophylaktische Gabe von Antibiotika  ist somit unnötig. Auf Wachstumsförderer verzichten wir komplett. Wir lassen den Tieren mehr Zeit das Schlachtgewicht zu erreichen. Das Fleisch ist dadurch qualitativ hochwertiger und schmeckt besser.“

Metzgerei Reichenbach
Ulrich Reichenbach (Geschäftsinhaber)
In den Engematten 9,
79286 Glottertal
Tel.: 07684 2-40
Fax: 07684 2-91
E-Mail: info@metzgerei-reichenbach.de
Internet: www.metzgerei-reichenbach.de

Pablo Montero

Vom Kreuzgang zum Gourmetrestaurant, vom Stall zum Luxusspa
Zum Saisonstart im März eröffnet das ehemalige Kloster Abadía Retuerta LeDomaine mit Michelin-Stern, brandneuem Spa und acht weiteren Suiten

Mitten im beliebten Weingebiet Ribera del Duero erwacht am 2. März das Luxushotel Abadía Retuerta LeDomaine aus seinem dreimonatigen Dornröschenschlaf. Das unter Denkmalschutz stehende historische Klostergebäude aus dem 12. Jahrhundert, das Geschichte und Moderne wie kein anderes Haus vereint, hat die Winterpause genutzt um sein Angebot zu erweitern. Ab Juli dieses Jahres stehen Gästen in den ehemaligen Stallungen des Gebäudes das luxuriöse „El Santuario“ Spa sowie acht neue Suiten zur Verfügung. Zusammen mit dem im November letzten Jahres verliehenen Michelin Stern lockt das Kleinod nun nicht nur Weinliebhaber und Freunde der Kunst an, sondern auch Gourmets und Wellnessfans.

„Wir haben in LeDomaine von Anfang an ein Hotel gesehen, das sich durch seine Kombination aus historischem Flair und modernem Interieur gepaart mit Maßstäbe setzenden Servicestandards aus dem Markt der Luxushotellerie abhebt“, so Andres Araya, Managing Director. Thematische Arrangements passend zu den strukturellen Neuerungen buchen Interessierte unter www.ledomaine.es oder telefonisch unter +34 983 680 368. Das Doppelzimmer kostet ab 370 Euro pro Nacht mit Frühstück, Butlerservice inklusive.

Das neue Spa des Abadía Retuerta LeDomaine, El Santuario, öffnet im Juli auf zirka 1.000 Quadratmetern. Die 900 Jahre alten Stallungen wurden unter größter Rücksichtnahme auf das denkmalgeschützte Gebäude zum Luxusspa transformiert, in dem die wohltuende Wirkung der Weinrebe und der Weintrauben im Mittelpunkt steht. Der erste Spa-Butler der Wellnessindustrie gibt Auskunft zu Vinotherapie und berät Gäste bezüglich ihrer Anwendungen. Das Spa wurde als Kraftort konzipiert, in dem schlichte, aber edle Materialien wie Stein und Holz dominieren. Acht großzügig geschnittene neue Gästezimmer mit direktem Zugang zum Spa sind Teil der innovativen baulichen Umsetzung.

Kurz bevor sich LeDomaine in die Winterpause verabschiedet hat, gab es noch einen Stern zu feiern. Im November 2014 wurde das Hotelrestaurant Refectorium, in dem Küchenchef Pablo Montero Regie führt, mit einem Michelin Stern geadelt. Monteros kulinarische Kreationen fusionieren traditionelle kreative Speisen mit äußerst hochwertigen, häufig selbst angebauten Zutaten. Seine Menüs sind perfekt auf die Weine aus dem hauseigenen Weingut Abadía Retuerta abgestimmt. Bevor Montero für das Abadía Retuerta LeDomaine auf Sternefang ging, sammelte er Erfahrung in einigen der feinsten internationalen Restaurants. Dazu gehört auch das Mugaritz, das mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnete Restaurant von Andoni Luis Aduriz, der Superstar unter den spanischen Chefs, der auch als gastronomischer Berater von LeDomaine fungiert.

Das Fünf-Sterne-Hotel Abadía Retuerta LeDomaine befindet sich rund zwei Autostunden nordwestlich von Madrid, mitten in den Weinreben des Anbaugebietes Sardón del Duero. Sein Herz ist der edel ausgestattete Weinkeller, seine Seele das aus dem 12. Jahrhundert stammende Kloster. 32 Zimmer und acht Suiten entstanden hier unter der Federführung des italienischen Architekten Marco Serra, der die historischen Grundmauern bewahrte, sorgfältig renovierte und dem Gebäude die Standards eines Luxushotels verlieh. Einst Speisesaal der Mönche, treffen sich heute Gourmets im gotischen Ambiente des Restaurants, um sich von den Kochkünsten des Küchenchefs Pablo Montero unter der Reproduktion des Gemäldes „Das letzte Abendmahl“ aus dem 17. Jahrhundert verzaubern zu lassen.

ÖKO-TEST: Butter

Bio-Butter weist einen deutlich höheren Anteil an gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren aus als konventionelle Produkte. Das zeigt ein aktueller Test verschiedener Buttermarken, den das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST nun veröffentlicht hat. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass in manchen Marken zu viele Keime stecken, was auf mangelnde Hygiene im Betrieb hinweist.

Verbraucher sollten sich nicht von den Verpackungen, auf denen weite Graslandschaften mit friedlich weidenden Kühen abgebildet sind, täuschen lassen. Rund 70 Prozent der Kühe stehen das ganze Jahr über im Stall und bekommen statt Gras viel Kraftfutter. Die Fütterung beeinflusst aber die Inhaltsstoffe der Milch und damit auch der Butter. So führt Grünfutter zu einem höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren, während schon geringe Mais- und Kraftfutteranteile die Gehalte sinken lassen.

Omega-3-Fettsäuren gelten als sehr gesund. Die Analyse der Inhaltsstoffe, die ÖKO-TEST durchführen hat lassen, zeigt: Nur in Bio-Butter waren grünfuttertypische Fettsäuren in dem Gehalt zu finden, der darauf schließen lässt, dass die Kühe überwiegend auf der Weide waren oder im Stall mit Heu gefüttert wurden. Wer also Bio-Butter kauft, unterstützt nicht nur eine artgerechte Haltung der Tiere, sondern profitiert ein Stück weit auch von den höheren Gehalten an gesunden Fettsäuren. Ein weiterer Pluspunkt der Öko-Butter ist, dass hier die Milchlieferanten zu gentechnikfreiem Futter vertraglich verpflichtet sind. Bei den konventionellen Herstellern ist das nicht immer der Fall.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die erhöhte Keimbelastung, die das Labor bei zwei Marken analysierte. Diese Keime sind zwar in der Regel harmlos, deuten aber auf eine schlechte Hygiene während der Produktion hin. Einige Buttermarken zeigten auch Schwächen im Geschmack und in der Textur. Sensoriker bemängeln etwa, dass manche Produkte käsig oder alt schmeckten und die Struktur porig war.

Das ÖKO-TEST-Magazin April 2012 gibt es seit dem 30. März 2012 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

Wundersame Wallonie

Endlose, grüne Hügellandschaften, tiefe Wälder, kilometerlange Wanderrouten durch unberührte Natur. Das sind die Ardennen in der belgischen Wallonie. Nur eine knappe Autostunde hinter der deutschen Grenze, südlich von Liege (Lüttich) beginnt eine Welt, die sich völlig unterscheidet von der Region jenseits der Grenze.

Wir beginnen unsere Tour durch die Ardennen vom
Städtchen Verviers aus, um die Wallonie und ihre versteckten Möglichkeiten
zu entdecken. Herausgeputzte Dörfchen tauchen plötzlich wie aus dem Nichts
am Ende einer sich durch die Landschaft schlängelnden Bergstraße auf. Meist
übergroße Kirchen und niedliche-gedrungene Bürgerhäuser, die sich an
verwundene Gassen drücken, prägen diese Ortschaften mit unaussprechlich
französichem Namen wie Theux, Samreè oder Queqe de Vache. Die meisten von
Ihnen sind auf einer Karte kaum wahrnehmbar und bilden für uns daher eine
immer eine besondere Überraschung ob ihrer Schönheit.

Wo die Zwerge das Bier brauen

Weiter geht’s zu unserem ersten Tagesziel. Hinter den Bergen, tief in den
Wäldern der Ardennen, wo kaum jemand noch eine Ortschaft vermutet taucht
plötzlich ein Schild mit dem dem Namen „Achoûfe“ auf und ein gewaltiger
Wichtel auf einem Sockel weist uns den Weg zu der nahegelegenen Brauerei
„La Chouffe“. Der Zwerg ist Sinnbild dieser Stätte der Braukunst, in der
sich eine Mannschaft aus 5 mal 7 Zwergen emsig das ganze Jahr bemüht, den
köstlichen Gerstensaft zu brauen und in die ganze Welt zu verbreiten. Wir
treffen dort auch auf drei Jungs aus Italien, die in ihrer Europa-Route
eigens zur Verkostung dieses Biers jenes Ardennen-Nest ausgewählt haben
Und die Zwerge lassen sich hier auch ins Handwerk schauen. Täglich, am
liebsten mit Anmeldung, findet eine Führung statt, in der der Prozess der
Braukunst bewundert und das Ergebnis anschließend verkostet werden darf.

Süße Versuchungen in den Bergen

Beschwingt machen wir uns auf zur nächsten Attraktion der Wallonie. Belgien
ist bekannt für seine Vielfältigkeit und hohe Qualität der
Schokoladenkünste. So ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses Handwerk
selbst in den kleinsten Orten noch anzutreffen ist. In Erzee, mitten im
Ardennen-Hochland begüßen uns Wendy und ihr Mann von der Chocolatier
Defroidmont freundlich – sogar auf deutsch – in der eigenen Cholotier, die
nicht nur eine Werkstatt, sondern auch ein verhältnismäßig großes Museum
und natürlich einen Laden beinhaltet. Wir dürfen zusehen, wie in der
Schokoladen-Werkstatt die Kreationen ihre Form finden, wenn die flüssige-
süße, braune Masse in einem nie enden wollenden Strom aus dem Hahn in die
Schablonen läuft. Und dann heißt es verkosten. Da lässt sich Wendy gar
nicht lange bitten und kredenzt uns auf einem Silbertablett die
außergewöhnlichsten Kreationen hausgemachter Pralinès.

Wenn Oma Marmelade kocht

So verwöhnt setzen wir unsere Tour fort zu unserem nächsten Ziel, welches
nicht weniger Süße verspricht. Es ist das „Winkel-Atelier“ der Confiturie
Saint Amour in Durbuy. Eline, eine liebe Omi wie aus dem Märchenbuch
begrüßt uns freundlich und zeigt uns das „Atelier“, in dem täglich
vormittags bis zu 40 verschiedene Sorten Marmelade und Gelee hergestellt
werden – und das nun schon seit über 90 Jahren. Da finden wir Löwenzahn-
oder Fliedermarmelade, staunen über Mispelgelee und lassen uns von
köstliche Passionsfrucht-Marmelade hinreißen. Aus Blumen und Früchten werden
hier täglich die erstaunlichsten Sorten des köstlichen Brotaufstrichs
gezaubert. Da nehmen wir natürlich eine Sorten mit uns, bevor wir unsere
Reise fortsetzen.

Zickenalarm oder alles Käse?

Nach soviel Süßem steht uns der Sinn nach einer herzhaften Abwechslung. Und
so kommt uns der letzte Ausflugspunkt an diesem ereignisreichen Tag sehr
gelegen: Die Ziegenkäserei „Chèverie d`Ozo, im gleichnamigen Stadtteil des
Städtchen Izier. Schon wieder ein Ort, der auf keiner Landkarte zu finden
ist. Oben auf dem Hochplateau des Hügels treffen wir dann auf den Hof. Auch
an diesem familienfreundlichen Ausflugsziel werden wir freudig in Empfang
genommen. Ziegenbauer Lùc und führt hier mit seiner Familie den Hof und die
zugehörige Käserei. Etwa 200 Ziegen erwarten uns Meckernd aber zutraulich
im Stall und lassen sich bereitwillig streicheln. Selbst die kleinsten
Zicklein verspüren keine Scheu gegenüber uns Besuchern. Im Sommer ist das
Vieh auf den Weiden des Hofes, aber jetzt, im März ist der Stall noch ihr
Aufenthaltsort. Wir dürfen zusehen, wie sich die Ziegen melken lassen. Da
wird sich ordentlich in Reih` und Glied aufgestellt, damit die schweren
Euter zur täglichen Leerung an die Melkmaschine angeschlossen werden
können. Derweil ist Lùc schon nebenan mit der Käseherstellung beschäftigt
und produziert in hofeigener Käserei kleine, aber abwechslungsreiche
Käsevariationen, die uns das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.
Natürlich können wir auch diese im Hofladen erwerben.

Ein abwechlungsreicher und spannender Ausflugstag geht zu Ende für uns. Und
wir stellen fest, dass wir gar nicht so weit fahren mussten, um alle diese
herrlichen Genuss-Attraktionen der Ardennen zu erleben. Diese Route südlich
von Liège durch die Ardennen umfasste kaum mehr als 100 Kilometer. Jedes
Dorf hat hier etwas zu bieten. Ob Töpferei, Imkerei oder Klöppelkunst – es
gibt noch viel zu erleben in der Wallonie und wir freuen uns schon heute
auf unsere nächste Tour, die sicherlich nicht weniger spannend werden wird.
Philip Duckwitz

Milchqualität beginnt im Stall

Getestet und für gut befunden

Milch ist eines der wertvollsten und deshalb best kontrollierten Lebensmittel. Die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft zeichnet die Prüfstufen der Milch von der Kuh bis auf den Frühstückstisch nach.

Wer morgens seine Milchpackung öffnet, ahnt vermutlich nicht, wie genau das Produkt unter die Lupe genommen wurde, bevor es auf dem Frühstückstisch landet. Kaum ein anderes Lebensmittel durchläuft ein so strenges Kontrollsystem wie das Grundnahrungsmittel Milch.

Milchqualität beginnt im Stall
Bereits im Stall wird ganz genau hingeschaut: der Bauer weiß, dass nur glückliche Kühe gute Milch geben. Deshalb achtet er auf die Gesundheit und die gute Pflege seiner Tiere. Zusätzlich zu den Eigenkontrollsystemen, die viele Bauern eingerichtet haben, sind sowohl die Qualität des Futters als auch die Haltung von Milchkühen gesetzlich geregelt und werden von staatlicher Seite überprüft. Das hygienische Melken und der sorgfältige Umgang mit der Milch auf dem Bauernhof sind weitere Grundvoraussetzungen. Die gewonnene Milch wird in einen Tank gepumpt und dort schnell auf 4°C abgekühlt. So bleibt ihre gute Qualität erhalten. Im Milchsammelwagen, der den weißen Rohstoff vom Bauern abholt wird unangemeldet und automatisch eine Probe genommen. Im Rahmen der Milch-Güteverordnung untersucht der Milchprüfring Bayern diese Rohmilchproben in seinem Zentrallabor in Wolnzach auf Inhaltsstoffe wie Fett und Eiweiß, aber auch Keime und Zellgehalt werden erfasst. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse erfolgt die Einstufung in Güteklassen.

Kontrollnetz in Molkerei und Labor
In den molkereieigenen Labors muss die Milch ihre nächste Prüfung bestehen. Um die Herstellung von Milchprodukten von höchster Qualität zu gewährleisten, verfügen alle Molkereien über ein Qualitätssicherungssystem. Das Eigenkontrollsystem der Molkereien beginnt mit der Prüfung der Rohmilch und umfasst alle Produktionsvorgänge wie die Erhitzung der Milch und die Lagerung des Produkts. Ein überbetrieblicher Bestandteil des bayerischen Kontrollsystems für Milch ist die Milchwirtschaftliche Untersuchungs- und Versuchsanstalt (MUVA) in Kempten. Hier lassen Molkereien und Käsereien regelmäßig die Qualität ihrer Produkte prüfen. Außerdem wird Milch im Rahmen eines Monitorings langfristig unter die Lupe genommen.

Qualitätssicherung durch den Handel
Ist die Endproduktprüfung erfolgreich, ist der Weg frei zur Auslieferung in den Handel. Doch bevor die Milch auf den Frühstückstisch darf, wird sie auch vom Großhandel auf Herz und Nieren geprüft und der sorgfältige Umgang mit dem Produkt dokumentiert. Auf dem letzten Weg vom Zentrallager zum Einzelhandel wird die Kühlkette ebenso genau überwacht. Die umfangreichen Kontrollen von Milch kommen nicht nur dem Endverbraucher zu Gute, der morgens mit einem qualitativ hochwertigen Produkt in den Tag startet, sondern sie sind auch im Sinne der bayerischen Milchwirtschaft. Sie ist mit einem Umsatzanteil von etwa 40 Prozent die bedeutendste Branche der bayerischen Ernährungswirtschaft. Mit einer erzeugten Milchmenge von mehr als
7 Mio. Tonnen stellt Bayern circa ein Viertel der gesamtdeutschen Milchproduktion.

Chat „Eier – Frisch vom Stall auf den Tisch“

Chat „Eier – Frisch vom Stall auf den Tisch“

Vom 6. bis 9. April beantworten aid-Experten im Live-Chat von 11 bis 13 Uhr Ihre Fragen rund um das Thema „Eier“.

Zu keiner anderen Zeit im Jahr beschäftigen wir uns so intensiv mit Eiern wie zu Ostern. Doch warum legt ein Huhn eigentlich so viele Eier? Und woran erkennt man ein frisches Ei? Wer sich neben Schokoladeneiern auch für Hühnereier und deren Herkunft interessiert, kann sich vom 6. bis 9. April im Chat „Eier: Frisch vom Stall auf den Tisch“ auf www.was-wir-essen-chat.de an aid´s Experten wenden.
Ernährungswissenschaftler Christof Meinhold und Agraringenieurin Antje Elfrich beantworten in dieser Zeit jeweils von 11 bis 13 Uhr alle Fragen zum Thema.

Ob als Rührei, im Gebäck, zum Panieren von Fleisch oder in Suppen und Soßen – Eier können in der Küche vielseitig verwendet werden. Immer mehr Verbraucher möchten allerdings wissen, woher die kleinen nährstoffreichen Kraftpakete eigentlich stammen und wie sie erzeugt werden. Dementsprechend hat zum Beispiel die Nachfrage nach Eiern aus ökologischer Erzeugung in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die in Deutschland produzierten Eier stammen jedoch noch zu etwa 70 Prozent von Legehennen in Käfighaltung. Die Legebatterien bringen zwar wirtschaftliche Vorteile, über 90 Prozent der Bevölkerung lehnt laut einer Umfrage des Verbraucherschutzministeriums diese Haltungsform allerdings ab.

aid

Anthony Bourdain – Eine Frage des Geschmacks

DMAX, Montag, 16.02. um 12:15 Uhr

Anthony Bourdain – Eine Frage des Geschmacks

In der Toskana

Die italienische Gastfreundschaft lockt Bestseller-Autor Anthony Bourdain dieses Mal in die Toskana. Und die Vorfreude des Food-Testers wird während der katastrophalen Anreise erheblich getrübt: Erst streikt die Fluggesellschaft, dann geht Tonys Gepäck verloren! Doch die atemberaubenden Landschaften machen alle Strapazen wieder wett. Tony startet seine Tour mit dem Besuch zweier Fattorias, wo er mit Käse und hervorragendem Wein empfangen wird. Anschließend muss der Chefkoch im Stall nebenan Schafe melken und dabei viel Fingerspitzengefühl beweisen.

Sicherheit von Feld und Stall bis zur Ladentheke

Sicherheit von Feld und Stall bis zur Ladentheke

„Vertrauen ist gut, Kontrolle besser“ heißt eine bekannte Redewendung. Immer mehr Verbraucher machen sich den Spruch zur Maxime und achten beim Kauf von frischen Produkten auf geprüfte Lebensmittelsicherheit. Mit dem QS-Prüfsystem liefern Lebensmittelproduzenten und -vermarkter Transparenz, die kritische Käufer zu Recht fordern.

„Lebensmittel durchlaufen viele Stationen: Von Feld und Stall bis zur Ladentheke. Jedes Produkt hat seinen eigenen Lebenslauf“, erklärt Dr. Andrea Lambeck von der CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH. Bei QS handelt es sich um ein stufenübergreifendes Prüfsystem. Hierbei werden alle Stationen eines Lebensmittels überwacht – von der Erzeugung bis hin zum Verkauf.

Bei Fleisch und Fleischwaren beginnt die Kontrolle beim Tierfutter und der Tierhaltung, führt dann weiter über Schlachthöfe und Fleisch verarbeitende Betriebe bis hin zum Handel. Dadurch bietet das QS-Prüfsystem ein durchgängiges Kontrollsystem. Checklisten und Warenpapiere begleiten jedes QS-Produkt bis zur Ladentheke und geben so Auskunft über Herkunft und Herstellung. Jeder Betrieb, der sich am QS-System beteiligt, muss sich den strengen Bedingungen und unabhängigen Kontrollen unterwerfen. Der Blick hinter die Kulissen ist dabei für alle Beteiligten Pflicht, eine zentrale Datenbank dokumentiert sämtliche Prüfergebnisse.

Die QS-Kriterien schreiben vor, dass Informationen zur Herkunft der Ware innerhalb von vier Stunden geklärt sein und längstens 24 Stunden nach Anfrage vorliegen müssen. „Die zügige Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ist ein Kernelement von QS, denn damit lassen sich Krisen schnell und umfassend eingrenzen und bewältigen“, sagt Lambeck.

Tester prüfen die Rückverfolgbarkeit regelmäßig auf Herz und Nieren. Dazu kaufen die Kontrolleure in zufällig ausgewählten Filialen des Lebensmitteleinzelhandels QS-Produkte wie beispielsweise Rindfleisch, Schweinefleisch oder Geflügel. Ausgehend von der Kennzeichnung des betreffenden Produkts ermitteln sie alle Stufen, die an der Produktion und der Vermarktung beteiligt waren.

„Seit der Einführung 2001 hat sich QS zu einem der weltweit bedeutendsten Systeme zur Qualitätssicherung von Lebensmitteln durchgesetzt“, betont Dr. Lambeck. Rund 120.000 Unternehmen nehmen bislang am QS-System teil. Bundesweit führen bereits über 22.000 Lebensmittelgeschäfte QS-Ware – unverwechselbar am blauen QS-Prüfzeichen zu erkennen. Ob ökologisch oder konventionell erzeugte Lebensmittel, nur Produkte, die nach den strengen Kriterien des QS-Prüfsystems hergestellt werden und alle Stufen des QS-Systems durchlaufen haben, erhalten das begehrte blaue QS-Prüfzeichen. Es ist nicht nur auf Fleisch und Fleischwaren, sondern seit 2005 auch auf frischem Obst, Gemüse und Kartoffeln zu finden.

Die Belange des Tierschutzes und der Tiergesundheit werden im QS-Prüfsystem streng gehandhabt und überwacht. Das QS-System überprüft zudem die Einhaltung von Rückstandshöchstmengen für Pflanzenschutzmittel.

Weitergehende Informationen zum QS-Prüfsystem gibt es unter www.cma.de oder unter www.q-s.info.de .

Grüne Woche lockt Besucher – ErlebnisBauernhof als Fundgrube

Grüne Woche lockt Besucher – ErlebnisBauernhof als Fundgrube

„Der ErlebnisBauernhof auf der Internationalen Grünen Woche ist jedes Jahr wieder eine Fundgrube“ so ein treuer Besucher und meinte „weiter so und mehr davon“. Dem kommen die vier Initiatoren des zehnten ErlebnisBauernhofes, die Centrale Marketinggesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA), der Deutsche Bauernverband (DBV), der Verein information.medien.agrar (i.m.a) und die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) in ihrer Halle 3.2 vom 16. bis 25. Januar gerne nach. Über 40 Partner bieten ein interessantes Bild von Landwirtschaft sowie ihren vor- und nachgelagerten Bereichen, von Ernährungswirtschaft und Lebensmittelhandel in allen Facetten. Kühe „weiden“ ruhig in ihrem Stall und lassen sich gerne von einem Roboter melken. Kleine Schweinchen blicken neugierig auf die Besucher und lassen sich auch gerne streicheln. Wer will, kann über einen Verstärker den Geräuschen von fressenden Kornkäfern lauschen oder kleinste Ackerbewohner im Boden bestaunen. Die Ausstellungspartner informieren über den Stellenwert der Landwirtschaft, der weit über die sichere Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln hinausgeht. Neben der Nahrungssicherheit werden die Themen verantwortungsvolle Nutztierhaltung, Ressourceneffizienz und Energieversorgung anschaulich behandelt.

Das Motto der 6.000 Quadratmeter großen Halle des ErlebnisBauernhofes lautet: „Werte schaffen – Versorgung sichern: Das ist unsere Landwirtschaft“. Besucher können den Weg unserer Nahrungsmittel vom Feld oder aus dem Stall bis auf den Teller verfolgen. Von der Aktionsbühne inmitten der Halle werden die Besucher mit einem informativen Mix von Diskussionsrunden, Interviews mit Prominenten und Unterhaltung angesprochen. Der Fernsehkoch Andreas Völkel bereitet in der Showküche täglich leckere Speisen zu, die auch verkostet werden können. Wem dann der Magen „knurrt“, kann in der angrenzenden Frankenfarm heimische Produkte genießen, den Durst mit einem kühlen Bier löschen oder sich ein Glas Wein gönnen.

Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Ein Blick in den Milchviehstall

Wenn es darum geht, die Kühe nach dem Melken auf die Weide zu treiben, ist Jochen M. in seinem Element. Mit dem Fahrrad folgt er der 50-köpfigen Herde und achtet auf alle Tiere. Nachdem die letzte Kuh hineingetrottet ist, schließt er sorgfältig das Gatter und radelt zurück auf den Hof. Und am Abend folgt Dasselbe in die umgekehrte Richtung. „Ich bin auch beim Melken dabei und pflanze und hacke das Gemüse“, berichtet der geistig behinderte junge Mann weiter. Am liebsten arbeitet er aber schon mit den Tieren. Außer den Kühen gibt es auf dem Betrieb noch Hühner und Ziegen zu versorgen. Auch Misten und Einstreuen gehört zu seinen Aufgaben und wenn Not am Mann ist, übernimmt er auch das Tränken der Kälber.
Der landwirtschaftliche Betrieb, der den behinderten Mann beschäftigt, hat einen Milchlieferservice und eine eigene Milchpasteurisierung als neuen Vermarktungsweg aufgebaut. Auch dabei ist dienstags und donnerstags Jochen M.’s Mithilfe gefragt: Im Vorfeld gilt es den Kühlraum zu putzen und Flaschen zu spülen. Später stehen das Abfüllen, Verschließen und Stapeln auf seiner Arbeitsliste.
„Je länger er hier ist, desto besser entwickelt sich das“, ist der Eindruck der Betriebsleiterin, „man darf ihn nicht unter Druck setzen, dann kann er vieles eigenständig.“ Viele neue Tätigkeiten konnte er sich im Laufe der Zeit durch Zuschauen und Mitanpacken aneignen und kann nun insbesondere im Stall sehr verlässlich Arbeitsbereiche übernehmen. Da Jochen M. als geistig behindert gilt, wurde seine Einstellung zunächst von der Agentur für Arbeit bezuschusst. Wenn diese Förderung ausläuft, greift im Anschluss der Minderleistungsausgleich durch das Integrationsamt und deckt 30 Prozent der Lohnkosten ab. Für beide Seiten eine gelungene Lösung. Jochen M. findet durch seine Arbeit auf dem Hof auch Anschluss ans Dorf und der Betrieb hat eine echte Hilfe.
Weitere Beispiele für die gelungene Integration behinderter Menschen auf landwirtschaftlichen Betrieben werden in dem Leitfaden „Zusammen schaffen wir was! – Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in der Landwirtschaft“ des Forschungsinstituts für biologischen Landbau vorgestellt.

aid, Rebecca Kleinheitz